Review: Conny Ochs – Future Fables (2016)

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Wer nicht weiß, wie sehr mir die Musik von Conny Ochs am Herzen liegt, dürfte diesen Blog nie aufmerksam verfolgt haben. Und ehe ich am Ende noch selbst vergesse, warum das eigentlich so ist, weht mir Hole den imaginieren Küstenwind um die Nasenspitze. Salzig, staubig und ungefiltert. Ein Hauch vertonter Freiheit. Der erholsame Track ist Opener des mittlerweile schon dritten Soloalbums, das einmal mehr durch Authentizität und Intensität glänzt. Es trägt den Titel Future Fables und erscheint Ende Februar!

Sicherlich zu nicht geringem Teil  der blühenden Zusammenarbeit mit Lehrmeister Wino geschuldet, ist der Folk mittlerweile zugunsten flimmernder Southern-Rock-Ästhetik auf einigen Stücken etwas in den Hintergrund geraten. Diesen Spirit atmet beispielsweise das Dreiergespann aus Piece Of Heaven, Killer und Spin. Ehe man aber Angst bekommt, Ochs wäre die so geliebte Melancholie ganz abhanden gekommen, malt er im Finale des letztgenannten Stücks als Neo-Schamane zu entspanntem Mantrachor wieder Mandalas auf die geistige Iris und lässt mit Wake Up und vor allem Empire zwei der schönsten Stücke im Zentrum strahlen: Raw Love Songs! Die großen Gefühle! Das steht dem ewig Reisenden meiner Meinung nach noch immer am besten:

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Strange Alchemy bringt das zum Ende hin sogar noch besser zum Ausdruck. Niagara Fälle, die im Herzen toben! Mein persönliches Highlight der Platte!

Wie schon auf den letzten Releases, gesellen sich auch auf der aktuellen Platte diverse Instrumente wie Klavier, Bass, Drums oder Mundharmonika zu Akustikgitarre und Ausnahme-Stimme. Zudem auch des Öfteren E-Gitarren-Einschübe, teilweise gesponsert vom Baby Universal– und Zombie Joe-Weggefährten Hannes Scheffler. Immer stilvoll und songdienlich eingesetzt. Nie überladen.

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Photos von: Christian Thiele

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Überraschen tut einen Future Fables allenfalls durch den musikalischen Optimismus solch federleichter Country-Songs wie No Easy Way Out, Fools oder Golden Future. Ansonsten reiht sich die Platte perfekt in den Katalog des gebürtigen Hallensers ein und es gilt: Wer den vor drei Jahren erschienenen Vorgänger Black Happy oder die beiden Kollabo-Alben mit Wino mochte, findet auch an Future Fables Gefallen. Keine Frage!

Allen, denen die Musik von Conny Ochs bisher noch nicht untergekommen ist, könnte die Platte in ihrer willkommenen Kompaktheit von gerade mal 33:38 Minuten außerdem als perfekter Einstieg in den Klangkosmos eines immernoch wahnsinnig unterschätzten Künstlers dienen! Gebt dieser leidenschaftlichen, kraftvollen Scheibe mal eine Chance! Ihr werdet es nicht bereuen! Make some room for the feeling!

Anspieltipps:  Strange Alchemy, Empire, Wake Up

Tracklist:
01. Hole
02. Piece Of Heaven
03. Killer
04. Spin
05. Wake Up
06. Empire
07. Golden Future
08. Slide
09. No Easy Way
10. Fools
11. Strange Alchemy
12. Make Some Room

Future Fables ist ab dem 26.02.2016 über Exile On Mainstream zu haben. Der schlaue Käufer ordert natürlich die Vinyl-Version zu fairen 16€ im Pre-Order und nimmt sie schon einige Tage früher in Empfang! Außerdem HOT: ochsworks.com, die neue Seite für die Grafikarbeiten des Künstlers!

