Review: ZERRE – Different Lines (2017)

artwork by Julia Witas

Da hat sich jemand was getraut! Die im Hardcore verwurzelten ZERRE aus Würzburg wagen mit Different Lines den Blick über den Tellerrand. Vom Gemüt her eh schon immer erfrischend fern von elitärem Szene-Gehabe, schlägt sich die offene Natur des Fünfers nun auch in der Musik nieder. Dürfte sicher nicht zuletzt am erneuerten Line-Up liegen, mit dem nun zum ersten Mal ausgiebig komponiert wurde. Das Ergebnis spricht für sich und bedeutet vor allem eins: Mehr Metal! Es gibt sogar Gitarrensolos!

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Scabs, Guns and Peanut Butter!

The Frankenstein Drag Queens From Planet 13 – 2001(v.l.n.r. Ikky,It,Wednesday13,Scabs)

David Hughes ist am vergangenen Samstag, den 19.03.2016 im Alter von gerade mal 41 Jahren aus bisher ungeklärten Gründen im Schlaf verstorben.

David Wer?

Nun, Fans dürfte der Musiker dann doch eher als Scabs geläufig sein. Bekanntheit erreichte er unter diesem Pseudonym mit der North Carolina – Horror/Trash/Glam/Punk – Formation The Frankenstein Drag Queens From Planet 13, in deren Endstadium er als Schlagzeuger fungierte.

The Franken…was? Richtig, die kennen eigentlich auch nur Die Hard – Fans des I used to fuck people like you in Prison – Katalogs und Anhänger des vermeintlichen Slipknot – Nebenprojekts Murderdolls oder Wednesday 13. Letzterer frontet(e) die beiden letztgenannten Projekte wie auch die Frankenstein Drag Queens und hat nur warme Worte für seinen ehemaligen Mitstreiter übrig:

Wednesday

Auch October, Hughes‚ letzte Band, trauert und spendet alle Einnahmen, die über ihren Bandcamp-Auftritt eintrudeln zur Finanzierung der bevorstehenden Bestattung:

October

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David Hughes – 2001

Apropos Finanzierung der Bestattung: Eigens hierfür wurde eine GoFundMe-Seite eingerichtet, die bereits die Hälfte des benötigten Budgets erzielen konnte. Wer kann und mag packt mit an!

Mögen die beiden unten aufgeführten Frankenstein Drag Queens – Alben, an denen Hughes beteiligt gewesen ist, zwar nicht  zwingend die stärksten der Band – Diskographie sein, sind und bleiben sie mir dennoch geliebte wie unzählig konsumierte Classics, die mich schon lange begleiten, sicher auch geprägt haben und mit deren Songs ich starke Momente verbinde. Deshalb: Ein dickes SÄRS! und Viva Las Violence an David Hughes!

David wer? David DER:

The Frankestein Drag Queens From Planet 13 – We Have To Kill You (live)



The Frankenstein Drag Queens From Planet 13 – Viva Las Violence (2001)

Wednesday 13’s Frankenstein Drag Queens – 6 Years, 6 Feet Under The Influence (2004)

Review: Der kosmische Penis # 91

12417904_1207025262659464_410521288002105551_nDas Schweinfurter Fanzine ‚Der kosmische Penis‘ genießt nicht nur regionalen Kultstatus, sondern gehört mit nunmehr 91 Ausgaben zweifelsohne zu den Dienstältesten seiner Gattung. Seit 1987 schon widmet sich das Zwei-Mann gesteuerte DIY-Blatt mit Leiden-schaft dem Punkrock, der Popkultur, verschiedenen Reiseberichten oder aber auch  schräg-kruden Regional-ereignissen. Ohne Werbung. Ohne Internetpräsenz. Ohne Firlefanz. Oldschool, wenn man so möchte.

Wohl habe ich das Magazin schon seit gefühlten tausend Jahren auf dem Schirm und auch hin und wieder mal auf lokalen Konzertabenden überflogen. So wirklich aufmerksam zu Gemüte geführt habe ich es mir peinlicherweise aber noch nie. Ausschlaggebenden Impuls es nun doch einmal zu tun, gab sicherlich die Review-Sektion zu aktuellen Releases aus der hiesigen Szene, als da wären: Die kommende Bait-Scheibe, die Demos von Seattle Jay und den Cold Kids oder die Protz-Produktion von The New Black. Und natürlich die Besprechung zur aktuellen Cannahann-Platte:

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Was sich ansonsten unter der mit Grillz verzierten Fresse von Otto Rehhagel tummelt? Allerhand spannendes! Ausführliche Interviews mit dem Plattenlabel Sell Your Soul Records, Boysetsfire, Anthrax oder der Modelinie NekoNeko. Außerdem: Ein Bericht über die Volkacher Weinverköstigung Wine for Punx, welcher ich nebenbei bemerkt auch schon beiwohnen durfte und auch sehr empfehlen kann, Konzertberichte, Reviews aus der Ersten Liga (unter anderem zur gelobten Nevermen-Platte, deren Veröffentlichung ich nun noch mehr entgegenfiebere), ein Abgesang zur Schließung des Café zum schönen René und die Mythosaufdeckung des an mir vollkommen vorbeigegangenen fränkischen Mount Rushmore-Spektakels, nebst unzähligen, Insider-bespickten und festen Rubriken.

Vielerlei ansprechendes also, wie ich finde! #91 hat mir jedenfalls erst kürzlich eine dröge Zugfahrt versüßt und auch sonst bestens unterhalten! Und das bei gerade mal 2,60€ für 82 Seiten samt Mini-Poster!

Der kosmische Penis erscheint in regelmäßigen Abständen als 250-Exemplar-starke Auflage und ist in Schweinfurt (Stattbahnhof, Collibri), Würzburg (Cairo, Immerhin, Café zum schönen René, H2O) Zeil am Main (Mambo Bar) und Bamberg (Musicland) zu haben.

Ansonsten lohnt bei Abo-Interesse sicherlich auch der direkte E-mail-Kontakt!

Review: Rick Tick Evil // We’ll Take It From Here – Releaseparty Würzburg/14.03.2015

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Booyah! Ey! Hallo,danke dass ihr alle da seid! Ausschließlich schöne Menschen!“ Die Band ist sichtlich erfreut über ein gut gefülltes Immerhin. Das ist am heutigen Samstagabend in Würzburg nicht zwingend selbstverständlich. Zum einen gibt es in Hammelburg mal wieder die Möglichkeit sich saftig Corpsepaint zu die Fresse nei zu schmieren, in Bad Neustadt im kleinen oder Schweinfurt im großen Rahmen abzupogen und zum anderen den Vortag zu bewältigen: Hirngespinste vom Up in Smoke deuten oder sich die Tränen nach dem Life of an owl – Split abtrocknen zum Beispiel…

Wenn Rick Tick Evil allerdings nach etwa vierjähriger Warteschleife mit ihrem ersten Dreher aus dem Knick kommen, stellt sich für viele glücklicherweise erst gar nicht die Frage nach etwaigen Alternativen. Das soll gebührend gefeiert werden! Die heutige Supportshow für die schwedischen Rock’n’Roller The Kendolls wird kurzerhand zur Releaseparty der Schweinfurter Band umfunktioniert. Ganz richtig: We’ll take it from here kann heute in Form einer neun Track starken CD mit nach Hause genommen werden. Für nen schlappen Fünfer! (Schnitzel & Blowjob-Day it is…)

Alle Tracks sind selbstredend im 13 Song starken Set vertreten und wetteifern mit einigen neuen(?) Stücken, wie dem famosen Opener Megalomaniass oder der hervorzuhebenden Stop&Go-Drogenode Black Streets um die Vorherrschaft der perfekten Caffeine Injected Action Rock – Hymne. Dieser Titel geht auch heute an den kleinen Hit New Waves, der einen im wahrsten Sinne des Wortes umhaut. Und zwar derartig, dass Gitarrist Colin inmitten eines legeren Fallrückziehers gleich mal die halbe Schlagzeugfront abräumt! Party!

