Review: PABST + AUTISTI – 7inch Split (2017)

Wir kennen PABST. Wir kennen AUTISTI. Wir kennen CRAZYSANE RECORDS. Wir wissen daher, dass es sich bei der vorliegenden Split um einen absoluten Pflichtkauf handelt. Und das schon ohne auch nur einen Ton gehört zu haben. Was wir noch nicht wussten ist, dass man rosafarbene 7inches mittlerweile auf Basis von Eiscreme presst und das uns die gemeinsame Split der beiden Ausnahme-Formationen dann doch SO derbe an die Wand klatschen würde. Das wiederum wurde uns aber schon beim ersten Ton bewusst. Weiterlesen

Review: YAGOW – s/t (2017)

artwork by Daniel Fuchs & Manuel Wesely

Kann sich noch wer an die Zeit erinnern, in der man das Logo eines Musiklabels mit einem Qualitätssiegel gleichsetzen konnte? Sub Pop war z.B. damals ein solches und CrazySane scheint sich in dieser Tradition momentan als Instanz des guten Geschmacks zu etablieren. Die Releases könnte man blind kaufen. Das neueste Pferd im Stall trägt den Namen YAGOW und zieht  den Hörer hypnotisch in eine Fuzz-getränkte Spirale aus Psychedelica und Shoegaze. Weiterlesen

Review: Autisti – Self Titled (2017)

Mag das Schweizer Trio Autisti auch neu sein: Ihre Mitglieder sind wahrlich keine unbeschriebenen Blätter! Neben der Folk-Sängerin Emilie Zoé darf sich hier vor allem der umtriebige LoFi-Liebhaber Louis Jucker (u.a. Ex – The Ocean und Mitglied bei Coilguns oder dem Red Fang – Ableger Red Kunz) austoben. Während diese Beiden ihre Gitarren malträtieren und ihre Stimmen in Hall ertränken, verdrischt Steven Doutaz sein Kinderschlagzeug mit Bravour. Den Bass spart man sich.

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Review: PABST – Skinwalker [EP] (2016)

artwork by fabianbremer.com

Fuzzverliebter Neo-Grunge, der den Flirt mit catchy Pop-Hooks ebensowenig scheut wie Ausflüge in hippieeske Gefilde: Ähnlich Souverän wie ihr geistlicher Namensvetter kommen die Berliner Newcomer PABST auf ihrem Debüt um die Ecke. Das EP-Format steht den fünf Coming-of-Age- Hits von Skinwalker dabei ausgezeichnet und macht das Package zu einer erfrischend kurzweiligen und runden Angelegenheit.

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Review: Suns Of Thyme/Cameron Lines/Nürnberg/28.09.2016

Suns Of Thyme Backstage @ MUZ Club – Photo by Stefani Schmid Rincon

Kronleuchter, tiefrote Vorhänge, langsam rotierende Discokugeln und gedimmtes Standlicht nebst überragendem Sound: Der MUZ-Club sollte sich, wie erwartet, als die perfekte Retro-Chic-Kulisse für das psychedelische Mittwochskonzert mit Suns Of Thyme erweisen.

Cameron LinesBevor der Main-Act allerdings die Bildfläche betritt, dominiert der kernige Garage-Rock der etwa zwei Jahre jungen Cameron Lines das Geschehen. Den White Stripes-Vergleich muss man sich als Duo aus Drums+Gitarre einfach mal gefallen lassen. Kommt stellenweise aber tatsächlich recht gut hin. Bereits der Einstiegssong We Don’t Need To Know stellt mit den gelungenen, zweistimmigen Vocal-Harmonien sowie dem wärmstens übersteuerten Fuzz-Sound zwei gute Gründe dar um die Band gern zu haben. Hin und wieder vermisst man zwar den Bass schmerzlich, ansonsten kann man die zwei Boys samt ihrer gemütlichen Holzfälleroptik eigentlich nur sympathisch finden. Der Tuesdays Blues aus Dresden scheint jedenfalls auch bei einem Mittwochs-Publikum prächtig zu funktionieren.

Selbiges quadriert sich noch im Verlauf des 35-minütigen Sets der Vorband auf eine beachtliche und schätzungsweise dreistellige Zahl was nicht wenig verwundert, ist der Headliner doch gerade dabei, seinem Geheimtipp-Status zu entwachsen. Wenn man das bei einer von Musik Express bis FKP Scorpio präsentierten Tour und Release auf Napalm Records nicht sowieso schon längst getan hat… Dass die Berliner sich ihr Standing redlich verdient haben, stellen sie in den folgenden eineinhalb Stunden unter Beweis, von denen allenfalls die letzten 20 Minuten etwas zu viel des Guten waren. Und das alleine will schonmal was heißen!

