Review: The Instant Voodoo Kit – Wanna Talk About Voodism? Yeah Baby! (2016)

coverWanna Talk About Voodism? – Dass einem die Antwort, auf die im Plattentitel gestellte Frage, mit einem Yeah Baby! gleich mitgeliefert wird mag praktisch sein… ob sie aber tatsächlich für jedermann zutreffend ist, darf man zu bezweifeln wagen. Dafür polarisieren The Instant Voodoo Kit  zu sehr. Ihre dritte Platte macht da keine Ausnahme, kontrastiert die verschiedenen Pole vielleicht sogar noch einen Ticken mehr, als es der Vorgänger getan hat.

Dass ich mich mit dem vor geraumer Zeit einmal intensiv auseinandergesetzt habe, war Umständen geschuldet, die an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden sollen. Der Aufmerksamkeit aber, welche ich der Musik auf Something Good (2013) seinerzeit geschenkt habe, ist es geschuldet, dass mir die Ablehnungshaltung gegenüber der nunmehr 13(!)-köpfigen Truppe abhanden gekommen ist. Die war nämlich durchaus mal vorhanden und beruhte darauf, dass ich die Band vor allen Dingen auf ihre Kaspereien aus dem Helge Schneider-Kosmos reduziert habe, in welchem ich mich nie so wirklich heimisch gefühlt habe. Einfach nicht mein Humor. Daran vermögen auch heute Tracks wie Leggins Sind Keine Hosen, Buffalo Bill oder Rebootan nichts zu ändern. Wobei letztgenannte Nummer mir dann doch beim ersten Hören ein verstohlenes Grinsen abgerungen hat… und das, wo der Song auch noch ausgerechnet im Pseudo-Ragga-Gewand daherkommt… Damn!

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Soviel also zur Seite der Voodoo Kids, die mir nicht so recht taugen will. ABER, wie schon erwähnt gibt es da ja noch ganz andere zu entdecken! Lassen wir die Rock-Ansätze von Songs wie Bomb In My Head trotzdem einfach mal unkommentiert links liegen und kommen ohne weitere Umschweife zur spannendsten und meiner Meinung nach aufregendsten Facette der Band. Die, in der Tom Waits auf dem madigen Rücken des Oogie Boogie Man durch nebelverhangene Schwefelfelder galopiert. Die, in der die Band dem Zuhörer ein dekadentes Kabarett  aus Vaudeville und Burlesque kredenzt und an Schausteller, Gaukler und Sideshow-Freaks erinnert. Die, in welcher der im Zusammenhang mit der Kapelle omnipräsente New Orleans Jazz – Vergleich  wahrhaftig nicht unerwähnt bleiben darf.

Dann nämlich, wenn sich The Instant Voodoo Kit in sleazy düstergrau-polternden Chansons wie The Good Die Young, Easy Come,Easy Go oder dem alles überragenden Elephant Stomp verlieren, kriegen sie mich! Instant Voodoo Hits! Yeah Baby! Lässt ein Song wie Mister Sister Lady Baby dann noch Assoziationen zu Steamboat Willie, Lou Reed und dem Athletic-Theme des Super Mario World Soundtracks wach werden, fühle ich mich als Hörer gänzlich abgeholt und entertained!

Unterm Strich also ein wenig musikalische Yin-und-Yang-Action, bei der je nach Geschmack Rosinenpicken angesagt sein könnte und die mitunter so starke Kontraste aufweist wie das Make-Up, mit dem sich die Protagonisten gerne mal zukleistern. Mag man von denen im Ensemble halten was man möchte, kann man ihnen die Liebe zum Detail, ihre Leidenschaft für ihr Handwerk und den Mut zum Wagnis wie zur Originalität auch und gerade mit ihrer aktuellen Scheibe nicht absprechen! Wanna Talk About Voodism? Schon geschehen!

Anspieltipps: Elephant Stomp, The Good Die Young

Trackliste:

01. Das war die Nacht
02. Easy Come, Easy Go
03. Mama Ain’t The 1 2 3 4 U
04. Bomb In My Head
05. Rebootan
06. Buffalo Bill
07. Peter Pan
08. Alptraum Serenade
09. Elephant Stomp
10. Midnight Train
11. Mister Sister Lady Baby
12. Ihr Läuser
13. The Good Die Young
14. Leggins Sind Keine Hosen

Wanna Talk About Voodism? Yeah Baby! greift man sich am besten direkt auf der Releaseparty im Würzburger Dornheim am 02.09. oder auf der anschließenden Tour für 20 Euro auf Vinyl im Gatefold (inc. Mp3) oder im CD-Format für nen Zehner ab!

