Review: Suns Of Thyme/Cameron Lines/Nürnberg/28.09.2016

Suns Of Thyme Backstage @ MUZ Club – Photo by Stefani Schmid Rincon

Kronleuchter, tiefrote Vorhänge, langsam rotierende Discokugeln und gedimmtes Standlicht nebst überragendem Sound: Der MUZ-Club sollte sich, wie erwartet, als die perfekte Retro-Chic-Kulisse für das psychedelische Mittwochskonzert mit Suns Of Thyme erweisen.

Cameron LinesBevor der Main-Act allerdings die Bildfläche betritt, dominiert der kernige Garage-Rock der etwa zwei Jahre jungen Cameron Lines das Geschehen. Den White Stripes-Vergleich muss man sich als Duo aus Drums+Gitarre einfach mal gefallen lassen. Kommt stellenweise aber tatsächlich recht gut hin. Bereits der Einstiegssong We Don’t Need To Know stellt mit den gelungenen, zweistimmigen Vocal-Harmonien sowie dem wärmstens übersteuerten Fuzz-Sound zwei gute Gründe dar um die Band gern zu haben. Hin und wieder vermisst man zwar den Bass schmerzlich, ansonsten kann man die zwei Boys samt ihrer gemütlichen Holzfälleroptik eigentlich nur sympathisch finden. Der Tuesdays Blues aus Dresden scheint jedenfalls auch bei einem Mittwochs-Publikum prächtig zu funktionieren.

Selbiges quadriert sich noch im Verlauf des 35-minütigen Sets der Vorband auf eine beachtliche und schätzungsweise dreistellige Zahl was nicht wenig verwundert, ist der Headliner doch gerade dabei, seinem Geheimtipp-Status zu entwachsen. Wenn man das bei einer von Musik Express bis FKP Scorpio präsentierten Tour und Release auf Napalm Records nicht sowieso schon längst getan hat… Dass die Berliner sich ihr Standing redlich verdient haben, stellen sie in den folgenden eineinhalb Stunden unter Beweis, von denen allenfalls die letzten 20 Minuten etwas zu viel des Guten waren. Und das alleine will schonmal was heißen!

Suns Of ThymeSuns Of Thyme

Was den Charme der Band gerade live so unwiderstehlich macht, lässt sich nur schwer in Worte fassen, ist dann aber wohl eher im unglaublich präzisen Zusammenspiel als im Austauschen technischer Raffinessen, großer Gesten oder ausladender Hooks zu suchen. Mag sich der Fünfer auch noch so wortkarg und bis auf Organist/Percussionist Tammo Dehn etwas bewegungsfaul geben: Man vermisst nichts! It’s all about the feeling und außerdem bietet die spindeldürre Anatomie diverser Mitglieder auch genug fürs Auge. Oder eben auch nicht…

Suns Of ThymeZwischen hochkonzentriert und losgelöst entrücken die Musiker ihr entspanntes Publikum in ihre detailverliebte Welt aus 70s-Psychedelica, Hippie-Romantik und orientalischen Klang-experimenten. Die Setlist lässt nichts zu wünschen übrig und greift großzügig auf das Material ihrer beiden bisherigen Alben zurück. Der Start mit dem Knaller Do Or Die von der aktuellen Platte Cascades zündet ebenso wie die ‚Klassiker‘ Blue Phoenix TreeSoma – God For Gods oder The Years We Got Are Not Enough von Fortune, Shelter, Love and Cure. Neben dem Mantrabrett Asato Maa sticht heute vor allen Dingen One Song als Highlight aus diesem ersten Schaffenszyklus hervor. Ähnlich gut kommen die Synthieteppiche in Schweben oder das live um einiges organischere Intuition Unbound, die zusammen mit Ich Träum Von Dir, Rush, Kirwani und dem verhältnismäßig flotten In Dreams Awake von der Qualität der neuen Scheibe zeugen. Der düstermelancholische Gothic-Rock von Aphelion beendet das reguläre Set, ehe als Zugabe noch ein wenig gefälliges Geplänkel in den zufriedenen und zu Frieden gekommenen Saal gestreut wird.