Genannter Track macht live, wie auf Platte tierisch viel Spaß, was vor allem am catchy Popappeal der Vocals liegt, dem die Band meiner Meinung nach ruhig öfter eine Chance geben dürfte. Gerade wenn man eine Stimme von solchem Kaliber an der Front hat! Zudem denk ich bei dem Stück immer an meine liebste Nena Nummer, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist! Für Lollipoppunkfreunde wie mich gibt es außerdem noch Lazy, late, common fate zu entdecken – wie viele Titel mit gekonnter Backgroundunterstützung der Saitenfraktion. „Kommt auf die Ep, die dann wahrscheinlich 2020/2021 erscheint!“

Ansonsten? Skaterock it shall be! Die Drums kommen mächtig heute! Und das die Gitarissten flinke Wiesel sind ist eh nichts neues! Gut schaut man aus! Mit Snap und Batik! Von Licht und Nebel eingehüllt in einen Hauch aus Smells like teen spirit! Die Leute feiern das! 45 Minuten lang! Den zahlreichen Zugaberufen kommt man trotzdem nicht nach, dass übernehmen die Jungs aus Schweden, die ich mir nur noch partiell geb, da bei mir die Schotten dicht sind: Genug Rock’n’Roll für mich heute! Auch wenn die optischen Reize der halbnackten Männerleiber zu späterer Stunde nicht zu verachten sind: Wilde Performance! Gleich komplett verpasst hab ich zudem den Sexual Punk der Supportband Clitlicker… Zorry dudes!

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Und die Scheibe???

Hält was die Show verspricht! Wer Rick Tick Evil live mag, der mag auch die Platte und umgekehrt. Krass gute Produktion, die Eier hat und auf unnötigen Schnickschnack verzichtet. Verantwortlich dafür ist übrigens das Tonstudio Rocketscienceaudio, welches – mit Michael Simon – von einem Mann aus den eigenen Reihen betrieben wird. Das sei hiermit auch schwerstens weiterempfohlen! Bleibt nur noch die Frage zu klären, was denn diese drei Buchstaben bedeuten sollen, die da auf dem Schweinfurter SKF-Gebäude prangern!? Royal T Ess hätt ich jetzt einfach mal vermutet… Diese Theorie würde ob des fettigen Rocks, der da aus dem Digipak trieft, zumindest Sinn ergeben. Zumal sie zusätzlich vom MC Donalds-Jingle gestützt wird, der spitzfindigen Ohren, wie den meinigen, nicht verborgen bleibt! Einfach mal bei 9-2-5 um die 2:01 reinklicken:

Man merkt: Das Warten war nicht umsonst! Kein Waiting for nothing quasi… Hut ab!

Albumstream:

We’ll Take It From Here ist derzeit für sechs lockere Flocken digital über bandcamp zu erwerben. Wer Interesse an der CD-Version hat, schreibt an info@ricktickevil.com.

Los gehts!

Alle Fotos exklusiv für www.derdanielistcool.de und mit freundlicher Genehmigung des mightyfinen Photographen Awanes!

Sweet November!

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Der diesjährige November hält viel Freude bereit. Sowohl für mich, als auch für Freunde. There you go:

24h Halloween Marathon!

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Der Deiwel persönlich moderiert das Halloweenspektakel an und hat sich optisch allem Anschein nach am Outfit dieser jungen Herrschaften orientiert.

Halloween steht vor der Tür. Eine Zeit, welche mir immer große Freude bereitet. Nicht, dass ich jetzt groß um die Häuser zieh oder verkleidet auf irgendwelchen Parties auftauche, aber bei herbstlichen Temperaturen und familienfreundlichem Billogrusel, pack ich mich schon ganz gerne mal vor die Kiste und mim die légère Couchpotatoe.

Da das Fernsehprogramm der letzten Jahre meinen hohen Ansprüchen aber schon lange nicht mehr gerecht wird, hab ich mal Youtube durchforstet und so manchen Filmklassiker entdecken können. Gepaart mit Halloween-Specials von einschlägigen Sitcoms der 90er, Cartoonevergreens und Musikvideos entstand so die absolut angsteinflößende, erschreckend schaurige Halloween-Playlist von www.derdanielistcool.de: Ein 24 Stunden satter Marathon, der sich gewaschen hat. Klar, es ist Feiertag, aber da sich die wenigsten (meine Bescheidenheit leider eingeschlossen) soviel Zeit freischauffeln können, gibts weiter unten zum Rosinen picken auch nochmal alles feinsäuberlich und separat gelistet.

Für die Anmoderation dieses Höllenspektakels konnte ich btw. sogar den Fürsten der Finsternis höchstpersönlich gewinnen! Klar, die Ansprache des Belzebubs mag für zarte Gemüter hart zu ertragen sein und zu Fremdschamgalore hoch zehn führen. Und ja: auch ich bin davor nicht gefeit und neige dazu mich angewiedert wegzudrehen. Muss aber wohl so sein: An Halloween hat sich nunmal einfach jeder ordentlich vor allem möglichen zu gruseln. Auch vor sich selbst… Enjoy!

01. Anmoderation – Der Teufel kündigt mit den Worten von Rammstein den irren Lauf an!
02. This is Halloween – Fantastischer Opener aus Tim Burtons‘ Nightmare before Christmas!
03. When Hallowenn was forever – Die Real Ghost Busters bekämpfen Etarnel Halloween!
04. Boo to you too – Pooh Bear im Bienenkostüm und ein tausend Tode sterbendes Piglet!
05. Hocus Pocus – Hexengrusel von Walt Disney in Spielfilmlänge. Sarah Jessica Parker!
06. Thunderkiss ’65 – White Zombie live und VJ Kennedy als Traubenrebe!
07. A Halloween Story – Sabrina, the teenage witch tanzt zeitgleich auf zwei Parties!
08. Halloween – Die 70er Crew steigt in eine verlassene Schule!
09. The Monster Squad – Jugengruppe aus Monsterfans bekämpft Dracula und Konsorten!
10. Oogie Boogie’s Song – Nightmare die zweite. Schmissige Jazznummer!
11. Halloween is Grinch Night – Dr. Seuss‘ bekannter Griesgram im halbstündigen Cartoon!
12. The Haunted Mask – Langzeitepisode aus R.L. Stines aberwitzen Goosebumps – Reihe!
13. The Omen – Kultklassiker um den Schakalenbastard Damien!
14. Michael Jackson’s Ghost – Minimusical das es durchaus mit Thriller aufnehmen kann!
15. First Family of Fright – Klasse Doku über die Munsters!
16. The Crow – Brandon Lees‘ Vermächtnis. Devils Night! Leider nur mit deutscher Synchro!
17. Dead in Hollywood – Murderdollsode an gefallene Gruselgrößen. Hooray for Horrorwood!
18. Halloween Partyfood – Aus einem Kilo Schweinemet modeliert Foodstylist einen Fuß!
19. Trick or Treat – Roseanne verkleidet sich als Trucker und dated ihre Schwester!
20. Carrie – Gilt als eine der besten Stephen King Verfilmungen!
21. Dig up her Bones – Misfits = unumgänglich. Danzig kommt mir trotzdem nicht ins Haus!
22. Frankenweenie – Burton macht Hund zu Frankensteins‘ Monster. Mit Wendy und Bastian!
23. Trick or Treat – Donald Duck vs. Tick, Trick, Track und Hexe!
24. Voll de Deiwel! – Kurzfilm vom Blogger deines Vertrauens. Kult!
25. The Langoliers – Gilt als schlechtere King Verfilmunge. Zu unrecht! 3 Std. Spannung!
26. Halloween – Cosbys‘ zweitjüngster fällt ein Tablett aus der Hand. Creepy!
27. Vincent – Stopmotion Kurzfilm von Tim Burton. Gesprochen von Vincent Price!
28. Plan 9 from outerspace – Ed Woods‘ bekanntester. Für viele der worst movie ever!
29. Nightmare on my street – Will Smith rapt über das Freddy Krueger Theme. Unfassbar!
30. Muppet Show Halloween Special – Mit Gaststar Vincent Price!
31. Teen Wolf – Michael J. Fox mutiert zum Werfolf!
32. The Tale of the twisted Claw – Episode aus der Serie Are you afraid of the dark?
33. The Devil in I – Da ist es wohl passiert… ich mag die neue Slipknot!
34. Halloween 4 – Mein Lieblingsteil. Weil: Da läuft einer mit Maske rum und meuchelt!
35. Pet Sematary – Selten gelangweiltere Ramones gesehen. Trotzdem catchy tune!
36. Haunting of Taylor House – Die Frau des Heimwerkerkings im Möhrenanzug!
37. House on Haunted Hill – I know I’ll always get my thrill in that house on Haunted Hill!
38. Monster Mash – Certainly no Halloween without Bobby Pickett

Review: American Head Charge/(hed)p.e./Soil/Wolfborne/Frankfurt/16.10.2014

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Da ist sie nun also, die Chance auf die ich über zehn Jahre gewartet habe: Die Industrialmetalboys American Head Charge live sehen! Dazu noch mit meiner einstigen New Metal-Lieblingscombo (hed)p.e. im Vorprogramm und den in der Metalcommunity zumindest damals schwer gefeierten Soil als Headliner. Für zynische Menschen drei mal Schnee von vorgestern. Musik für Hängengebliebene. Genau unser Ding also!

