Review: Finte – Ignoranz und Illusion [EP] (2018)

artwork: Philipp Zurmöhle

Finte aus dem niedersächsischen Hildesheim schicken sich an die Lücke zwischen treibenden At The Drive In – Passagen und verschachteltem Gefrickel à la The Hirsch Effekt mit Leben zu füllen. Addiert man die intellektuell angehauchten Texten hinzu, die allesamt in der Muttersprache vorgetragen werden, ist man vom Gesamtkonzept garnicht mal so weit weg von dem, was die bereits im Blog gefeatureten  Kora Winter so zum Besten geben. Obgleich es auf Ignoranz und Illusion im direkten Vergleich etwas gemäßigter zur Sache geht. Weiterlesen

Review: 52 Hertz – Nov. Demo 2013 (2014)

a0496798865_10All cats are beautiful! Davon können nicht nur die HC-Buben von Zerre, sondern auch ihre Würzburger Kollegen von 52 Hertz ein Liedchen singen. Genauer genommen sind es sogar zwei, die sie da auf ihrem aktuellen Demotape zum Besten geben.

Im Trio wird hier aufregende Gitarrenmusik fabriziert, soweit geht man mit dem nirvanaeskem Coverartwork konform, doch klingt das Endergebnis dann eher nach Washington D.C., denn nach Seattle.

Ähnlich dem Seattle-Grunge aber, ist auch der mit der amerikanischen Hauptstadt assoziierte Post/Emo/Rock/Core, mittlerweile ein wenig aus der Mode gekommen. Ein bedauernswerter Umstand, der irgendwie aber gerade dafür sorgt, dass dieses Tape unglaublich fresh daher kommt, denn sowas hört man einfach nicht mehr allzu oft. Da fühlt man sich glatt nochmal um gut 12 Jahre zurückgeworfen, als man zum ersten Mal über At the Drive-In stolperte und selbige Entdeckung, bei dutzenden Bands, auch Hierzulande, zu einer regelrechten Postrock – Flut führte, die die Bühnen sämtlicher Kultur- und Jugenzentren dominieren sollte.

Bitte nicht falsch verstehen: Weder ist mir entgangen, dass dieser Style nie wirklich weg war, noch möchte ich 52 Hertz als Retter eines etwas angestaubten Genres anpreisen. Fakt aber ist, dass hier ein wahnsinnig frisches Lüftchen weht, welches zumindest mir mal wieder zeigt, warum solche Musik begeistert, wenn sie richtig gemacht ist. Einmal den Hit Curr antesten und verstehen, was ich meine:

Auch auf textlicher Ebene, wirkt die schlichte Gegenüberstellung von Neuanfang in der Ferne und Familienhalt in der Heimat, äusserst sympathisch und gibt so den frickeligen Gitarrenläufen noch die nötige Portion Emotionalität mit auf die Reise. Ob es auch im zweiten Titel I’d rather hang out with a Stone than going back there, tatsächlich die Heimat ist, welche die verhasste Örtlichkeit darstellt, an die man dennoch gebunden ist, bleibt reine Spekulation meinerseits. Fraglos jedoch, dass auch dieses Stück  in musikalischer Hinsicht einiges kann:

In the club - drinking beer, to drown our never ending boredom.
Pointless - like the village life we live.

Da war er dann doch, der Slacker-Gedanke der Generation X…

Von Langeweile und Faulheit, zeugt allerdings weder das beachtliche Liveengagement der Band, noch die als erfolgreich zu verbuchende Labelsuche, die im Falle dieser Veröffentlichung gleich 9 Interessenten zu Tage förderte, derer tatkräftigen Unterstützung es zu verdanken ist, dass die erste 200er – Auflage bereits so gut wie vergriffen ist.

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Glücklicherweise steht das Teil (in digitaler Form) weiterhin zum kostenlosen Download auf Bandcamp bereit, werden meines Wissens nach noch ein paar Tapes nachgelegt, sowie gerade an einem neuen Dreher geschraubt.

Diese netten Kerle bitte unbedingt im Auge behalten und live sehen, so lange man noch die Gelegenheit dazu hat: cause cats don’t live as long as desired…

Curr (live)

Tracklist:

1. Curr
2. I’d rather hang out with a stone than going back there!

Released 03.01.2014 via: Flood Floorshows / Tief in Marcellos Schuld / Monday Morning / Shivery.MMXII. / Don’t Shoot The Messenger / Nowhere Youth / Featherlight /Upwind / Rebuild

Der Failure ist cool (XXXisql025)

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as found on www.facebook.com/failureband

Der Reunion-Wahn geht weiter! Die heutigen Kanditaten: Failure!
Ich bin ja generell kein großer Freund von solchen aufgewärmten Geschichten und stehe dem Großteil der Reunions weiterhin mit gemischten Gefühlen gegenüber (Rage Against the Machine, At the Drive In, Refused…), lass mich jedoch auch jederzeit eines besseren belehren (Faith No More, Der Wolf)!

Allerdings sieht die gängige Reunionvariante leider so aus: Satte Ex-Rockstars zerstören ihren eigenen Heldenstatus, indem sie fernab von früheren Leistungen und Erfolgen agieren. Man fragt sich dann zun Recht was das soll, da in 95% der Fälle eh schon alles gesagt und der eigentliche Schlußstrich nicht selten mehr als gut gewählt wurde.

Wenn es allerdings um Failure (die Band um Keanu Reeves-Look-a-Like Ken Andrews und einstige Brötchengeber des heute sehr gefragten Troy van Leeuwen) geht, muss man die Sache von einem völlig anderen Blickwinkel aus betrachten! Die Band erlangte ihren Kultstatus nämlich erst nach dem Split 1997 und konnte somit nie die Früchte ihres Erfolges ernten. Failure blieben der ewige Geheimtip, dessen Kultstatus vor allem durch die Bewunderung zahlreicher Musikerkollegen wie A Perfect Circle, Finch oder Melissa auf der Maur über die Jahre nach der Trennung kontinuierlich wuchs und nun eben im Comeback gipfelt!

Fest geplant ist erstmal nur ein Konzert am 13.02.2014 in Los Angeles. Zukünftige Aktivitäten sind allerdings laut diesem aktuellen Interview mit der Spin durchaus zu erwarten!

Ex – (hed)p.e. – Gitarrist Chizad freut sich jedenfalls und geht zur Show:

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Und ich tu es glaub ich auch, also mich freuen, mein ich. Jedenfalls bin ich gespannt was da kommt und habe das Gefühl, dass die Band das würdevoll über die Bühne bringen wird.

Warum genau man Failure nun kennen und lieben sollte, liest man am besten in den Reviews zu ihren beiden essentiellen Platten Magnified und Fantastic Planet! (Das Debut Comfort lass ich mal aussen vor…)

 

"They're gonna have fun now - don't fight it"