Konzertankündigungen von Pøj Pøj!

Da steht so einiges an bei Pøj Pøj, der Künstleragentur für so großartige Interpreten wie Odd Couple oder den kürzlich erst hier gefeatureten Suns Of Thyme. Doch nicht nur die, sondern auch viele weitere Schäfchen aus dem hauseigenen Booking-Rooster sind derzeit auf Tour, bzw. sind es in Kürze. Der Bitte, die jeweiligen Termine in aller Übersicht zu droppen wird hiermit gerne nachgekommen in der Hoffnung, der ein oder anderen Show beiwohnen zu können. Vielversprechendes Zeug dabei! Voila:

ASS

Arms and Sleepers (USA)

12.10.2016 – UK – Leicester, Fireburg
13.10.2016 – UK – London, The Old Blue Last
14.10.20.16 – GER – Würzburg, Die Kellerperle
15.10.2016 – RUS – Ryazan, Raz Dva
18.10.2016 – GER – Wiesbaden, Kulturpalast Wiesbaden
19.10.2016 – GER – Berlin, Urban Spree
20.10.2016 – PL – Poznan, Klubokawiarnia Meskalina
21.10.2016 – GER – Dresden, Scheune ^
22.10.2016 – CH – Zürich, Bergmal Festival #
27.10.2016 – EST – Tallinn, Kultuuriklubi Kelm
28.10.2016 – CH – Wil, Gare de Lion
30.10.2016 – IT – Mantua, Arci Tom
^ w/ Ef
# w/ 65daysofstatic, Ef, Leech, Rome In Reverse & others

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Review: Max Paul Maria – Figurines (2016)

as found on maxpaulmaria.bandcamp.com

Bei Max Paul Maria handelt es sich nicht etwa um drei Personen, sondern um eine einzige. Diese ist wohnhaft in Berlin und mimt den Heimatlosen zu Americana- und Folk-Gebärden. Ein Klick auf die zugehörige Facebook-Seite und schon grinst einem der Interpret verschmitzt vom Profilbild entgegen. Dreisterweise mit Hut, was für die Singer/Songwriter-Gattung das A und O zu sein scheint. Man möchte davonlaufen.

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Review: Suns Of Thyme/Cameron Lines/Nürnberg/28.09.2016

Suns Of Thyme Backstage @ MUZ Club – Photo by Stefani Schmid Rincon

Kronleuchter, tiefrote Vorhänge, langsam rotierende Discokugeln und gedimmtes Standlicht nebst überragendem Sound: Der MUZ-Club sollte sich, wie erwartet, als die perfekte Retro-Chic-Kulisse für das psychedelische Mittwochskonzert mit Suns Of Thyme erweisen.

Cameron LinesBevor der Main-Act allerdings die Bildfläche betritt, dominiert der kernige Garage-Rock der etwa zwei Jahre jungen Cameron Lines das Geschehen. Den White Stripes-Vergleich muss man sich als Duo aus Drums+Gitarre einfach mal gefallen lassen. Kommt stellenweise aber tatsächlich recht gut hin. Bereits der Einstiegssong We Don’t Need To Know stellt mit den gelungenen, zweistimmigen Vocal-Harmonien sowie dem wärmstens übersteuerten Fuzz-Sound zwei gute Gründe dar um die Band gern zu haben. Hin und wieder vermisst man zwar den Bass schmerzlich, ansonsten kann man die zwei Boys samt ihrer gemütlichen Holzfälleroptik eigentlich nur sympathisch finden. Der Tuesdays Blues aus Dresden scheint jedenfalls auch bei einem Mittwochs-Publikum prächtig zu funktionieren.

Selbiges quadriert sich noch im Verlauf des 35-minütigen Sets der Vorband auf eine beachtliche und schätzungsweise dreistellige Zahl was nicht wenig verwundert, ist der Headliner doch gerade dabei, seinem Geheimtipp-Status zu entwachsen. Wenn man das bei einer von Musik Express bis FKP Scorpio präsentierten Tour und Release auf Napalm Records nicht sowieso schon längst getan hat… Dass die Berliner sich ihr Standing redlich verdient haben, stellen sie in den folgenden eineinhalb Stunden unter Beweis, von denen allenfalls die letzten 20 Minuten etwas zu viel des Guten waren. Und das alleine will schonmal was heißen!

