Review: The Instant Voodoo Kit – Wanna Talk About Voodism? Yeah Baby! (2016)

coverWanna Talk About Voodism? – Dass einem die Antwort, auf die im Plattentitel gestellte Frage, mit einem Yeah Baby! gleich mitgeliefert wird mag praktisch sein… ob sie aber tatsächlich für jedermann zutreffend ist, darf man zu bezweifeln wagen. Dafür polarisieren The Instant Voodoo Kit  zu sehr. Ihre dritte Platte macht da keine Ausnahme, kontrastiert die verschiedenen Pole vielleicht sogar noch einen Ticken mehr, als es der Vorgänger getan hat.

Dass ich mich mit dem vor geraumer Zeit einmal intensiv auseinandergesetzt habe, war Umständen geschuldet, die an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden sollen. Der Aufmerksamkeit aber, welche ich der Musik auf Something Good (2013) seinerzeit geschenkt habe, ist es geschuldet, dass mir die Ablehnungshaltung gegenüber der nunmehr 13(!)-köpfigen Truppe abhanden gekommen ist. Die war nämlich durchaus mal vorhanden und beruhte darauf, dass ich die Band vor allen Dingen auf ihre Kaspereien aus dem Helge Schneider-Kosmos reduziert habe, in welchem ich mich nie so wirklich heimisch gefühlt habe. Einfach nicht mein Humor. Daran vermögen auch heute Tracks wie Leggins Sind Keine Hosen, Buffalo Bill oder Rebootan nichts zu ändern. Wobei letztgenannte Nummer mir dann doch beim ersten Hören ein verstohlenes Grinsen abgerungen hat… und das, wo der Song auch noch ausgerechnet im Pseudo-Ragga-Gewand daherkommt… Damn!

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Soviel also zur Seite der Voodoo Kids, die mir nicht so recht taugen will. ABER, wie schon erwähnt gibt es da ja noch ganz andere zu entdecken! Lassen wir die Rock-Ansätze von Songs wie Bomb In My Head trotzdem einfach mal unkommentiert links liegen und kommen ohne weitere Umschweife zur spannendsten und meiner Meinung nach aufregendsten Facette der Band. Die, in der Tom Waits auf dem madigen Rücken des Oogie Boogie Man durch nebelverhangene Schwefelfelder galopiert. Die, in der die Band dem Zuhörer ein dekadentes Kabarett  aus Vaudeville und Burlesque kredenzt und an Schausteller, Gaukler und Sideshow-Freaks erinnert. Die, in welcher der im Zusammenhang mit der Kapelle omnipräsente New Orleans Jazz – Vergleich  wahrhaftig nicht unerwähnt bleiben darf.

Dann nämlich, wenn sich The Instant Voodoo Kit in sleazy düstergrau-polternden Chansons wie The Good Die Young, Easy Come,Easy Go oder dem alles überragenden Elephant Stomp verlieren, kriegen sie mich! Instant Voodoo Hits! Yeah Baby! Lässt ein Song wie Mister Sister Lady Baby dann noch Assoziationen zu Steamboat Willie, Lou Reed und dem Athletic-Theme des Super Mario World Soundtracks wach werden, fühle ich mich als Hörer gänzlich abgeholt und entertained!

Unterm Strich also ein wenig musikalische Yin-und-Yang-Action, bei der je nach Geschmack Rosinenpicken angesagt sein könnte und die mitunter so starke Kontraste aufweist wie das Make-Up, mit dem sich die Protagonisten gerne mal zukleistern. Mag man von denen im Ensemble halten was man möchte, kann man ihnen die Liebe zum Detail, ihre Leidenschaft für ihr Handwerk und den Mut zum Wagnis wie zur Originalität auch und gerade mit ihrer aktuellen Scheibe nicht absprechen! Wanna Talk About Voodism? Schon geschehen!

Anspieltipps: Elephant Stomp, The Good Die Young

Trackliste:

01. Das war die Nacht
02. Easy Come, Easy Go
03. Mama Ain’t The 1 2 3 4 U
04. Bomb In My Head
05. Rebootan
06. Buffalo Bill
07. Peter Pan
08. Alptraum Serenade
09. Elephant Stomp
10. Midnight Train
11. Mister Sister Lady Baby
12. Ihr Läuser
13. The Good Die Young
14. Leggins Sind Keine Hosen

Wanna Talk About Voodism? Yeah Baby! greift man sich am besten direkt auf der Releaseparty im Würzburger Dornheim am 02.09. oder auf der anschließenden Tour für 20 Euro auf Vinyl im Gatefold (inc. Mp3) oder im CD-Format für nen Zehner ab!

