Review: Suns Of Thyme/Cameron Lines/Nürnberg/28.09.2016

Suns Of Thyme Backstage @ MUZ Club – Photo by Stefani Schmid Rincon

Kronleuchter, tiefrote Vorhänge, langsam rotierende Discokugeln und gedimmtes Standlicht nebst überragendem Sound: Der MUZ-Club sollte sich, wie erwartet, als die perfekte Retro-Chic-Kulisse für das psychedelische Mittwochskonzert mit Suns Of Thyme erweisen.

Cameron LinesBevor der Main-Act allerdings die Bildfläche betritt, dominiert der kernige Garage-Rock der etwa zwei Jahre jungen Cameron Lines das Geschehen. Den White Stripes-Vergleich muss man sich als Duo aus Drums+Gitarre einfach mal gefallen lassen. Kommt stellenweise aber tatsächlich recht gut hin. Bereits der Einstiegssong We Don’t Need To Know stellt mit den gelungenen, zweistimmigen Vocal-Harmonien sowie dem wärmstens übersteuerten Fuzz-Sound zwei gute Gründe dar um die Band gern zu haben. Hin und wieder vermisst man zwar den Bass schmerzlich, ansonsten kann man die zwei Boys samt ihrer gemütlichen Holzfälleroptik eigentlich nur sympathisch finden. Der Tuesdays Blues aus Dresden scheint jedenfalls auch bei einem Mittwochs-Publikum prächtig zu funktionieren.

Selbiges quadriert sich noch im Verlauf des 35-minütigen Sets der Vorband auf eine beachtliche und schätzungsweise dreistellige Zahl was nicht wenig verwundert, ist der Headliner doch gerade dabei, seinem Geheimtipp-Status zu entwachsen. Wenn man das bei einer von Musik Express bis FKP Scorpio präsentierten Tour und Release auf Napalm Records nicht sowieso schon längst getan hat… Dass die Berliner sich ihr Standing redlich verdient haben, stellen sie in den folgenden eineinhalb Stunden unter Beweis, von denen allenfalls die letzten 20 Minuten etwas zu viel des Guten waren. Und das alleine will schonmal was heißen!

Suns Of ThymeSuns Of Thyme

Was den Charme der Band gerade live so unwiderstehlich macht, lässt sich nur schwer in Worte fassen, ist dann aber wohl eher im unglaublich präzisen Zusammenspiel als im Austauschen technischer Raffinessen, großer Gesten oder ausladender Hooks zu suchen. Mag sich der Fünfer auch noch so wortkarg und bis auf Organist/Percussionist Tammo Dehn etwas bewegungsfaul geben: Man vermisst nichts! It’s all about the feeling und außerdem bietet die spindeldürre Anatomie diverser Mitglieder auch genug fürs Auge. Oder eben auch nicht…

Suns Of ThymeZwischen hochkonzentriert und losgelöst entrücken die Musiker ihr entspanntes Publikum in ihre detailverliebte Welt aus 70s-Psychedelica, Hippie-Romantik und orientalischen Klang-experimenten. Die Setlist lässt nichts zu wünschen übrig und greift großzügig auf das Material ihrer beiden bisherigen Alben zurück. Der Start mit dem Knaller Do Or Die von der aktuellen Platte Cascades zündet ebenso wie die ‚Klassiker‘ Blue Phoenix TreeSoma – God For Gods oder The Years We Got Are Not Enough von Fortune, Shelter, Love and Cure. Neben dem Mantrabrett Asato Maa sticht heute vor allen Dingen One Song als Highlight aus diesem ersten Schaffenszyklus hervor. Ähnlich gut kommen die Synthieteppiche in Schweben oder das live um einiges organischere Intuition Unbound, die zusammen mit Ich Träum Von Dir, Rush, Kirwani und dem verhältnismäßig flotten In Dreams Awake von der Qualität der neuen Scheibe zeugen. Der düstermelancholische Gothic-Rock von Aphelion beendet das reguläre Set, ehe als Zugabe noch ein wenig gefälliges Geplänkel in den zufriedenen und zu Frieden gekommenen Saal gestreut wird.

