Review: AEMERA – Arcturius (2017)

Nach ColdCell folgt der nächste Streich aus Basel. Wenn man fairerweise auch gleich hinterher-schieben muss, dass AEMERA tatsächlich nur zur Hälfte in der Schweiz wohnhaft und die restlichen Mitglieder im französischen Mulhouse ansässig sind. Die musikalische Heimat ist hingegen etwas einfacher auszumachen: DJENT METAL! Durch die Bank beeindruckend in Szene gesetzt und technisch überdurchschnittlich tight.

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Review: Echolot – Volva (2017)

Auch auf ihrem Zweitwerk haben sich Echolot der Art von Rock-Musik verschrieben, die Atmosphäre stets über griffige Songstrukturen stellt. Ergo erwarten den geneigten Hörer auf Volva vier ausufernde Tracks mit Jam-Charakter. Im gemäßigten Tempobereich gleitet das Trio aus Basel über weite Strecken instrumental im Spannungsfeld zwischen Pink Floyd, Hawkwind und Black Sabbath durch psychedelische Klanglangschaften. Weiterlesen

Der A Disney Halloween ist cruel (XXXisql068)

Kein Halloween ohne Disney! Allein schon der Donald Duck Klassiker Trick Or Treat gehört für mich zum Kürbisfest dazu wie Dinner For One zu Silvester. Selbstredend ist besagter Cartoon-Evergreen im hier vorgestellten TV-Special A Disney Halloween ebenso mit von der Partie wie der Silly SymphonyPilot Skeleton Dance oder die famosen Lonesome Ghosts. Dazu gibt es weitere Zusammenschnitte aus Disney-Klassikern wie dem passenden Die Hexe Und Der Zauberer oder dem Dschungelbuch, das ja mal so garnicht zu Halloween passen will… Weiterlesen

Review: Sum Of R – Orga (2017)

Spooky Shit! Was Sum Of R aus Bern auf ihrer neuen Platte veranstalten stellt die üblichen Hörgewohnheiten auf die Probe und hat das Prädikat ‚eigensinnig‘ durchaus verdient. Statt ‚höher, schneller, weiter‘ heißt die Devise auf Orga eher ‚tiefer, langsamer‘ und ja, auch ‚weiter‘. Denn die ausufernden Klangteppiche des Duos leben und atmen die Weite des Moments. Klingt esoterisch? Ist es auch!

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Review: Kora Winter – Welk [EP] (2017)

artwork by Hakan H.

Kürzlich schon wurde hier auf das neue Video von Kora Winter aufmerksam gemacht. Nun liegt die zugehörige EP der Berliner vor, die dem energetischen Vorboten nicht nur zwei Geschwisterchen nebst einer Neuinterpretation von Alexandras Es War Einmal Ein Fischer zur Seite stellt sondern ihm auch in Sachen Niveau, Vielseitigkeit und Kreativität in nichts nachsteht. Bluten, Stiche, Narben: Welk kratzt auf!

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Two Hours with Matt Pinfield!

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Wer die goldene MTV-Ära zu schätzen weiß, sollte ihn auf jeden Fall kennen: Matt Pinfield, fleischgewordene Musikenzyklopädie und neben Kennedy der wahrscheinlich bekannteste Charakterkopf-VJ der 90er. Zumindest was den amerikanischen Markt angeht.

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Review: Red Hot Chili Peppers – The Getaway (2016)

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artwork by Kevin Peterson

Die Red Hot Chili Peppers begleiten mich nun schon beinahe zwei Drittel meines nicht mehr ganz so jungen Lebens. Ihr Meilenstein Blood Sugar Sex Magik weckte im zarten Alter von zwölf Jahren den Wunsch in mir das Bass-Spiel erlernen zu wollen, welchem ich dann in endlosen Kinderzimmer-Sessions vor allem mit Hilfe ihrer ersten vier Studio-Alben für die EMI nach- gekommen bin. Wenn man so will, begann meine musikalische Früherziehung also mit den frühen Peppers, den großen Crossover – Pionieren.

Die entfesselte Stil-Verknüpfungs-Neugier ihrer jungen Jahre ist, nach dem noch immer gewaltig unterschätzten One Hot Minute, allerdings mit der Zeit immer mehr zugunsten großflächig angelegtem Pop gewichen. Crossover gab es seit dem Kassenschlager Californication nur noch vereinzelt. Und wenn, dann hatten selten dämliche Titel wie Throw Away Your Television, Get On Top oder superpeinliche Session-Überbleibsel wie Fat Dance kaum noch Substanz und legten stets die Vermutung nahe, ihre Existenz beruhe einzig und allein darauf es den alten Fans rechtmachen zu wollen. Neben aufgeräumten und clever arangierten Mainstreamsongs wie Scar Tissue, This Velvet Glove oder Universally Speaking wollte das dann nur noch unnötiger, bemühter und umso deplatzierter wirken. Die Transformation von der Organic Anti Beat Box Band hin zu den Melancholy Mechanics, die sie heute sind,  ist an sich also gerechtfertigt.