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Releases: 02.09.2016 via Voodism Enterprise

Review: Justin Hate – Though Hope Is Frail (2014)

artwork by Ulle Gielsager

„Feel the blistering cold from the north!“ Verriegelt die Türen, die Northern Apocalypse von Justin Hate steht ins Haus! Dabei ist die heilige Dreifaltigkeit aus Zitat, Songtitel und Bandnamen in jedem Fall Programm!

Bitterböse Blastbeats ballern bereits beim Beginn brutal bestialisch! Grobgriffige Gitarren graben grauenhaft geil gen Gehörsturz! Stimmlich steht stark strafende Streitsucht stets startbereit!

 

Wer in musikalischer Hinsicht bei Kopenhagen nur Aqua auf dem Schirm hat, findet auf selbigem beim Durchlauf von Though Hope Is Frail allenfalls sauren Regen, hat man es doch hier mit dem pechschwarzen Pendant zum quietschbunten Barbiegirl zu tun! Textlich bewegt man sich passend zum Cover dort, wo die Geier schmausen. Zwischen Schmutz und Aasresten bezichtigt man Gott diverser Täuschungsmanöver während allabendlicher Pestgeruch die Nase verwöhnt.

Tod und Verderben en masse also! Der Lieblingstrack While the moon stood still macht dennoch Hoffnung: „One day the war is over“. Schenkt man dem Albumtitel allerdings Glauben, dürfte besagter Hoffnungschimmer nicht allzu kräftig lodern. Wer braucht den aber schon, wenn die Alternative ‚ewige Dunkelheit‘ heißt?

Klartext: Der dänische Fünfer liefert der Blackened-Hardcore-Jugend auf seinem dritten Output Wut, Wut und nochmals Wut. Und das in höchstem Maße: energiegeladen, überzeugend und handwerklich wie soundtechnisch einwandfrei. Besonders gefallen mir persönlich die Vocals von Kim Rock, der bisweilen wie ein enorm zorniger Phil Anselmo klingt und mich außerdem angenehm an die gloreichen Tage von Static X oder American Head Charge erinnert – auf diesen Seiten bekanntermaßen ein Kompliment!

Überraschungen sind mit dem etwas kitschigen Keyboardoutro auf Spread the disease und kurzem Sprachsample im abschließenden Downer Dystopia widerum unüberraschend rar gesät. Dies dürfte allerdings eher dem Genre denn der Band geschuldet sein. Die Zielgruppe wird dennoch bestens unterhalten und auch meine Wenigkeit findet mit jedem neuen Hördurchgang mehr Gefallen an der Platte, da absolut authentisch und trotz 41 Minuten auffällig kurzweilig!

Live hab ich die Jungs neulich in Flensburg leider um Haaresbreite verpasst, mich aber trotzdem noch von ihren menschlichen Qualitäten überzeugen können! Feine Jungs!

„Northern Apocalypse will rise!“

Anspieltips: Northern apocalypse, Imperishable darkness, While the moon stood still

Though Hope is Frail im stream:

Vertrieben wird Though Hope Is Frail über das eigens ins Leben gerufene Label Deathbird Records und ist über bandcamp wahlweise digital per ‚pay what you want‘ – Prinzip oder auf einer von 250 tiefschwarzen Schallplatten für 12 Euro zu haben! Macht bei Jahresratenzahlung gerademal einen Euro im Monat! Kann man schon mal machen!

Released: 24.10.2014 via Deathbird Records

Review: Crazy Town – The Gift of Game (1999)

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Artwork by Bob Lee Hickson/Oxodyne

Als dieses Album damals mit Veröffentlichung des Überraschungshits Butterfly durch die Decke ging, hab ich mich immer damit gebrüstet, Crazy Town schon vorher auf dem Schirm gehabt zu haben. Daran hat sich auch bis Heute nichts geändert und ich fühl mich immernoch wahnsinnig cool, schon vorm Hype das Musikvideo zu Darkside beim heissgeliebten und oft erwähnten MTV Sushi – Format gesichtet, sowie diverse Artikel in der damals untruen 90er-Phase des Metal Hammers verschlungen zu haben.