Das Suns Of Thyme eine gute Liveband sind, war mir seit dem Void von vor zwei Jahren bewusst. Das sie starke Songs haben spätestens seit ihrem Debüt. Mit einem derartigen Konzert-Highlight wie an diesem Abend hatte ich trotzdem nicht gerechnet. Starke Leistung! Starker Trip!

Alle Live-Photos exklusiv von Ein Bild Mit Dem Mann!

Review: Astral Tide – How Far, Are You Out There? (2016)

Artwork by Nicoletta Dalfin

How Far Are You Out There? Hinsichtlich der Musik von Astral Tide  dürfte sich diese Frage für den Mainstream-Hörer ganz klar mit ‚pretty far out‘  beantworten lassen. Schließlich sind die Wahl-Berliner klanglich in ganz eigenen Sphären unterwegs. Inmitten von lärmenden Hall-Eskapaden gibt sich der Vierer leidenschaftlich dem fiebrigen Spannungsfeld aus Shoegaze, Metal, Spacerock, Post-Punk und Noise-Pop hin. Die selbst gewählte Etikette ‚DoomGaze‘  greift!

.

27 Minuten lang suppt einem ein schier uferloses Soundgewitter entgegen. Roh und ungefiltert. Nicht von ungefähr! Die Entscheidung, live zu recorden steht der auf Atmo ausgelegten Gitarrenmusik ähnlich gut, wie der stilsichere Release auf 12inch. Während die Instrumentierung souverän durch unterschiedlichste Emotionslagen führt, kommt das dargebotene Package besonders ansprechend daher, wenn Sänger Matthew Potter von seinem ominpräsenten und leider dezent nervigem JustinSullivan-meets-OderusUrungus-Genöle ablässt und in Schrei-Ausbrüche abdriftet. Nachzuhören auf Mercy Release. Stark auch die experimentellen Ansätze der Vorzeige-Space-Operette Out Of Orbit:

Die Schwere und Kälte der Stücke ist nebenbei bemerkt weniger Zufall denn reinstes Kalkül und gibt das tonale Pendant zum textlich geschilderten Endzeit-Szenario. Wuchtige Klangtundra für Genre-Freunde also, die an trostlos vernieselten Herbsttagen beschritten werden möchte. Würde ich live nicht ausschlagen!

 Anspieltipps: Out Of Orbit, Mercy Release

How Far, Are You Out There? Antworte der Band durch den Erwerb der EP. Pay-What-You-Want-Download oder 12inch. It’s up to you!

Released: 09.09.2016 via Wrongfoot Records

Bilderstrecke: Rock Im Wald Festival/Neuensee/29.-30.07.2016

RIW2016_Tannenspitzen

Was gäbe es noch über das Rock Im Wald – Festival in Neuensee zu sagen, was nicht schon vor zwei Jahren gesagt wurde, außer, dass sich die Macher treu geblieben sind was den familiären Charme, die Überschaubarkeit, die Qualität der Musikauswahl, die auf allen Ebenen preisliche Fairness und die durchweg gute Organisation anbelangt? Eben! Deshalb erfolgt der diesjährige Nachbericht nicht wie üblich im ellenlangen Text sondern in Form einer umfangreichen Bilderstrecke, die in Zusammenarbeit mit Ein Bild Mit Dem Mann entstanden ist und mit Fotos von CANNAHANN, Honeymoon Disease, Year Of The GoatDead Lord, Bombus, Imperial State ElectricGraveyard, Dead and Stoned, White Miles, Planet of ZeusMANTARUncle Acid and the deadbeats und Kvelertak fast alle Acts des Festivals zeigt. On Top gibt es außerdem noch Impressionen vom sonstigen Geschehen zu begutachten.

Klickt euch entweder direkt hier durch das Bildmaterial oder fahrt euch das Fotoalbum auf Flickr rein. Enjoy!

Rock Im Wald 2016

Unser Dank gilt der Festival-Leitung, die uns bereitwillig Zugang zu allen Bereichen gewährt hat!!!

Selbstbeweihräucherung!