Das Derdanielistcool.de – Team ist exckusiv vorgeladen und stürzt sich in eine bunt gemischte Menge aus potentiellen Dunkin‘ Donuts – Kunden, Juggalos, Dreadlocks und patchübersähten Kutten. Lokalisiert in Frankfurts‘ schöner neuer Location Zoom. Direkt in der Innestadt, dürfte der Laden wohl einigen noch unter dem Namen Sinkkasten bekannt sein. Reibungsloser Ablauf, Spitzensound und nette Leute sprechen für die Räumlichkeiten! Dazu dem Abendprogramm angepasste Mucke  aus der Konserve von A Perfect Circle, Black Light Burns und Marilyn Manson. Kann natürlich auch der Tourtechniker ausgewählt haben…

Wolfborne

Den Beginn machen nicht wie angekündigt 8 Foot Sativa, sondern Wolfborne aus Vancouver/Kanada. Und wenn ich Kanada höre, muss ich unwillkürlich immer gleich an Nickelback denken. Bezeichnend dann natürlich, wenn die Kapelle doch tatsächlich wie die Band des nasenoperierten Ehemanns von Avril Lavigne auf Drop D. klingt. Grenzwertige Songs wie Sex Sells oder Disturbed-ähnliche Stakkato-08/15-Alternative-Metal-Stücke tun dazu ihr übriges. Immerhin tight und sauber im Spiel, wirken Drummer und Gitarrist bei der Performance bisweilen mächtig gelangweilt. Kann dann lediglich Headcharge-Drummer Chris Emmery begeistern, der beschwipst und allein auf weiter Flur vor der Bühne taumelt und sein bestes gibt um die bisher etwa 50 – 60 Nasen zu animieren. Mit mäßigem Erfolg. Irgendwie arg plump und brav das Ganze. Grober Mist, wenn man mich fragt…

Beautiful people of Frankfurt: (hed)p.e. comes in peace!

Ich hatte mir ja nach meiner letzten (hed)p.e.-Show vor etwa 3 Jahren in Berlin geschworen, dieser stetigen, von der Band selbst vollzogenen Mythosschändung, nie wieder beizuwohnen. Geschweige denn durch Geld zu unterstützen. Wenn die Kapelle allerdings als Support auf dem Billing steht, sieht die Sache natürlich anders aus und ich nehm das gerne nochmal mit. „No one can judge me now!“ heisst es heute im Opener. Ich versuch mich dran!

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(hed)p.e. mit Lieblingsspielzeug

Als die Band um M.C.U.D. – welcher sich zu Beginn selbstsicher und urban im Camouflagelook samt bandana-vermummten Gesicht präsentiert – ihr Set mit dem live ganzokayen No Turning Back vom aktuellen Output Evolution beginnt, bemerke ich sogar, wie ich widererwarten Bock auf die Show bekomme. Die kurz aufgekeimte Euphorie ist allerdings schon beim nächsten Song wieder passé, als die erste, brandneue und unsagbar miese „Punknummer“ den ersten Pogo anzettelt… In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Track Whitehouse vom 2010er Truth Rising, welcher die Klassikerriege aus Killing Time, Bartender und Blackout kurz unterbricht. Besagte Nostalgierunde animiert zwar sofort zum mitgröhlen und lässt ordentlich Extremitäten im Publikum zucken, zeigt aber gerade auch das größte Problem auf. Nämlich, dass die Hunntington-Beach-Boys – nunmehr auch um den offenbar pausierenden DJ Product vermindert – immermehr zur Selbstparodie verkommen und mehr oder weniger nur noch eine Coverband ihrer selbst sind.

Was ihre Liveshows irgendwie trotzdem zum Entertainment macht, sind die vollmundigen Ansagen von Großmaul und Chefposer Jared, welche einen stets zum Schmunzeln bringen und ein Gefühl von Willkommensein vermitteln. Auch heute Abend. Knüpft er doch gerade zum Frankfurtpublikum eine familiäre Bande:

Thank you beautiful brothers and sisters of Frankfurt. 
You look fuckin' beautiful tonight! My sons' grandmother 
was born in Frankfurt. So it's like we're related. I hope 
you're happy! We're so happy to be here. We just put out 
a record on Pavement Records, that's the Soil - recordlabel. 
It's some heavy fuckin' shit, it's so good. 
We sold out of 'em. Get it on itunes! Play some heavy shit!

Sagt’s und lässt One More Body, das vom Publikum geforderte und durch Roadie „Goose“ gebackupte C.B.C., Renegade, Peer Pressure und das marilynmansonodermeinetweigenaucheurythmicsabgekupferte Raise Hell über die mittlerweile gut angewachsene Zuschauerzahl regnen, welche sich allesamt zu amüsieren scheinen. Ich bin ja jedesmal erstaunt, wieviele Leute mit den neueren Sachen der Band vertraut sind und schäme mich natürlich auch zeitgleich ein bisschen, dass ich jeden Song mitsingen kann…

We brought Bob Marley to town with us!
Don't be mad heavy metal people! It's okay. American Head Charge 
and Soil will be here with some Heavy Metal all night. Right now we're 
going to play some fuckin' Reggae!!!

Shit. Die Raggaversion von The Meadow macht tatsächlich Bock und wirkt so mit dem abschließenden Hold On wie aus einem Guss.

Unterm Strich kommt der Mix aus Nostalgie, Fremdscham und köstlichen Ansagen sehr unterhaltsam und macht das 45 minütige Set sehr, sehr kurzweilig! Band und Publikum hatten sichtlich Spaß und als Supportact könnte ich mir deutlich schlechteres vorstellen. Das (hed)p.e. ihren Zenit aber schon seit Jahren überschritten haben, können sie auch heute nicht kaschieren. Im Endeffekt also alles wie erwartet…

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AHC – Crowd

„Beautiful“ brothers and sisters of Frankfurt…

American Head Charge
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Karma / American Head Charge

Von American Head Charge allerdings hab ich mir da schon etwas mehr erwartet. Wie sehr ich allerdings bedient werden würde, hätte ich niemals erwartet. HO-LY-SHIT! Um es gleich vorweg zu nehmen: Was die neuformierte Band aus Minneapolis an diesem Abend auf die kleine Clubbühne zimmert, zieht einem glatt die Schuhe aus! Eine der besten Shows die ich seit langem gesehen habe! Absolut tight, drückend und überraschend unpeinlich. Dazu noch die auf ganzer Linie überzeugende Stimme von Cameron Haecock. Ich habs ja schonmal gesagt: One of the best there is in this business…

Krass wie problemlos der mittlerweile krass abgemagerte und wortkarge Typ zwischen derbem Metalgeshoute und flächigen Harmonien hin- und her switcht. Blickfang außerdem: Gitarrist Karma, der seit The Feeding zur festen Instanz gehört und schon während des Bühnenaufbaus den Badboy mimt indem er bitterböse Blicke, ordinäre Gesten und verbale Beleidigungen gen Publikum schickt. Auch wenn sich das jetzt albern und panne anhören mag: Das war schon sehr überzeugend und angsteinflößend. Hab ich in der Form höchstens noch bei MSI-Gitarrist Steve Righ? erlebt…

Dreckig-gefährlich natürlich auch die Musik, die fast wie auf Platte aus den Boxen drückt und von Beginn an frenetisch abgefeiert wird. Bereits der Einstieg mit All wrapped up vom Debutalbum killt nur noch! Über den fetten Brei aus drückend lärmendem Metalriffing kreischen und schmatzten die Samples und Störgeräusche von Keyboarder Justin Fouler. (neben den Vocals für mich ja schon immer das Highlight dieser Band). Umso erfreuter war ich natürlich, als mir das nette Kerlchen anschließend verklickerte, dass die Truppe es gerade, zumindest für die Aufnahmen zum neuen Album, in Erwägung zieht, den 2002 geschassten Soundmaniac Aaron Zilch wieder ins Boot zu holen!!