Das Suns Of Thyme eine gute Liveband sind, war mir seit dem Void von vor zwei Jahren bewusst. Das sie starke Songs haben spätestens seit ihrem Debüt. Mit einem derartigen Konzert-Highlight wie an diesem Abend hatte ich trotzdem nicht gerechnet. Starke Leistung! Starker Trip!

Alle Live-Photos exklusiv von Ein Bild Mit Dem Mann!

Bilderstrecke: Rock Im Wald Festival/Neuensee/29.-30.07.2016

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Was gäbe es noch über das Rock Im Wald – Festival in Neuensee zu sagen, was nicht schon vor zwei Jahren gesagt wurde, außer, dass sich die Macher treu geblieben sind was den familiären Charme, die Überschaubarkeit, die Qualität der Musikauswahl, die auf allen Ebenen preisliche Fairness und die durchweg gute Organisation anbelangt? Eben! Deshalb erfolgt der diesjährige Nachbericht nicht wie üblich im ellenlangen Text sondern in Form einer umfangreichen Bilderstrecke, die in Zusammenarbeit mit Ein Bild Mit Dem Mann entstanden ist und mit Fotos von CANNAHANN, Honeymoon Disease, Year Of The GoatDead Lord, Bombus, Imperial State ElectricGraveyard, Dead and Stoned, White Miles, Planet of ZeusMANTARUncle Acid and the deadbeats und Kvelertak fast alle Acts des Festivals zeigt. On Top gibt es außerdem noch Impressionen vom sonstigen Geschehen zu begutachten.

Klickt euch entweder direkt hier durch das Bildmaterial oder fahrt euch das Fotoalbum auf Flickr rein. Enjoy!

Rock Im Wald 2016

Unser Dank gilt der Festival-Leitung, die uns bereitwillig Zugang zu allen Bereichen gewährt hat!!!

Die-Coole-90s-Alternative-Super-Woche!!!

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as found on: rantlifestyle.com

Der anhaltende und zumindest in meinem Bekanntenkreis deutlich spürbare wie berechtigte Hype um großartige Neo-Grunge – Bands wie Milk Teeth oder Violent Soho sowie musikalisches Treiben im privaten Bereich gaben mir kürzlich den Anstoß mich einmal wieder auf eine Zeitreise in die 90er zu begeben um nach neuen alten Perlen meines Lieblingsjahrzehnts zu stöbern, die sich im weitesten Sinne dem Alternative/Grunge/Gitarren – Sektor zuordnen lassen. Dabei sollte ich mehr als fündig werden, weshalb ich euch nun kommende Woche jeden Tag einen kleinen Geheimtipp vorstellen möchte.

Sieben Veröffentlichungen aus dem weitgesteckten Feld Alternative also, die vielleicht noch nicht jeder auf dem Schirm hatte. Perfekte, runde, in sich geschlossene Platten sind dabei nicht zwingend zu erwarten. Dafür aber eine ganze handvoll Hits für den kommenden Sommer. Versprochen!

Das dabei allseits bekanntes wie Nirvana ausgespart wird, sollte sich dabei von selbst verstehen. Ich betone nochmals: Geheimtipps aus dem Bereich Alternative/Rock! Keine ‚Best Of 90s‘ Liste oder so…

Ab Morgen geht es in loser Reihenfolge los! Komm doch mit!

Neues Album von Zikade!

a3000362442_16Das dritte Album des Berliner Acoustic – Pop – Avantgardisten Zikade trägt den Namen Komische Musik und ist bereits seit einigen Tagen auf bandcamp abrufbar.

Der Titel ist Programm. Die Platte speziell wie einzigeigenartig. Verträumt, verspielt, verstrahlt. Lyrisch bedeutungsschwanger. Angesiedelt zwischen großem Pathos, großen Gefühlen und großer Intimität. Gewohnt mutig wie spannend.

Diesmal allerdings auffallend entspannt und zurückgelehnt. Die Hektik, die auf den Vorgängern gerne hier und da aufblitzen mochte, sucht man vergeblich.

Vielleicht das bisher zugänglichste Werk aus der Zikade – Schmiede, die mal wieder einen echten Geheimtipp zutage gebracht hat, an welchem meine Wenigkeit sogar durch diverse Bass – Beiträge Teil haben durfte.

