Bombentrack von Noah Slee!

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Mit Rampant Wild Free hat der in Berlin lebende Neuseeländer Noah Slee kurz vor Jahreswechsel ein soulig schmooves R’n’B-Gelöt aus seiner to your inner hippie & cos you fly as fuck-EP als Video gedroppt, das mit zeitgemäßer Produktion von Ben Esser  vor allem auf tonaler Ebene überzeugt:

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Review: The Instant Voodoo Kit – Wanna Talk About Voodism? Yeah Baby! (2016)

coverWanna Talk About Voodism? – Dass einem die Antwort, auf die im Plattentitel gestellte Frage, mit einem Yeah Baby! gleich mitgeliefert wird mag praktisch sein… ob sie aber tatsächlich für jedermann zutreffend ist, darf man zu bezweifeln wagen. Dafür polarisieren The Instant Voodoo Kit  zu sehr. Ihre dritte Platte macht da keine Ausnahme, kontrastiert die verschiedenen Pole vielleicht sogar noch einen Ticken mehr, als es der Vorgänger getan hat.

Dass ich mich mit dem vor geraumer Zeit einmal intensiv auseinandergesetzt habe, war Umständen geschuldet, die an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden sollen. Der Aufmerksamkeit aber, welche ich der Musik auf Something Good (2013) seinerzeit geschenkt habe, ist es geschuldet, dass mir die Ablehnungshaltung gegenüber der nunmehr 13(!)-köpfigen Truppe abhanden gekommen ist. Die war nämlich durchaus mal vorhanden und beruhte darauf, dass ich die Band vor allen Dingen auf ihre Kaspereien aus dem Helge Schneider-Kosmos reduziert habe, in welchem ich mich nie so wirklich heimisch gefühlt habe. Einfach nicht mein Humor. Daran vermögen auch heute Tracks wie Leggins Sind Keine Hosen, Buffalo Bill oder Rebootan nichts zu ändern. Wobei letztgenannte Nummer mir dann doch beim ersten Hören ein verstohlenes Grinsen abgerungen hat… und das, wo der Song auch noch ausgerechnet im Pseudo-Ragga-Gewand daherkommt… Damn!

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Soviel also zur Seite der Voodoo Kids, die mir nicht so recht taugen will. ABER, wie schon erwähnt gibt es da ja noch ganz andere zu entdecken! Lassen wir die Rock-Ansätze von Songs wie Bomb In My Head trotzdem einfach mal unkommentiert links liegen und kommen ohne weitere Umschweife zur spannendsten und meiner Meinung nach aufregendsten Facette der Band. Die, in der Tom Waits auf dem madigen Rücken des Oogie Boogie Man durch nebelverhangene Schwefelfelder galopiert. Die, in der die Band dem Zuhörer ein dekadentes Kabarett  aus Vaudeville und Burlesque kredenzt und an Schausteller, Gaukler und Sideshow-Freaks erinnert. Die, in welcher der im Zusammenhang mit der Kapelle omnipräsente New Orleans Jazz – Vergleich  wahrhaftig nicht unerwähnt bleiben darf.

Dann nämlich, wenn sich The Instant Voodoo Kit in sleazy düstergrau-polternden Chansons wie The Good Die Young, Easy Come,Easy Go oder dem alles überragenden Elephant Stomp verlieren, kriegen sie mich! Instant Voodoo Hits! Yeah Baby! Lässt ein Song wie Mister Sister Lady Baby dann noch Assoziationen zu Steamboat Willie, Lou Reed und dem Athletic-Theme des Super Mario World Soundtracks wach werden, fühle ich mich als Hörer gänzlich abgeholt und entertained!

Unterm Strich also ein wenig musikalische Yin-und-Yang-Action, bei der je nach Geschmack Rosinenpicken angesagt sein könnte und die mitunter so starke Kontraste aufweist wie das Make-Up, mit dem sich die Protagonisten gerne mal zukleistern. Mag man von denen im Ensemble halten was man möchte, kann man ihnen die Liebe zum Detail, ihre Leidenschaft für ihr Handwerk und den Mut zum Wagnis wie zur Originalität auch und gerade mit ihrer aktuellen Scheibe nicht absprechen! Wanna Talk About Voodism? Schon geschehen!