Suns Of ThymeSuns Of Thyme

Was den Charme der Band gerade live so unwiderstehlich macht, lässt sich nur schwer in Worte fassen, ist dann aber wohl eher im unglaublich präzisen Zusammenspiel als im Austauschen technischer Raffinessen, großer Gesten oder ausladender Hooks zu suchen. Mag sich der Fünfer auch noch so wortkarg und bis auf Organist/Percussionist Tammo Dehn etwas bewegungsfaul geben: Man vermisst nichts! It’s all about the feeling und außerdem bietet die spindeldürre Anatomie diverser Mitglieder auch genug fürs Auge. Oder eben auch nicht…

Suns Of ThymeZwischen hochkonzentriert und losgelöst entrücken die Musiker ihr entspanntes Publikum in ihre detailverliebte Welt aus 70s-Psychedelica, Hippie-Romantik und orientalischen Klang-experimenten. Die Setlist lässt nichts zu wünschen übrig und greift großzügig auf das Material ihrer beiden bisherigen Alben zurück. Der Start mit dem Knaller Do Or Die von der aktuellen Platte Cascades zündet ebenso wie die ‚Klassiker‘ Blue Phoenix TreeSoma – God For Gods oder The Years We Got Are Not Enough von Fortune, Shelter, Love and Cure. Neben dem Mantrabrett Asato Maa sticht heute vor allen Dingen One Song als Highlight aus diesem ersten Schaffenszyklus hervor. Ähnlich gut kommen die Synthieteppiche in Schweben oder das live um einiges organischere Intuition Unbound, die zusammen mit Ich Träum Von Dir, Rush, Kirwani und dem verhältnismäßig flotten In Dreams Awake von der Qualität der neuen Scheibe zeugen. Der düstermelancholische Gothic-Rock von Aphelion beendet das reguläre Set, ehe als Zugabe noch ein wenig gefälliges Geplänkel in den zufriedenen und zu Frieden gekommenen Saal gestreut wird.

Das Suns Of Thyme eine gute Liveband sind, war mir seit dem Void von vor zwei Jahren bewusst. Das sie starke Songs haben spätestens seit ihrem Debüt. Mit einem derartigen Konzert-Highlight wie an diesem Abend hatte ich trotzdem nicht gerechnet. Starke Leistung! Starker Trip!

Alle Live-Photos exklusiv von Ein Bild Mit Dem Mann!

Review: The Instant Voodoo Kit – Wanna Talk About Voodism? Yeah Baby! (2016)

coverWanna Talk About Voodism? – Dass einem die Antwort, auf die im Plattentitel gestellte Frage, mit einem Yeah Baby! gleich mitgeliefert wird mag praktisch sein… ob sie aber tatsächlich für jedermann zutreffend ist, darf man zu bezweifeln wagen. Dafür polarisieren The Instant Voodoo Kit  zu sehr. Ihre dritte Platte macht da keine Ausnahme, kontrastiert die verschiedenen Pole vielleicht sogar noch einen Ticken mehr, als es der Vorgänger getan hat.

Dass ich mich mit dem vor geraumer Zeit einmal intensiv auseinandergesetzt habe, war Umständen geschuldet, die an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden sollen. Der Aufmerksamkeit aber, welche ich der Musik auf Something Good (2013) seinerzeit geschenkt habe, ist es geschuldet, dass mir die Ablehnungshaltung gegenüber der nunmehr 13(!)-köpfigen Truppe abhanden gekommen ist. Die war nämlich durchaus mal vorhanden und beruhte darauf, dass ich die Band vor allen Dingen auf ihre Kaspereien aus dem Helge Schneider-Kosmos reduziert habe, in welchem ich mich nie so wirklich heimisch gefühlt habe. Einfach nicht mein Humor. Daran vermögen auch heute Tracks wie Leggins Sind Keine Hosen, Buffalo Bill oder Rebootan nichts zu ändern. Wobei letztgenannte Nummer mir dann doch beim ersten Hören ein verstohlenes Grinsen abgerungen hat… und das, wo der Song auch noch ausgerechnet im Pseudo-Ragga-Gewand daherkommt… Damn!