In diesem Sinne: Lass uns unser Blut verteilen! oder etwas neumodischer ausgedrückt: Spread the word!

Fav: Perlentaucher

Komische Musik im Stream:

Sticky Fingers – Caress Your Soul (2013)

as found on: stickyfingers.bandcamp.com

Auf was ist eigentlich noch Verlass, wenn ich nun nicht mal mehr davon überzeugt sein kann, dass ich Reggae nicht mag. Die Schuld daran, dass diese bisher in Stein gemeiselte Überzeugung Risse im Betonkleid bekommen hat, trägt die australische Band Sticky Fingers. Fair enough: Was auf deren Debut von 2013 aus den Boxen quillt ist kein Reggae im klassischen Sinne. Als ‚melting pot of psych, rock, reggae, & bourbon‘ will die Band ihre Musik verstanden wissen.

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Und diese Umschreibung lässt sich gleich viel besser mit dem geschundenem Gewissen vereinbaren, mag sie auch nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Denn wo Genre-typische Klischees wie Ska-Bläsersätze und JahJah-Gebrabbel (wahlweise auch Jah-Bläsersätze und SkaSka-Gebrabbel) freundlicherweise ausgespart werden, bleibt der typische Groove doch überpräsent. Und gegen den ist im Grunde genommen auch garnichts einzuwenden wenn Bass und Drums eine derart tighte Einheit sind wie gleich zu Beginn der Platte auf dem alles überstrahlendem Überhit How To Fly:

Apropos fly: In diesem Punkt zeigt sich der Fünfer ohne Zweifel erhaben. Optisch muss man sich nichts vormachen lassen. Die charmanten Videos legen darüber nicht nur Zeugnis ab sondern waren für mich überhaupt erst der Schlüssel zur Band. Besonders das trashig blutige Freddy Crabs (siehe unten) weiß zu gefallen und steht der visuellen Ebene auch tonal in nichts nach. Mächtig! Ob ich das Gitarrensolo ohne den ironischen Videoanstrich verkraftet hätte, bleibt dennoch fragwürdig.

Auf elf lässige Songs verteilt, schwimmt Sänger Dylan Frost, seines Zeichens eine Art Jay Kay des Reggaes, mit seinen lyrischen ‚Good Time Memories‘ konform zum Gute-Laune-Flair über Wogen aus schmooven Keys und obligatorischen Off-Beat-Gitarren durch den Indischen Ozean. Mit dem Strom. Seltener dagegen, wenn Geschichten von Einsamkeit und gescheiterten Beziehungen durchsickern.

Neben den beiden erwähnten Übersongs bieten der Titeltrack, Australia Street , Clouds & Cream oder Kiss The Breeze mit schier unverschämter Catchyness weitere Gründe Caress Your Soul gern zu haben und trösten so spielerisch über die etwas arg glatte Nummer Sex, den unnötigen Abschluß Let It All Out oder Bootleg Rascal hinweg, das zwar partiell zu überzeugen weiß aber mir mit den Stakkato-Sing-Sang-Einlagen dann doch zu arg den Average-Reggae-Dude mimt.

Unterm Strich ein recht lukrativer Blick über den Tellerrand, der mit einem symphatisch entspannten Sunshine-Album für die unbeschwerte Zeit belohnt wird. Laid back und chillig. Ja, chillig! It’s Reggae fo‘ christ sake, nah mean?

Anspieltipps: How To Fly, Freddy Crabs, Caress Your Soul

Caress Your Soul im Stream:

Übrigens: Der im Sound dichtere und vielleicht sogar etwas bekömmlichere Nachfolger Land Of Pleasure von 2014 schlägt etwas mehr in die Indie – Kerbe (in die Indie), ist ebenso empfehlenswert, jedoch mit weniger Instant – Hits versehen. Beide Platten bekommst du hier.

Released: 08.03.2013

Review: Zikade – Salzgeschichten (2015)

a2769246469_16Nicht einmal ein Jahr ist es her, da hat der aus Berlin stammende Ausnahmemusiker Zikade mit Das Ende der Beschwerde ein  beachtenswertes wie verschrobenes Debut hingezimmert. Nun werden die Salzgeschichten erzählt, genauer gesagt schon seit einigen Wochen und wissen es, durch ungeahnte Aufgeräumtheit und wohltuenden Raum, das Herz mit anderen Worten und neuen Weiten zu bewerfen.

 

Alles anders also… aber immernoch surreal. Das weiß schon der Opener, der den Hörer gerne mit Pop-Appeal umgarnt und trotzdem nicht darum verlegen ist, freche, synthetische Wellen aufzutürmen. Wellen, die auch das Meer aus Gras im nachfolgenden Jung wiegen. Wer die aufrichtig zarte Melancholie dieses Tracks nicht fühlt, braucht den restlichen Salzgeschichten wohl kaum weitere Beachtung zu schenken. Wer hingegen gefühlsmäßig an Board ist, wird mit Zikade bereitwillig vom Ufer ablegen, an dem einst ein Hafen stand und durch den restlichen Tag gemeinsam schaukeln wollen. Im Sonnenlicht. Sich die Augen Pink pinseln lassen und die Lippen solange im satten Grün wälzen, bis der Mund zum Schlachtfeld wird. Die Möglichkeiten hat man schließlich. Der Teufel hat’s gesagt. Der Teufel hat gefragt.

Zikade antwortet mit einem unheimlich intensiv knisternden wie emotionalen Liebesalbum. Die auf dem Vorgänger recht dominanten Samples, sucht man bis auf dezent verhaltene Beats vergeblich. Psychedelisch angehauchte Gitarrenklänge dominieren das Klangbild, werden von warmen Bässen gestützt. Gemeinsam verlieren sie sich in Schall und Rauch. Wer jetzt an Fanta 4 denkt, wird sich bei den Sprechgesangseinlagen von Einfach umso mehr am Tag am Meer wähnen. Über allem webt das veruchrauchte Stimmorgan der Zikade immernoch polarisierende Lyrik, die sicher auch diesmal nicht nur auf Zuspruch treffen dürfte. Pseudointellektuell schimpfen Kritiker so etwas gerne, was hier aber keineswegs geltend gemacht werden darf. Tatsächlich transferiert die kryptisch komplexe Wortwahl die Musik perfekt auf die Textebene, zeugt von großer Weitsicht und ist zudem oftmals schonungslos ehrlich. Man muss sich nur darauf einlassen können und die Zeit mitbringen, welche die Salzgeschichten sich nehmen.

Irgendwo zwischen Tom Waits, Portishead, Beck, Selig, Neubauten, Marlene Dietrich, Pink Floyd, Singer-Songwritertum und Unerhörtem ist das Endprodukt sicherlich und unbedingt als mutig einzustufen. Noch mutiger dürfte es allerdings sein, sich absolute Hits wie Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten oder das schmutzige Warnlicht entgehen zu lassen.

Für mich jedenfalls eine der innovativsten Platten der letzten Monate! Serious!
Jeder weiss Bescheid was zu tun ist, oder?

Anspieltips: Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten, Warnlicht, Alles anders

Albumstream:

Die Salzgeschichten lassen sich für 10€ über bandcamp beziehen.

Released: 29.07.2015 via bandcamp

Review: Up in Smoke Vol.5/Würzburg/13.03.2015

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Möchte man in Würzburg Konzerten von Künstlern mit Rang und Namen beiwohnen, sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass – unterfränkischer Lokalpatriotismus hin oder her – die Mainperle immernoch Teil von Bayern ist. Demnach sind Attribute wie z.B. Zucht & Ordnung weitestgehend zu beachten. Heute sollte es allerdings die Pünktlichkeit sein, die groß geschrieben werden wollte. Der Nichteinhaltung dieses zum vollständigen Konzertgenuss notwendigen Grundsatzes sei es denn auch geschuldet, dass ich den Supportact THE GROUNDING gnadenlos verpasse. SORRY! But if you’re one of the Cool Kids you won’t be there at 8 pm…