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Releases: 02.09.2016 via Voodism Enterprise

Review: Buddy Buxbaum – Unkapputbar (2015)!

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Bevor Remmi-Demmi unerwartet durch die Decke ging, hatte man im Deichkind – Lager den Plan geschmiedet alle Konventionen beiseitezulegen und das Ding im Zweifelsfall gegen die Wand fahren zu wollen. Deutscher Hip Hop ging 2006 eh flächendeckend am Stock und mit dem Weggang von Gründungsmitglied Malte Pittner begann auch das klassische Bandgefüge zu zerbröseln. Mag dieser bis dato das musikalische Herz der Band gewesen sein, war Buddy Buxbaum das Gesicht.

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Nach der Tour zur ersten Elektronik-Platte Aufstand im Schlaraffenland wollte er selbiges dann nicht mehr so gerne für die Band herzeigen. Techno-Rap war doch nicht seins. Buddy steht schließlich auf Groove. Und den hat er acht Jahre nach dem Deichkind-Split in Form seiner ersten Soloplatte Unkaputtbar wiedergefunden. An die Ex-Combo erinnert heute allenfalls Robodisco. Rap-Parts gibt es kaum. Und wenn, wird ihnen nicht allzuviel Platz eingeräumt. Buddy singt jetzt. Mit Kopfstimme und allem Pipapo. Über liebevoll arrangierte Tracks. Ein Konzept, das gut kommt!

Während Hip Hop raus ist, ist die Lust, den Hörer zu fördern, vor den Kopf zu stoßen und der Mut, das Ding im Zweifelsfall eher gegen die Wand fahren zu wollen als sich künstlerisch zu verbiegen, anscheinend noch immer vorhanden. Anders kann man sich den gewagten Einstieg in die Platte nicht erklären. Gib Ihm, dem Hörer und tanz ihm den Hulahub auf der Nase. Dezent sperriger Funk-Country-Blues-Rare-Groove heißt die Devise. Jetzt bloß nicht verschrecken lassen! Weiterhören lohnt sich!

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Die Gaga-Hummel-Hummel-Ag – Nummern, zu denen ich neben den bisher genannten Stücken auch Manjana und Taka Tuka zähle, dürften eh nur die absoluten Mainstream-Hörer überfordern, repräsentieren aber auch nicht gerade die Stärke von Unkapputbar.  Die findet sich auch nicht in etwas zerfahrenen Stücken wie Vodka Soda oder Ey Hey sondern zeigt sich vielmehr immer dann, wenn der Pop Einzug hält. Das geschieht z.B. in den vier vortrefflichen und clever ausgewählten Singles Medizin, Termin Im Park, Power und Ballast – letzteres übrigens mit dem kürzlich verstorbenen Trio-Schlagzeuger Peter Behrens in der Hauptrolle des zugehörigen Videoclips. Hier greifen Vocals und Musik ineinander, passt die Schmooveness, taugt die Struktur. Auch wird man ein ums andere Mal positiv von der stimmlichen Leistung des Interpreten überrascht. Die textlich immerwiederkehrende Flucht vor der Alltags-Hektik kann man darüberhinaus nur gutheißen. Und der in Roulette geschilderte Schlafentzug spricht mir dürfte vielen aus der Seele sprechen.

Unkaputtbar strotzt zwar nicht ganz so vor Stärke wie es der Titel vorgaukelt, trotzt gegenwärtigen Musiktrends aber souverän und rotzt dem Zuhörer allerhand organisches Material um die Ohren (#strotztrotzrotz).

Willkommenes, abwechslungsreiches Comeback jedenfalls. Mit überragenden Single-Auskopplungen, nebst schmucken Videos, die zwischen verzicht- und annehmbaren Restmaterial thronen, welchem man wiederum die Liebe und Leidenschaft nicht absprechen mag. Freue mich definitiv auf mehr! Da muss noch was gehen! Is ja nich… weißte was ich mein? Is ja nich!