Anspieltipps: Elephant Stomp, The Good Die Young

Trackliste:

01. Das war die Nacht
02. Easy Come, Easy Go
03. Mama Ain’t The 1 2 3 4 U
04. Bomb In My Head
05. Rebootan
06. Buffalo Bill
07. Peter Pan
08. Alptraum Serenade
09. Elephant Stomp
10. Midnight Train
11. Mister Sister Lady Baby
12. Ihr Läuser
13. The Good Die Young
14. Leggins Sind Keine Hosen

Wanna Talk About Voodism? Yeah Baby! greift man sich am besten direkt auf der Releaseparty im Würzburger Dornheim am 02.09. oder auf der anschließenden Tour für 20 Euro auf Vinyl im Gatefold (inc. Mp3) oder im CD-Format für nen Zehner ab!

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Releases: 02.09.2016 via Voodism Enterprise

Review: Der Wolf – Turbo Funk (2016)!

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as found on bountyrecords.com

Ein Album zu besprechen, ohne es in seiner Gänze gehört zu haben? Gibt’s doch gar nicht! Stimmt, ist eigentlich auch nicht mein Stil. Wenn jemand aber schon im Vorfeld so dermaßen delivered, wie es Der Wolf tut, kommt man nicht umhin sich schon ein voreiliges Urteil zu bilden. Neben dem Snippet sowie aktuellen Live-Mitschnitten lassen vor allem die Vorab-Singles keinen Zweifel: Der Ultimative Lover, der Wiggediwolf, der F.L.O.W. ist zurück und macht einfach nur schöne Musik! Bow!

Seine Masche scheint dabei immernoch eine reimtechnische Lasche zu sein. Mittenrein in dein Gesicht, denn seine Stimme die besticht! So grandios, versiert und wortgewandt wie früher! Das beweist er zum Beispiel, wenn er das Tabu mal bricht, wenn er dann über den Sex spricht, wie in Sie hat Nichts Weiter Als Das Radio An oder wenn er als Phrasensmasher mal eben fachmännisch gekonnt Redewendung an Redewendung reiht. Wenn dann aber der Wolf GTI mit Cosmo Klein auf dem Beifahrersitz vorfährt, ist nur noch Abriss! Bang, durch die Schallmauer gebrochen! Der alte Geist im neuen Design! Zieht’s euch rein! Als wäre die Zeit in Dortmund City stehen geblieben:

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as found on: facebook.com/derwolfmusik

Nach Was Soll Ich Sagen… bounct nun also mit Turbofunk nach einer Durststrecke von satten (oder wäre in diesem Fall ‚sitt‚ das korrekte Adjektiv?) 16 Jahren ab dem 29.07.2016 endlich ein neues Wolf-Album durch die Speaker. Sollte es nicht wider Erwarten doch verpätet Auf’n Letzten Drücker kommen…

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Ich jedenfalls hab mächtig Bock auf die Dope-Selection vom Borsigplatz und glaube jetzt schon in Gib Ma Galle ein neues Lieblingsstück gefunden zu haben. Scheint jedenfalls seinem Titel alle Ehre zu machen und ähnlich Galle zu geben wie Quincy Popincy damals auf ‚Nichts Ist Wahr‘. Und da Reggea immer eine gute Idee ist, darf und muss auch mit Meet Me Pon di Dancefloor gerechnet werden!

Kein Zweifel, das Comeback des Jahres! Period! Hol ich mir!

Anspieltipps: Wolf GTI, Gib Ma Galle, Meet Me Pon Di Dancefloor

Turbofunk-Snippet:

Hier kann man den Turbofunk für nen schlappen Zehner und paar Zerquetschte vorbestellen! Holt man sich!

Releases: 29.07.2016 via Bounty Records

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

Review: Antoine Villoutreix – Paris Berlin (2016)

Antoine Villoutreix - Paris Berlin (Illustration Ulrike Jensen)

Artwork by Ulrike Jensen

Ich geb es ja zu: Ich fand Paris Berlin schon doof, da hatte ich noch keinen Ton von der darauf enthalten Musik gehört. Schon allein die gleich doppelt im Titel enthaltene Großstadt – Glorifizierung gekoppelt mit dem kindlichen Artwork genügte mir um das Album erst einmal mit Missachtung zu strafen. Kindlich banal auch die deutschen Texte zu Lass Uns Fahren, Wie Wunderschön, Neben Dir und Berlin. Gerade letzteres brachte mich schon beim lesen des Textes auf die Palme.