Damit bleibt die Würzburger Formation, die sich immernoch einer Webpräsenz verweigert, für mich weiterhin mysteriös. Augenzeugen wussten aber von einer gut eingespielten, psychedelisch angehauchten Instrumentalband zu berichten. Gerne habe man improvisiert. Dazu eine komplett gejammte Zugabe, begeisterte Leute in der ersten Reihe sowie „übelst abgefahrene Spacesounds“, für die sich der Psychedelic Network-Guru und H20’s finest verantwortlich zeigt. Weitere, nicht ganz unbekannte Gesichter, darf man in der schönen Fotoreihe von music-on-net.photography gerne selbst ausfindig machen. Das nächste Mal dann besser pünktlich sein…

Und wer ist alles am Start? Ein erster Blick in die Posthalle lässt einen vergnügt schmunzeln. Denn hat man einen einigermaßen guten Überblick über die hiesige Band-, Musiker-, und Konzertszene, findet sich so mancher bekannte Charakterkopf unter den schätzungsweise 300 bis 400 Besuchern. Da stehen die Hardcore- und Black-Metal-Kiddies in trauter Einigkeit neben den gestandenen, alteingesessenen Kuttenträgern, um gemeinsam den ausufernden Klangteppichen der Headlinerbands zu lauschen. Und auch die Black Sabbath– und Led Zeppelin-Shirts (die letzten Jahre eher priviligierten H&M-Kunden vorbehalten) werden endlich wieder mit Stolz getragen. Das, was böse Zungen als Altherrenrock bezeichnen, ist immernoch schwer in Mode.

IMG_3148 KopieDie haben RADIO MOSCOW aus Iowa zweifellos im Griff: Braunes Lederwestchen, Rickenbacker, Medallions…. Matte und Schnauzer sind sowieso Pflicht! What you see is what you get: Die Strat versprüht Hendrix galore während sich die Rhythmusgruppe knochentrocken durch den Opener Death of a Queen pflügt. Dazu zentnerweise Hall auf den Vocals. Ordentlich dichter Sound für eine three-piece-Band! Das bringt die Mähnen im Publikum sofort in Wallung. Bereitwillig lässt sich dieses von Broke Down zum Warpig machen oder gleich von Rancho Tehama Airport durch die Prärie peitschen. I just don’t know… technisch ist das einwandfrei bis beeindruckend und auch kurzfristig spannend…

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…spätestens jetzt aber stellt sich bei mir schon Übersättigung ein. Die schier endlosen Solis von Mastermind Parker Griggs machen mich mürbe und mir die grundsätzlich recht greifbaren Songs ganz schön madig. Auf die Frage, was denn mein Stehplatznachbar von der Darbietung hält, ernte ich ein knappes „übertriebene Affen, die gern 60 Jahre alt wären“. Ganz so grob hätte ich es nicht formuliert aber gut: Ich bin nicht allein! Wir dürften trotzdem nur einen kleinen Prozentmuffelsatz darstellen, denn die Meute folgt der Band auch die restlichen 250 Miles und hat sichtlich Spaß an der Truppe. Genanntem, achtminütigen Trip folgt das flotte Before it burns. Beim darauffolgenden Stück lege ich erstmal eine Toilettenpause ein. Klar, before it burns… Die Band spendiert noch Deep Blue Sea vom 2007er Debut und beendet ihr 50-minütiges Set bluesy. Die beiden Alben The Great Escape of Leslie Magnafuzz und 3 & 3 Quarters bleiben somit außen vor. Die Fans scheinen dennoch entschieden auf ihre Kosten gekommen zu sein und in der Umbaupause sind beinahe ausnahmslos begeisterte Lobeshymnen auf die Band zu vernehmen. Beispiele gefällig?

"Übertrieben gut!" 
"Total Titte! Schlagzeugsound war sexzellent, Klampfe sowieso über alle 
Zweifel erhaben, der Bass hat ordentlich gedröhnt. Sehr sexy!"
"Odin ist persönlich aus Wallhalla herabgeritten um bei dieser Show seinen 
Geist auf die drei Bandmitglieder von Radio Moscow zu verteilen!"  
"Die Band war der absolute Wahnsinn. Wir waren vor der Bühne und ham 
gedacht: Woah, unser Höschen muss jetzt gleich gewechselt werden.
Wir sind verliebt!"
"Ich dreh einfach komplett durch!"