Bekanntes Material gab es überraschend wenig. Neben Dirty und natürlich Just so you know, kam lediglich noch das grandiose Writhe (Opener der aktuellen EP) zum Zug. Die restlichen 3 Songs waren brandneu, größtenteils sehr, sehr heavy und hätten in dieser Form auch problemlos auf The War of Art zu finden sein können. Auch wenn es ruhig noch ein paar Hits mehr hätten sein dürfen, ist das ebenfalls um die 40 Minuten lange Set absolut perfekt und fährt alles andere an diesem Abend sowas von an die Wand! Damn, freu ich mich jetzt auf die kommende Platte! Mit American Head Charge ist tatsächlich noch zu rechnen!!

Soil

Wenn nun allerdings We will rock you den Auftritt von Soil ankündigt, verlässt einen die Lust ja schon ein wenig. Die Band allerdings gibt von Beginn an mächtig Gas und versteht es alle Wacken– und G.O.N.D. – Shirtträger, sowie sämtliche Kuttenrocker von der ersten Sekunde an zu begeistern. Von Halo vielleicht mal abgesehen, den ich mir unter Umständen in einem unbeobachteten Moment klammheimlich reinfahren würde, hat mich die Chicagoer-Formation nie packen können. Bevor man auf diesen sicherlich eher zum Schluss angesiedelten Hit wartet, spielt man dann doch lieber Fanboy und nutzt die Zeit für gemütliche Schnacks und Shakehands mit den Mitgliedern der vorangegangenen Bands und lässt den Abend mit einer schönen, anschließenden Fahrzeug- Licht- und Rauschmittelkontrolle der Frankfurter Polizei ausklingen. 0.00 Promille… Facettenreicher Abend mit vielen zufriedenen Gesichtern!

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Hangin‘ out with A.H.C. and (hed)p.e.

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Köstliche Gegenveranstaltungen zum Wochenende!

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Befindet man sich am kommenden Freitag in der Würzburger Gegend und hat Lust dem Stonerrock zu fröhnen, so begebe man sich doch bitte pünktlich ins Immerhin! Dort spielen Black Wizard aus Vancouver, Hornss aus San Francisco sowie Cannahann als locals. I’ll be there for sure!! Hier geht’s zum leckeren FB – Event!

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Befindet man sich am kommenden Freitag allerdings eher in der Schweinfurter Gegend und hat Lust dem Hardcore zu fröhnen, so begebe man sich doch bitte pünktlich in den Stattbahnhof! Dort nämlich steigt die Zerre – Releaseparty mit Always Wanted War aus Cuxhaven, Kapytaen aus Bad Kissingen sowie Hans Dieter X aus Darmstadt. Ich durfte die befeierte Scheibe bereits vorab hören. Fazit: rockt! Der derdanielistcoolverfasste Pressetext zum Abend hat es sogar in ein regionales Blättchen geschafft – wenn auch in abgespeckter Form:

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Voller Text und alle sonstigen Infos ebenfalls auf FB.

Somit wisst ihr Bescheid! Wählet weise! Zuhause rumsitzen ist dann ja wohl jedenfalls nicht!

Review: Void Fest / Wettzell / 01.-02.08.2014

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Der gute Ruf eilt dem Void Fest vorraus. Gerade mal im dritten Jahr, erzählt man sich allerorts bereits die wildesten Geschichten über das bunte, familiäre Treiben, welches sich inmitten der tiefsten, bayerischen Einöde abspielt. Besucher wie auch Presse und Bands loben das aufstrebende Festival bei Bad Kötztingen in den höchsten Tönen. Von einem besonders liebevoll gestalteten Rahmen ist dabei stets die Rede. Umwoben von Storys über Drogeneskapaden, legerer Teufelsanbetung und Hexensabbath-Action, sorgt das natürlich für Legendenstatus, woraus sich wiederum eine hohe Nachfrage für die Tickets ergibt. Die waren auch dieses Jahr schon frühzeitig vergriffen. Könnte aber auch am mit Szenegrößen bespickten Lineup gelegen haben… Derdanielistcool.de hatte das große Glück, dabei sein zu dürfen, um sich selbst ein Bild vom dortigen Geschehen zu machen. Die Reise zum Festival – eine dreitägige, 300 km lange Fahrradtour mit meinem Kollegen Frank – war dabei zu schön, um sie unkommentiert zu lassen. Wer keine Lust auf die kleine Selbstbeweihräucherung hat, darf die ersten zweieinhalb Tage getrost überspringen!

MITTWOCH

03Die Taschen sind gepackt, die Räder geschmückt und das gepolsterte Höschen sitzt wie angegossen. Angegossen sind auch wir, nachdem wir bereits nach ca. 20 min von einem übelen Regenschauer die erste Abreibung einstecken müssen. Aber was soll’s… Rumjammern oder Kneifen geht nicht. Schließlich gilt es, einige Zweifler zu überzeugen, welche uns schon im Vorfeld ob unseres Vorhabens hämisch ausgelacht haben. Recht sollten sie dennoch behalten: „Untrainierte Radelei – Bein und Hintern sind wie Brei!“

 

Nach weltbesten Bierchen in Stettfeld und Bamberg finden wir doch tatsächlich eine leerstehende und unverriegelte Cabin in the Woods für die trockene Nachtruhe. Kann man denn bitteschön noch mehr Glück haben? Danke, Jesus!

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Ein großes Dankeschön geht außerdem an unsere famose Tourbegleitung!

DONNERSTAG

35 Nach etwa 100 km Radweg und einer Nacht auf hartem, staubigem Holzboden fühlt man sich einfach richtig wohl in seiner Haut. Ein königliches Gefühl, welches höchstens noch durch einen Schnakenstich auf dem rechten Augenlid  intensiviert werden kann! Aber wir wollen nicht jammern, sondern frühstücken an einem wunderschönen Felsen, wo wir hübsche Ingwerknollen finden und moshen uns die Strapazen im Felsengarten von Sanspareil aus dem geschundenen Leib. Wir baden mit Enten, entdecken die Höllenpforte und das Grab einer Hexe. Das Böse scheint spürbar nahe. Mein rechtes Auge fängt zwei Fliegen mit einer Klappe und vorm Egyptos/Regensburg trete ich in die Notdurft eines Säugetiers. Vermutlich Mensch. Die Rast in der WG eines Bekannten ist top! Danke dafür!

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 FREITAG

Aus rasten wird ausrasten, denn spätestens jetzt ist Jammerstimmung angesagt. Meine Beine fühlen sich an wie… gut, eigentlich fühle ich sie nicht mal mehr so wirklich. Da kommt mir die kurze Pause an der Donau sowie die Fahrt mit der Bahn nach Cham gerade gelegen. Die ist vor allen Dingen aus zeitlichen Gründen unumgänglich, schließlich wollen wir ja auch die erste Band am späten Nachmittag catchen und sind recht spät dran. Im Zug trifft man dann auf weitere Festivalbesucher. Sogar aus Spanien reisen die Gäste an! Eine sehr sehr freundliche Nonne leistet uns geistigen Beistand und wünscht uns Glück für die letzten 25 km. Die machen sogar nochmal richtig Spaß, was sowohl der schönen Landschaft als auch dem Umstand geschuldet ist, dass wir doch tatsächlich fuckin‘ Chamerau passieren! Ein Wettrennen mit einem Rentner sowie ein erfrischendes Flussbad später steht uns dann noch der letzte Kraftakt bevor: Der verfluchte Berg, auf dem das Void beheimatet ist. Der ist derartig steil, dass nur noch Schieben hilft. Die Abkürzung querfeldein durch die hinterletzten Waldwege entpuppt sich als äußerst mühsam. Aber hey: Onkelz-Zitat ON Es war ein langer, langer Weg und niemand sagte es wird leicht, wir hatten nichts zu verliern‘ und kein Weg war uns zu weit! Onkelz-Zitat OFF. Man beachte doch bei verfolgen des verlinkten Musikstückes, dass die Person, welche den Titel online gestellt hat, den Namen ONKELZBIER trägt. Vielen Dank!