Während mich By The Way von 2002 als Ganzes dann doch eher kalt lies, kam Stadium Arcadium 2006 als überraschend fantastisches Spätwerk um die Ecke. Satte 28 Songs. Kaum Ausfälle. Keine Selbstverständlichkeit!

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Red Hot Chili Peppers 2016 (as found on: warnermusic.de)

Als Frusciante anschließend ging hätte man es also gut sein lassen und mit einem großen Knall abtreten können. Das dröge I’m With You von 2011 nämlich wollte nicht so recht zünden und erweckte den Eindruck, die Band habe ihr Pulver verschossen. Aber hey: Der neue Gitarrist Josh Klinghoffer erwies sich als Wahnsinnstyp. Seinem zutun ist es geschuldet, dass die Live-Sets fortan wieder um Welten spannender, abwechslungsreicher und unterhaltsamer ausfallen als die der vorherigen Dekade. Mit Aeroplane fand z.B. erst kürzlich ein Song der Navarro-Phase den Weg zurück ins Set. Das wäre John Frusciante nicht in die Tüte gekommen. Und was den Rest der Band betrifft, so ist dieser Move weit außerhalb ihrer Comfort-Zone anzusiedeln. Noch viel weiter draussen: Die Entscheidung sich und sein Schaffen erstmals seit 1991 einem neuen Produzenten anzuvertrauen. Statt ihrem ehemaligen Mentor Rick Rubin saß nun bei der aktuellen Platte Danger Mouse an den Reglern. Es waren solche mutigen Schritte, die jeglichem Bruno-Mars-Eiertritt zum Trotze auf den zweiten Output mit Klinghoffer hoffen ließen (#Hofferhoffen).

absolut crazy dieser Flea

Das grandiose Cover-Artwork, die großartige Vorab-Single Dark Necessities (minus der plumpen Slap-Bass-Line aber plus nettem Videoclip), der sympathisch kleine Karaoke-viral-Hit (minus gruselig bis eklig aufdringlichem Flea aber plus allem anderen) oder die jüngst absolvierten Festival-Auftritte schürten die Vorfreude zuletzt dann doch überraschend hoch.

Und waren es nicht diese Faktoren, die einen positiv auf die neue Platte einstimmten, dann doch diverse Statements aus dem Band-Zirkel, Danger Mouse habe Anthony Kiedis stets dazu ermutigt vorhandene Texte, Pattern und Melodien immer wieder zu verwerfen, neue Ideen einzubringen. Er könne es schließlich besser.

That’s where he was wrong… Er kann es nicht besser. Und wenn doch, dann kann man sich vor den verworfenen, ersten Songskizzen wohl nur fürchten. Wie hat Fred Sablan erst kürzlich im nach wie vor empfehlenswerten Hour Of Goon – Podcast bemerkt: „The music is great. But I can’t stand Anthony Kiedis. […] He’s the weakest link of this band“.

Und das bringt das Dilemma leider vortrefflich auf den Punkt. Musikalisch gesehen wäre The Getaway vielleicht keine Großtat, aber sicherlich mehr als gut gemacht und an vielen Stellen schwer hitverdächtig. Sobald Kiedis aber mit seinem uninspirierten, einfallslosen, langweiligen, vorhersehbaren und tonal ewig gleichen Sing-Sang-Geseier loslegt wird jeder Anflug von Magie sofort im Keim erstickt. Von den plumpen Texten ganz zu schweigen, die bei Songtiteln wie Dreams Of A Samurai oder Go Robot aber im Grunde wohl vorprogrammiert sind… Der Finger ist somit schneller auf der Skip-Taste als einem lieb ist, was wirklich schade ist, da die Produktion einiges kann. Der neue Drum-Sound z.B. ist ein echter Sprung nach vorne. Außerdem kommt der vermehrte Einsatz von Tasten (auf Sick Love übrigens eingespielt von Sir Elton John himself) richtig gut und auch das Leaned-Back-Feeling, das lediglich durch den mir schleierhaften Tiefpunkt This Ticonderoga gestört wird, weiß ebenfalls zu gefallen.

Es ist zum Mäuse melken, dass es einer Band von dieser Größenordnung nach immerhin fünf Jahren Abstand zur letzten Platte nicht gelingen mag, mehr als einen vernünftigen Song an den Start zu bekommen. Sogar die B-Seiten der letzten Jahre waren weitaus stärker als der vorliegende Output. Das einem nach elf Alben mal die Ideen ausgehen ist natürlich mehr als nachvollziehbar. Bevor man allerdings derartig halbgaren Murks veröffentlicht, könnte man seinem Stuff alternativ auch einfach mehr Zeit zur Reife gönnen. Oder am besten gleich nen Ghostwriter für die Vocal-Parts anheuern. Wenn man sich eh schon im Mainstream-Pop bewegt sollte das dann ja auch nicht mehr weiter verwerflich sein…

Meinen Respekt für die Gruppe mindert die neue Platte zwar nicht wirklich und beweisen müssen sie sich selbstverständlich weder mir noch sonstirgendjemandem. Schade aber ist es allemal, dass The Getaway dank einem kreativ leergebluteten Frontman seinem Namen alle Ehre macht und tatsächlich über weite Strecken zum davonlaufen ist.

Goodbye Angels

Anspieltipp: Dark Necessities

The Getaway im Stream:

The Getaway kriegst du z.B. hier.

Released: 16.06.2016 via Warner Music

Review: American Head Charge – Tango Umbrella (2016)

as found on: http://www.blabbermouth.net

Die Shoot-EP und auch das Konzert von vor anderthalb Jahren in Frankfurt ließen keine Zweifel aufkommen: Die nächste American Head Charge wird ein Monster! Es folgten Tourabsagen, unklare Besetzungsverhältnisse innerhalb der Band, zahlreiche Verschiebungen der zum großen Teil von Fans mitfinanzierten LP und ein absolut abschreckendes Artwork. Aber fuck: Die ersten Songs Let All The World Believe und Drowning Under Everything überzeugten allemal!

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Nun ist Tango Umbrella exklusiv und vorab über Loudwire im Stream abrufbar und bedient von vorne bis hinten! Vorausgehende Ankündigungen der Band, die aktuelle Platte würde wie ein Mix aus The War Of Art (2001) und The Feeding (2004) klingen, bewahrheiten sich tatsächlich. Ich weiß, es fällt wirklich schwer sich darauf einzulassen, wenn man mit dermaßen whackem Bildmaterial konfrontiert wird, aber American Head Charge k.i.l.l.e.n.. Auch 2016 noch:

Erwähnte Mischung aus den beiden Erstlingswerken geht zwei zu eins zugunsten des von Rick Rubin produzierten Debuts. Das lässt sich nicht nur im anspruchsvollen Songwriting erkennen, das im Gitarrenfeld vordergründig Industrial – Metal – Stumpfheit vorgaukelt, von Seiten der Rhythmus – Fraktion aber ansprechend vertrackt untermauert wird und ein ums andere mal mit dem catchy Mike-Patton-Sound-A-Like-Organ von Sänger Cameron Heacock überzeugen kann. I’ve said it before and I say it again: Einer der besten seiner Zunft! Checkt mal das abschließende When The Time Is Never Right oder das Piano – getragene A King Among Men! Der Kerl hat seine Stimme im Griff!

Auch der starke Militärbezug in Albumtitel und Artwork sowie in der mal wieder ihresgleichen suchenden Samplearbeit schlägt die Brücke zu den Anfängen der Band. Ob es sich dabei allerdings in unserem Terror – verseuchten Alltag um einen marketingtechnisch schlauen Schachzug handelt, wird die Zukunft zeigen. Gerade wenn man, wie im Falle von A.H.C. zur Zeit der 9/11 – Anschläge, hinsichtlich besagten Konzepts schon einmal mächtig deplatziert wirkte und daraus resultierend massive Rückgänge der Plattenverkäufe hinnehmen musste. Aber wie heißt es da so schön in der Vorzeigenummer Perfectionist: I don’t do it for approval! Gut so!!

Releases aus dem Metal-Sektor, denen ich entgegenfiebere sind selten geworden. Releases aus dem Metal-Sektor, die mich überzeugen können noch seltener. Releases ohne Ausfall meiner Meinung nach heutzutage genreübergreifend absolute Mangelware. Tango Umbrella ist die Alternative, aus einem Guß und ansprechend produziert! Kann also schon nach wenigen Durchläufen einiges und auf lange Sicht gesehen womöglich noch mehr! ALL KILLER NO FILLER! HOLT! MAN! SICH!