Anspieltipps: Medizin, Termin Im Park, Ballast

Unkapputbar im Stream:

Als wuchtiges Paket für Vinyl-Junkies schickt sich die 7Inch-Box von Unkaputtbar an. Dass Buddy ein Supertyp ist, beweist der gelungene Beitrag von Noisey. Wer unbedingt einen Vergleich braucht, dem sei Grenzenlose Freiheit von Flowin Immo als Referenzwerk zurück ins Gedächtnis gerufen.

Released: 14.08.2015 via Holo Rec

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

Review: Tom Waits – Rain Dogs (1985)

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„Dogs in the rain lose their way home, [because] after it rains, every place they peed on has been washed out…. They go to sleep thinking the world is one way, and they wake up and somebody moved the furniture.“ (Tom Waits)

Um es vorweg zu nehmen: NEIN, ich habe mir nicht alle Tom Waits Platten (immerhin mal locker 16 reguläre) reingefahren, wohl aber die essentiellen.

 

Dennoch nehm ich mir nun einfach mal die Frechheit raus, dass 1985 veröffentlichte Rain Dogs als sein vielleicht bestes, rundestes Werk herauszuheben. Schillern hier doch die wichtigsten Facetten des liebenswerten bis furchteinflößenden amerikanischen Wakadoos in vollem Glanze.

Die reichen auf Rain Dogs u.a. von Seemanspolka (Singapore) über Orleanssound (Tango till they’re Sore) zu wunderschönen, herzzereissenden Folksongballaden. Ehrlich, demjenigen dem bei Time kein Wasser in die Augen schießt, muss wohl ein Herz aus Stahl haben…

Weiterhin findet sich Freejazz (Midtown), Spokenwordgruseleien (9th & Hennepin) und sogar fast radiotaugliches mit 80s Poprockfeeling. In diese Schublade würde ich beispielsweise das gefühlvolle Hang down your head, vielmehr aber noch das etwas bekanntere, springsteeneske Downtown Train stecken. Hat man schonmal anderswo gehört? Richtig: Unter anderem von Rod Stewart, der 1989 ordenltlich Asche mit seiner Version gemacht haben dürfte…

Zusammengesetzt wurde das in New York entstandene, sowie dessen Urbanverwirrung gewidmete Rain Dogs aus einem schier unerschöpflichen Sammelsurium verschiedenster Klangkörper.Neben herrkömmlichen Saiten-, Tasten-, und Percussioninstrumenten wird auch vor Türen, Küchengeräten, singenden Sägen oder Geräuschen der Eastside-Metropole nicht zurückschreckt. Damit einhergehend bedient man sich gleich der Fingerfertigkeiten einer ganzen Armada von Gastmusikern – z.B. der eines Keith Richards.

Das neunte Album seiner Discographie wird dabei gerne in einem Atemzug – als eine Art Triologie – mit dem Vorgänger Swordfishtrombones (1983) und dem Nachfolger Franks Wild Years (1987) genannt, welche die Transformationsphase vom eher konventionellen Jazz- und Bluesman hin zum avantgardistischen Rockmusiker markieren. Klar, der Revolutionsakt geht klar an den Vorgänger von 83, aber erst auf Rain Dogs wirkt alles am rechten Platz.

Schlechte Songs sucht man ebenso vergeblich, wie Langeweile. Bloß nicht von der 19-Stück starken Tracklist abschrecken lassen! Die Songs sprengen kaum die drei-Minuten-Grenze. Und wenn doch, kommt eben der beliebte 80er-fade-out-Trick zum Einsatz um etwaiger Überlänge Einheit zu gebieten!

Bleibt also nichts weiteres zu tun, als sich vom gläserschmooven Clap Hands anfixen zu lassen und der Aufforderung des Titels nachzukommen!

Unterm Strich schmachtet, bellt und armstrongt sich Waits hier rhythmisch durch eines der besten Rockalben der 80er. Ein super Einstiegsalbum um einen spannenden, wichtigen und einflussreichen Musiker für sich zu entdecken. Jetzt reinfahren, um beim 30jährigen Jubiläum im September mitreden zu können!

Anspieltipps: Clap Hands, Tango till they’re Sore, Time, Rain Dogs

Albumstream:

Weiterhin empfehlenswert: Die bereits erwähnten, stilistisch ähnlichen Alben Swordfishtrombone und Franks Wild Years, besonders aber das tiefschwere „Spätwerk“ Alice aus dem Jahre 2002. Rain Dogs bekommt man selbst auf Vinyl schonmal für nen gut angelegten Zehner. So watch out!

Released: 30.09.1985 via Island Records