Released: 26.02.2016 via Exile On Mainstream

Der Felix Kantner ist cool (XXXiql058)

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Felix Kantner ist ein produktiver Interpret und Komponist, Multi-Instrumentalist, Dichter und Philosoph der traditionellen und zeitgenössischen deutschen Folklore. Mit derzeit schon weit über 200 Publikationen auf dem beliebten Videoportal Youtube bereichert und erhält der Nordrhein-Westfale den Spirit zentral-west-germanischer Musik mit vorrangig eigenen Kompositionen für die nächsten Generationen.

1470392_1375122732736402_1945416902_nAls Meister und Virtuose an Gitarre und Piano perfektioniert er die Klangkunst in seinem unnach-ahmlichen wie einzigartigen Stil. In seinen nachdenklichen und gerne auch gesellschaftskritischen Texten weist er vehement auf soziale Missstände hin. Immer darum bemüht, die lahmen Schnecken unserer Republik wachzurütteln.

 

Um diesen durchaus ehrenwerten Ambitionen etwas Nachdruck zu verleihen, folgen nun drei seiner bisher stärksten Momentaufnahmen (in loser Reihenfolge):

 Allianz versichert

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Veganer leben ungesund

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Boris Becker Parodie

Ein herzliches Dankeschön für diesen heißen Tipp geht nach Fürth!

Nicole Dollanganger on the rise!

11027777_936673359739955_5195213008366605894_nErinnert sich noch wer an das Interview, das ich mal mit einer jungen Kanadierin namens Nicole Dollanganger geführt habe? Well… der kleine Geheimtip, über den ich damals komplett random gestolpert bin, gewinnt gerade rasant an Popularität. Remember where you heard it first. Haha..

 

Hatte die Dame zum Zeitpunkt unseres Interviews noch kaum Live-Erfahrung geht es nun unter der Obhut von Grimes (!) auf ausgedehnte Tour, welche die kommende Dollanganger-Platte Natural Born Losers außerdem auch mit ihrer neuen Organsition pusht. Seems like a dream match to me… Kanadas wohl schönstes Paar seit Chad Kroeger und Avril Lavigne!

Auch gibt es ein fantastisches neues Dollanganger-Video zu bewundern, bei welchem es sich um eine Neuauflage ihres Classics Angels of Porn handelt und das momentan zurecht viral geht:

Me likes a lot!

Da kommt mir auch, dass es mal wieder schwer an der Zeit für neue Interviews wäre… Vorschläge? Interesse? Let me know…

Review: Zikade – Salzgeschichten (2015)

a2769246469_16Nicht einmal ein Jahr ist es her, da hat der aus Berlin stammende Ausnahmemusiker Zikade mit Das Ende der Beschwerde ein  beachtenswertes wie verschrobenes Debut hingezimmert. Nun werden die Salzgeschichten erzählt, genauer gesagt schon seit einigen Wochen und wissen es, durch ungeahnte Aufgeräumtheit und wohltuenden Raum, das Herz mit anderen Worten und neuen Weiten zu bewerfen.

 

Alles anders also… aber immernoch surreal. Das weiß schon der Opener, der den Hörer gerne mit Pop-Appeal umgarnt und trotzdem nicht darum verlegen ist, freche, synthetische Wellen aufzutürmen. Wellen, die auch das Meer aus Gras im nachfolgenden Jung wiegen. Wer die aufrichtig zarte Melancholie dieses Tracks nicht fühlt, braucht den restlichen Salzgeschichten wohl kaum weitere Beachtung zu schenken. Wer hingegen gefühlsmäßig an Board ist, wird mit Zikade bereitwillig vom Ufer ablegen, an dem einst ein Hafen stand und durch den restlichen Tag gemeinsam schaukeln wollen. Im Sonnenlicht. Sich die Augen Pink pinseln lassen und die Lippen solange im satten Grün wälzen, bis der Mund zum Schlachtfeld wird. Die Möglichkeiten hat man schließlich. Der Teufel hat’s gesagt. Der Teufel hat gefragt.

Zikade antwortet mit einem unheimlich intensiv knisternden wie emotionalen Liebesalbum. Die auf dem Vorgänger recht dominanten Samples, sucht man bis auf dezent verhaltene Beats vergeblich. Psychedelisch angehauchte Gitarrenklänge dominieren das Klangbild, werden von warmen Bässen gestützt. Gemeinsam verlieren sie sich in Schall und Rauch. Wer jetzt an Fanta 4 denkt, wird sich bei den Sprechgesangseinlagen von Einfach umso mehr am Tag am Meer wähnen. Über allem webt das veruchrauchte Stimmorgan der Zikade immernoch polarisierende Lyrik, die sicher auch diesmal nicht nur auf Zuspruch treffen dürfte. Pseudointellektuell schimpfen Kritiker so etwas gerne, was hier aber keineswegs geltend gemacht werden darf. Tatsächlich transferiert die kryptisch komplexe Wortwahl die Musik perfekt auf die Textebene, zeugt von großer Weitsicht und ist zudem oftmals schonungslos ehrlich. Man muss sich nur darauf einlassen können und die Zeit mitbringen, welche die Salzgeschichten sich nehmen.

Irgendwo zwischen Tom Waits, Portishead, Beck, Selig, Neubauten, Marlene Dietrich, Pink Floyd, Singer-Songwritertum und Unerhörtem ist das Endprodukt sicherlich und unbedingt als mutig einzustufen. Noch mutiger dürfte es allerdings sein, sich absolute Hits wie Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten oder das schmutzige Warnlicht entgehen zu lassen.

Für mich jedenfalls eine der innovativsten Platten der letzten Monate! Serious!
Jeder weiss Bescheid was zu tun ist, oder?

Anspieltips: Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten, Warnlicht, Alles anders

Albumstream:

Die Salzgeschichten lassen sich für 10€ über bandcamp beziehen.

Released: 29.07.2015 via bandcamp

Review: The Legendary Tigerman – True (2015)

The legendary tigerman - TrueDa ist sie also, die angekündigte, neue Full Length des Legendary Tigerman. Über dessen Qualitäten wurde auf diesen Seiten ja erst kürzlich berichtet. Ob das Album nun den Vorschußloorbeeren der EP gerecht wird? Beinahe! Der Erfolg gibt ihm mit dem Einstieg auf Platz Nummer 1 in seiner Heimat Portugal zumindest schonmal unabsprechlich recht. Dennoch: Mir persönlich ging die EP etwas besser rein…

Doch alles schön der Reihe nach! Es gefällt schließlich vieles! Besonders, wenn die Samtpfoten des Tigermans auf Streichelkurs gehen. Das geschieht gleich zu Beginn im bereits bekannten Opener Do come home, welchem eine Handvoll ruhiger Folkstücke wie Rainy Nights oder My Heart, Safe at Home zur Seite gestellt werden. Hinter dem Titel Love Ride verbirgt sich dabei sogar ein besonders schmackhafter Schmalzhappen!

Ähnlich schmalzig auch die Pomade, die bombenfest im Fell sitzt, wenn die Raubkatze den schmutzigen Bootyshake-Elvis mimt. Neben dem ebenfalls bekannten Wild Beast vermögen es Twenty Flight Rock und Storm over Paradise im speziellen dies zu bewerkstelligen.

So weit, so gut, so legendary. Beide Facetten stehen dem Protagonisten ein ums andere mal außerordentlich gut zu Gesicht. Immer glaubhaft und für eine ‚One Man Band‘ auch auf diesem Release erstaunlich dicht im Sound. Der eingeschlagene Weg wird somit konsequent weiterverfolgt. Gerade das ist aber auf Albumlänge etwas ermüdent. Ein paar Überraschungen und Ausbrüche hätte man sich schon wünschen können. So zeichnet sich trotz gelegentlichem Zähnefletschen und Krallenausfahren eher das Bild des zahmen Zootigers, denn das des mutigen Dschungelkönigs. Aber auch an dem kann man ja bekanntlich seine Freude haben! Exzellentes Futter für gediegene Playlists befindet sich jedenfalls zur Genüge auf True. Und der Konsum in Etappen ist in diesem Fall natürlich auch immer eine spaßbringende Option!

Man darf jedenfalls gespannt sein was da in Zukunft noch kommt! Der Slogan aus dem Twenty Flight Rock dürfte bei allem Potential und dem immensen Erfolg ja wohl allenfalls als leere Drohung aufzufassen sein, oder?

"When I make it to the top baby I'm too tired too rock"

We’ll see ‚bout that! Der Katzenmann hat sicherlich auch dann noch Biss!

Anpieltips: Do Come Home, Love Ride, Wild Beast, Twenty Flight Rock


‚True‘ im Stream:

Released: 22.05.2015 via India Records

Review: The Legendary Tigerman – Do Come Home [EP] (2015)

Style: "color"2004 machte uns Marilyn Manson den Dave Gahan. Jetzt macht uns Dave Gahan den Marilyn Manson.

Das zumindest könnte man beim Anblick der Jean Baptiste Mondino – Photographie glatt meinen. Diese stellt nicht nur die schmückende Front der hier vorliegenden EP Do Come Home dar, sondern zierte auch schon das Album Femina aus dem Jahre 2009.

 

Natürlich handelt es sich bei keiner der genannten Veröffentlichungen um Werke aus dem Hause Depeche Mode. Vielmehr gehören sie zum nicht gerade dünnen Katalog des in Mosambik geborenen und in Portugal aufgewachsenen Multiinstrumentalisten Paulo Furtado, der bereits seit 2002 unter dem Pseudonym The Legendary Tigerman den Rock’n’Roll als Ein-Mann-Kapelle auf Tonträger und Bühnen zaubert.

Zugegebenermaßen kannte ich bis vor wenigen Minuten weder Interpreten noch genannten Photographen… Dennoch nehme ich mir einfach mal raus, die Zusammenarbeit der Beiden als ’nicht beliebig‘ zu betiteln. Schenkt man den vier Tracks nämlich Gehör und scrollt dazu durch die Galerie des Linsenmagiers, wird man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Nahezu alle Gesichter, die man auf Anhieb mit der Musik des ‚Tigermans‘ assoziiert, tauchen auf: Beck, Waits, Tarantino, Lynch… sogar die schmutzigen Jeans einer Madonna in der Filmsection möchte man ‚Do Come Home‘ andichten.

Rechtfertigende Belege für die Vergleichsflut dürfte man alleine schon im samtweichen Folkopener zur Genüge finden. Dem gleichzeitig als Titeltrack fungierenden Stück wirft der Infotext mit Chris Isaak sogar gleich noch den nächsten großen Namen hinterher. Bluesy Vocals und luftige Gitarre zu spärlichem Beat „and [you] just drive along that lost highway.

„I’m just a wild beast with a broken heart!“ Und da sich Herzschmerz durch dramatische Streicherteppiche immernoch am besten intensivieren lässt, steht der bewährte Trick auch der Flüsternummer Wild Beast ausgezeichnet und geht unter die Haut! Ähnlich wie die Tagespflege einer Lena Meyer Landrut. Die tänzelt schon seit geraumer Zeit durch die aktuelle L’oreal-Werbekampagne zur Tigermannummer Light me up twice, welche im Gegensatz zur Reklame sexy unpeinlich kommt und mit weiblichen Gastvocals von Cláudia Efe zu Jack White-infiziertem Bluesriffing überzeugt.

Und weil das schöne Geschlecht als stimmlicher Konterpart so herrlich funktioniert, findet die Formel zum Schluß erneut Anwendung und wird durch prominenten Einsatz sogar noch gepimpt: Der Name Maria De Medeiros dürfte dabei nicht wenigen Pulp Fiction-Fans ein Begriff sein. Das es sich bei besagter Kooperation um die zigste Neuauflage von These Boots Are Made for Walkin‘ handelt, die zudem auch schon Teil der eingangs erwähnten 2009er Platte war, stört überraschend wenig. Vielmehr drückt man dem Evergreen den eigenen Stempel auf und liefert noch gleich den Beweis mit, dass manche Songs selbst eine Jessica Simpson-Schändung locker wegstecken und weiterhin funktionieren können.

Vier Hits für die nächtliche Straße also. Gefühlvoll bis verrucht und irgendwie mystisch angehaucht. Diese EP überspringt die Eingewöhnungsphase und funktioniert direkt und sofort! Ab April ist das neue Album ‚True‘ auch über deutsche Kanäle verfügbar. Die Plattenfirma will ‚Do Come Home‘ als dessen Vorboten wissen.

Ich bin gespannt!

‚Do Come Home‘ im Stream:

‚Do Come Home‘ hier im exklusiven und limitierten CD oder aber im Mp3- Format ordern!

Released: 27.03.2015 via India Records / Rough Trade

Review: Wino&Conny Ochs – Freedom Conspiracy (2015)

EOM072_cover-1024x1024„Time Out, Black Out“ / „Chaos, Foundation“ / „It’s over! Drain!“

Es wäre ein Leichtes gewesen, diverse Textfetzen dieser Platte interpretationsmäßig derart zu verdrehen und dem Kontext zu entrücken, dass sie anschließend mit der letztjährigen Drogen-eskalation von Doomlegende Wino in Verbindung hätten gebracht werden können. Das allerdings, wäre der auf ihr enthaltenen Musik in keinster Weise gerecht geworden.

Zumal der aufnahmetechnische Grundstein von Freedom Conspiracy bereits Anfang 2013 im Kabumm Studio von Thommy Krawallo gelegt wurde, die Songs gar zurück bis auf 2012 datieren und somit schon weit vor dem kleinen Skandal entstanden sind. Der Plan der beiden Kollaborateure Wino (u.a. Saint Vitus) und Conny Ochs (u.a. The Baby Universal), die Platte dann über Overdubfileaustausch per Email zu vervollständigen, scheiterte kläglich. Entgegen des intimen, unmittelbaren Heavy Kingdom (2012), dass gerade von seiner Spärlichkeit lebte, hatte man den Nachfolger zu einem bombastbeladenen, verspielten Eposriesen aufgetürmt. Die Magie war futsch und ergo klar: Das Projekt Wino&Conny Ochs funktioniert nur dann, wenn beide Seelen sich im gleichen Raum befinden.

Der Erkenntnis sollte die Tat folgen, wenn auch zeitlich verschoben. Erst anderthalb Jahre später fand man Zeit um den gemeinsamen Boden unter den Füßen wiederzufinden, die Songs von unnötigem Balast zu entschlacken und Freedom Conspiracy zu Ende zu führen.

Das Resultat kann sich hören lassen und begeistert! Möglicherweise aber erst nach dem Erleben der Platte im rechten Moment. Zumindest bei mir scheint die gemeinsame Musik der Beiden nämlich einer Art Initialzündung zu bedingen. Das war bei Heavy Kingdom zum Beispiel der Blick auf die Küste von Scarlino. Und auch Freedom Conspiracy wollte sich erst beim Aufenthalt im Freien vollständig erschliessen lassen. Der Zeitpunkt dafür hätte nicht besser sein können: Polarlichter über Deutschland, die Sonnenfinsternis, Spaziergänge bei bestem Wetter… naturtechnisch hatte die letzte Woche einiges zu bieten. Im Ohr: Freedom Conspiracy – im Herzen angekommen, dem Vorgänger in nichts nachstehend. Ehrlich, persönlich, direkt, zeitlos.

„Eine intensive Reise durch Blues, Rock, Doom und Americana“ heißt es im Pressetext, der die Scheibe außerdem gleich in eine Liga mit „großen Songwritern wie Johnny Cash, John Sebastian, Townes Van Zandt, Tim Buckley oder Nick Drakehievt. Addiert man der Vollständigkeit halber noch den Folk eines Woodie Guthrie, bekommt man eine ziemlich genaue Vorstellung von Soundästhetik und Thematik des Duos. Zwei Stimmen, zwei Gitarren und gelegentliche Percussioneinlagen sind dabei weitestgehend alles was benötigt wird, um dem Hörer Straße, Weite, Ferne sowie eine Flut menschlicher Emotionen vors innere Auge zu spülen.