Suns Of ThymeSuns Of Thyme

Was den Charme der Band gerade live so unwiderstehlich macht, lässt sich nur schwer in Worte fassen, ist dann aber wohl eher im unglaublich präzisen Zusammenspiel als im Austauschen technischer Raffinessen, großer Gesten oder ausladender Hooks zu suchen. Mag sich der Fünfer auch noch so wortkarg und bis auf Organist/Percussionist Tammo Dehn etwas bewegungsfaul geben: Man vermisst nichts! It’s all about the feeling und außerdem bietet die spindeldürre Anatomie diverser Mitglieder auch genug fürs Auge. Oder eben auch nicht…

Suns Of ThymeZwischen hochkonzentriert und losgelöst entrücken die Musiker ihr entspanntes Publikum in ihre detailverliebte Welt aus 70s-Psychedelica, Hippie-Romantik und orientalischen Klang-experimenten. Die Setlist lässt nichts zu wünschen übrig und greift großzügig auf das Material ihrer beiden bisherigen Alben zurück. Der Start mit dem Knaller Do Or Die von der aktuellen Platte Cascades zündet ebenso wie die ‚Klassiker‘ Blue Phoenix TreeSoma – God For Gods oder The Years We Got Are Not Enough von Fortune, Shelter, Love and Cure. Neben dem Mantrabrett Asato Maa sticht heute vor allen Dingen One Song als Highlight aus diesem ersten Schaffenszyklus hervor. Ähnlich gut kommen die Synthieteppiche in Schweben oder das live um einiges organischere Intuition Unbound, die zusammen mit Ich Träum Von Dir, Rush, Kirwani und dem verhältnismäßig flotten In Dreams Awake von der Qualität der neuen Scheibe zeugen. Der düstermelancholische Gothic-Rock von Aphelion beendet das reguläre Set, ehe als Zugabe noch ein wenig gefälliges Geplänkel in den zufriedenen und zu Frieden gekommenen Saal gestreut wird.

Das Suns Of Thyme eine gute Liveband sind, war mir seit dem Void von vor zwei Jahren bewusst. Das sie starke Songs haben spätestens seit ihrem Debüt. Mit einem derartigen Konzert-Highlight wie an diesem Abend hatte ich trotzdem nicht gerechnet. Starke Leistung! Starker Trip!

Alle Live-Photos exklusiv von Ein Bild Mit Dem Mann!

Review: Astral Tide – How Far, Are You Out There? (2016)

Artwork by Nicoletta Dalfin

How Far Are You Out There? Hinsichtlich der Musik von Astral Tide  dürfte sich diese Frage für den Mainstream-Hörer ganz klar mit ‚pretty far out‘  beantworten lassen. Schließlich sind die Wahl-Berliner klanglich in ganz eigenen Sphären unterwegs. Inmitten von lärmenden Hall-Eskapaden gibt sich der Vierer leidenschaftlich dem fiebrigen Spannungsfeld aus Shoegaze, Metal, Spacerock, Post-Punk und Noise-Pop hin. Die selbst gewählte Etikette ‚DoomGaze‘  greift!

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27 Minuten lang suppt einem ein schier uferloses Soundgewitter entgegen. Roh und ungefiltert. Nicht von ungefähr! Die Entscheidung, live zu recorden steht der auf Atmo ausgelegten Gitarrenmusik ähnlich gut, wie der stilsichere Release auf 12inch. Während die Instrumentierung souverän durch unterschiedlichste Emotionslagen führt, kommt das dargebotene Package besonders ansprechend daher, wenn Sänger Matthew Potter von seinem ominpräsenten und leider dezent nervigem JustinSullivan-meets-OderusUrungus-Genöle ablässt und in Schrei-Ausbrüche abdriftet. Nachzuhören auf Mercy Release. Stark auch die experimentellen Ansätze der Vorzeige-Space-Operette Out Of Orbit:

Die Schwere und Kälte der Stücke ist nebenbei bemerkt weniger Zufall denn reinstes Kalkül und gibt das tonale Pendant zum textlich geschilderten Endzeit-Szenario. Wuchtige Klangtundra für Genre-Freunde also, die an trostlos vernieselten Herbsttagen beschritten werden möchte. Würde ich live nicht ausschlagen!

 Anspieltipps: Out Of Orbit, Mercy Release

How Far, Are You Out There? Antworte der Band durch den Erwerb der EP. Pay-What-You-Want-Download oder 12inch. It’s up to you!