Die ist ob dem Namen dieses Blogs eh omnipräsent. Etwas mehr in diese Richtung nachzutreten sollte aber denke ich dennoch gestattet sein. Voila: Neues Videomaterial von PAULINCHEN BRENNT und CANNAHANN:

Review: Seattle Jay – Out Of Whack (2016)

13296086_1023280261060675_169877776_n„I was born too late… “ Diese Zeile, entliehen aus dem hier kürzlich erst gefeierten Song Indian Gods Are Great, gibt nicht nur vortrefflich das wieder, was sich mein innerer Nostalgiker fortwährend denkt aber nicht auszusprechen wagt, sondern macht in ihrer Essenz zeitgleich die Substanz für den Blotter klar, den Out Of Whack auf der imaginären Zunge trägt. Das 90s – Feeling jedenfalls schlägt sich flächendeckend in der Welt von Seattle Jay nieder.
.
Ja, wäre man etwas früher geboren worden, man hätte mit der ersten Full Length dank dem unbekümmerten Artwork, der gelungen rudimentärtrockenen D.I.Y. – Produktion, den in leichtem aber irgendwie passendem Denglisch vorgetragenen Aus-Dem-Bauch-Raus-Slacker – Texten und nicht zuletzt dank der Experimentierfreudigkeit des um allerhand Elektronika erweiterten Gitarrenschrammelsounds direkt Platz nehmen dürfen als Die-Coole-90s-Alternative-Super-Woche jüngst über diese Seiten tobte.
 .
0007508842_10Nun ist es natürlich als absolutes Kompliment zu verstehen, wenn ich die 90er – Jahre – Mentalität bei dem was die vier Würzburger selbst Fazer Rock nennen  stark in den Fokus rücke. Das Album als Ganzes auf diesen Einfluss zu reduzieren aber würde ihm in keinster Weise gerecht werden.
 .
Auf den insgesamt 14 Tracks nämlich regiert die Vielfalt, drücken sich abwechselnd Analog und Digital die Klinke in die Hand, ist man stets um Eigenständigkeit bemüht. Und doch: Zwischen Straight-Forward-Alternative-Rockern, pumpenden Disco-Beats (On The Table), verspieltem Pullunder Pop (The Roof Is Knitting Glas) oder der Teenage-Angst-Lagerfeuerromantik der wunderschönen Akustik-Ballade Stream Of Society findet sich ein roter Faden. Der heißt Melodie und kommt neben einprägsamen Key-Klimpereien vor allem durch die kratzig-prägnante Ausnahme-Stimme zum Tragen, die oftmals durch flächige Falsett- Backings unterstützt wird, was besonders gefällt.
.

Hits? Ja! Die gibt es auch abseits der eingangs erwähnten Hymne zu verbuchen. Gerade wenn es bei Seattle Jay etwas melancholischer zugeht, fühle ich mich als Hörer abgeholt. Find A Way To Kill The Day und vor allem Last Business haben sich  das Prädikat ‚massengeil‘ meiner Meinung nach redlich verdient.
 .
Referenzen? Ja! Aber meiden wir doch zur Abwechslung mal die großen Namen und kommen passenderweise mal mit deutschen Bands um die Ecke. Mit dem Liquido – Vorgänger Pyogenesis zum Beispiel . Oder mit Gary, der Band von Robert Stadlober. Anyone??? Eignen sich nämlich beide zum Vergleich außerordentlich gut…
Unterm Strich: Empfehlenswert? Natürlich!
.

.

Anspieltipps: Indian Gods Are Great, Last Business, Find A Way To Kill The Day

Trackliste:

01. Dust Is The New Snow
02. Shave Your Legs
03. The Roof Is Knitting Glass
04. Indian Gods Are Great
05. It’s Nuclear
06. Pretend It’s Spring
07. My Apple Is A Big Red One
08. The Eyes Of Cowboys
09. Tell Your Boss That He Is Meat
10. Out Of Whack
11. Last Business
12. On The Table
13. Stream Of Society
14. Find A Way To Kill The Day

Am 11.Juni findet die Release-Party zu Out Of Whack in der Kellerperle/Würzburg statt. Ab dann ist das Album als CD für 12€ auf Shows und als Download für 9.99€ auf bandcamp zu haben. Dort wird man auch schon eine Woche früher reinhören können. So stay tuned und schlag zu, damit die Band baldmöglichst out of Out Of Whack ist.
 .
Releases: 11.06.2016 via bandcamp
.