The Gift of Game hatte auch ich natürlich nicht vor der Butterfly – Hysterie, allerdings schon bei erster Sichtung des zugehörigen Clips, als glühender Peppers – Anhänger, das sofortige Wissen, dass hier das geliebte Pretty Little Ditty – Instrumental vom 89er Mother’s Milk wiederverwertet wurde. Und dass die Peppers im New Metal – Feld als cool angesehen wurden, war mir zumindest damals in keinster Weise bewusst. Spätestens jetzt musste ich dieses Album haben und schnappte das bisher als Ladenhüter gehandelte Einzelexemplar, in der nächstgelegenen Müllerfiliale, einem schwer enttäuschtem Mädel direkt vor der Nase weg…. wo doch eigentlich gerade sie ab jetzt die neue Zielgruppe dieser Band werden sollte…

Denn mit einem Male war der, von meinem 15 jährigem Ich als hart rockender New Metal Act angesehene Haufen als Bravoband verschrien. Somit war es denn auch urplötzlich peinlich zuzugeben, dass man deren Album auch noch besitzt, geschweigedenn gut findet. Da half es auch nicht für Shifty Shellshock & Co. im Poll des Viva-Videotextes im Kampf um die Rockkrone zwischen Crazy Town und Limp Bizkit zu voten. Ja, ja…. those were the days….

Anyways, ich hab die Platte immer heimlich weiter gefeiert und geb das auch schon seit einigen Jahren wieder gerne zu! Schon allein die Top Produktion, die auf das Konto vom von mir geschätzten Josh Abraham und teilweise sogar unter zusätzlicher Mithilfe diverser Mitglieder der von mir noch viel mehr geschätzteren Orgy geht, macht es mir schwer meine Liebe zu diesem Album zu verheimlichen. Deren Sänger Jay Gordon ist denn auch gleich mit zwei großen Songs der Scheibe verbandelt. Zum einen als Gaststar im Video zum absolutem Brett Darkside

als auch als Gastsänger auf der wunderbar verträumten Black Cloud:

Ansonsten ist auf der (für New Metal typischen) Gästeliste beispielsweise noch KRS – One (B-Boy 2000) und dessen Reggea Kumpane Mad Lion (Hollywood Babylon) erwähnenswert. Damit sind die Hip Hop Roots ebenso gut abgedeckt wie auch mit dem Song Face the Music, welcher das altehrwürdige Brr Stick ‚em – Schema der Fat Boys aufgreift, dass man vor allem von den Beastie Boys, Method Man & Redman oder auch in zweierlei Limp Bizkit – Ausführung kennt. (Zum einen als eine Art Skit nach dem 97er Stuck als auch als Chorus des lächerlichen Head for the Barricade des Megaflops Results May Vary)

Als eine Art Schlüsseltrack darf man wohl Lollipop Porn ansehen, dass zum einen den Plattentitel beinhaltet als auch unmissverständlich auf das kotzehässliche Albumcover verweist. Dennoch: Sehr, sehr guter Track:

Die Hits Toxic, Butterfly und Revolving Door sind natürlich auch welche. Wobei man gerade bei letzterer Singleauskopplung im Clip gut beobachten konnte, wie die komplette Attitude sich mit dem Erfolg komplett in die falsche Richtung entwickelte und man die Band spätesten hier auch beim besten Willen nicht mehr ernst nehmen konnte.

Doch lässt man diesen ganzen Butterfly – Hype, der bei der Entstehung dieser Platte natürlich in keinster Weise abzusehen war, mal aussen vor, so bleibt The Gift of Game ein absoluter Meilenstein, wenn es um die Verschmelzung von Rock & Hip-Hop geht. Kommt man mit diesem Crossover Grundgedanken sowieso nicht klar, so darf man Crazy Town gern auch weiterhin verschmähen. Aber der qualitative Unterschied zu… meinetwegen den H-Blockx… sollte hoffentlich für jedermann erkenntlich sein.

 

Anspieltips: Darkside, Black Cloud, Lollipop Porn

 

Toxic

Darkside

Butterfly

Revolving Door

Tracklist:

01. Intro
02. Toxic
03. Think Fast (feat. Dirty Unit)
04. Darkside
05. Black Cloud (feat. Jay Gordon)
06. Butterfly
07. Only When I’m Drunk
08. Hollywood Babylon (feat. Mad Lion)
09. Face the Music
10. Lollipop Porn
11. Revolving Door
12. Players (Only love you when they’re playing)
13. B-Boy 2000 (feat. KRS-One)
14. Outro www.crazytown.com

 Released: 09.11.1999 via Columbia

Review: Sugo – EP (2012)

23906_550589414954910_1413500438_nEin wenig mysteriös ist diese Veröffentlichung ja schon. Man weiss nicht so recht ob die Platte den Titel Tell the freaks I’m home again, Tell your freaks I’m home again, Take the Money and Run trägt oder schlichtweg unbetitelt ist.