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Soviel also zur Seite der Voodoo Kids, die mir nicht so recht taugen will. ABER, wie schon erwähnt gibt es da ja noch ganz andere zu entdecken! Lassen wir die Rock-Ansätze von Songs wie Bomb In My Head trotzdem einfach mal unkommentiert links liegen und kommen ohne weitere Umschweife zur spannendsten und meiner Meinung nach aufregendsten Facette der Band. Die, in der Tom Waits auf dem madigen Rücken des Oogie Boogie Man durch nebelverhangene Schwefelfelder galopiert. Die, in der die Band dem Zuhörer ein dekadentes Kabarett  aus Vaudeville und Burlesque kredenzt und an Schausteller, Gaukler und Sideshow-Freaks erinnert. Die, in welcher der im Zusammenhang mit der Kapelle omnipräsente New Orleans Jazz – Vergleich  wahrhaftig nicht unerwähnt bleiben darf.

Dann nämlich, wenn sich The Instant Voodoo Kit in sleazy düstergrau-polternden Chansons wie The Good Die Young, Easy Come,Easy Go oder dem alles überragenden Elephant Stomp verlieren, kriegen sie mich! Instant Voodoo Hits! Yeah Baby! Lässt ein Song wie Mister Sister Lady Baby dann noch Assoziationen zu Steamboat Willie, Lou Reed und dem Athletic-Theme des Super Mario World Soundtracks wach werden, fühle ich mich als Hörer gänzlich abgeholt und entertained!

Unterm Strich also ein wenig musikalische Yin-und-Yang-Action, bei der je nach Geschmack Rosinenpicken angesagt sein könnte und die mitunter so starke Kontraste aufweist wie das Make-Up, mit dem sich die Protagonisten gerne mal zukleistern. Mag man von denen im Ensemble halten was man möchte, kann man ihnen die Liebe zum Detail, ihre Leidenschaft für ihr Handwerk und den Mut zum Wagnis wie zur Originalität auch und gerade mit ihrer aktuellen Scheibe nicht absprechen! Wanna Talk About Voodism? Schon geschehen!

Anspieltipps: Elephant Stomp, The Good Die Young

Trackliste:

01. Das war die Nacht
02. Easy Come, Easy Go
03. Mama Ain’t The 1 2 3 4 U
04. Bomb In My Head
05. Rebootan
06. Buffalo Bill
07. Peter Pan
08. Alptraum Serenade
09. Elephant Stomp
10. Midnight Train
11. Mister Sister Lady Baby
12. Ihr Läuser
13. The Good Die Young
14. Leggins Sind Keine Hosen

Wanna Talk About Voodism? Yeah Baby! greift man sich am besten direkt auf der Releaseparty im Würzburger Dornheim am 02.09. oder auf der anschließenden Tour für 20 Euro auf Vinyl im Gatefold (inc. Mp3) oder im CD-Format für nen Zehner ab!

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Releases: 02.09.2016 via Voodism Enterprise

Review: Riders Connection – Colour Me (2015)

12006375_885680111468177_5076676889656571154_nAright! Farbenfrohes für die kalte Jahreszeit! Sonnenbrille raus! Haare dreaden! Hacky Sacken! Jonglieren! Liebe, Frieden, Einigkeit! Let the colours reunite! Die Berliner Riders Connection tritt den Kampf gegen den seelischen Downpress an! Nuh true? Denkste! Auf dem neuesten Werk der 2010 ins Leben gerufenen Band hagelt es emotionale Vibrations in allen Regenbogen-farben. Nur positive? Mitnichten!

 

„Freude und Trauer, Liebe und Wut, das alles sind Repräsentationen von Farben, die über die verschiedenen Stile und Stimmungen auf dem Album ihre Verbindung zueinander finden“, weiß der Pressetext. Klar, die musikalische Grundausrichtung aus Reggea, Soul, Flamenco, Blues und Worldmusic rückt die Freuden der Karibik lebensbejahend in den Fokus.Textlich jedoch ist auf Colour Me tatsächlich nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen! So much Trouble in the world! Saxophon raus und weg mit dem Blues! Die Seele muss genesen! Den Tigerbalsam verabreicht die Combo in Form von Musik! Wie das gleichnamige Stück erklärt, sorgt diese schließlich wie kaum etwas anderes für das leibliche Wohl. Viva la musique! Die Riders Connection hat sie zum fressen gern! Jamjamjamjamjam und Leckerschmecker.