„Once again, nothing’s changend“. Alles beim Alten sozusagen! Die dem Opener Drain entlehnten Worte dürfen (samt Song) zusammen mit der Lieblingsnummer Shards gerne repräsentativ für das große Ganze gesehen werden. Glücklicherweise gibt es beide Songs schon jetzt im Stream. Ebenso Timeless Spirit, welches mich durch die dezente, aber kraftvolle Pianounterstützung witzigerweise positiv an Praise You von Fatboy Slim erinnert:

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Zu den zwölf Eigenkompositionen gesellt sich mit Dirt Floor zudem ein Cover eines gewissen Chris Whitley hinzu. Augenzeugen unseres Interviews mit Conny Ochs, wissen sowohl um dessen Begeisterung für den frühzeitig verstorbenen Singer/Songwriter, als auch wie es um dessen Redegewandheit bestellt ist, bestens Bescheid. Und auch Kollege Wino ist natürlich nicht auf den Mund gefallen! Überlassen wir doch deshalb abschließend den beiden Protagonisten selbst das Wort:

Conny Ochs: "'Freedom Conspiracy' bedeuted Gemeinsamkeit, Kamerad-
schaft - es bedeutet, einander wieder zu haben. Auf dem Album geht es 
um Verlieren und wiederfinden von Glauben und Vertrauen. 
Und um das dafür kämpfen."
Wino: "Dinge ändern sich schnell. In Zeiten mit Kriegen an jeder Ecke, 
politisches Theater, das immer offensiver wird und Big Brother und die 
Globalisten ihre feindlichen Übernahmen intensivieren, bieten wir Sounds 
und Vibrationen aus Liebe, Tod, Glück und Schmerz. Wir hoffen, diese Musik
inspiriert und verbindet unsere suchenden Geister."

Anspieltips: Shards, Drain, Time Out Black Out

Tracklist:
01 Drain
02 Sound Of Blue
03 Foundation Chaos
04 Crystal Madonna
05 Shards
06 Time Out Black Out
07 Timeless Spirit
08 Freedom Conspiracy
09 Dirt Floor
10 Heavy Heart
11 Forever Gone
12 Invisible Bullets
13 The Great Destroyer

Kaufen: Freedom Conspiracy ist schon jetzt über den Exile on Mainstream Webshop auf Vinyl, CD oder digital erhältlich. Selbstredend wählt man die LP auf 180g schwerem schwarzen Vinyl inc. Downloadcode für 17 Öcken! Ab 27.03.2015 dann auch beim gut sortierten Plattenhändler zu finden!

Releasedate: 27.03.2015 via exile on mainstream

Conny Ochs spricht über seine Discographie (Voll Cool Ey! – 01)

Voll Cool Ey! – Episode 01 beschäftigt sich ausschließlich und sehr intensiv mit dem Schaffenswerk des Musikers Conny Ochs.

Vielen bekannt als Solokünstler, für seine Kollaboration mit Wino (Saint Vitus), aber auch als Frontmann bei z.B. Baby Universal oder den seligen Zombie Joe, kann der gebürtige Hallenser mittlerweile schon auf beinahe zwei Dekaden Musikerdasein zurückblicken.

Wir konnten ihn nach seinem Konzert im Rosenkeller/Jena für ein intimes wie aufschlussreiches Gespräch gewinnen, in dessen Verlauf wir seine umfangreiche Discographie gemeinsam Revue haben passieren lassen.

Enjoy the ride!