Beispiel gefällig? „Sein Kopf tut ihm bisschen weh / Gestern war wieder Schlägerei / Der Pogo war so krass, oh je / Die Welt ist eine Schweinerei / Berlin… / Du weisst ich liebe dich so viel.“ Und so weiter und so fort… Fair enough: Antoine Villoutreix ist kein Muttersprachler, weshalb man bei seinen deutschen Texten sicherlich ein Auge zudrücken sollte. Und ja: Man könnte solch reduzierte Zeilen wie „Wie wunderschön wäre die Welt ohne Bomben, ohne Kriege“ auch ganz bestimmt als ‚unmittelbar‘, ‚ungekünstelt‘ und ‚authentisch‘ betiteln und gutheißen. Ich allerdings pack die bisher genannten Stücke leider auch unter Einbezug genannter Denkansätze beim besten Willen nicht. Weder in ihrer schriftlichen noch in ihrer vertonten Form.

Glücklicherweise gibt es aber noch ein zweite Hälfte von Paris Berlin entdecken.  Wie es der Titel erahnen lässt, stellt diese das Pendant zur deutschsprachigen Berlin – Seite dar und ist demnach selbstverständlich in französischer Sprache gehalten. Diese lässt schon eher aufhorchen und steht dem Musiker meiner Meinung nach um einiges besser. Attribute wie ‚ungekünstelt‘ und ‚authentisch‘ wollen denn nun auch um einiges besser greifen.

Antoine Villoutreix - Les boulevards de Paris (Illustration Emmanuel Villoutreix)Antoine Villoutreix3 (© Stephan Talneau)Antoine Villoutreix - Wie Wunderschön (Illustration Ulrike Jensen)

Mag die Melange aus Folk und Chanson mit gelegentlichen Zitaten aus Swing, Reggea und Rock auch in französischer Sprache leider nicht so wirklich mein Fall sein, lässt sich ihr ein gewisser Charme jetzt nur noch schwer absprechen.

Tief und rauchig legt Villoutreix seine Stimme in ein federleichtes, weiches Bett aus akustischen Gitarren, Piano, Kontrabass, sanften Trommelschlägen, Streichern und gelegentlichen Bläsereinsprengseln. Ansprechende Arrangements und eine warme Produktion runden die Platte ab, die in ihren schönsten Momenten (Alright und Le Jour Qui Se Lève) einer sommerlichen Radtour durch die mediterranen Blumenfelder der französischen Provence gleichkommt. „Da wo die Sonne immer scheint…

So wie es dem Protagonisten der Platte schwerfällt sich zwischen zwei Städten zu entscheiden, so fällt es auch mir letztlich schwer ein Urteil über Paris Berlin zu fällen. Doof, wie im Vorfeld befürchtet, finde ich es an manchen Stellen leider tatsächlich. An einigen anderen dafür sogar richtig schön. Im Culture – Clash Paris vs. Berlin siegt für mich jedenfalls ganz klar die Stadt an der Seine. Aber das wusste ich auch schon vorher…

Ganz egal aber Wie Wunderschön die Musik von Antoine Villoutreix meiner Einschätzung nach nun sein mag oder eben nicht: Sie wird ihre Abnehmer finden und betanzt werden. Da darf man sich sicher sein. Nicht zuletzt dank dieser Gewissheit hat man sich als Releasedate wohl mit dem 29.04 siegessicher den Welttag des Tanzes auserkoren. C’est super!

Anspieltipps: Alright, Le Jour Qui Se Lève

Paris Berlin im Stream:

Paris Berlin gibt ist hier als Vinyl (20€) oder CD (15€) erhältlich!

Released: 29.04.2016 via Sungroove

Sticky Fingers – Caress Your Soul (2013)

as found on: stickyfingers.bandcamp.com

Auf was ist eigentlich noch Verlass, wenn ich nun nicht mal mehr davon überzeugt sein kann, dass ich Reggae nicht mag. Die Schuld daran, dass diese bisher in Stein gemeiselte Überzeugung Risse im Betonkleid bekommen hat, trägt die australische Band Sticky Fingers. Fair enough: Was auf deren Debut von 2013 aus den Boxen quillt ist kein Reggae im klassischen Sinne. Als ‚melting pot of psych, rock, reggae, & bourbon‘ will die Band ihre Musik verstanden wissen.

