Review: Carpenters – Close To You (1970)

artwork by Tom Wilkes

Wer sich noch nie aktiv mit den Carpenters beschäftigt hat, dürfte erstaunt sein, wie viele Songs des US-amerikanischen Geschwister-paars man durch Funk- und Fernsehn kennt. Allein auf ihrer zweiten LP Close To You von 1970 ist das gefühlt bei jedem zweiten Track der Fall. Doch selbst wenn sich beim Hören der Déjà-vu-Effekt nicht einstellt dürfte man trotzdem schnell feststellen: Hier reiht sich Hit an Hit.

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Neben dem Übersong (The Long To Be) Close To You sind mindestens noch das kecke I’ll Never Fall In Love Again, das verhältnismäßig experimentelle Mr. Guder, das dramatische Help oder das optimistische I Kept On Loving You mit diesem Attribut zu versehen, ohne das es sonst zu nennenswerten Ausfällen kommt.

Wenn einem diese Hit-Dichte oder bestimmte Songtitel nun etwas spanisch vorkommen, kommt das tatsächlich nicht von ungefähr. Bei vielen Stücken handelt es sich nämlich um Cover, was in der Tat nichts ungewöhnliches für die damalige Zeit darstellt. So ist z.B. das bereits genannte Help eine Adaption des bekannten Beatles-Stückes, Reason To Believe aus der gleichen Tim Hardin-Ursuppe gefischt worden wie der spätere Rod Stewart Hit und mit (They Long to Be) Close to YouBaby It’s You und I’ll Never Fall in Love Again gleich drei Stücke vertreten, die aus der Feder von Burt Bacharach stammen

Von den insgesamt zwölf Titeln bleiben somit lediglich vier davon wirkliche Carpenters-Originale, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Das Album wirkt auch so wie aus einem Guss und wird sämtlichen Vorlagen gerecht, wenn es sie nicht sogar übertrifft.

Stilistisch ist Close To You ein charmantes Stück Easy-Listening-Pop, das sich in seiner  butterweichen Zärtlichkeit allenfalls noch von Simon & Garfunkel toppen lässt, erfrischend unkitschig und darüber hinaus gut gealtert klingt. Ein bisschen blauäugiges heile Welt-Geplänkel ist das natürlich schon, aber gerade damit für die frühen Morgen- oder späten Abendstunden bestens geeignet – für  gediegene Fahrstuhlfahrten ohnehin.

Close To You überzeugt v.a. durch die zweistimmigen Gesänge von  Karen (Lead-vocals, Drums) und Richard Carpenter (Keyboards, Vocals) und kommt kurioserweise ohne den Einsatz von Gitarren aus. Dafür gesellen sich ein prominenter Bass, Clarinette, Violinen, Cello, Trompeten oder ein Harfe zum Duo-Sound ohne das die Scheibe auch nur an einer Stelle überladen klingen würde.

Die sehr kurzweiligen 38 Minuten von Close To You wurden zu Recht ein Welterfolg und gelten für viele – mich eingeschlossen – als die beste Arbeit der Zweierkombi. Es sollten acht weitere gemeinsame Studio-Alben folgen (von denen ich das 72er A Song For You herausheben möchte) ehe es zum tragischen Tod von Karen Carpenter kam, deren jahrelang anhaltende Magersucht 1983 in einem Herzversagen endete.

Richard warf über die Jahre noch eine Hand voll Platten auf den Markt, die u.a. auch leftover-tracks seiner Schwester beinhalteten. Zudem hat er erst letztes Jahr einige alte Carpenters-Stücke in den Abby Road – Studios gemeinsam mit dem Royal Philharmonic Orchestra neu eingespielt und via Universal veröffentlicht. Das Ergebnis kann hier nachgehört werden.

Anspieltipps: (They Long To Be) Close To YouHelp, I’ll Never Fall In Love Again

Close To You im Stream:

Close To You gibt es laut Discogs in 95 Versionen und in allen erdenklichen Formaten. Sogar die LP-Erstpressung ist für wenige Euro, mitunter sogar Cent-Beträge zu haben. Große Platte für den schmalen Geldbeutel also. Holt man sich!

VÖ: 19.08.1970 via A&M Records

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