 

 

Ähnlich verwirrt bin ich was das mitgelieferte Photo angeht, welches einen ebenfalls im Dunkeln lässt, ob es denn gleichzeitig auch das Coverartwork verkörpern soll…. Ist aber eigentlich auch egal, denn spätestens seit David Copperfield wissen wir, dass ein wenig Mystifizierung das Geschäft noch immer belebt hat.

Um die Sache mit den Vergleichen schnell abzuhaken, hauen wir gleich mal die Begriffe Radiohead und Muse in die Runde, die hier unvermeidbar sind, aus deren Vorbildfunktion Sugo selbst keinen Hehl machen, die aber dennoch nur eine Idee von der Musik geben und konzentrieren uns lieber auf den grandiosen Opener Forget:

Charismatisches Glockenspiel und interassente Hintergrundsamples blasen das von Slidegitarren getragene Stück nicht unnötig auf, sondern verstärken lediglich den verträumten Charakter der Nummer. Herrliches Ding und perfekt gewählter Einstieg, der sofort sämtliche Stärken der Jungs aufweisen kann: Schnörkellose Gitarrenmusik mit angenehmer und unaufgesetzter Kopfstimme!

Shamble fällt dank seiner verspielten Synthiemelodie positiv aus dem Rahmen und weiss mit rhythmisch ausgeklügeltem Refrain durchaus zu begeistern. Irgendwie sehr britisch das Teil:

Inmitten der 5 Track umfassenden EP dann das Monument Tell the freaks I’m home again. Bestens auf dem Zenit plaziert! Die Bassline killt einfach nur noch und die Songstruktur finde ich sehr beachtlich! Absoluter Höhepunkt für mich:

Das folgende Earl ist perfekte Roadtripmucke im besten Sinne des Wortes und der zur Abwechslung mal verhältnissmässig tiefe Gesang von Sänger Claudius schmiegt sich wohlwollend ins Herz, ehe das abschliessende Manic dann im Chorus nochmal ein Rockbrett aufs Parkett zaubert! Runde Sache!

Unterm Strich muss ich sagen, dass das Erstlingswerk(?) der Bremer Formation bei mir nicht direkt auf Anhieb zünden wollte, aber mich mittlerweile, nach einigen Hördurchläufen, gerade auch zur kalten Jahreszeit, auf voller Länge begeistern kann! Der entspannte Indierock von Sugo passt perfekt auf die Autobahn und ist absolut unproblematisch, kostenlos und legal über ihre Homepage zu beziehen oder für nen gut angelegten Fünfer per Email zu ordern!

Anhören, den sympathischen Jungs ein paar liebe Worte zukommen lassen und am besten baldmöglichst live begutachten! Kann ich aus eigener Erfahrung nur dringend empfehlen!

Anspieltips: Tell the freaks I’m home again, Forget

Tracklist:

1. Forget
2. Shamble
3. Tell the freaks I’m home again
4. Earl
5. Manic

Released: 25.11.2012 via www.sugo-music.de

 

Review: Prezident – Neueste Erkenntnisse vom absteigenden Ast

coverMan kann beim Anblick dieses hässlichen Covers eigentlich nix gutes erwarten. Sieht irgendwie aus wie das Artwork einer Deutschpunk Band aus den 80ern.

Tatsächlich verbirgt sich dahinter aber absolut spannender, authentischer, makaberer, zynischer und zudem literarisch hochwertiger Hip-Hop aus dem Jahre 2010.

 

 

Mit den abgebildeten Cartooncharakteren hat „Neueste Erkenntnisse vom absteigenden Ast“ glücklicherweise nichts am Hut. Die schwarzweiss Optik könnte jedoch nicht besser gewählt sein, fängt sie doch die erzeugte Stimmung perfekt ein:
Denn das hier ist (gerade für Deutschrapverhältnisse) durchweg richtig düster.

Schaut und hört man dann genauer hin, passt es zudem wie die Faust aufs Auge, dass alle abgebildeten Szenen sich „Unter Tage“ abspielen. Denn R.A.G. sind hier ebenso als Referenz zu nennen, wie auch Creutzfeldt & Jakob, deren bester Track „Anfangsstadium“ dann auch gleich treffsicher in „Weltfremd“ verbaut wurde:

Im Anfangsstadium befindet sich Prezident ebenso wenig wie er weltfremd ist. Zwar gilt der Wuppertaler Germanistik- und Geschichtsstudent noch immer als Geheimtip, doch ist der absteigende Ast bereits sein 3. Longplayer und das aktuelle Album „Kunst ist eine besitzergreifende Geliebte“ in aller Munde. Richtig so! Auch wenn er das mit dem Erfolg eher in bester Huss & Hodn Manier angeht:

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Das Rad erfindet Prezident zwar nicht neu, aber eine Ausnahmeerscheinung sowie eine absolute Empfehlung stellt er, jeglichem Artworkproblem, dem Künstlernamen oder der abschreckende Musikbezeichnung „Whiskeyrap“ zum Trotze, definitv dar!