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Und diese Umschreibung lässt sich gleich viel besser mit dem geschundenem Gewissen vereinbaren, mag sie auch nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Denn wo Genre-typische Klischees wie Ska-Bläsersätze und JahJah-Gebrabbel (wahlweise auch Jah-Bläsersätze und SkaSka-Gebrabbel) freundlicherweise ausgespart werden, bleibt der typische Groove doch überpräsent. Und gegen den ist im Grunde genommen auch garnichts einzuwenden wenn Bass und Drums eine derart tighte Einheit sind wie gleich zu Beginn der Platte auf dem alles überstrahlendem Überhit How To Fly:

Apropos fly: In diesem Punkt zeigt sich der Fünfer ohne Zweifel erhaben. Optisch muss man sich nichts vormachen lassen. Die charmanten Videos legen darüber nicht nur Zeugnis ab sondern waren für mich überhaupt erst der Schlüssel zur Band. Besonders das trashig blutige Freddy Crabs (siehe unten) weiß zu gefallen und steht der visuellen Ebene auch tonal in nichts nach. Mächtig! Ob ich das Gitarrensolo ohne den ironischen Videoanstrich verkraftet hätte, bleibt dennoch fragwürdig.

Auf elf lässige Songs verteilt, schwimmt Sänger Dylan Frost, seines Zeichens eine Art Jay Kay des Reggaes, mit seinen lyrischen ‚Good Time Memories‘ konform zum Gute-Laune-Flair über Wogen aus schmooven Keys und obligatorischen Off-Beat-Gitarren durch den Indischen Ozean. Mit dem Strom. Seltener dagegen, wenn Geschichten von Einsamkeit und gescheiterten Beziehungen durchsickern.

Neben den beiden erwähnten Übersongs bieten der Titeltrack, Australia Street , Clouds & Cream oder Kiss The Breeze mit schier unverschämter Catchyness weitere Gründe Caress Your Soul gern zu haben und trösten so spielerisch über die etwas arg glatte Nummer Sex, den unnötigen Abschluß Let It All Out oder Bootleg Rascal hinweg, das zwar partiell zu überzeugen weiß aber mir mit den Stakkato-Sing-Sang-Einlagen dann doch zu arg den Average-Reggae-Dude mimt.

Unterm Strich ein recht lukrativer Blick über den Tellerrand, der mit einem symphatisch entspannten Sunshine-Album für die unbeschwerte Zeit belohnt wird. Laid back und chillig. Ja, chillig! It’s Reggae fo‘ christ sake, nah mean?

Anspieltipps: How To Fly, Freddy Crabs, Caress Your Soul

Caress Your Soul im Stream:

Übrigens: Der im Sound dichtere und vielleicht sogar etwas bekömmlichere Nachfolger Land Of Pleasure von 2014 schlägt etwas mehr in die Indie – Kerbe (in die Indie), ist ebenso empfehlenswert, jedoch mit weniger Instant – Hits versehen. Beide Platten bekommst du hier.

Released: 08.03.2013

Review: Riders Connection – Colour Me (2015)

12006375_885680111468177_5076676889656571154_nAright! Farbenfrohes für die kalte Jahreszeit! Sonnenbrille raus! Haare dreaden! Hacky Sacken! Jonglieren! Liebe, Frieden, Einigkeit! Let the colours reunite! Die Berliner Riders Connection tritt den Kampf gegen den seelischen Downpress an! Nuh true? Denkste! Auf dem neuesten Werk der 2010 ins Leben gerufenen Band hagelt es emotionale Vibrations in allen Regenbogen-farben. Nur positive? Mitnichten!

 

„Freude und Trauer, Liebe und Wut, das alles sind Repräsentationen von Farben, die über die verschiedenen Stile und Stimmungen auf dem Album ihre Verbindung zueinander finden“, weiß der Pressetext. Klar, die musikalische Grundausrichtung aus Reggea, Soul, Flamenco, Blues und Worldmusic rückt die Freuden der Karibik lebensbejahend in den Fokus.Textlich jedoch ist auf Colour Me tatsächlich nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen! So much Trouble in the world! Saxophon raus und weg mit dem Blues! Die Seele muss genesen! Den Tigerbalsam verabreicht die Combo in Form von Musik! Wie das gleichnamige Stück erklärt, sorgt diese schließlich wie kaum etwas anderes für das leibliche Wohl. Viva la musique! Die Riders Connection hat sie zum fressen gern! Jamjamjamjamjam und Leckerschmecker.