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Geil wir sind da! Und der Charme des Void ist vom ersten Moment an spürbar. Vom selbstgebauten Obelisken über dekorierte Waschbecken bis hin zum hübschen Programmheft merkt man sofort, wie viel Mühe in dieses Wochenende gesteckt wurde! Der Teufel steckt dabei im Detail! Alles ist liebevoll und one of a kind! Vieles gibt es zu entdecken: Tatoostand, Gewürzhexer, Plattenladen, köstliche vegane Speisen, das beeindruckende Void-Merch und natürlich jede Menge netter Menschen. Sowohl Besucher als auch das ca. 20-köpfige Team erweisen sich durch die Bank als angenehme Zeitgenossen! Wir schnappen uns unsere Presseausweise und stürzen uns ins Getümmel!

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81Den Opener The Wullfs haben wir zwar gnadenlos verpasst, aber dafür haben wir unsere helle Freude mit der Berliner Combo Suns of Thyme. Die legen sich für ihren frühen Posten schon mächtig ins Zeug und begeistern mit surenartigen Mantragesängen und heavy Elektroteppichen. Kommt in manchen Momenten wie Pearl Jam auf Acid und das zusätzliche, fünfte Livemitglied an Schellenkranz und Tasten versprüht sexuellen Esprit en masse! Sowohl auf als auch hinter der Bühne haben die Jungs außerdem erfrischend wenig Hauptstadtallüren. „Meine Mama hat gesagt: Nach dem Konzert erwarte ich mindestens 50 Facebook-Likes. Also bitte, macht’s möglich!“ Verdient hätten sie es sich jedenfalls! Dringend im Auge behalten! Ein Review zur aktuellen Platte folgt demnächst hier!

92War man bei Suns of Thyme bezüglich der Mitglieder im Plus, sind Doomina heute ein Bandmember im Minus. Tut der Wucht ihrer Performance aber keinen großen Abbruch. Im Gegenteil: Durch die Umstände sieht man sich sogar gezwungen, das einstündige Set auf 45 Minuten zu verknappen. Und knackige Sets begrüße ich ja immer sehr. Auch wenn es der alberne Bandname nicht vermuten lässt: Doomina machen Post Rock! Und zwar ziemlich aufregenden! Enttäuscht in keiner Sekunde und das, obwohl ich nicht einmal besonders großer Fan von instrumentaler Mucke bin.

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Wie sehr ich allerdings Fan davon sein kann, zeigen mir anschließend Monomyth. Die fressen mich mit Haut und Haar und animieren mich tatsächlich zum Moshen – eine Beschäftigung, der ich eigentlich nur noch im Scherz nachgehe. Die etwa sieben Stücke sind sehr langatmig. Den dargebotenen, spacigen Krautrock würde ich grob als Mike Oldfields Tubular Bells in heavy und dirty umschreiben! Die Holländer schichten Sound auf Sound und türmen so ihre Songs zu bedrohlich hohen Klanggerüsten auf. Dope! Band,s die gleich zwei Tastensoundtüfftler an Board haben, sind mir außerdem schon von Haus aus sympathisch! Einen kleinen Mitschnitt der Show gibt es hier! Kam live natürlich um einiges besser…

108Frisch und knusprig wird es dann bei Atomic Bitchwax. Zumindest in Bezug auf die Tüte Chips, welche wir auf dem Zeltplatz verputzen. Die Band selbst macht das, was man von ihr erwartet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn man es genau nimmt, wirkt die Kultband sogar ein wenig zu arg gelangweilt für meinen Geschmack. Der Bandname bleibt leider auch weiterhin das coolste an der Combo.

Im Zelt bei Sun Worship ziehen kurz darauf dunkle Wolken auf: Oh Haupt voll Blut und Dornen! Selten wurde der Herrgott lauter, schneller und besser verunglimpft als auf diesem Infernal der Dunkelheit. Da weint das kleine Jesuskind. Amen.

111Gleich drei Gitarren plus Synthiegewitter sorgen beim abschließenden Freitagsact Atlantis zwar für eine enorme Sounddichte, das Ganze ist aber um 1 Uhr auch schon etwas anstrengend. Wenn zu den eigentlich instrumentalen Stücken dann auch noch vereinzelte Femalevocalsamples reinkicken, kommen einem  sogar Evanescence oder Linkin Park in den Sinn… da empfinde ich die gleichnamige, deutsche Band als nen ganzen Zacken unterhaltsamer!

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SAMSTAG

Der zweite Festivaltag beginnt mit 114dem Soundmischmasch der Zeltplatzprivatbeschallung. Turbonegro meets Pink Floyd. Dieses wunderbare Soundgebräu wird allerdings schon gegen 10 von einer lokalen Schrammelpunk-Coverband unterbrochen, welche auf einem schwarzen LKW aufs Festival donnert und mit Freibier um sich wirft. Am Bass btw. Sick Boy – ich wiederhole: Sick Boy – von der Chaos Crew Tatoo Truppe, dessen freundliches Wesen wir zu späterem Zeitpunkt noch kennen und schätzen lernen sollten. Unser als kurz angedachter Supermarktbesuch mit anschließender Eidechsen- und Hirschkäferjagd am nahe gelegenen Höllenstein-See, artet leider in einen ungeahnten Kilometermarsch sondersgleichen aus. Der kostet uns zwar einerseits erneut die erste Band Swan Valley Heights, bringt uns aber andererseits in den Besitz zweier schöner Pressemausweise sowie einer getrockneten Gelbbauchunke – immerhin Lurch des Jahres 2014!

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131Die erste Band, die wir an diesem Tag aktiv mitbekommen, hört auf den klangvollen Namen Brahm. Die Augsburger Mädels, die wir auf der kurzen Zugfahrt kennengelernt haben, sprechen wenig später von der „besten Band bisher“. Soweit würd ich zwar nicht gehen, aber der warme, bluesige Rock der Band ist dennoch sehr gefällig und lässt bereits erste Extremitäten im Publikum zucken. Die Rhythmusfraktion macht ordentlich Druck und das Set empfinde ich als sehr kurzweilig! Nice! Die Band selbst wirkt auch sehr glücklich, und dürfte sich – als Amsterdamer – ob des süßlichen Duftes in der Luft wie zu Hause gefühlt haben.

135Die Berlin/Hamburg Combo Oddjobmen spielen im Zelt auf und haben viel QOTSA gehört. SEHR VIEL! Dadurch machen die Männer ihrem Bandnamen jedenfalls alle Ehre und liefern einen merkwürdigen Job ab. Die Band ist ultratight, rockt wie Sau und es hinzubekommen, wie QOTSA zu klingen ist auf irgend ne Art und Weise ja auch bemerkenswert. Originell ist das halt eher weniger…

Ein Mitglied unserer kleinen Campingtruppe beschwor es ja schon seit Stunden herauf: „Heute spielen Hark! Die dürfen wir auf keinen Fall verpassen! Die sind Hammer!“ Wie recht er doch behalten sollte! Monstermäßig stampft die britische Maschine alles platt.

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Abgehackte Riffverwinklungen und rhythmisch äußerst anspruchsvoll arrangierte Beats. Als Zuschauer weiß man kaum in welchem Takt man sich zu bewegen hat, findet aber doch immer wieder den Groove. Frontman Jimbob dirigiert die Menge mit bitterbösen Blicken. Damn, der Typ hat krasse Augen! Witzigerweise ist er anschließend im Privatgespräch die Freundlichkeit in Person. Tighte Band und noch recht frisch auf dem Markt! Die Briten kommen wohl bald wieder – für eine erste kleine Clubtour – nach Deutschland. Sollte man sich nicht entgehen lassen! Der Vergleich mit Kylesa ist nicht der verkehrteste! Wildes Ding!