Metalleude… Wohin die Liebe fällt… Offenbar ist somit für viele der Konzertabendzenit bereits erreicht worden! Das überrascht, da mit den deutschen Urgesteinen von COLOUR HAZE das im Vorfeld vermutete Highlight erst noch ins Haus steht. Die Münchner geben sich ähnlich wortkarg wie ihre Vorgänger und lassen vor allem die Instrumente sprechen. Der Vocal-Anteil ist bei der Band bekanntermaßen sowieso gering.

IMG_3186 KopieUmso amüsanter, dass der barfüßige Sänger und Gitarrist  Stefan Koglek (ich enthalte mich jeglichem schlechten Wortwitz zu dessen Nachnamen) sich gegen Mitte des Sets, aufgrund des zu lauten Publikumpegels, dazu gezwungen sieht, den Quasselstrippen durch die Blume zu sagen, dass diese doch bitte mal die Goschen halten sollen. Und ich hab das auch noch verpasst! Denn in besagtem Moment bin ich schon längst durch die Tür, um mich nochmal auf der Gegenveranstaltung im Keller umzuhören. Somit entgeht mir auch der 26-minütige Zugabensong der Psychedelic-Kanone.

 

Was ich allerdings während der ersten(!) 50 Minuten erfahren durfte, war eine sehr interessante Band, die ihre Stücke zwar gut durchdacht, aber eben auch sehr langwierig gen Endlosigkeit auftürmt. Sowas muss man halt einfach mögen oder besser noch: FÜHLEN. Ich vermag (zumindest heute) weder der einen noch der anderen Regung nachzukommen, kann und will aber auch wirklich nichts Schlechtes über die Jungs sagen. Und selbst wenn: Es dürfte sie eh nicht kümmern. Wie sie da vor wabernden Lavalampenprojektionen stehen. In ihrer Religionslehreroptik, ganz aufgelöst in Musik, abgetaucht in fremde Sphären, die rhythmisch wogende Seelenmasse vor der Nase in ihre Atome spaltend und darum bemüht, sie dem Kosmos einzuverleiben! Damn… wie es scheint löst die Band in mir heftigste Potheadschwadrationsromantik aus… Immerhin! Macht sich sicher gut, wenn ich das erste Mal mein schniekes Batikshirt trage, welches ich eben auf der Herrentoilette gefunden habe…

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Alle Fotos exklusiv für www.derdanielistcool.de und mit freundlicher Genehmigung des mightyfinen Photographen Awanes!

Up in Smoke Vol.5!

plakat_dina2_upinsmoke_vol5_dez2015_RZSeit wenigen Tagen schon zieht das, sich großer Beliebheit erfreuende, psychedelische Tourspektakel Up in Smoke seine Dunstwolke quer durch Deutschland.

Auch für die fünfte Auflage, der 2011 ins Leben gerufenen Konzertreihe, konnten mit den Münchener Stonerurgesteinen Colour Haze und der Jimi-Hendrix-infizierten Truppe Radio Moscow aus Iowa wieder große Szenenamen verpflichtet werden.

Wir dürfen beim Stop in der Posthalle Würzburg am 13.03.2015 dabei sein, wenn das bewusstseinserweiternde Doppel vom, noch immer ohne Webpräsenz agierenden, lokalen Instrumenatalquartett The Grounding supportet wird. Oh Baby kommt alle mit, kommt alle mit auf den Haze Ventura Trip!

Review: Björk – Vulnicura (2015)

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as found on: www.facebook.com/bjork

Was hat man sie erst gehasst, später geliebt? Was hat sie einen nicht mit Minimalismus und Opulenz gleichermaßen strapaziert? Was war sie einem fast egal!? Was hat man sie plötzlich doch wieder gern! Gut, um den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu legitimieren, wäre die Ich – Perspektive womöglich stilvoller gewesen, doch ist dem anhaltenden Medienecho zu entnehmen, dass viele Leute – zumindest in Bezug auf letztere Behauptung – eine ähnliche Beziehung zur Kunstfigur Björk an den Tag legen.