Bewaffnet mit funky Beatboxboy, lässiger Akustikgitarre und groovigen Bassläufen tanzt das Trio feierwütig durchs Motherland über Latainamerika bis hin zu Venezuelas Traumstrand Cuyagua! Vamos a la playa! „Alles, was Spaß macht hält [schließlich] jung“, dass wusste schon Curd Jürgens! Die Zeiger der innerlichen Uhr ticken natürlich trotzdem weiter. Ticks of the Clock und die Traumfrau immer im Kopf! Day after day durch die Violinen-getränkten Sonnenbänke des wilden Westens. A Hog-Killin‘ Time!

Labba Labba: Was die Riders Connection mit einer Schar begabter Gastmusiker im Studio X gezaubert hat ist, nicht zuletzt durch das einsetzen verschiedenster Sprachen, äussert abwechslungsreich, hervorragend produziert, catchy und stets darum bemüht eingesessenen Stilen eine moderne Note zu verleihen. Einen frischen Farbanstrich zu verpassen wenn man so will, um mal im Albumkonzept zu bleiben.

Das wird auf hiesigen Festivalbühnen sicher seine Freunde finden. Mir persönlich aber wurde beim Spiel mit den Farbdosen der Pinsel etwas zu oft ins Fettnäpfchen getunkt, was ein etwas arg beliebig transparentes Gesamtbild zurück lässt, so klischeebeladen, dass es mir wirklich schwer fällt noch objektiv zu bleiben und letztere Gefühlsregung aus dem eingangs zitiertem Pressetext bei mir die deutliche Überhand gewinnt.

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Fair enough: Derartige Musik stößt bei mir grundsätzlich schon auf wenig Gegenliebe. Mi naa wrap up! A nuh mi fi like it. Guess I don’t feel it…Oder um es mit den passenden Worten von Bob Marley zu sagen: „Some people feel the rain. Others just get wet.“  I an I bleibt dann wohl trocken… allen anderen wünsche ich trotzdem viel Spaß beim dancen!

Ticks of the Clocks (live)

Anspieltips: Days like these, Eleo

Colour Me im Stream:

Released: 22.10.2015 via Hey!blau Records

Review: American Head Charge/(hed)p.e./Soil/Wolfborne/Frankfurt/16.10.2014

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Da ist sie nun also, die Chance auf die ich über zehn Jahre gewartet habe: Die Industrialmetalboys American Head Charge live sehen! Dazu noch mit meiner einstigen New Metal-Lieblingscombo (hed)p.e. im Vorprogramm und den in der Metalcommunity zumindest damals schwer gefeierten Soil als Headliner. Für zynische Menschen drei mal Schnee von vorgestern. Musik für Hängengebliebene. Genau unser Ding also!

Das Derdanielistcool.de – Team ist exckusiv vorgeladen und stürzt sich in eine bunt gemischte Menge aus potentiellen Dunkin‘ Donuts – Kunden, Juggalos, Dreadlocks und patchübersähten Kutten. Lokalisiert in Frankfurts‘ schöner neuer Location Zoom. Direkt in der Innestadt, dürfte der Laden wohl einigen noch unter dem Namen Sinkkasten bekannt sein. Reibungsloser Ablauf, Spitzensound und nette Leute sprechen für die Räumlichkeiten! Dazu dem Abendprogramm angepasste Mucke  aus der Konserve von A Perfect Circle, Black Light Burns und Marilyn Manson. Kann natürlich auch der Tourtechniker ausgewählt haben…