Bis auf den Ausrutscher „Höllenritt“ eine sehr stimmige Platte, die Fans der bisher genannten Künstler und meinetwegen auch Curse, durchaus ansprechen sollte!

Die schönsten Tracks:

Paranoia III

Unwohl

Links von der Pforte der Hölle

Mise en Abyme

Als wollte Gott uns ersaufen

Tracklist:

01. Als wollte Gott uns ersaufen (mit Antagonist)
02. Flaschenöffner
03. Weltfremd
04. Paranoia III (mit Chaomonga & Mythos)
05. Höllenritt (mit Gaggball)
06. Der talentierte Mister Prezident
07. Tattoo (mit Antagonist und Eks & Hop)
08. Unwohl
09. Links von der Pforte der Hölle
10. Mise en Abyme
11. Gänsehaut
12. Retardierendes Moment
13. Es heisst, dass sie heiss ist

 Released: 06.Dezember 2010 via Homepage

Und das beste zum Schluss: Die Platte kann man komplett kostenlos und legal über seine Website beziehen! (Wie auch den empfehlenswerten Rest seiner Discographie)

Na dann mal los!

Review: Videodrone (1999)

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Artwork by Neil Kellerhouse/Steve Gerdes

Einer der hörenswerteren Exoten, den es im Zuge des New-Metal-Singning-Wahnsinns nach oben spülte hört auf den Namen Videodrone.

Doch abgesehen vom Umfeld, in welchem sich die Jungs bewegten, haben sie mit genanntem Style eigentlich wenig  am Hut. Mit Metal schon gleich gar nichts. Gitarren sind zwar vorhanden, doch dank massivem Effekteinsatz meist kaum mehr  als solche zu erkennen.

Überhaupt spielen hier nicht die, sondern die Elektronik von Rohan Cowden die tragende Hauptrolle. Man wird regelrecht von Samples, Keyboards und elektronischen Drumbeats zugebombt. Dadurch wird die Platte bei den ersten Durchläufen zwar etwas sperrig, aber gibt auf lange Sicht immer wieder neue Details preis, die es zu entdecken gilt.

Kann ich mir zwar gut vorstellen, dass das mit der Elektronik live sicher nicht allzu gut funktioniert haben dürfte, tut es das auf Platte jedenfalls absolut! Obwohl irgendwie schon glamourös, finde ich, dass Videodrone auch einen gewissen Gangsta-touch besitzt (kaum verwunderlich, bedenkt man, dass Rock n‘ Roll Gangster und Graphik-Genius Fieldy hier die Regler bediente). Dass Bild von dunklen U-Bahn-Schächten führt sich mir jedenfalls ebenso vor Augen wie das Ambiente einer öffentlichen Toilette, wie man sie aus Sabrina von den Neubauten her kennt. (Hängt natürlich auch mit den Bandfotos im Booklet zusammen…)
Die Gästeliste der Platte kann sich dabei für damalige Verhältnisse durchaus als hochkarätig schimpfen lassen. So stösst man schon innerhalb der ersten Sekunden auf das bekannte Stimmorgan von Korn-Sänger Jonathan Davis. (Sehr gewagter Einstieg für eine unbekannte Newcomerband…) Doch damit nicht genug, bei Human Piñata geben sich mit DJ Lethal und Fred Durst gleich 2/5tel von Limp Bizkit die Ehre.
Ein bisschen mehr Hip Hop gibt es dann mit Pig in a Blanket, welcher die Psycho Realm – Crew featured.

Hervorzuheben wären dann auf jeden Fall noch die hitverdächtige Songperle Faceplant,

Alone with 20 Bucks mit einer der sexiesten Basslines ever

oder L.S.D. (Lucifer’s Stained Dress) mit einer der dümmsten Textzeilen ever:

„So wake up take me in
I’m not Marilyn Manson
I’m just a guy who’s got it in for you.“

Das schmoove Closer to Coma, das hibbelige The Devil’s Sweepstakes – Videodrone kann besonders zu Beginn punkten! Da stört es auch nicht weiter, dass die letzten 2 bis 3 Songs nicht mehr so recht funktionieren wollen.