Review: Mansun – Attack Of The Grey Lantern (1997)!

coverZwar hab ich Mansun schon seit dem legendären Spawn – Soundtrack sowie frühestem MTV – Konsum irgendwie auf dem Schirm gehabt, mich aber bisher nie wirklich an eine ihrer Platten gewagt, was ich schon beim ersten Hören von Attack Of The Grey Lantern postwendend bereut habe. Leicht düster liebäugelt der oftmals um melancholische Streicherteppiche erweiterte Gitarrenpop der Truppe mit der New Romantics – Bewegung ohne lässige Post-Grunge – und Hard-Rock – Akzente auszusparen.

Und damit passen sie ganz gut zu den Bands die sich nach dem Ende der großen Brit-Pop – Welle am Rande des Mainstreams bewegten ohne sich selbigem komplett zu ergeben. Nennen wir an dieser Stelle doch einfach mal die Manic Street Preachers als Referenz um mal in Zeit und Ort auf der Insel zu verweilen. Davon abgesehen darf auch gerne die New Model Army als Vergleich herangezogen werden. Und manchmal, wenn Sänger Paul Draper besonders schön am nölen ist, springt einem auch der Billy Corgan der Adore – Ära durch die Hirnwindungen. Auch Beatlesque Momente sind vorhanden, wie z.B. der Pre-Chorus in Stripper Vicar beweist, ganz zu schweigen vom unüberhörbaren Einfluss von The Verve. Deren B-Seite A Man Called Sun inspirierte obendrein sogar den Bandnamen. Aber keine Sorge: Genügend Eigenständigkeit ist jeglichem namedropping  zum Tortze gewährleistet.

Mansun

Eine ganze Reihed Vorab – Singles sollte nichts nützen: Die UK – Combo war im Vorfeld der Platte nicht wirklich präsent, weshalb es schon fast untertrieben wäre lediglich von einer Überraschung zu sprechen, als das vorliegende Debüt 1997 tatsächlich aus dem Stand heraus auf Platz 1 chartete. Mansun wurden daraufhin zur gefeiertesten britischen Newcomer – Bands des jungen Jahres, gründeten gar ein eigenes Label und machten noch zwei weitere, relativ unbeachtete Alben, ehe sie sich während der Arbeit am vierten Longplayer 2003 trennten.

Artistisch irgendwo im Spannungsfeld zwischen Oasis, Babylon Zoo und den Sneaker Pimps angesiedelt, bleibt ihr erster Wurf auch zeitgleich der qualitativ beste. Zudem ist die Platte verhältnismäßig gut gealtert und macht demnach auch heute noch Spaß. Zumindest wenn einem der Sinn nach vernieseltem Gitarrenpop mit Elektronikspielereien steht. Neben dem zumindest auf Spotify beliebtestem Track Wide Open Space, Disgusting und dem gerade zum Ende hin lohnenden Naked Twister gilt es besonders Dark Mavis ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken:

Fazit: Wenn es draussen kalt ist mach ich’s mir mit meinem [Mansun] gemütlich *kicher* das ist das Größte!

Anspieltipps: Dark Mavis, Disgusting, Wide Open Space, Naked Twister

Attack Of The Grey Lantern im Stream:

Attack Of The Grey Lantern bekommt man auf CD schon zum fairen Preis von 8 Öcken. Außerdem interessant: Die Collectors Edition mit allen B-Seiten, Notizen von Paul Draper, Acoustic – Versionen und weiterem Pipapo!

Released: 08.02.1997 via Parlophone

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema 90s Alternative!

Review: Grinspoon – Grinspoon [EP] (1995)!

The_Green_EPBenannt nach dem Pro – Marihuana Aktivisten Dr. Lester Grinspoon taten sich Mitte 1995 vier Australier spontan bei einer Jam zusammen um kurz danach bei einem Wettbewerb eines lokalen Radiosenders mit einem ihrer ersten Tracks für Furore zu sorgen. Dieser trägt den Titel Sickfest und ist Bestandteil der ersten, selbstbetitelten EP der Band, die in Fan- und Fachkreisen auch unter dem Namen Green EP bekannt ist.