Anspieltipps: Perfectionist, I Will Have My Day, Let All The World Believe

Tango Umbrella im Stream auf Loudwire:

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Die geballte Industrial-Metal-Breitseite Tango Umbrella verteilt sich bei einer Spielzeit von etwas über 50 Minuten auf elf Tracks und kann auf CD bereits bei Napalm Records vorbestellt werden!

Released: 25.03.2016 via Napalm Records

NRT – Ambition [EP] (2016)

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www.nrt-music.de/release/ambition/

Die Tracht Prügel, die die Bochumer Düster-Popper NRT dem gängigen Strophe-Refrain-Aufbau verabreichen, hat das Cover zierende Xavier Naidoo-Look-A-Like allem Anschein nach am eigenen Leib erfahren müssen.

Brutalitäten sollte auf Ambition trotzdem keiner erwarten: Das Trio gibt sich  gediegen.

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Wo der Bandname die Vokale experimentell aus dem Wort uNoRTe auslässt, sind die Experimente im Klangbild anderer Natur. Ausgelassen wird hier wenig. Ausgelassen  lotet die Band vielmehr Genre-Grenzen aus. Das zumindest verspricht der Beipackzettel: „Endlich mal was anderes“, „erfrischend“ bis „unerwartet“ seien häufige Reaktionen, wenn NRT Synthpop und Dark Wave auf Alternative Rock treffen lassen. Was auf dem Papier nach wildem Stil-Crossover klingt, kriecht dann allerdings wesentlich homogener und ‚herkömmlicher‘ aus den Boxen als angenommen. Das propagierte große Soundexperiment muss meinereiner schon mit der Lupe suchen. Mehr noch: Ohne die Vorab-Info wäre es mir noch nicht einmal in den Sinn gekommen. Mag aber evtl. meinen extravaganten Hörgewohnheiten geschuldet sein und stört ja auch erstmal nicht weiter.

Die EP startet mit dem ersten Track nämlich richtig gut. Gleichzeitig auch Titeltrack, schmeichelt die erste Hälfte der Nummer mit verhaltenem Piano, geschmeidigen Gitarren und kernigen Bass-Akzenten der düsteren Stimmfarbe von Sängerin Dorette Gonschorek, die ein wenig wie Q Lazzarus-light klingt. Gefällt außerordentlich gut, bis der Song mit dieser schönen Formel bricht und Schlagzeug und Riff einsetzen. Funktioniert für mich leider garnicht. Äußerst Schade, denn gerade wenn das Piano-Schema zum Schluß wieder aufgegriffen wird, werde ich das Gefühl nicht los, dass hier großes Potential verschenkt wurde.

Das schleppende Friendship hingegen ist schon um einiges gefälliger und erinnert gerade in seinen getragenen Stellen an Switchblade SymphonySelf-Deception tut das sogar noch mehr! Die Formel Dark Wave + Gitarre ist eben doch nicht ganz so neu… Quest hingegen lässt mich an Die My Darling denken. Und  an die damals besprochene Caballo-EP. Auch New Model Army möchte ich als Referenz nicht unerwähnt lassen. Komplettiert werden die vier erwähnten Tracks durch drei Remixe von No More, Wellencocktail und Vadot, die sich jeweils der Aufbereitung einer älteren Nummer widmen.

NRT haben sich schon eine beachtliche Folgschaft erspielt, denen Ambition sicherlich ebenso taugen wird, wie Menschen, die sich gerne in Einrichtungen wie K17 oder Darkflower tummeln. Gerade die Remix-Nummern kann ich mir gut in derartiger Gesellschaft vorstellen.

Mich selbst allerdings lässt die Veröffentlichung weitestgehend kalt, ohne sie deshalb schlecht zu finden. Ich bin eben auch einfach kein großer Freund des Genres. Bezeichnenderweise sind es gerade die klassischen Pop-Elemente, die mir tendenziell zusagen würden, die von der Band aber ja bewusst ausgespart werden. Erfrischend jedoch: Der Verzicht auf Sparten-typische Klischeebedienung und Phrasendrescherei in Lyrics, Artwork und Erscheinungsbild. Danke dafür!

Anspieltipps: Friendship, Self-Deception

Tracklist:
01.Ambition
02.Friendship
03.Quest
04.Self-Deception
05.Memories (Blue Space Mix by No More)
06.Marching (Repeat-Mix by Wellencocktail)
07.Marching (Mensch-Maschine Remix by Vadot)

Ambition erscheint auf Vinyl (inkl.CD) und als Download!

Released: 05.02.2016 via Timezone