Bewaffnet mit funky Beatboxboy, lässiger Akustikgitarre und groovigen Bassläufen tanzt das Trio feierwütig durchs Motherland über Latainamerika bis hin zu Venezuelas Traumstrand Cuyagua! Vamos a la playa! „Alles, was Spaß macht hält [schließlich] jung“, dass wusste schon Curd Jürgens! Die Zeiger der innerlichen Uhr ticken natürlich trotzdem weiter. Ticks of the Clock und die Traumfrau immer im Kopf! Day after day durch die Violinen-getränkten Sonnenbänke des wilden Westens. A Hog-Killin‘ Time!

Labba Labba: Was die Riders Connection mit einer Schar begabter Gastmusiker im Studio X gezaubert hat ist, nicht zuletzt durch das einsetzen verschiedenster Sprachen, äussert abwechslungsreich, hervorragend produziert, catchy und stets darum bemüht eingesessenen Stilen eine moderne Note zu verleihen. Einen frischen Farbanstrich zu verpassen wenn man so will, um mal im Albumkonzept zu bleiben.

Das wird auf hiesigen Festivalbühnen sicher seine Freunde finden. Mir persönlich aber wurde beim Spiel mit den Farbdosen der Pinsel etwas zu oft ins Fettnäpfchen getunkt, was ein etwas arg beliebig transparentes Gesamtbild zurück lässt, so klischeebeladen, dass es mir wirklich schwer fällt noch objektiv zu bleiben und letztere Gefühlsregung aus dem eingangs zitiertem Pressetext bei mir die deutliche Überhand gewinnt.

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Fair enough: Derartige Musik stößt bei mir grundsätzlich schon auf wenig Gegenliebe. Mi naa wrap up! A nuh mi fi like it. Guess I don’t feel it…Oder um es mit den passenden Worten von Bob Marley zu sagen: „Some people feel the rain. Others just get wet.“  I an I bleibt dann wohl trocken… allen anderen wünsche ich trotzdem viel Spaß beim dancen!

Ticks of the Clocks (live)

Anspieltips: Days like these, Eleo

Colour Me im Stream:

Released: 22.10.2015 via Hey!blau Records

Review: The Legendary Tigerman – True (2015)

The legendary tigerman - TrueDa ist sie also, die angekündigte, neue Full Length des Legendary Tigerman. Über dessen Qualitäten wurde auf diesen Seiten ja erst kürzlich berichtet. Ob das Album nun den Vorschußloorbeeren der EP gerecht wird? Beinahe! Der Erfolg gibt ihm mit dem Einstieg auf Platz Nummer 1 in seiner Heimat Portugal zumindest schonmal unabsprechlich recht. Dennoch: Mir persönlich ging die EP etwas besser rein…

Doch alles schön der Reihe nach! Es gefällt schließlich vieles! Besonders, wenn die Samtpfoten des Tigermans auf Streichelkurs gehen. Das geschieht gleich zu Beginn im bereits bekannten Opener Do come home, welchem eine Handvoll ruhiger Folkstücke wie Rainy Nights oder My Heart, Safe at Home zur Seite gestellt werden. Hinter dem Titel Love Ride verbirgt sich dabei sogar ein besonders schmackhafter Schmalzhappen!

Ähnlich schmalzig auch die Pomade, die bombenfest im Fell sitzt, wenn die Raubkatze den schmutzigen Bootyshake-Elvis mimt. Neben dem ebenfalls bekannten Wild Beast vermögen es Twenty Flight Rock und Storm over Paradise im speziellen dies zu bewerkstelligen.