Statt drögschwummriger Hippie – Psychedelica, die man nun möglicherweise erwarten können, drückt aber schon der Opener More Than You Are powerpunkig auf die Grunge – Tube und verbrät auch schon den besten Song, welcher zeitgleich ausschlaggebender Grund dieser Besprechung ist, gleich zu Beginn:

123a9f47361d4edc9403e0a0ba13f305

Ganz allein auf weiter Flur muss dieser Hit glücklicherweise nicht stehen, denn auch der bereits angedeutete Radio – Fav macht mit seinen Alice In Chains meets Pantera – Vocals im Refrain ebenfalls Laune, wenn die Saitenarbeit auch etwas antiquiert rüberkommen mag. Save Me und Let It Go lassen mich dann mangels fesselnder Ideen eher kalt und sind seither in der Kategorie 90s – Standard – Rock verbucht. Hätte man sich aber auch schon bei den plumpen Songtiteln denken können… Zumindest der letzte Track Point Of View würde mit gemäßigtem Stoner – Tempo und Knarzbass abschließend zumindest partiell wieder versöhnlich stimmen, wäre da nicht der schreckliche Punk – Hiddentrack Dr. Grinspoon, der einem das eben gehörte dann doch nicht ganz so positiv in Erinnerung bleiben lässt.

Glanzpunkt der also nicht wirklich runden Grinspoon EP ist zweifelsohne die Stimme von Sänger Phil Jamieson, der cleane wie roughe Parts spielend hin und her switcht, sowie die ersten beiden Tracks. Der Rest ist mehr oder weniger verzichtbar.

Noch bis 2013 hat die Band fleißig Platten produziert und es immerhin auf beachtliche sieben Alben nebst diverser EP – Releases geschafft. Es müsste also mit dem Teufel selbst zugehen, wenn sich unter dieser Songmasse nicht noch die ein oder andere Perle versteckt. May to be continued…

Anspieltipps: More Than You Are, Sickfest

Streambar ist die komplette EP leider nirgends, wer sich selbst von der Qualität der restlichen Songs überzeugen mag, dürfte mitunter lange nach einer physikalischen Version gruschen müssen, da diese restlos vergriffen zu sein scheinen. Aber wie gesagt: Verpassen tut man nichts, da kann man sich getrost mit den beiden superben  Vorzeigestücken zufriedengeben.

Released: 01.08.1995 via Oracle Records

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema 90s Alternative!

Review: Drop Nineteens – Delaware (1992)!

coverWährend Ende der 80er und Anfang der 90er das Shoegaze – Movement in England in seiner absoluten Blütezeit stand, gab es hier und da auch junge US – Bands die sich damit identifizieren konnten beim schrammeln dissonanter und verschwommener Gitarreriffs hauptsächlich ihre ausgelatschten Sneaker zu betrachten, während die Vocals schüchtern und verhalten durch den Raum hallen. Drop Nineteens aus Boston sind so ein Fall.

My Bloody Valentine sind somit als Referenz schonmal unumgänglich, zumal sich auch bei den Drop Nineteens eine Dame im Quintett befindet, die hier und da andächtig das Mikro umgarnt. Wenn die Bostoner auch mit weitaus weniger Pomp zu Werke gingen als das UK – Vorbild, stapeln sich die Gitarrenwände dennoch meterhoch wodurch man der Genre – typischen verträumten Stimmung mit Leichtigkeit nachkommt.

01aafc4c537c477d9bf3ad8761992aba

Fehlt es der ersten von zweien Full Length zwar an durchgehend überzeugendem Liedgut und sind mir die Ambient – Tracks Ease It Halen, Reberrymember und (Plus Fish Dream) nicht nur relativ unbegreiflich bis fast schon nervig, kommt Delaware dennoch mit schweren Hits um die Ecke, die den Besitz dieser Platte allemal erzwingen.