Die präsentiert sich auf dem Cover ihres beinahe ohne Vorwarnung gedroppten, neunten Outputs in Madonnapose – mit weit klaffender Vulva auf dem Latexbusen. Das kommt nicht von ungefähr: Die Trauer um ihre just in die Brüche gegangenen Beziehung zu Matthew Barney zwingt die Isländerin, welche sich immernoch der charmantesten Form von schlechtem Englisch bedient, geradezu sich zu öffnen und uns an ihrem Selbstheilungsprozess teilhaben zu lassen.

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How will I sing us out of this sorrow? – Sie tut es einfach! Und das auf angenehm sanfte Art und Weise. Vulnicura ist ein sehr entspanntes Album das sich Zeit nimmt. So weit so Björk. Auffällig allerdings, dass man kaum vor den Kopf gestossen, nicht überfordert, sondern fast schon mit offenen Armen empfangen wird. Björk ist dabei natürlich immernoch Björk und macht allenfalls so weiter wie man sich das nach dem 97er Homogenic gewünscht hätte. Ergo hat man auch Vulnicura wieder als ein großes Ganzes zu betrachten denn etwa als Ansammlung potentieller Stücke für die nächste Playlist. Dementsprechend schwer fällt dabei auch die Sache mit den Anspieltips. Der Opener Stonemilker ist, auch ob seiner verhältnissmäßig kompakten sechs Minuten, tatsächlich der perfekte Einstieg in den neun Song starken Herzschmerzepos.

Mit Input von Hexan Cloak, vor allem aber von Soundhexer Arca, der das FKA-Twigs Debut schon zum Hochgenuss machte, wird zu weichen Streicherteppichen und verhaltenen Beats geschmachtet und das R derrrmaßen gerrrollt, dass nicht nur Till Lindemann vor Neid erblassen dürfte, sondern mit jedem neuen Hördurchgang auch mein Frankendasein ein klein wenig an Rückgrat gewinnt.

Als besonderes Bonbon gibt es zudem noch ein Feature mit Antony Hegarty auf Atom Dance. Die Stimme des Engländers, den ich bislang noch garnicht auf dem Schirm hatte, überzeugt mich sofort! Ein Blick in seine Videography zeigt, dass ich da noch einiges an Nachholarbeit zu leisten habe!

Apropos Video: Da macht Björk natürlich bekannterweise kaum jemand was vor (hör ich da jmd. Die Antwoord murmeln… well: quite possible!). Umso bedauernswerter, dass man auf das erste Musikvideo – wie auch auf die Spotifyverfügbarkeit des Werkes – noch warten muss (Reaktion auf den vorzeitigen Leak? One could guess so!). Einen vorzüglich kleinen Vorgeschmack zum Black Lake – Clip gibt es allerdings schon zu begutachten:

Yes! Welcome back! Wer Debut, Post oder Homogenic immer wieder gerne auskramt, wird auch an Vulnicura seine helle Freude haben und darf gerne blind kaufen! Wer gerade nach einem Soundtrack zum zelebrieren seines Liebeskummers sucht: sowieso!

Tracklist:

1.Stonemilker
2.Lionsong
3.History of Touches
4.Black Lake
5.Family
6.Notget
7.Atom Dance
8.Mouth Mantra
9.Quicksand

Released: 27.01.2015 via One Little Indian, Megaforce Records

Conny Ochs spricht über seine Discographie (Voll Cool Ey! – 01)

Voll Cool Ey! – Episode 01 beschäftigt sich ausschließlich und sehr intensiv mit dem Schaffenswerk des Musikers Conny Ochs.

Vielen bekannt als Solokünstler, für seine Kollaboration mit Wino (Saint Vitus), aber auch als Frontmann bei z.B. Baby Universal oder den seligen Zombie Joe, kann der gebürtige Hallenser mittlerweile schon auf beinahe zwei Dekaden Musikerdasein zurückblicken.

Wir konnten ihn nach seinem Konzert im Rosenkeller/Jena für ein intimes wie aufschlussreiches Gespräch gewinnen, in dessen Verlauf wir seine umfangreiche Discographie gemeinsam Revue haben passieren lassen.

Enjoy the ride!