Review: Roamer – What The Hell (2018)

What The Hell!? Während man bei Songtiteln wie Open My Pants, Sick Enough, Bye Bye Baby, Touchscreen, Rebel oder der grauselig kastigen Typografie, die die vorliegende Platte ziert und damit im krassen Kontrast zu den arty-anspruchsvollen Photo.-montagen steht, schon fast schreiend davonlaufen möchte, überrascht einen der musikalische Inhalt dann doch ungemein. Roamer schleifen den Hörer nämlich gnadenlos an den Haaren einmal quer durch die alternative Musiklandschaft.

So peitscht einem das in Hägendorf ansässige Quartett gleich zu Beginn einen verschrobenen und pornographisch angehauchten Bastard von Song um die Ohren, der ohne weiteres aus der Era Vulgaris-Phase der Queens Of The Stone Age hätte stammen können, nur um einen dann gleich im nächsten Stück mit zarter Notwist-Melancholie in den Arm zu nehmen. Der Titeltrack hingegen geht als handzahme aber bestechende Alternative-Version der Nine Inch Nails durch ehe Sick Enough zum Join-Me-Gedächtnis-Piano den Thom York auspackt.

Danach ist erstmal Durchatmen angesagt was mit dem an Eels angelehnten und entschlackt reduzierten Bye Bye Baby auch bestens funktioniert ehe einen There’s No Me anspringt. Hier kombinieren die Schweizer gekonnt das Ataxia-artige Jam-Feeling der Strophen mit  noisigem Breitwand-rock der Marke Melvins und Muse-inspirierten Gitarrenläufen zu einem großen Ganzen. Die anschließende Nummer One Step hingegen sorgt dann mit trockenem Stoner-Bass, Piraten-Chants, Handclaps und catchy Indie-Vocals samt verführerischen TV On The Radio-Chören für ein erneutes Aha-Erlebnis bevor die Spannungskurve dann mit dem an späte Silverchair erinnernden Touchscreen und dem leider etwas arg albern geratenem Rebel erstmal steil nach unten fällt.

Zwar lässt da das Industrial-Stück Number mit verzerrten Beats, Megaphone-Stimme und dreckigen Synthies schon eher aufhorchen und zumindest mich an die Blütezeit von Godhead denken, leidet aber unter plumpen Zeilen wie „you’re a fucker and I know it“ oder „Wanna fuck up your ass“. Vom hier etwas überstrapazierten Trent Reznor-Wannabe-Gehabe mal ganz zu schweigen…. Wie schön aber, dass einen das abschließende Sunday Morning mit anspruchsvollem Songwriting und erneuten Frusciante– und Radiohead-Zitaten wieder versöhnlich stimmt. Ein sehr gelungener Abschluss für ein äußerst mutiges Album, das trotz seiner Vielfalt sehr homogen ausgefallen ist und dessen Realisierung etwa vier Jahre voller Höhen und Tiefen in Anspruch genommen hat.

Das Dranbleiben hat sich jedenfalls mehr als gelohnt und trotz einiger kleiner Fehltritte auf dünnem Eis in der zweiten Hälfte ist What The Hell wirklich jedem zu empfehlen, der spannende, eigenartige aber dennoch eingängige Musik abseits des Mainstreams zu schätzen weiß. Ich steh drauf, auch wenn es meiner Meinung nach noch an der Optik hapert:

Anspieltipps: Open My Pants, One Step, There’s No Me, What The Hell

Trackliste:

1.Open My Pants
2.Today
3.What The Hell
4.Sick Enough
5.Bye Bye Baby
6.There’s No Me
7.One Step
8.Touchscreen
9.Rebel
10.Number
11.Sunday Morning

What The Hell ist ab dem 28.04.2018 über Czar Of Revalations  auf CD, auf Vinyl sowie natürlich digital zu haben.

VÖ: 28.04.2018 via Czar Of Revalations / Soulfood

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