Wenn es schon nicht das spärliche My Aquarium, das matschig vergnügte Angel oder der eröffnende Titeltrack sind, die einen in Verzückung versetzen, dann doch mindestens der absolute Überhit Winona, dessen hypnotischer Pop – Appeal mich schon seit Wochen nicht mehr los lassen will:

Und dann ist da ja auch noch die Pumpkins – artige Ballade Baby Wonder’s Gone, deren melancholischem Flair man sich ebenfalls nur schwer entziehen kann. Und überhaupt: Smashing Pumpkins. Die sollten am Ende doch die Stars auf Caroline Records werden, wo auch Delaware veröffentlicht wurde. Überraschend! Waren es doch die Drop Nineteens, die Label und Kritiker als das ‚Next Big Thing‘ gehyped haben.

Zum wesentlich prägnanteren, wahrscheinlich sogar greifbareren, emotional aber leereren Nachfolger National Coma sollte es 1993 noch reichen ehe dann zwei Jahre später auch schon Schluß war. Das Gerücht um eine dritte Platte hält sich seit Jahren hartnäckig. Würde mich ja interessieren… bis dahin bleibt Delaware erste Wahl. Oder willst du mir erzählen, dass du bei Kick The Tragedy nichts empfindest? Na also…

Anspieltipps: Winona, Baby Wonder’s Gone, Kick The Tragedy

Delaware im Stream:

Auf den einschlägigen Portalen ist Delaware ziemlich begehrt, wodurch dann selbst für die CD-Reissue von 2009 mindestens satte 30 Euro veranschlagt werden. Da hält man besser die Augen in den Krabbelkisten der Flohmärkte offen um ein günstigeres Exemplar zu ergattern. Good luck!

Released: 05.06.1992 via Caroline Records

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema 90s Alternative!

Review: Llama Farmers – Dead Letter Chorus (1999)!

coverEin Geschwisterpärchen an Board zu haben, ist nicht die schlechteste Grundvorraussetzung um eine Band aus der Taufe zu heben. AC/DC, Pantera oder Oasis fallen mir dabei gleich mal als besonders erfolgreiche Beispiele ein. Trotz dem familiären Bonus durften die Llama Farmers aus dem englischen Greenwich Zeit ihres Bestehens (1997 – 2001)  nicht in der Liga der genannten Acts mitspielen. Oder besser gesagt: Sie wollten es garnicht.

Das lässt sich retrospektiv nicht nur an dem marketingtechnisch nicht gerade smarten Move zeigen, sich 2006 zwar zu reformieren, dabei aber den neuen Namen ‚Bear Hug‘ zu nutzen und auch keinerlei Interesse daran zu zeigen sich mit dem alten in Verbindung bringen zu lassen. Stärker noch lässt sich die Anti – Mainstream – Haltung des Quartetts erkennen, schenkt man der Legende Glauben, dass sie ein Signing – Angebot des Plattenkonzerns Geffen über eine Million Pfund ausgeschlagen haben, nur um Dead Letter Chorus beim Indie Beggars Banquet Records zu veröffentlichen. Und das trotz der Vorschußloorbeeren des Melody Maker „Die Zukunft des Rock’n’Roll“ zu sein.

300x300Und hört man sich die richtigen Stellen der Platte an, klingt das auf die damalige Zeit noch nichteinmal allzu hoch gegriffen. Das Gemisch aus Brit-Pop, Neo-Grunge und Indie-Rock der späten 80er bewegt sich irgendwo im Spannungsfeld zwischen Pixies, Lemonheads und My Bloody Valentine  und ist gerade in der zweiten Hälfte der Platte unwiderstehlich catchy. Am schönsten sind die Songs wenn Sänger/Gitarrist Bernie Simpson sich die Vocals mit seiner Schwester Jenni teilt, die ansonsten den Bass zupft. Dann nämlich kommt der zusätzliche Sonic Youth – Touch ins Beispiel. Nachzuhören auf meinem persönlichen Lieblingsstück PVC:

Weiterhin Knaller: Das verhältnismäßig rotzige Jessica oder das ultra poppige Yellow. Und auch das starke Ende aus den letzten vier Songs der Platte soll nicht unerwähnt bleiben.