Review: Conny Ochs/Jena/19.11.2014

1622211_797454246941915_2022672832016599225_nIch bin ja per se kein großer Singer/Songwriter Fan. Mir persönlich erscheint diese Tradition oftmals etwas steif und aufgesetzt, zumindest hierzulande. Anders Conny Ochs, der eher den Hobo-Gedanken von Freiheit und Authentizität verkörpert, weshalb seine Shows für mich immer etwas ganz besonderes sind. Besonders genug um fünf weitere Menschen ins 3 Std. entfernte Jena zu entführen. Sieht man die Plattenbauskyline der Ostmetropole, meint man es jedesmal mit Deutschlands womöglich hässlichstem Ort zu tun zu haben. Tatsächlich aber ist die Stadt im Bergkessel eigentlich ganz schnuckelig. Auch die heutige Konzertlocation Rosenkeller, weiß mit  verwinkeltem Gewölbekellercharme zu über- und Stimmung zu erzeugen. Schade nur, dass so wenige Menschen an diesem verregneten Herbstmittwoch den Fuß vor die Wohnungstür geschafft haben. Gerade mal rund 15 (?) Menschen tummeln sich im bestuhlten Gemäuer, um dem South of Mainstream Troubadour-Package beizuwohnen. Neben Ochs nämlich, stehen mit Kristian Harting und Friedemann zwei weitere Exile on Mainstream-Acts auf der Speisekarte. Macht der Singer/Songwriter-Riege also drei.

 

Den Anfang macht dann überraschenderweise auch der – vom Flyer her – eher als Headliner vermutete Conny Ochs himself. Der nimmt die geringe Zuschauerzahl gelassen und nutzt die Umstände als Anlass für ein sehr intimes Set, gespickt mit der ein oder anderen raren Perle seines Kataloges.

Bewaffnet mit Akkustikklampfe, Bassdrum, Schellenkranz und einer der bestkonrolliertesten und beeindruckendsten Stimmen Deutschlands, ziehen die Raw Love Songs, des in Jeanskluft gehüllten Hallensers, von Beginn an in ihren Bann.

IMG_0369 KopieBereits der Opener Lead Out vom aktuellen Album Black Happy wird mit einer derart brutalen Ehrlichkeit vorgetragen, dass sich Gänsehaut schwer vermeiden lässt. Das schwere Don’t know her name vom Solo-Debut wirbelt Staub auf, Star von der brandneuen 7-inch Single durchstrahlt den Nebel bittersweet. Suiciety heisst das Aushängeschild der genannten Neuveröffentlichung und der zugehörige Titeltrack folgt auf dem Fuße:

„Vielleicht kennen ein paar Leute von euch das auch. Ich hab ein paar Freunde schon verloren, die sich entschieden haben hier in dieser Welt nicht mehr weiterzumachen. Deshalb möchte ich das nächste Lied nicht nur den Leuten widmen, die nicht mehr hier sind, sondern auch denen die noch hier sind. Und an diese Leute denken.“ Ich hätt‘ halt fast geweint bei diesem grandiosen, sehr positivem Stück.

Waiting for the monster! Allerdings! Doch auf welches Monster man wartete, hätte ich selbst nicht mehr für möglich gehalten… Eine kleine Sensation: Ochs packt tatsächlich einen Song seiner einstigen Kapelle Zombie Joe aus! Wohin Woher aus dem 2005er Schlachthaus, Baby!. Unfassbar, denn seit dem Split dieser – mir sehr teuren – Band, hat er das Material bislang nicht wieder angefasst. Voila:

Conny Ochs – Wohin Woher – live:

 

Was danach noch kommen soll? Das ultradeepe Susanna, ebenfalls Teil des allerjüngsten Outputs zum Beispiel. Die E-Gitarre kommt zum Einsatz! Dirty! Sleazy! Bluesy! Schwermütig und rough! Ein Wahnsinnsstück mit mehr Rock n‘ Roll – Esprit als manche Bandformation! Die PJ Harvey Nummer „To bring you my love“ anzuhängen macht absolut Sinn und Vultures by the Vines aus der Kollabo-Platte mit Wino hält die Nase in den Wind. „Den Song möchte ich heute besonders an Wino rausschicken“man hat es mitbekommen und kann sich denken warum… Mit Bassdrum als Puls und Zeilen wie „Don’t let it get you down“ oder „Big mouth gets ready to swallow“ sieht man den Song plötzlich an einem ganz anderen Ort und die schier unbändige Dringlichkeit der Worte fließen ungefiltert ins Herz. Hat mich umgehauen!