Released: 09.09.2016 via Wrongfoot Records

Review: Drop Nineteens – Delaware (1992)!

coverWährend Ende der 80er und Anfang der 90er das Shoegaze – Movement in England in seiner absoluten Blütezeit stand, gab es hier und da auch junge US – Bands die sich damit identifizieren konnten beim schrammeln dissonanter und verschwommener Gitarreriffs hauptsächlich ihre ausgelatschten Sneaker zu betrachten, während die Vocals schüchtern und verhalten durch den Raum hallen. Drop Nineteens aus Boston sind so ein Fall.

My Bloody Valentine sind somit als Referenz schonmal unumgänglich, zumal sich auch bei den Drop Nineteens eine Dame im Quintett befindet, die hier und da andächtig das Mikro umgarnt. Wenn die Bostoner auch mit weitaus weniger Pomp zu Werke gingen als das UK – Vorbild, stapeln sich die Gitarrenwände dennoch meterhoch wodurch man der Genre – typischen verträumten Stimmung mit Leichtigkeit nachkommt.

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Fehlt es der ersten von zweien Full Length zwar an durchgehend überzeugendem Liedgut und sind mir die Ambient – Tracks Ease It Halen, Reberrymember und (Plus Fish Dream) nicht nur relativ unbegreiflich bis fast schon nervig, kommt Delaware dennoch mit schweren Hits um die Ecke, die den Besitz dieser Platte allemal erzwingen.

Wenn es schon nicht das spärliche My Aquarium, das matschig vergnügte Angel oder der eröffnende Titeltrack sind, die einen in Verzückung versetzen, dann doch mindestens der absolute Überhit Winona, dessen hypnotischer Pop – Appeal mich schon seit Wochen nicht mehr los lassen will:

Und dann ist da ja auch noch die Pumpkins – artige Ballade Baby Wonder’s Gone, deren melancholischem Flair man sich ebenfalls nur schwer entziehen kann. Und überhaupt: Smashing Pumpkins. Die sollten am Ende doch die Stars auf Caroline Records werden, wo auch Delaware veröffentlicht wurde. Überraschend! Waren es doch die Drop Nineteens, die Label und Kritiker als das ‚Next Big Thing‘ gehyped haben.

Zum wesentlich prägnanteren, wahrscheinlich sogar greifbareren, emotional aber leereren Nachfolger National Coma sollte es 1993 noch reichen ehe dann zwei Jahre später auch schon Schluß war. Das Gerücht um eine dritte Platte hält sich seit Jahren hartnäckig. Würde mich ja interessieren… bis dahin bleibt Delaware erste Wahl. Oder willst du mir erzählen, dass du bei Kick The Tragedy nichts empfindest? Na also…

Anspieltipps: Winona, Baby Wonder’s Gone, Kick The Tragedy

Delaware im Stream:

Auf den einschlägigen Portalen ist Delaware ziemlich begehrt, wodurch dann selbst für die CD-Reissue von 2009 mindestens satte 30 Euro veranschlagt werden. Da hält man besser die Augen in den Krabbelkisten der Flohmärkte offen um ein günstigeres Exemplar zu ergattern. Good luck!

Released: 05.06.1992 via Caroline Records

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema 90s Alternative!

Die-Coole-90s-Alternative-Super-Woche!!!

Alternative-Rock-Title

as found on: rantlifestyle.com

Der anhaltende und zumindest in meinem Bekanntenkreis deutlich spürbare wie berechtigte Hype um großartige Neo-Grunge – Bands wie Milk Teeth oder Violent Soho sowie musikalisches Treiben im privaten Bereich gaben mir kürzlich den Anstoß mich einmal wieder auf eine Zeitreise in die 90er zu begeben um nach neuen alten Perlen meines Lieblingsjahrzehnts zu stöbern, die sich im weitesten Sinne dem Alternative/Grunge/Gitarren – Sektor zuordnen lassen. Dabei sollte ich mehr als fündig werden, weshalb ich euch nun kommende Woche jeden Tag einen kleinen Geheimtipp vorstellen möchte.

Sieben Veröffentlichungen aus dem weitgesteckten Feld Alternative also, die vielleicht noch nicht jeder auf dem Schirm hatte. Perfekte, runde, in sich geschlossene Platten sind dabei nicht zwingend zu erwarten. Dafür aber eine ganze handvoll Hits für den kommenden Sommer. Versprochen!

