Review: Björk – Vulnicura (2015)

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Was hat man sie erst gehasst, später geliebt? Was hat sie einen nicht mit Minimalismus und Opulenz gleichermaßen strapaziert? Was war sie einem fast egal!? Was hat man sie plötzlich doch wieder gern! Gut, um den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu legitimieren, wäre die Ich – Perspektive womöglich stilvoller gewesen, doch ist dem anhaltenden Medienecho zu entnehmen, dass viele Leute – zumindest in Bezug auf letztere Behauptung – eine ähnliche Beziehung zur Kunstfigur Björk an den Tag legen.

Die präsentiert sich auf dem Cover ihres beinahe ohne Vorwarnung gedroppten, neunten Outputs in Madonnapose – mit weit klaffender Vulva auf dem Latexbusen. Das kommt nicht von ungefähr: Die Trauer um ihre just in die Brüche gegangenen Beziehung zu Matthew Barney zwingt die Isländerin, welche sich immernoch der charmantesten Form von schlechtem Englisch bedient, geradezu sich zu öffnen und uns an ihrem Selbstheilungsprozess teilhaben zu lassen.

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How will I sing us out of this sorrow? – Sie tut es einfach! Und das auf angenehm sanfte Art und Weise. Vulnicura ist ein sehr entspanntes Album das sich Zeit nimmt. So weit so Björk. Auffällig allerdings, dass man kaum vor den Kopf gestossen, nicht überfordert, sondern fast schon mit offenen Armen empfangen wird. Björk ist dabei natürlich immernoch Björk und macht allenfalls so weiter wie man sich das nach dem 97er Homogenic gewünscht hätte. Ergo hat man auch Vulnicura wieder als ein großes Ganzes zu betrachten denn etwa als Ansammlung potentieller Stücke für die nächste Playlist. Dementsprechend schwer fällt dabei auch die Sache mit den Anspieltips. Der Opener Stonemilker ist, auch ob seiner verhältnissmäßig kompakten sechs Minuten, tatsächlich der perfekte Einstieg in den neun Song starken Herzschmerzepos.

Mit Input von Hexan Cloak, vor allem aber von Soundhexer Arca, der das FKA-Twigs Debut schon zum Hochgenuss machte, wird zu weichen Streicherteppichen und verhaltenen Beats geschmachtet und das R derrrmaßen gerrrollt, dass nicht nur Till Lindemann vor Neid erblassen dürfte, sondern mit jedem neuen Hördurchgang auch mein Frankendasein ein klein wenig an Rückgrat gewinnt.

Als besonderes Bonbon gibt es zudem noch ein Feature mit Antony Hegarty auf Atom Dance. Die Stimme des Engländers, den ich bislang noch garnicht auf dem Schirm hatte, überzeugt mich sofort! Ein Blick in seine Videography zeigt, dass ich da noch einiges an Nachholarbeit zu leisten habe!

Apropos Video: Da macht Björk natürlich bekannterweise kaum jemand was vor (hör ich da jmd. Die Antwoord murmeln… well: quite possible!). Umso bedauernswerter, dass man auf das erste Musikvideo – wie auch auf die Spotifyverfügbarkeit des Werkes – noch warten muss (Reaktion auf den vorzeitigen Leak? One could guess so!). Einen vorzüglich kleinen Vorgeschmack zum Black Lake – Clip gibt es allerdings schon zu begutachten:

Yes! Welcome back! Wer Debut, Post oder Homogenic immer wieder gerne auskramt, wird auch an Vulnicura seine helle Freude haben und darf gerne blind kaufen! Wer gerade nach einem Soundtrack zum zelebrieren seines Liebeskummers sucht: sowieso!

Tracklist:

1.Stonemilker
2.Lionsong
3.History of Touches
4.Black Lake
5.Family
6.Notget
7.Atom Dance
8.Mouth Mantra
9.Quicksand

Released: 27.01.2015 via One Little Indian, Megaforce Records

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