So weit, so gut, so legendary. Beide Facetten stehen dem Protagonisten ein ums andere mal außerordentlich gut zu Gesicht. Immer glaubhaft und für eine ‚One Man Band‘ auch auf diesem Release erstaunlich dicht im Sound. Der eingeschlagene Weg wird somit konsequent weiterverfolgt. Gerade das ist aber auf Albumlänge etwas ermüdent. Ein paar Überraschungen und Ausbrüche hätte man sich schon wünschen können. So zeichnet sich trotz gelegentlichem Zähnefletschen und Krallenausfahren eher das Bild des zahmen Zootigers, denn das des mutigen Dschungelkönigs. Aber auch an dem kann man ja bekanntlich seine Freude haben! Exzellentes Futter für gediegene Playlists befindet sich jedenfalls zur Genüge auf True. Und der Konsum in Etappen ist in diesem Fall natürlich auch immer eine spaßbringende Option!

Man darf jedenfalls gespannt sein was da in Zukunft noch kommt! Der Slogan aus dem Twenty Flight Rock dürfte bei allem Potential und dem immensen Erfolg ja wohl allenfalls als leere Drohung aufzufassen sein, oder?

"When I make it to the top baby I'm too tired too rock"

We’ll see ‚bout that! Der Katzenmann hat sicherlich auch dann noch Biss!

Anpieltips: Do Come Home, Love Ride, Wild Beast, Twenty Flight Rock


‚True‘ im Stream:

Released: 22.05.2015 via India Records

Freak Valley 2015!

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Wie es aussieht, werde ich mich einer ordentlichen Jeansjacke (ggf. auch Lederweste) wohl nicht mehr allzu lange verwehren können. Die Stoneraction häuft sich!

Das bisherige Berichten auf derartigen Veranstaltungen (wie z.B. dem Void im letzten Jahr) hat schließlich derartig Spaß gebracht, dass mir das Freak Valley Festival in Sachen Nachholbedarf quasi unumgänglich scheint.

Zur vierten Ausgabe der staubigen Feierlichkeit werden mit Blues Pills, Eyehatod und Orchid auch in diesem Jahr schwere Szenegeschütze aufgefahren. Das überrascht natürlich ebenso wenig, wie auch die rege Ticketnachfrage. Ausverkauft ist das Ding demnach schon längst. Lediglich Restkarten für den Donnerstag sind noch zu haben. Umso schöner, dass man uns vom 04.06. bis zum 06.06. in Netphen den Eintritt gleich im Doppelpack gewährt.

Bleibt also nichts weiteres zu tun, als sich einer ausgedehnten Aufwärmübung in angemessen schweißtreibender Umgebung hinzugeben:

Review: The Legendary Tigerman – Do Come Home [EP] (2015)

Style: "color"2004 machte uns Marilyn Manson den Dave Gahan. Jetzt macht uns Dave Gahan den Marilyn Manson.

Das zumindest könnte man beim Anblick der Jean Baptiste Mondino – Photographie glatt meinen. Diese stellt nicht nur die schmückende Front der hier vorliegenden EP Do Come Home dar, sondern zierte auch schon das Album Femina aus dem Jahre 2009.

 

Natürlich handelt es sich bei keiner der genannten Veröffentlichungen um Werke aus dem Hause Depeche Mode. Vielmehr gehören sie zum nicht gerade dünnen Katalog des in Mosambik geborenen und in Portugal aufgewachsenen Multiinstrumentalisten Paulo Furtado, der bereits seit 2002 unter dem Pseudonym The Legendary Tigerman den Rock’n’Roll als Ein-Mann-Kapelle auf Tonträger und Bühnen zaubert.

Zugegebenermaßen kannte ich bis vor wenigen Minuten weder Interpreten noch genannten Photographen… Dennoch nehme ich mir einfach mal raus, die Zusammenarbeit der Beiden als ’nicht beliebig‘ zu betiteln. Schenkt man den vier Tracks nämlich Gehör und scrollt dazu durch die Galerie des Linsenmagiers, wird man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Nahezu alle Gesichter, die man auf Anhieb mit der Musik des ‚Tigermans‘ assoziiert, tauchen auf: Beck, Waits, Tarantino, Lynch… sogar die schmutzigen Jeans einer Madonna in der Filmsection möchte man ‚Do Come Home‘ andichten.