Wolfborne

Den Beginn machen nicht wie angekündigt 8 Foot Sativa, sondern Wolfborne aus Vancouver/Kanada. Und wenn ich Kanada höre, muss ich unwillkürlich immer gleich an Nickelback denken. Bezeichnend dann natürlich, wenn die Kapelle doch tatsächlich wie die Band des nasenoperierten Ehemanns von Avril Lavigne auf Drop D. klingt. Grenzwertige Songs wie Sex Sells oder Disturbed-ähnliche Stakkato-08/15-Alternative-Metal-Stücke tun dazu ihr übriges. Immerhin tight und sauber im Spiel, wirken Drummer und Gitarrist bei der Performance bisweilen mächtig gelangweilt. Kann dann lediglich Headcharge-Drummer Chris Emmery begeistern, der beschwipst und allein auf weiter Flur vor der Bühne taumelt und sein bestes gibt um die bisher etwa 50 – 60 Nasen zu animieren. Mit mäßigem Erfolg. Irgendwie arg plump und brav das Ganze. Grober Mist, wenn man mich fragt…

Beautiful people of Frankfurt: (hed)p.e. comes in peace!

Ich hatte mir ja nach meiner letzten (hed)p.e.-Show vor etwa 3 Jahren in Berlin geschworen, dieser stetigen, von der Band selbst vollzogenen Mythosschändung, nie wieder beizuwohnen. Geschweige denn durch Geld zu unterstützen. Wenn die Kapelle allerdings als Support auf dem Billing steht, sieht die Sache natürlich anders aus und ich nehm das gerne nochmal mit. „No one can judge me now!“ heisst es heute im Opener. Ich versuch mich dran!

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(hed)p.e. mit Lieblingsspielzeug

Als die Band um M.C.U.D. – welcher sich zu Beginn selbstsicher und urban im Camouflagelook samt bandana-vermummten Gesicht präsentiert – ihr Set mit dem live ganzokayen No Turning Back vom aktuellen Output Evolution beginnt, bemerke ich sogar, wie ich widererwarten Bock auf die Show bekomme. Die kurz aufgekeimte Euphorie ist allerdings schon beim nächsten Song wieder passé, als die erste, brandneue und unsagbar miese „Punknummer“ den ersten Pogo anzettelt… In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Track Whitehouse vom 2010er Truth Rising, welcher die Klassikerriege aus Killing Time, Bartender und Blackout kurz unterbricht. Besagte Nostalgierunde animiert zwar sofort zum mitgröhlen und lässt ordentlich Extremitäten im Publikum zucken, zeigt aber gerade auch das größte Problem auf. Nämlich, dass die Hunntington-Beach-Boys – nunmehr auch um den offenbar pausierenden DJ Product vermindert – immermehr zur Selbstparodie verkommen und mehr oder weniger nur noch eine Coverband ihrer selbst sind.

Was ihre Liveshows irgendwie trotzdem zum Entertainment macht, sind die vollmundigen Ansagen von Großmaul und Chefposer Jared, welche einen stets zum Schmunzeln bringen und ein Gefühl von Willkommensein vermitteln. Auch heute Abend. Knüpft er doch gerade zum Frankfurtpublikum eine familiäre Bande:

Thank you beautiful brothers and sisters of Frankfurt. 
You look fuckin' beautiful tonight! My sons' grandmother 
was born in Frankfurt. So it's like we're related. I hope 
you're happy! We're so happy to be here. We just put out 
a record on Pavement Records, that's the Soil - recordlabel. 
It's some heavy fuckin' shit, it's so good. 
We sold out of 'em. Get it on itunes! Play some heavy shit!

Sagt’s und lässt One More Body, das vom Publikum geforderte und durch Roadie „Goose“ gebackupte C.B.C., Renegade, Peer Pressure und das marilynmansonodermeinetweigenaucheurythmicsabgekupferte Raise Hell über die mittlerweile gut angewachsene Zuschauerzahl regnen, welche sich allesamt zu amüsieren scheinen. Ich bin ja jedesmal erstaunt, wieviele Leute mit den neueren Sachen der Band vertraut sind und schäme mich natürlich auch zeitgleich ein bisschen, dass ich jeden Song mitsingen kann…

We brought Bob Marley to town with us!
Don't be mad heavy metal people! It's okay. American Head Charge 
and Soil will be here with some Heavy Metal all night. Right now we're 
going to play some fuckin' Reggae!!!

Shit. Die Raggaversion von The Meadow macht tatsächlich Bock und wirkt so mit dem abschließenden Hold On wie aus einem Guss.