Fazit: Ich liebe diese Platte abgöttisch, würde sie aber nur bedingt weiterempfehlen da sie schon den Willen erfordert sich darauf einzulassen und somit etwas Zeit benötigt um zu zünden. Auch das näselnde Gequäke von Sänger Ty Elam ist sicher nicht jedermanns Sache (wobei das bei  Bands wie Smashing Pumpkins oder Placebo ja auch kaum jemanden zu stören scheint). Wer offen für Neues ist, sollte hier dringend mal ein Ohr riskieren. Ungehört! Ach ja, once again: Nicht von der Optik abschrecken lassen!

 

Ty Jonathan Down



Tracklist:

  1. Ty Jonathan Down
  2. Closer to Coma
  3. Alone with 20 bucks
  4. The Devil’s Sweepstakes
  5. Faceplant
  6. Human Piñata
  7. Pig in a Blanket
  8. L.S.D. (Lucifer’s Stained Dress)
  9. Ant in the Dope
  10. Power Tools for Girls
  11. Jesus (Lord of the Apes)
  12. C.O.B.

Videodrone kann man kostenlos und komplett auf Spotify streamen oder sich für einen Cent hinterherwerfen lassen.

 

Review: Orgy – Vapor Transmission (2000)

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Artwork by Mariano Diaz / Mike Eller

Was der Bauer nicht kennt frisst er nicht. Nach diesem Motto hab ich früher, als es noch ansprechendes Musikfernsehen im Free TV gab, alles weggedrückt was mich nicht in den ersten Sekunden packte. Mit dieser Einstellung wäre mir damals beim genüsslichen Nachtkonsum von Viva Zwei beinahe der Videoclip zu Fiction durch die Lappen gegangen. Die junge Lady im violetten Badewasser die da in elektronischen Klängen vor sich hin plätscherte, liess mich sofort an Dream Dance und somit an Crap denken.

Glücklicherweise bemerkte ich gerade noch rechtzeitig, dass es sich um die aktuelle Orgy-Single handelte, welcher ich gerade imstande war den Garaus zu machen.Schließlich hatte es absoluten Seltenheitswert Orgy im deutschen TV zu erhaschen, was  im Jahre 2000 für einen Internetnoob wie ich es war auch die einzige Möglichkeit darstellte den Clip jemals zu Gesicht zu bekommen.

Fiction jedenfalls entpuppte sich für mich als Riesenhit mit den typischen Orgy – Trademarks aus mehrschichtigem Gesang und massivem Einsatz von Synthesizern (die auch diesmal eigentlich wieder Gitarren sind). Auffällig war jedoch mit welchem unverschämten Pop – Appeal man nun unterwegs war.                                                       Als ebenso catchy erwies sich dann auch das dazugehörige Album Vapor Transmission (und auch das Cover gibt sich ebenfalls mit Dream Dance Optik sichtlich Mühe, den ersten Eindruck aufrecht zu erhalten…). Sperrige Songs sucht man hier  im Gegensatz zu Candyass vergeblich. Die Songs zünden sofort und wie auch schon beim Debüt gilt hier: All Killer no Filler! Dementsprechend lang ist die Fülle an empfehlenswerten Songs:

Der Einstieg mit Suckerface und The Odyssey fällt dann für Orgy – Verhältnisse relativ heavy aus, was am Ende mit Chasing Sirens und Where’s Gerrold seine Fortführung findet. Die Hits sind mit der stampfenden Midtemponummer Opticon und erwähntem Fiction  treffsicher im Zentrum von Vapor Transmission platziert und führen perfekt über zu Eva, ein Song über die verstorbenen Mutter von Wiedermal-Produzent Josh Abraham. Ein Song über eine verstobene Dame? Richtig, denn diesmal finden sich neben den kryptischen Zukunftsvisionen von Jay Gordon durchaus nachvollziehbare Themen, wie z.B. auch Eyes-Radio-Lies, welches sich mit der damals populären Big Brother is watching you“ – Thematik auseinandersetzt.
Laut Gordon ein Thema, das ihn bereits seit seiner Kindheit beschäftigte, als er noch glaubte sein Radio könne ihn beobachten.

Hervorheben möchte ich noch einmal meinen persönlichen Favouriten Re-creation der alles beinhaltet was Vapor Transmission so unwiderstehlich gut macht:


Laut Gordon steht der Albumtitel im Übrigen für den Wunschgedanken, die eigene Musik würde sich ähnlich wie Gas verhalten und somit ungehindert in sämtliche Haushalte eindringen können. Soweit kam es dann doch nicht ganz, aber die Platte konnte immerhin Gold verbuchen.