Rechtfertigende Belege für die Vergleichsflut dürfte man alleine schon im samtweichen Folkopener zur Genüge finden. Dem gleichzeitig als Titeltrack fungierenden Stück wirft der Infotext mit Chris Isaak sogar gleich noch den nächsten großen Namen hinterher. Bluesy Vocals und luftige Gitarre zu spärlichem Beat „and [you] just drive along that lost highway.

„I’m just a wild beast with a broken heart!“ Und da sich Herzschmerz durch dramatische Streicherteppiche immernoch am besten intensivieren lässt, steht der bewährte Trick auch der Flüsternummer Wild Beast ausgezeichnet und geht unter die Haut! Ähnlich wie die Tagespflege einer Lena Meyer Landrut. Die tänzelt schon seit geraumer Zeit durch die aktuelle L’oreal-Werbekampagne zur Tigermannummer Light me up twice, welche im Gegensatz zur Reklame sexy unpeinlich kommt und mit weiblichen Gastvocals von Cláudia Efe zu Jack White-infiziertem Bluesriffing überzeugt.

Und weil das schöne Geschlecht als stimmlicher Konterpart so herrlich funktioniert, findet die Formel zum Schluß erneut Anwendung und wird durch prominenten Einsatz sogar noch gepimpt: Der Name Maria De Medeiros dürfte dabei nicht wenigen Pulp Fiction-Fans ein Begriff sein. Das es sich bei besagter Kooperation um die zigste Neuauflage von These Boots Are Made for Walkin‘ handelt, die zudem auch schon Teil der eingangs erwähnten 2009er Platte war, stört überraschend wenig. Vielmehr drückt man dem Evergreen den eigenen Stempel auf und liefert noch gleich den Beweis mit, dass manche Songs selbst eine Jessica Simpson-Schändung locker wegstecken und weiterhin funktionieren können.

Vier Hits für die nächtliche Straße also. Gefühlvoll bis verrucht und irgendwie mystisch angehaucht. Diese EP überspringt die Eingewöhnungsphase und funktioniert direkt und sofort! Ab April ist das neue Album ‚True‘ auch über deutsche Kanäle verfügbar. Die Plattenfirma will ‚Do Come Home‘ als dessen Vorboten wissen.

Ich bin gespannt!

‚Do Come Home‘ im Stream:

‚Do Come Home‘ hier im exklusiven und limitierten CD oder aber im Mp3- Format ordern!

Released: 27.03.2015 via India Records / Rough Trade

Review: Wino&Conny Ochs – Freedom Conspiracy (2015)

EOM072_cover-1024x1024„Time Out, Black Out“ / „Chaos, Foundation“ / „It’s over! Drain!“

Es wäre ein Leichtes gewesen, diverse Textfetzen dieser Platte interpretationsmäßig derart zu verdrehen und dem Kontext zu entrücken, dass sie anschließend mit der letztjährigen Drogen-eskalation von Doomlegende Wino in Verbindung hätten gebracht werden können. Das allerdings, wäre der auf ihr enthaltenen Musik in keinster Weise gerecht geworden.

Zumal der aufnahmetechnische Grundstein von Freedom Conspiracy bereits Anfang 2013 im Kabumm Studio von Thommy Krawallo gelegt wurde, die Songs gar zurück bis auf 2012 datieren und somit schon weit vor dem kleinen Skandal entstanden sind. Der Plan der beiden Kollaborateure Wino (u.a. Saint Vitus) und Conny Ochs (u.a. The Baby Universal), die Platte dann über Overdubfileaustausch per Email zu vervollständigen, scheiterte kläglich. Entgegen des intimen, unmittelbaren Heavy Kingdom (2012), dass gerade von seiner Spärlichkeit lebte, hatte man den Nachfolger zu einem bombastbeladenen, verspielten Eposriesen aufgetürmt. Die Magie war futsch und ergo klar: Das Projekt Wino&Conny Ochs funktioniert nur dann, wenn beide Seelen sich im gleichen Raum befinden.

Der Erkenntnis sollte die Tat folgen, wenn auch zeitlich verschoben. Erst anderthalb Jahre später fand man Zeit um den gemeinsamen Boden unter den Füßen wiederzufinden, die Songs von unnötigem Balast zu entschlacken und Freedom Conspiracy zu Ende zu führen.

Das Resultat kann sich hören lassen und begeistert! Möglicherweise aber erst nach dem Erleben der Platte im rechten Moment. Zumindest bei mir scheint die gemeinsame Musik der Beiden nämlich einer Art Initialzündung zu bedingen. Das war bei Heavy Kingdom zum Beispiel der Blick auf die Küste von Scarlino. Und auch Freedom Conspiracy wollte sich erst beim Aufenthalt im Freien vollständig erschliessen lassen. Der Zeitpunkt dafür hätte nicht besser sein können: Polarlichter über Deutschland, die Sonnenfinsternis, Spaziergänge bei bestem Wetter… naturtechnisch hatte die letzte Woche einiges zu bieten. Im Ohr: Freedom Conspiracy – im Herzen angekommen, dem Vorgänger in nichts nachstehend. Ehrlich, persönlich, direkt, zeitlos.

„Eine intensive Reise durch Blues, Rock, Doom und Americana“ heißt es im Pressetext, der die Scheibe außerdem gleich in eine Liga mit „großen Songwritern wie Johnny Cash, John Sebastian, Townes Van Zandt, Tim Buckley oder Nick Drakehievt. Addiert man der Vollständigkeit halber noch den Folk eines Woodie Guthrie, bekommt man eine ziemlich genaue Vorstellung von Soundästhetik und Thematik des Duos. Zwei Stimmen, zwei Gitarren und gelegentliche Percussioneinlagen sind dabei weitestgehend alles was benötigt wird, um dem Hörer Straße, Weite, Ferne sowie eine Flut menschlicher Emotionen vors innere Auge zu spülen.

„Once again, nothing’s changend“. Alles beim Alten sozusagen! Die dem Opener Drain entlehnten Worte dürfen (samt Song) zusammen mit der Lieblingsnummer Shards gerne repräsentativ für das große Ganze gesehen werden. Glücklicherweise gibt es beide Songs schon jetzt im Stream. Ebenso Timeless Spirit, welches mich durch die dezente, aber kraftvolle Pianounterstützung witzigerweise positiv an Praise You von Fatboy Slim erinnert:

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Zu den zwölf Eigenkompositionen gesellt sich mit Dirt Floor zudem ein Cover eines gewissen Chris Whitley hinzu. Augenzeugen unseres Interviews mit Conny Ochs, wissen sowohl um dessen Begeisterung für den frühzeitig verstorbenen Singer/Songwriter, als auch wie es um dessen Redegewandheit bestellt ist, bestens Bescheid. Und auch Kollege Wino ist natürlich nicht auf den Mund gefallen! Überlassen wir doch deshalb abschließend den beiden Protagonisten selbst das Wort:

Conny Ochs: "'Freedom Conspiracy' bedeuted Gemeinsamkeit, Kamerad-
schaft - es bedeutet, einander wieder zu haben. Auf dem Album geht es 
um Verlieren und wiederfinden von Glauben und Vertrauen. 
Und um das dafür kämpfen."
Wino: "Dinge ändern sich schnell. In Zeiten mit Kriegen an jeder Ecke, 
politisches Theater, das immer offensiver wird und Big Brother und die 
Globalisten ihre feindlichen Übernahmen intensivieren, bieten wir Sounds 
und Vibrationen aus Liebe, Tod, Glück und Schmerz. Wir hoffen, diese Musik
inspiriert und verbindet unsere suchenden Geister."

Anspieltips: Shards, Drain, Time Out Black Out

Tracklist:
01 Drain
02 Sound Of Blue
03 Foundation Chaos
04 Crystal Madonna
05 Shards
06 Time Out Black Out
07 Timeless Spirit
08 Freedom Conspiracy
09 Dirt Floor
10 Heavy Heart
11 Forever Gone
12 Invisible Bullets
13 The Great Destroyer

Kaufen: Freedom Conspiracy ist schon jetzt über den Exile on Mainstream Webshop auf Vinyl, CD oder digital erhältlich. Selbstredend wählt man die LP auf 180g schwerem schwarzen Vinyl inc. Downloadcode für 17 Öcken! Ab 27.03.2015 dann auch beim gut sortierten Plattenhändler zu finden!