Auch wenn sie das Zelt regelrecht regulieren und das Publikum auf ihrer Seite haben: Mit Punkbands wie dem Thüringer Pfandflaschenkommando werd ich wohl auch in tausend Jahren nicht warm werden. Das Spice Girls-Cover im Pogogewand bewirkt da auch eher Gegenteiliges. Immerhin bedient ein Mädel den Bass! Kann ich wenigstens mal kurz an White Zombie oder Coal Chamber denken! Danke dafür!

147Folky Hippieflair dann bei den Sub Pop-Emporkömmlingen Rose Windows aus Seattle. Optisch wirkt das mit etwa 8 Mitgliedern bestückte Schauspiel wie die grungy Kelly Family! Klanglich darf man sich eher bluesige Black Sabbath oder etwas härtere The Doors vorstellen. Die Orgel wird geknört und der Schellenkranz überstrapaziert. Auch freche Querflöten verirren sich im Retrosound. Der Einladung der Musik, im/mit Gras zu gammeln, kommt das verschlafene Publikum gerne nach. Das Rad erfinden die Windows sicher nicht neu, aber als Ruhepol am frühen Abend gehen sie voll in Ordnung!

150Den hat es scheinbar auch gebraucht, denn bei Kadavar stehen alle wieder putzmunter vor der Bühne. Leider zieht der Dreier nicht nur Zu- sondern auch Regenschauer an. Tut der Stimmung allerdings keinen Abbruch. Von der ersten Sekunde an wird mitgegröhlt und gefeiert. Auch unserer Truppe gefällt das Set gut und steht damit in keinem Verhältnis zu der im Zelt ausgestrahlten Banddoku Mammut, Tiger, Wolf, die schon etwas lame war… Egal, man fröhnt der Nostalgie! Und würde der Drummer nicht so hässlich modern anmutende Plexiglaskessel beackern, könnte man sich beim Anblick der Berliner tatsächlich in den 70ern wähnen. Das angestaubte Classic-Rock-Gebräu ist im Endeffekt wie erwartet: Gut und präzise. Überraschungen blieben aber leider komplett aus. Irgendwie hätte man da für einen Headliner schon etwas mehr erwarten dürfen.

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Das japanische Urgestein Church of Misery überzeugt dafür auf voller Linie. Wie tief der Basser sein Instrument trägt, erfüllt einen auch nur noch mit Ehrfurcht! Und endlich gibt’s auch mal dirty Schreigesang! Wenn der Sänger dann noch per Synthie Störgeräusche über das Doomfundament ballert, kommt das bisweilen schon recht abgedreht. Geile Show! Und man weiß nicht mal so recht, was einen zu dieser Erkenntnis bewegt hat… Der unverständliche aber sicherlich okkulte Texthokuspokus wird da sicher nicht ganz unschuldig dran gewesen sein.

159Es bleibt dirty beim letzten Streich auf der Hauptbühne: Light Bearer, eigens eingeflogen! Heftig! Massiv! Hart! Schreit die Welt zwar Sludge, wenn es um die Kategorisierung der Briten geht, könnte man auch schon fast von Black Metal sprechen. Sicher, der massive Sampleeinsatz beißt sich mit diesem Gedanken, aber die Grundattitüde kommt doch schon ziemlich nah hin! Zumindest Neo Black Metal, oder? Auch egal… Losgelöste Typen, die herumschreien, machen jedenfalls meistens Spaß! Super Abschluss und derzeit zu Recht in aller Munde! Ballert dich um!

161Im Zelt wird eine Wand aus Fernsehern aufgebaut. Dazu Musik von Akere aus München. Die klingt wie Massive Attack mit Weihwasser verdünnt. Zwar schön, hier doch noch einen Indieact zu erspähen, aber Sonntag um 02:00 kann das leider auch nicht mehr viel geben. Als Soundtrack zum Einschlafen taugt es aber bestens! Und das zeugt doch auch irgendwie von Qualität!

SONNTAG

Wir werfen einen letzten Blick in das wunderschöne Tal, überbrücken den zur Heimreise notwendigen PKW, da dessen Batterie den Handyauflademarathon von Agnostic Frank nicht verkraftet hat, und ziehen von dannen.

Void, es war wunderschön und organisatorisch wie auch menschlich makellos. Wir bedanken uns und hoffen auf ein Wiedersehen! Den Teufel werden wir tun und mit den eingangs erwähnten Legenden aufzuräumen. Davon sollte sich jeder selbst ein Bild machen. Vielmehr holen wir nochmal zum großen Pathosabschlag aus.

Setzen wir „Void“ – zu Deutsch soviel wie „Leere“ – einfach mal mit dem Begriff „Nichts“ gleich. Schon können wir mit einem Zitat von Properz (a.k.a. Sextus !!!) um uns werfen:

Aus dem Nichts entsteht eine sehr große Legende!

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Richtig schöne Fotos vom Void gibt’s von stonerrock.eu!

Review: Rock im Wald Festival / Neuensee/ 25.-26.07.2014

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Was für ein schönes Festival! Exzellenter Service, faire Preise, reibungsloser Ablauf, super Sound, übersichtlich und sehr sehr familiär. Dazu erstklassige sanitäre Einrichtungen, eine ganze Handvoll toller Bands und weitestgehend bestes Wetter! Man darf bei der Jubiläumsausgabe des Festivals wohl mit Fug und Recht von einem vollen Erfolg sprechen. Den Feierlichkeiten entsprechend gab es in diesem Jahr gleich zwei volle Tage lang sattes Programm für den geneigten Fan von dreckigen Gitarren: Stoner, 70s , Trash, Punkrock… you name it. Derdanielistcool.de durfte live dabei sein, wenn die schönsten Kutten und absurdesten Tatoos mit Stolz zur Schau gestellt wurden und Kyuss, Zeppelin und Sabbath um die Vorherrschaft der Zeltplatz-Ghettoblaster kämpften. Da man fast allen Rock im Wald-Acts die Liebe zu diesen genannten Größen anhören kann, lasse ich etwaige Querveweise in deren Richtung im Folgenden mal aussen vor. Hier das Résumé eines spaßigen Wochenendes:

FREITAG

Nach gemütlicher, problemloser Anreise – top beschildert und freundliches, hilfsbereites Personal – schlagen wir am Freitag gegen 10 Uhr am Zeltplatz auf und vertreiben uns bis zum Konzertbeginn um 15:30 Uhr die Zeit mit der üblichen Festivalprozedur. Neigejaucht! Wir sind schließlich Weltmeister! 1. FC Fußball! Ich freu mich dennoch oder gerade deshalb auf die Konzerte!

01WulfpackDen Beginn machen die lokalen Jungspunde von WULFPACK. Unüberhör- und sehbar Fans der Big Four und mit Leib und Seele dem Trash verschrieben. Die Tarnhose sitzt dank des Patronengürtels safe und um die schweißtreibenden Posen auf den Monitorboxen zu bewältigen, nutzt man kühles Bier oder das obligatorische Schweißband. Das zarte Alter von 16 Jahren merkt man den Burschen dabei übrigens keine Sekunde an! Gerade die Stimme von Sänger Justin Entwistle klingt überraschend reif! Dass sein Namensvetter an den Drums der Sohn von Rawside-Sänger Henne ist, ist dabei absolut nebensächlich. Die Band sollte sicher schon bald ohne großes Namedropping klar kommen. Sehr souverän, tight und professionell, grad wenn ich bedenke was meinereiner mit 16 für musikalische Verbrechen auf die Menschheit losgelassen hat… ENTER THE PACK – vorrausgesetzt du stehst auf Trash Metal! Sonst bist du hier definitiv an der falschen Adresse…(so wie ich)

02Mandrax Queen

Schöne Überraschung dann im Anschluss (zumindest für mich): Für die kurzfristig ausgefallenen Useless ID steht dem Besucher jetzt der funky Großangriff der Bamberger MANDRAX QUEEN ins Haus. Die Band ist momentan sehr gut unterwegs und dass ihnen meine Hochachtung gilt, habe ich ja bereits an anderer Stelle verlauten lassen. Fette RATM-Riffs und funky Frusciante-Licks dominieren auch heute das Set. Dem Publikum gefällt’s und Gitarrist Bini Tews ist halt einfach wieder scheiße gut angezogen! Und wie ein Basser mit Plek derart grooven kann bleibt mir auch ein Rätsel… Top!