Ob Candyass oder Vapor Transmission nun der bessere Output ist, bleibt Ansichtsache. Um in den Orgykosmos einzutauchen eignet sich letztere jedenfalls besser, da leichter verdaulich und auch nicht so düster. Dennoch bleibt Candyass ob seiner Tiefe ein klein wenig  essentieller für mich.

Death Pop, wie die Jungs ihren Stil einst nannten, sollte jedenfalls nie wieder so grandios klingen wie auf diesen ersten beiden rundum perfekten Alben!

 

Fiction (Dreams in Digital)

Tracklist:

  1. Vapor Transmission (Intro)
  2. Suckerface
  3. The Odyssey
  4. Opticon
  5. Fiction (Dreams in Digital)
  6. Eva
  7. 107
  8. Dramatica
  9. Eyes-Radio-Lies
  10. Saving Faces
  11. Re-creation
  12. Chasing Sirens
  13. Where’s Gerrold?

Vapor Transmission kann man komplett und kostenlos auf Spotify streamen. Wer das Ding physikalisch sein Eigen nennen will, muss im Vergleich zum Debut mit 0,02 € allerdings etwas tiefer in Tasche greifen. Erstes Album 1 Cent, zweites Album 2 Cent. Ganz logisch eigentlich… Im Übrigen lohnt es sich nach der amerikanischen Erstpressung ausschauh zu halten. Die enthält nämlich noch den zusätzlichen Hidden Track The Spectrum.

Released: 10.10.2000 via Elementree/Reprise/Warner

Review: Orgy – Candyass (1998)

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Artwork by Steve Gerdes

Auch auf die Gefahr hin mich weit aus dem Fenster zu lehnen und den Spott einiger Leute auf mich zu ziehen: Candyass ist eines der besten Alben die je produziert wurden.

Als ich damals Blue Monday, die Adaption des New Order Klassikers in einer Special – Cover – Sendung bei MTV Sushi sah, war ich sofort hin und weg. Ich kann mich auch noch erinnern mir das Album im Nov. 2000 zeitgleich mit Marilyn Mansons Holywood zugelegt zu haben.

Somit hatte ich von Anfang an den direkten Vergleich zu der Band, mit der Orgy neben den Nine Inch Nails immer wieder verglichen werden sollten und kam schnell zu der Überzeugung, dass Orgy sich keinesfalls hinter diesen großen Namen verstecken brauchen, da sie ihr ganz eigenes Süppchen kochen.

Candyass, benannt nach einer L.A. Drag Queen kommt dann auch genau so düstersexy, wie es der Titel und das famose Artwork vermuten lassen. Hat der Einstieg Social Enemies noch Introcharakter, kriegt man mit Stitches schon gleich die erste Hitsingle um die Ohren gehauen. Dissention ist ein sperriger Bastard, der aber auch nötig ist, damit sich die etwas ruhigere Songperle Platinum voll entfalten kann:

„You can’t escape what makes you tragic you know“

How true that is… Hammertrack reiht sich hier an Hammertrack. Fetisha, Fiend, All the Same, man müsste die ganze Platte nennen um ihr gerecht zu werden. Ein Highlight, welches genannt werden muss ist dann definitiv Revival, mit Korn Sänger Jonathan Davis im Feature (live auch sehenswert btw.), bevor dann mit dem düsteren Dizzy auch schon kurzweilige 48 Minuten hinter uns liegen.

Diese Platte ist von vorne bis hinten durchgehend perfekt und lebt vor allem von den mehrstimmigen, unverkennbaren Vocals von Jay Gordon die meist im Mittelpunkt stehen. Klar hat man es bei Orgy im Grunde mit einer Gitarrenband zu tun, doch fällt die Musik dafür sehr elektronisch aus. Interessant ist allerdings, dass hier nur wenig Samples, Synthies und Programmings zum Einsatz kommen, denn große Teile der Elektronik wurden live eingespielt. Mit G-Synths und E-Drums versteht sich (der 80er Wave Touch kommt schließlich nicht von ungefähr). Laut Gitarrist Ryan Shuck sei das auch genau der Anspruch gewesen: Eine Rockband zu schaffen die elektronische Musik macht.