Releasedate: 27.03.2015 via exile on mainstream

Review: Tom Waits – Rain Dogs (1985)

as found on rollingstone.com

„Dogs in the rain lose their way home, [because] after it rains, every place they peed on has been washed out…. They go to sleep thinking the world is one way, and they wake up and somebody moved the furniture.“ (Tom Waits)

Um es vorweg zu nehmen: NEIN, ich habe mir nicht alle Tom Waits Platten (immerhin mal locker 16 reguläre) reingefahren, wohl aber die essentiellen.

 

Dennoch nehm ich mir nun einfach mal die Frechheit raus, dass 1985 veröffentlichte Rain Dogs als sein vielleicht bestes, rundestes Werk herauszuheben. Schillern hier doch die wichtigsten Facetten des liebenswerten bis furchteinflößenden amerikanischen Wakadoos in vollem Glanze.

Die reichen auf Rain Dogs u.a. von Seemanspolka (Singapore) über Orleanssound (Tango till they’re Sore) zu wunderschönen, herzzereissenden Folksongballaden. Ehrlich, demjenigen dem bei Time kein Wasser in die Augen schießt, muss wohl ein Herz aus Stahl haben…

Weiterhin findet sich Freejazz (Midtown), Spokenwordgruseleien (9th & Hennepin) und sogar fast radiotaugliches mit 80s Poprockfeeling. In diese Schublade würde ich beispielsweise das gefühlvolle Hang down your head, vielmehr aber noch das etwas bekanntere, springsteeneske Downtown Train stecken. Hat man schonmal anderswo gehört? Richtig: Unter anderem von Rod Stewart, der 1989 ordenltlich Asche mit seiner Version gemacht haben dürfte…

Zusammengesetzt wurde das in New York entstandene, sowie dessen Urbanverwirrung gewidmete Rain Dogs aus einem schier unerschöpflichen Sammelsurium verschiedenster Klangkörper.Neben herrkömmlichen Saiten-, Tasten-, und Percussioninstrumenten wird auch vor Türen, Küchengeräten, singenden Sägen oder Geräuschen der Eastside-Metropole nicht zurückschreckt. Damit einhergehend bedient man sich gleich der Fingerfertigkeiten einer ganzen Armada von Gastmusikern – z.B. der eines Keith Richards.

Das neunte Album seiner Discographie wird dabei gerne in einem Atemzug – als eine Art Triologie – mit dem Vorgänger Swordfishtrombones (1983) und dem Nachfolger Franks Wild Years (1987) genannt, welche die Transformationsphase vom eher konventionellen Jazz- und Bluesman hin zum avantgardistischen Rockmusiker markieren. Klar, der Revolutionsakt geht klar an den Vorgänger von 83, aber erst auf Rain Dogs wirkt alles am rechten Platz.

Schlechte Songs sucht man ebenso vergeblich, wie Langeweile. Bloß nicht von der 19-Stück starken Tracklist abschrecken lassen! Die Songs sprengen kaum die drei-Minuten-Grenze. Und wenn doch, kommt eben der beliebte 80er-fade-out-Trick zum Einsatz um etwaiger Überlänge Einheit zu gebieten!

Bleibt also nichts weiteres zu tun, als sich vom gläserschmooven Clap Hands anfixen zu lassen und der Aufforderung des Titels nachzukommen!

Unterm Strich schmachtet, bellt und armstrongt sich Waits hier rhythmisch durch eines der besten Rockalben der 80er. Ein super Einstiegsalbum um einen spannenden, wichtigen und einflussreichen Musiker für sich zu entdecken. Jetzt reinfahren, um beim 30jährigen Jubiläum im September mitreden zu können!

Anspieltipps: Clap Hands, Tango till they’re Sore, Time, Rain Dogs

Albumstream:

Weiterhin empfehlenswert: Die bereits erwähnten, stilistisch ähnlichen Alben Swordfishtrombone und Franks Wild Years, besonders aber das tiefschwere „Spätwerk“ Alice aus dem Jahre 2002. Rain Dogs bekommt man selbst auf Vinyl schonmal für nen gut angelegten Zehner. So watch out!

Released: 30.09.1985 via Island Records