„Wenn ich mit meinen Freunden von Rügen unterwegs bin, freue ich mich immer, dass wir ein kleines bisschen Meeresbrise auf die Bühne bekommen.“ Der befreundete Musiker Janko nimmt für die nächsten beiden Songs Platz an Cajon und Ziehharmonika.

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Burn Burn Burn und Grassy Grass Grass (aus der Z-Joe and the Dustbowlers-Phase) machen im Bundle nicht nur aufgrund der optischen Wortsilbigkeit Freude, sondern vor allem weil es absolute Hits sind, die mit der Untermalung des Kollegen stimmig hervorgehoben werden. Es folgt das abschließende False Profits vom noch bestehenden Band-Projekt The Baby Universal. Tatsächlich mein Lieblingsstück deren jüngster Platte Slow Shelter.

Starke Setlist! Starke Performance! Starker Abend! Und das haben auch alle im Raum gefühlt!

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Die nachfolgenden Acts verpasse ich leider. Allerdings aus gutem Grund! Ein ganz besonderes Interview mit dem Protagonisten des heutigen Abends wartete nämlich hinter den Kulissen auf uns. Das Ergebnis dieses ausgiebigen Chats‘ darf man spätestens bald an dieser Stelle in Form eines großen Videospecials erwarten!

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Conny Ochs – Setlist

01. Lead out
02. Don’t know her name
03. Star
04. Suiciety
05. Waiting for the monster
06. Wohin woher (Zombie Joe)
07. Susanna
08. To bring you my love (PJ Harvey)
09. Vultures by the Vines (Wino & Conny Ochs)
10. Burn Burn Burn
11. Grassy Grass Grass (Z-Joe and the Dustbowlers)
12. False Profits (The Baby Universal)

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Alle Fotos exklusiv für www.derdanielistcool.de und mit freundlicher Genehmigung des mightyfinen Photographen Awanes!

Zikade Debut ist raus!

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Photo by Florian Ullbrich

Nicht nur das Warten, sondern auch die Beschwerde hat allem Anschein nach ein Ende: Das Debutalbum des Berliners Zikade steht in den Startlöchern und ist ab sofort über seinen Facebookauftritt zu beziehen.Nebst sechs Skits gibt es neun eigenwillige Stücke mit überwiegend deutschen Texten, welche ihresgleichen suchen, zu entdecken.

Koketterie küsst Teenage Angst. Und man glaubt es! Und man glaubt es kaum! Oder um es mit den Worten des Interpreten zu sagen: „Setz dich hin und sei gespannt doch sei es nicht zu sehr.“

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Wunderbares Wirrwarr, dessen folkiges Singer/Songwritertum gerne in psychedelische Hallschwaden abtaucht oder mit Trip-Hop Beats liebäugelt.
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Kantig, roh und einfühlsam präsentiert sich „Zikade“ im durchweg gemäßigten Tempo und nimmt sich Raum und Zeit. Wer sich eben diese gerne für Musik nimmt und gelegentlich (notwendig!) schiefe Töne nicht scheut, wird hier mit einem bunten Strauß verschrobener Ohrwürmer belohnt. Ich krieg vieles schon nicht mehr aus dem Kopf. Mein persönlicher Favourit trägt den Titel „Sommernacht“:
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Irgendwie kommen mir beim Verlauf von „Das Ende der Beschwerde“ desöfteren deutsche Diva-Koryphäen wie Marlene Dietrich oder Zarah Leander in den Sinn… Macht sich sicher gut in verrauchten, dämmrigen Nachtclubs! Latelounge und so… Unbedingt verschiedene Stücke antesten, zuschlagen und im Auge behalten!! Alle Bässe auf dem Album btw by yours truly

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