Mission geglückt kann man da nur sagen, denn Candyass fand in den Staaten beinahe 2 Millionen Abnehmer. Eine beachtliche Summe für ein düsteres Debutalbum, das auch nicht zwingend beim ersten Hördurchgang zündet. Ich selbst verbringe nun schon fast 13 Jahre mit diesem Album und kann (im Gegensatz zu den Videoclips) keine Abnutzungserscheinung ausmachen. Im Gegenteil scheint es sogar bei jedem weiteren Durchlauf zu wachsen:

„Now you seem to be so much better than before“

 

Blue Monday

Stitches

Tracklist: 

  1. Social Enemies
  2. Stitches
  3. Dissention
  4. Platinum
  5. Fetisha
  6. Fiend
  7. Blue Monday
  8. Gender
  9. All the Same
  10. Pantomime
  11. Revival
  12. Dizzy

Candyass kann man komplett auf Spotify streamen oder für 0,01€ gebraucht über amazon kaufen. Ja, richtig gelesen: 0,01 €. Es ist eine Schande…                             Fanatikern sei zu guter letzt auch noch die Alternative Dissention Version vom Scream 3 Soundtrack ans Herz gelegt!

Released: 18. August 1998 via Elementree/Reprise/Warner

 

Review: Deadsy – Commencement (2002)

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Artwork by Josh Gabbard

Dieses Album spricht mich optisch so unglaublich an. Dieses Album klingt so unglaublich gut. Dieses Album fängt so unglaublich stark an. Warum ist Commencement am Stück dann trotzdem so unglaublich langweilig?

Ich kann es mir kaum erklären. Die ersten beiden Songs Key to Gramercy Park und Winners sind krasse Hits. Absolut catchy und schwer aus dem Kopf zu bekommen. Brand New Love  und Mansion Love sind dann zumindest noch nett. Doch danach?

Nunja, es ist nicht unbedingt so, dass der Rest der Platte dann zwingend mies ist, aber das er nicht zwingend gut steht für mich ausser Frage. Zu langatmig und damit auch langweilig gestalten sich die noch verbleibenden 50(!) Minuten. Die Geschwindigkeit des ersten Tracks wird mit keinem der Stücke mehr erreicht und man schnarcht bei einem Tempo vor sich hin, das sogar weit unter Mid liegt.

Da nützt es leider auch nichts, dass als Gastmusiker mit Jay Gordon, Troy Van Leuween oder Jonathan Davis einige von mir geschätzte Persönlichkeiten am Start sind. Im Gegenteil: Geradezu nervige Stücke wie She likes Big Words oder Cruella sind zum Teil durch genannte Prominenz mitverschuldet worden. Die obligatorische 80er Jahre Coverversion im modernen Milleniumsgewand darf dann natürlich auch nicht fehlen. Allerdings geht mir Tom Sawyer schon im Original von Rush auf den Senkel und weder Deadsy noch Mindless Self Indulgence vermochten es meine Meinung daran zu ändern.

Musikalisch tropft das ganze Commencement – Klangbild nur so vor daumendicken Synthies,futuristischen Z-tars, knarzenden Bässen und hat einen unüberhörbaren 80s-touch. Klanglich in eine fette Josh Abraham/Jay Baumgardner-Produktion eingebettet, kann mich der Sound voll und ganz überzeugen. Wären doch nur die Songs besser….

Bei Kritikern und auch bei der Zielgruppe blieb Commencement eher unbeachtet und fuhr dann auch eher schlechte Kritiken ein. Leider kann ich mich da nur anschliessen. Warum ich dann überhaupt über diese Platte schreibe? Weil ich sie so gern lieben würde. Weil ich sie so gern in den Händen halte. Weil The Key to Grammercy Park ein Über-Hit ist. Weil diese Band an sich soviel Potential hatte. Weil vielleicht andere das in der Platte erkennen, was sie seinerzeit zum Lieblingsalbum eines gewissen Fred Durst machte.

 

The Key to Gramercy Park

Brand New Love



Tracklist:

  1. The Key to Gramercy Park
  2. Winners
  3. Brand New Love
  4. Mansion World
  5. Lake Waramaug
  6. The Elements
  7. Flowing Glower
  8. Future Years
  9. She Likes Big Words
  10. Cruella
  11. Seagulls (The Macroprosopus)
  12. Le Cirque En Rose (Obsolescence)
  13. Tom Sawyer
  14. Commencement

Commencement kann man komplett auf Spotify streamen oder für 0,77 € an Amazon sein Eigen nennen. Gibt da wohl auch verschiedene Coverversionen bei der die Farben des Gartenteichs variieren. Mein Exemplar ist dunkelblau, hab ich aber auch schon in weiß, hellblau oder rot gesehen.Tracks sind aber meines Wissens nach überall gleich. Catch em all! Oder so…

Released: 14. Mai 2002 via Elementree/Dreamworks