Unterm Strich kommt der Mix aus Nostalgie, Fremdscham und köstlichen Ansagen sehr unterhaltsam und macht das 45 minütige Set sehr, sehr kurzweilig! Band und Publikum hatten sichtlich Spaß und als Supportact könnte ich mir deutlich schlechteres vorstellen. Das (hed)p.e. ihren Zenit aber schon seit Jahren überschritten haben, können sie auch heute nicht kaschieren. Im Endeffekt also alles wie erwartet…

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AHC – Crowd

„Beautiful“ brothers and sisters of Frankfurt…

American Head Charge
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Karma / American Head Charge

Von American Head Charge allerdings hab ich mir da schon etwas mehr erwartet. Wie sehr ich allerdings bedient werden würde, hätte ich niemals erwartet. HO-LY-SHIT! Um es gleich vorweg zu nehmen: Was die neuformierte Band aus Minneapolis an diesem Abend auf die kleine Clubbühne zimmert, zieht einem glatt die Schuhe aus! Eine der besten Shows die ich seit langem gesehen habe! Absolut tight, drückend und überraschend unpeinlich. Dazu noch die auf ganzer Linie überzeugende Stimme von Cameron Haecock. Ich habs ja schonmal gesagt: One of the best there is in this business…

Krass wie problemlos der mittlerweile krass abgemagerte und wortkarge Typ zwischen derbem Metalgeshoute und flächigen Harmonien hin- und her switcht. Blickfang außerdem: Gitarrist Karma, der seit The Feeding zur festen Instanz gehört und schon während des Bühnenaufbaus den Badboy mimt indem er bitterböse Blicke, ordinäre Gesten und verbale Beleidigungen gen Publikum schickt. Auch wenn sich das jetzt albern und panne anhören mag: Das war schon sehr überzeugend und angsteinflößend. Hab ich in der Form höchstens noch bei MSI-Gitarrist Steve Righ? erlebt…

Dreckig-gefährlich natürlich auch die Musik, die fast wie auf Platte aus den Boxen drückt und von Beginn an frenetisch abgefeiert wird. Bereits der Einstieg mit All wrapped up vom Debutalbum killt nur noch! Über den fetten Brei aus drückend lärmendem Metalriffing kreischen und schmatzten die Samples und Störgeräusche von Keyboarder Justin Fouler. (neben den Vocals für mich ja schon immer das Highlight dieser Band). Umso erfreuter war ich natürlich, als mir das nette Kerlchen anschließend verklickerte, dass die Truppe es gerade, zumindest für die Aufnahmen zum neuen Album, in Erwägung zieht, den 2002 geschassten Soundmaniac Aaron Zilch wieder ins Boot zu holen!!

Bekanntes Material gab es überraschend wenig. Neben Dirty und natürlich Just so you know, kam lediglich noch das grandiose Writhe (Opener der aktuellen EP) zum Zug. Die restlichen 3 Songs waren brandneu, größtenteils sehr, sehr heavy und hätten in dieser Form auch problemlos auf The War of Art zu finden sein können. Auch wenn es ruhig noch ein paar Hits mehr hätten sein dürfen, ist das ebenfalls um die 40 Minuten lange Set absolut perfekt und fährt alles andere an diesem Abend sowas von an die Wand! Damn, freu ich mich jetzt auf die kommende Platte! Mit American Head Charge ist tatsächlich noch zu rechnen!!

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Wenn nun allerdings We will rock you den Auftritt von Soil ankündigt, verlässt einen die Lust ja schon ein wenig. Die Band allerdings gibt von Beginn an mächtig Gas und versteht es alle Wacken– und G.O.N.D. – Shirtträger, sowie sämtliche Kuttenrocker von der ersten Sekunde an zu begeistern. Von Halo vielleicht mal abgesehen, den ich mir unter Umständen in einem unbeobachteten Moment klammheimlich reinfahren würde, hat mich die Chicagoer-Formation nie packen können. Bevor man auf diesen sicherlich eher zum Schluss angesiedelten Hit wartet, spielt man dann doch lieber Fanboy und nutzt die Zeit für gemütliche Schnacks und Shakehands mit den Mitgliedern der vorangegangenen Bands und lässt den Abend mit einer schönen, anschließenden Fahrzeug- Licht- und Rauschmittelkontrolle der Frankfurter Polizei ausklingen. 0.00 Promille… Facettenreicher Abend mit vielen zufriedenen Gesichtern!

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Hangin‘ out with A.H.C. and (hed)p.e.

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