03SuperchargerGegen 17:30 Uhr betreten die dänischen SUPERCHARGER dann enthusiastisch die Bühne. Die Band heißt nicht nur wie das gleichnamige Superalbum von Machine Head, sondern sieht auch ähnlich gut aus. Okay, fairnesshalber: Die Jungs bewegen sich sowohl optisch als auch soundtechnisch eher im Backyard Babies-Gewand. Bereits zum dritten Male eigens für’s Festival angereist, legt man sich von Anfang an ordentlich in’s Zeug und schmeißt sich in wilde Posen. Sänger Mikkel Neperus interagiert gern mit dem Publikum und stellt fest: „You’re not just the Worldchampions in sports, but also in music!“ Der Matthias Reim-Hit, welchen er auf der Autofahrt kennenlernen durfte, hat es ihm angetan. Übers Set verteilt stimmt er die Kamelle immer wieder aufs Neue an. Dazu etwas abgedroschene Stimmungsfragen wie „Ready for some more Rock ’n‘ Roll?“ oder „Ready for some Heavy Metal in the ass?“ und fertig ist der Lack! Naja fast… Die Ode an den Alkohol fehlte natürlich noch. Die gibt es dann in Form einer Country/Blues-Nummer, die auch der beliebte Rock ’n‘ Roll Jesus Himself hätte fabrizieren können. „If anyone told you, you can have fun without alcohol, make sure it’s a fuckin‘ lie!“ Aight, Herr Neperus! Dänen lügen nicht… Die Reihen füllen sich allmählich und auch wenn ich eher den Eindruck hatte, die Band wäre jetzt nicht übermäßig gut angekommen, spricht die Schlange am Merchandise-Stand eine deutlich andere Sprache. Könnte aber auch an der frisch gebackenen Single-Merch-Lady gelegen haben… Verdammt ich lieb dich – ich lieb dich nicht. Geschmacksache!

05AtlasLosingGripDen ersten Festival-Pogo gibt es dann bei den Schweden von  ATLAS LOOSING GRIP zu bestaunen. Passt ebenso gut zu deren Punkgedengel wie auch der Umstand, dass meine linke Hand plötzlich und mysteriöserweise nach Hundepisse riecht…Da ist Punkrockstimmung garantiert! Ihr Sänger Rodrigo Alfaro war früher Mitglied der Satanic Surfers und ist somit schon fast so etwas wie ein Star auf dem Gelände. Lockt jedenfalls schon ordentlich Publikum vor die Bühne, welches bei der energiereichen Perfomance gut mitgeht und sich bereitwillig animieren lässt. Nach Meinung der Band allerdings wohl nicht genug: „I see a lot of Metal shirts in the audience. Do you like Metal? Yes? Than why don’t you bang your head?“ Naja, ich hab sogar ein Supergenie im Publikum gesehen, das zum Geburtstagsständchen des Drummers gemosht hat…

06BlackSpidersGenannter Typ würde sich sicher gut mit dem Drummer der BLACK SPIDERS verstehen, denn der mosht z.B. auch legere in den Songpausen. Beeindruckend auch, wie derbe hoch dessen Becken hängen! Mindestens so hoch wie die Stimme des Sängers. Der macht uns heute den Chris Cornell. Im Grunde rockt das schon nicht schlecht. Was die Briten da fabrizieren ist schnörkeloser Rock! Aber gerade deshalb meiner Ansicht nach auch etwas öde. Deckt sich aber auch hier nicht mit der Meinung der restlichen Zuschauer, welche sich trotz der spürbaren Zuneigung auch gerne zu „Fuck you Black Spiders“-Chören hinreißen lassen. „Can you see what I have here in my hand? The international symbol for fuck you! Remember this finger when you go back to work! Put it in your bosses face and say: This is for the Black Spiders!“ Ich zück‘ bei solchen Ansagen ja eher den Zeigefinger und halt ihn mir an die Stirn…

Mittlerweile haben wir die magische 22 Uhr – Grenze überschritten und genießen die einbrechende Dunkelheit. Die wird wenig später von fruchtigen Pink- und Blautönen durchbrochen als die heutigen Headliner RED FANG die Bühne betreten.

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Die über den ganzen Tag verteilte Vorfreude und Spannung entlädt sich im krassesten Soundgewitter sowohl auf, als auch vor der Bühne. Und auch vielen Musikerkollegen der vorgehenden Acts klappt am Bühnenrand die Kinnlade runter. Gedränge vor der Bühne, Crowdsurfer. Die Leute RÄSTEN aus! So bekommt die Security auch erstmals was zu tun und alle Fotografen befinden sich im Schwersteinsatz. Die Snare peitscht pervers durchs Set und witzigerweise fühle ich mich in einigen Passagen ein wenig an NIN erinnert. Der knarzende Bass und die wimmernden Gitarren strahlen jedenfalls manchmal eine Prise Industrialattitüde aus. Gefährlich! Aggressiv! Schräg! Bissig und derbe tight! Für Verschnaufpausen oder große Ansagen lässt man sich kaum Zeit. „Haben Sie genug Spaß? Haben Sie genug Bier?“ Yes, Sir und weiter bitte! Als Zugabe gibt es den ersehnten Night Destroyer! Zu Recht Headliner und krönender Abschluss des ersten Tages! Respekt!

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Mein unangefochtenes Freitagshighlight: Der Wahnsinnsumgedrehtekreuzohrring von Atlas Losing Grip-Basser Gustav Burn!

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Versetzte sich sein Kopf erst einmal in Rotation, meinte man einer Sternschnuppennacht beizuwohnen… Wahnsinn!

SAMSTAG

Den Samstag beginne ich – in Begleitung zweier Kollegen – mit einer kleinen Wallfahrt gen 14 Heiligen. Schö war’s! Zumal wir bei der Ortserkundung auch nochmal auf die Jungs von Supercharger treffen, die sehr glücklich wirken und das Rock im Wald bei der Gelegenheit auch gleich nochmal über den grünen Klee loben.

014Sumosluts Der kleine Ausflug bringt mir zwar die Erkenntnis, dass Weihwasser wie flüssiger Türgriff schmeckt, kostet mich allerdings auch den Großteil des SUMOSLUTS – Sets, die bereits seit kurz nach 13 Uhr auf den Brettern stehen. Tatsächlich krieg ich nur noch den letzten Song effektiv mit und kann mir daher keine wirkliche Meinung bilden. Nur soviel: Die Band hat geschwitzt! Der Basser vor allem! Schätze mal, man hat alles gegeben! Um die Uhrzeit sicher keine Selbstverständlichkeit!

 

015GogetsBei THE GOGETS regiert anschließend der Powerchord! Optisch zeigt man sich in einheitlichem Schwarz! Die Frisuren sitzen und es wird energisch in die Luft gekickt! Dazu dezente Streichersamples und melodische Backgroundchöre. Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich die Jungs mit A.F.I. vergleiche? Geht schon gut nach vorne das Gerät, mir fehlt da aber doch eine Schippe Dreck! Und zwar eine ganz ordentliche. Die Jungs scheinen mir ganz nett zu sein, da sie aber aus Österreich kommen, tu ich mir etwas schwer die Ansagen zu deuten. Sollte mich wohl mal wieder intensiver mit Falco beschäftigen…

016DecemberPealsDECEMBER PEALS aus Ibbenbüren sind leider so gar nicht mein Fall.  Plätschert mir irgendwie bisschen arg vor sich hin und die arrogante Art des Sängers – mag sie gespielt sein oder nicht – macht mir die Truppe auch nicht sonderlich sympathisch. Immerhin: Die Band wurde schon mehrfach auf’s Festival gebucht. Zitat aus dem Programmheft: „Wir würden das ja nicht tun, wenn sie scheiße wären. Und es gibt ja doch ein paar Leute, denen das auch gefällt.“ Hmmm… bei einer derartigen Verteidigungshaltung dünkt mir, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe. Die Spielfreude merkt man den Jungs aber definitiv an, wenn sie Schellenkranz oder Mundharmonika über ihre AC/DC-Riffs knallen. Ist halt grundsätzlich auch einfach nicht mein Ding sowas…

017PowderPigeonsPOWDER FOR PIGEONS sagen mir da schon eher zu. Bei einer Zweierbesetzung mit Typ an der Gitarre und Lady an den Drums – btw. die einzige im kompletten Programm – bleibt der White Stripes-Vergleich natürlich nicht aus. Das australische Duo fährt auf jeden Fall einen ähnlichen Garagensound, wenn auch etwas schmutziger. Überraschend bassig auch das Ganze! Das Publikum hat sich mittlerweile aus der Sitzposition erhoben und feiert die Feedbackorgien der Pigeons. Auch hört man heute zum ersten Mal Zugaberufe auf dem Gelände! Der zweite, spannendere Programmteil des 2. Festivaltages scheint so langsam in die Gänge zu kommen!

018VidunderVIDUNDER hab ich vor kurzem erst auf dem U&D Karlstadt gesehen. Wie dort schon, zeigt man sich auch heute wieder gut gekleidet. Der Vierer aus Schweden punktet mit figurbetonten Leibchen und die engen Jeans schmeicheln dem Stelzengebein! Vor allem den Basser wähne ich ja in der Liga der „Best dressed men in music business“! Sleazig! Mächtige Orgelteppiche! Auf den Punkt gebracht und nicht zu dick aufgetragen. Dunkele Wolken ziehen langsam auf und schaffen die perfekte Atmo, als die Band dem „Demon of Sex and Lust: Asmodeus huldigt. Das knappe Set kommt supergut an!

023cowboyaliensGut gefüllte Reihen dann bei COWBOYS & ALIENS, wo man wetteifernd Gitarrenbewegungen in die Luft katapultiert. Selbige ist bei mir allerdings etwas raus und ich verzieh‘ mich mal eben in Backstage, da mich das merkwürdige Gehabe und die langweiligen Posen doch etwas abturnen. Musikalisch passiert leider auch nichts, was man nicht schon besser gehört hätte. Der Basser ist zwar der erste, den ich ohne Plek wahrnehme, aber tight ist auch irgendwie anders. Ich muss aber dennoch gestehen, dass die Nackenrolle des Sängers einen gewissen Reiz auf mich ausübt! Glücklicherweise steht ab jetzt nur noch Edelware auf dem Spielplan!

BOMBUS bringen nach kurzem Feedback-Interlude den Regen und starten ins heavy, heavy Set! Krasse Doublebassaction, Flying Vs, Schweißbänder… jedes der mir eigentlich als zuwider empfundenen Klischees wird außer Kraft gesetzt und gefällt mir bei den Schweden sogar, da sie „for real“ sind und hier nichts aufgesetzt wirkt. Erzähl‘ mir was du willst, aber ein steady moshender, langhaariger Frontman kann doch immer etwas zu einer guten Rockshow beitragen. Und Frontmänner haben Bombus gleich drei, die stetig die Positionen tauschen und eine fucking Einheit bilden.

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Der gut trainierte Bursch an den Drums ballert dazu im Takt der Stalinorgel! Scheiße, ich erwisch mich sogar dabei, wie mich zum ersten Mal im Leben ein Schlagzeugsolo bockt! Die erste Reihe – mehr oder weniger gleichzusetzen mit dem Stammpublikum des Würzburger Immerhins – gröhlt frenetisch mit. Beim vorletzten Song fällt eine der Gitarren aus und der Roadie von Graveyard (in knapper Cowboyfranzenweste kombiniert mit rotblauen Sneakers – ein Traum!) eilt zu Hilfe, um den Schaden zu beheben. Ein schöner Moment familiärer Zuneigung! Der Forderung nach einer Zugabe wird leider nicht nachgegangen. Da helfen auch die Bring me the head of your dog-Schreie eines quirligen Jünglings im Publikum nichts…Dennoch: DOPE!

Die TRUCKFIGHTERS liefern anschließend eine mitreissende Rockshow, wie sie im Buche steht und machen schon beim Aufbau der Orange-Amp-Wand keine Gefangenen. Was mir bei den Jungs gefällt, ist die Virtuosität im Rhythmus: Nach all dem straighten Stuff des Tages ein kleiner Segen! Im Groovegebräu findet man auch mal bluesige Parts oder experimentelle, progartige Passagen à la Tool!

024truckfightersDie Fuzz- und Wah-Wah-Pedals laufen heiß und die Stimmung ist am überkochen. Asoluter Blickfang der Show: Gitarrist Dango. Der ist von Beginn an ganzundgar nackend am Oberleib und legt sich mächtig ins Zeug. Springt, macht den Gleichschritt und ist auch sonst um keine Pose verlegen. Das Beeindruckende daran: Der Vrecker zieht’s halt von Anfang bis Ende durch und steht eigentlich nie still. Man hat da ja auch schon viele Musiker gesehen, denen bei soviel Bewegung nach dem ersten Viertel des Sets die Puste ausgeht…Am Ende sind seine Shorts jedenfalls im Schritt aufgeplatzt und es wird auch endlich mal ein Bass zu Boden geworfen. Nach dem üppigen und gefeierten Zugabenblock räumt auch der Drummer seine Kessel ab. Sweet! Auch wenn Josh Hommes Statement bezüglich der Fighters („Die beste Band der Welt“ ) nicht ganz hinkommt, sind sie vielleicht aber zumindest die beste Band auf dem Rock im Wald 2014…Aus Gesprächen mit anderen Besuchern aber eine Meinung, die nicht jeder teilt. Die arrogante Art des Schwedentrios kam nicht bei jedem so gut an! Ich fand ja grad das auch n bissl geil…

The Wizard von Sabbath dröhnt aus den Boxen, vertreibt die letzten Regentropfen und macht Platz für üppige Rauchschwaden vor der Bühne. Es riecht schon arg nach Weed…Beste Vorraussetzungen also für die Headliner und letzte Band GRAVEYARD. Die gehen sowohl Soundcheck als auch den Einstieg in ihr Programm lässig an (teilweise hängen die Fluppen noch smooth in den bärtigen Fressen). Und das ist nach all dem Höher-Schneller-Weiter-Geballer der letzten zwei Tage auch mal eine willkommene Abwechslung!

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Graveyard verkörpern meiner Meinung nach – zumindest auf dem Rock im Wald – diesen ganzen 70s Style mit Abstand am Besten und haben all den anderen Bands noch einen weiteren Bonus vorraus: Songs! Die Schweden haben tatsächlich Songs! Konnten zwar viele der anderen Rock im Wald Acts krasse Energien vorweisen, gibt es hier endlich mal Hooks, klar definierte Gesangsstrukturen und somit einen Wiedererkennungswert. Macht das Mitgröhlen natürlich leichter und der ganze Platz feiert die Band bis zur letzten Sekunde. Die Lavalampenvisuals runden das rauchgeschwängerte Set perfekt ab! Einen schöneren Abschluss hätte das Festival wohl nicht finden können! Bravo!

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Mein Samstaghighlight, die Superkutte, hatte Müh und Not sich gegen den Supertyp durchzusetzen, der es fertig gebracht hat, zum Soundcheck der Truckfighterdrums zu moshen. Dennoch: Die Arschlochkutte bleibt Boss!

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Abschließend kann ich dem Rock im Wald Festival eigentlich nur nochmals meine Zuneigung aussprechen. Zwei Tage, vollgepackt mit tollen Headlinern, haben rund 1.500 Menschen, mich eingeschlossen, ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Einzig kleiner, rein subjektiver, Kritikpunkt meinerseits: Etwas mehr Abwechslung im Lineup könnte definitiv nicht schaden, da sich viele Bands schon brutal geähnelt haben. Ansonsten: Alles richtig gemacht! So lassen! Gerne wieder! Danke!