Das dabei allseits bekanntes wie Nirvana ausgespart wird, sollte sich dabei von selbst verstehen. Ich betone nochmals: Geheimtipps aus dem Bereich Alternative/Rock! Keine ‚Best Of 90s‘ Liste oder so…

Ab Morgen geht es in loser Reihenfolge los! Komm doch mit!

Review: Godzilla was a friend of mine – Life and function (2015)

115072Sensationelle Ghost City-Produktion, Vertrieb über das taufrische Label krimskramz  und chices Artwork von Hummelgrafik auf weißem Vinyl im matten Gatefold + Downloadcode. Der aktuelle Longplayer Life and function der Würzburger Godzilla was a friend of mine lässt sich nach außen hin in keinster Weise lumpen und macht optisch schonmal einiges her. Ob der Inhalt der Platte da mithalten kann? Ich war da zugegebenermaßen zunächst etwas skeptisch…

Klar, die Jungs beherrschen ihr Handwerk, das weiß man oder merkt es auf Anhieb. Was die Rhythmussektion hier auffährt ist schon echt beachtlich ausgefuchst und tight! Und auch an der Stimme wurde seit dem selbstbetitelten Vorgänger gearbeitet. Nun wird auch endlich mal brachial geschrien, was nochmal ganz neue Fenster in Sachen Intensivität öffnet. Die Gitarren lassen sich sowieso nichts zu Schulden kommen, sind gut aufeinander abgestimmt und pendeln mit gekonnter Laut-Leise-Dynamik spielend leicht zwischen melancholischer Stimmung und dreckiger Roughness. Dazu gibt sich die irgendwo zwischen Indie-, Alternative-, und Postrock agierende Band sehr detailverliebt und steckt viel Herzblut in ihre Songs. Auch diese Erkenntnis kommt unmittelbar.

Technisch und von Seite der Intention her also alles frei von jeglichen Einwänden. Nur habe ich das Songwriting zu Beginn als wahnsinnig sperrig, vekopft und schwer zugänglich empfunden. Und dabei wäre es auch beinahe geblieben. Eine Verkettung von Umständen zwang mich dann aber glücklicherweise dazu, das Album erst näher kennen- und schließlich lieben zu lernen. Life and function ist kein Easy-Listening-Nebenbei-Geplänkel, sondern erfordert Aufmerksamkeit und Zeit. Gibt man der Scheibe nämlich erst einmal ein paar Durchläufe, kommen auch die Ohrwürmer, versteht man die Rhythmik, regt sich das Tanzbein. Schließt man nach und nach alle Stücke ins Herz. Trägt sie bei sich. Pelican, Poe und Noise an warmen Sommernächten. Waves Inside, Paper cuts skin und Dagger im Herbst. Die zweite Hälfte des Titeltracks für immer unter der Haut!

Eine Platte aus einem Guß. Ein Grower, wenn man so will. Aber was soll man groß nach Worten ringen, wenn ein Blick auf die Songtitel gleich schon die perfekte Abrundung mitliefert, um Life and function auf den Punkt zu bringen: Plastic Diamond! Ein kleiner Diamant aus weißem Plastik.

Oh lines and chords and strings in choirs they together sing. 
Plastic diamonds they don`t shine forever.

Na dann… Shine on you crazy diamond!

Anspieltips: Pelican, Faithful Patrones, Life and Function

Albumstream:

Life and Function kann direkt beim Label für 13 Euro auf Vinyl oder für 7 Euro digital auf bandcamp erworben werden.

Released: 26.06.2015 via krimskramz

Freak Valley 2015!

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Wie es aussieht, werde ich mich einer ordentlichen Jeansjacke (ggf. auch Lederweste) wohl nicht mehr allzu lange verwehren können. Die Stoneraction häuft sich!

Das bisherige Berichten auf derartigen Veranstaltungen (wie z.B. dem Void im letzten Jahr) hat schließlich derartig Spaß gebracht, dass mir das Freak Valley Festival in Sachen Nachholbedarf quasi unumgänglich scheint.

Zur vierten Ausgabe der staubigen Feierlichkeit werden mit Blues Pills, Eyehatod und Orchid auch in diesem Jahr schwere Szenegeschütze aufgefahren. Das überrascht natürlich ebenso wenig, wie auch die rege Ticketnachfrage. Ausverkauft ist das Ding demnach schon längst. Lediglich Restkarten für den Donnerstag sind noch zu haben. Umso schöner, dass man uns vom 04.06. bis zum 06.06. in Netphen den Eintritt gleich im Doppelpack gewährt.

Bleibt also nichts weiteres zu tun, als sich einer ausgedehnten Aufwärmübung in angemessen schweißtreibender Umgebung hinzugeben: