Review: Der kosmische Penis # 91

12417904_1207025262659464_410521288002105551_nDas Schweinfurter Fanzine ‚Der kosmische Penis‘ genießt nicht nur regionalen Kultstatus, sondern gehört mit nunmehr 91 Ausgaben zweifelsohne zu den Dienstältesten seiner Gattung. Seit 1987 schon widmet sich das Zwei-Mann gesteuerte DIY-Blatt mit Leiden-schaft dem Punkrock, der Popkultur, verschiedenen Reiseberichten oder aber auch  schräg-kruden Regional-ereignissen. Ohne Werbung. Ohne Internetpräsenz. Ohne Firlefanz. Oldschool, wenn man so möchte.

Wohl habe ich das Magazin schon seit gefühlten tausend Jahren auf dem Schirm und auch hin und wieder mal auf lokalen Konzertabenden überflogen. So wirklich aufmerksam zu Gemüte geführt habe ich es mir peinlicherweise aber noch nie. Ausschlaggebenden Impuls es nun doch einmal zu tun, gab sicherlich die Review-Sektion zu aktuellen Releases aus der hiesigen Szene, als da wären: Die kommende Bait-Scheibe, die Demos von Seattle Jay und den Cold Kids oder die Protz-Produktion von The New Black. Und natürlich die Besprechung zur aktuellen Cannahann-Platte:

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Was sich ansonsten unter der mit Grillz verzierten Fresse von Otto Rehhagel tummelt? Allerhand spannendes! Ausführliche Interviews mit dem Plattenlabel Sell Your Soul Records, Boysetsfire, Anthrax oder der Modelinie NekoNeko. Außerdem: Ein Bericht über die Volkacher Weinverköstigung Wine for Punx, welcher ich nebenbei bemerkt auch schon beiwohnen durfte und auch sehr empfehlen kann, Konzertberichte, Reviews aus der Ersten Liga (unter anderem zur gelobten Nevermen-Platte, deren Veröffentlichung ich nun noch mehr entgegenfiebere), ein Abgesang zur Schließung des Café zum schönen René und die Mythosaufdeckung des an mir vollkommen vorbeigegangenen fränkischen Mount Rushmore-Spektakels, nebst unzähligen, Insider-bespickten und festen Rubriken.

Vielerlei ansprechendes also, wie ich finde! #91 hat mir jedenfalls erst kürzlich eine dröge Zugfahrt versüßt und auch sonst bestens unterhalten! Und das bei gerade mal 2,60€ für 82 Seiten samt Mini-Poster!

Der kosmische Penis erscheint in regelmäßigen Abständen als 250-Exemplar-starke Auflage und ist in Schweinfurt (Stattbahnhof, Collibri), Würzburg (Cairo, Immerhin, Café zum schönen René, H2O) Zeil am Main (Mambo Bar) und Bamberg (Musicland) zu haben.

Ansonsten lohnt bei Abo-Interesse sicherlich auch der direkte E-mail-Kontakt!

Der Freiflug ist cool (XXXisql054)

as found on www.gruppe-freiflug.de

Die meisten Dinge lernt man erst zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat. Betrachtet man die Umstände, dass ich sie vor einigen Tagen schwer zu schätzen gelernt habe sowie den Stillstand ihrer Homepage seit 2013, so scheint mir die Gruppe Freiflug schon beinahe zu einem dieser Dinge zu zählen.

Kurz aufmerksam gemacht worden von einer gut informierten, anonymen Quelle (Rhön-Grabfeld – crapmail anyone??) aus Nürnberg und sofort angefixt, habe ich mich sogleich mit Vergnügen in das Schaffenswerk der mittelfränkischen Deutschrockcombo reingefuchst.

Und das hat es in sich: Schlager und Pop meets Heavy Metal. Moderne, markante und druckvolle Musik mit anspruchsvollen, tiefgründigen Texten dürfte es als Umschreibung genau auf den Punkt bringen.

Um sich einen schnellen Überblick über die Geschichte, Hintergründe und Ambitionen der Kapelle zu verschaffen, muss man glücklicherweise keine ellenlange Bandbio durchwälzen, sondern bekommt alles wissenswerte in Form eines charmant kurzweiligen Interviews mal eben lockerlässig im Videoformat präsentiert. Gott segne mir die seligen Youfame-Tage…

Ihr seit nun also im Bilde!? Es folgen die Songperlen, die ich in ihrer gesteigerten Form in etwa als „netzhautreizende Intensitätskurve“ betiteln würde:

Ewigkeit

DER LETZTE TAG, VERLORENE ZEIT
SIE HÄLT NICHT AN, ES IST SOWEIT
EIN ATEMZUG IST DAS WAS BLEIBT
ZUM GREIFEN NAH, DIE EWIGKEIT (Text: Freiflug)

Stillstand

DIE HYÄNE SIE GRINST, DAS HAT SIE IMMER GEMACHT
HAT IHREN HUNGER GESTILLT UND UNS DANN AUSGELACHT
DER TROG IST LEER UND SIE IST WEITER GEZOGEN (Text: Freiflug)

Liebesschlacht

WIR FÜHREN UNSREN KALTEN KRIEG
KEIN STELLUNGSZWANG
DIE FRONTEN SIND LÄNGST ABGESTECKT
MEIN HIRN IST GEIL UND KRANK (Text: Freiflug)

„Bereits der Titel provoziert durch seinen ausdrucksstarken Text über geheime, unausgesprochene Sex-Fantasien und den Blick in die Abgründe der männlichen Seele, der nun auch adäquat in einem Clip visualisiert wurde. Neugierig? Dann lasst Euch dieses Video aus einem Mix aus geiler Musik und Erotik nicht entgehen!“ (Freiflug)

Das der Band ein Hit in den Top 20 (zumindest einmal!) bisher vergönnt geblieben ist, erachte ich persönlich als absolute Frechheit und hoffe, dass den Jungs hiermit ein wenig mehr – wenn vielleicht auch etwas verspätete – Aufmerksamkeit zuteil wird.

Let’s make Freiflug a threat again!

Ich versuch mir dann derweil mal eine Autogrammkarte zu ordern!

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