Nach Touren mit Green Day und den Foo Fighters, die dann doch nicht ganz konform mit der Anti – Mainstream – Haltung der Band gehen wollen und dem 2001er Nachfolger El Toppo war dann ziemlich schnell Schluß. Aber warum auch ewig weitermachen, wenn schon alles derart gut gesagt wurde wie auf dieser grandios charmanten Endneunziger Platte!? Holt man sich!


Anspieltipps: PVC, Yellow, Jessica, Forgot To Breathe

Dead Letter Chorus im Stream:

Dead Letter Chorus bekommt man gebraucht schon ab einem Cent. Zumindest auf CD. Wer Vinyl bevorzugt ist um die 18 Euro dabei.

Released: 1999 via Beggars Banquet Records

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema 90s Alternative!

Review: Ednaswap – Chicken [EP] (1996)!

chicken-cover

as found on ilonline.co.uk

Der Legende nach kam Sängerin Anne Preven der ungewöhnliche Name ihrer Band Ednaswap im Traum. Mitglied einer gleich-namigen Band, die man von der Bühne gebuht hätte, sei sie gewesen. Mag diese Behauptung nur schwer nachprüfbar sein, lässt sich ihr Gespür für Hits kaum von der Hand weisen. Die sind schließlich weitläufig bekannt und mitunter weltweite Radiohits.

..

Nur eben leider nicht in ihren Urfassungen. Vielmehr waren es Neuinterpretationen, die die Songs des L.A. – Quintetts Ende der 90er in Funk, Fernsehen und das Bewusstsein der breiten Masse spülten. The State I Am In oder Torn sind solche Songs. Muss man den ersten Titel auch in der Sinéad O’Connor – Version nicht zwingend kennen, dürfte der zweite einem jeden Radiohörer als größter Hit von Natalie Imbruglia mehr als geläufig sein.

as found on ilonline.co.uk

Und nicht nur die bediente sich an dem Song. Auch Lis Sørensen, Trine Rein, Tori Amos und One Direction hatten über die Jahre ihre Freude an dem Stück, das auch den essentiellen Mittelpunkt der vorliegenden Chicken – EP darstellt.

Erstmals auf dem selbstbetitelten Debütalbum von 1995 in einer recht poppigen Version erschienen, kommt Torn auf der einzigen EP der Band um einiges roher, rockiger und grungier auf den Punkt. Da sich die Songs von Chicken leider weder auf Spotify noch auf den einschlägigen Videoportalen finden lassen, muss der folgende Live – Mitschnitt besagter 96er Version als Referenz herhalten:

Dass Ednaswap noch aktiv waren als Natalie Imbruglia den großen Erfolg mit ihrem Liedgut einheimste, sollte der Band ebenso wenig zu großem Ruhm verhelfen wie es Touren mit Weezer oder No Doubt taten. So war dann auch schon 1998 nach dem dritten Album Wonderland Park Schluß. Traurig auch, dass sich zumindest auf dieser EP kaum Material findet, dass mit dem großen Hit mithalten kann. Die Songs Glow und Therapy findet man ebenfalls auf dem Debüt in runderen Versionen und das abschließende Way Down macht einen höchstens halbfertigen Eindruck. Immerhin das Video zum Hole – ähnlichen Nothing Is Broken weiß noch zu gefallen. Wenn der dazugehörige Song auch etwas arg beliebig bleibt:

Anspieltipp: Torn

Trackliste:

01. Glow
02. Nothing Is Broken
03. Torn
04. Therapy
05. Way Down

Bei Chicken scheint es sich um eine regelrechte Rarität im Ednaswap – Katalog zu handeln, die weitestgehend vergriffen ist. Wer Interesse an einem Exemplar hat, könnte aber auf amazon fündig werden. Mag sich die Daseinsberechtigung dieser EP auch lediglich auf die wohl beste Version des Superhits belaufen, werd ich den Gedanken nicht los, dass auf den mir bislang unbekannten Alben der Band noch weitere Hits schlummern. To be continued…

Released: 07.08.1996 via Island Independant

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema 90s Alternative!