Review: Failure – The Heart is a Monster (2015)

10563119_479556672195337_5590897305055833661_nDas Failure mit einer Reunion kaum enttäuschen würden, ließ sich bereits im Vorfeld erahnen. Mit einem derartigen Geschoss wie es The heart is a monster ist, dürften trotzdem die Wenigsten (mich eingeschlossen) gerechnet haben Mittlerweile liegt der Release der 18-Track starken Comeback-LP schon beinahe ein halbes Jahr zurück, taucht derzeit zu Recht großflächig in den Jahresbesten-listen auf und hatte Zeit in meinen Gehörgängen zu reifen.

 

Diese ist bei der Musik des LA-Trios meiner Meinung nach noch immer von Nöten, will man die Brillanz der Stücke gänzlich begreifen und auskosten. Die wenigsten Failure-Songs springen dem Hörer direkt ins Gesicht. Der Popappeal will mitunter erst einmal unter dissonanten Gitarrenriffs gesucht werden. Das war bereits bei Fantastic Planet so und das ist es auch heute noch. Die bei genanntem Werk eingeführten Interludes (Segue 1 – 3) werden auf dem aktuellen Werk (Segue 4 – 9) ebenso konsequent fortgesetzt wie auch das ausgeprägte Händchen für grungy Alternative-Rock wieder zum Zuge kommt.

Alles beim alten also im Hause Failure? JA! Und das gefällt! Oder hätte jemand nach fast zwei Jahrzehnten Veröffentlichungsabstinenz ernsthaft große Experimente willkommen geheißen? Songs wie Come Crashing oder Hot Traveler bringen sofort das typische Failure-Feeling zurück und könnten direkt aus den 90ern stammen. Tatsächlich haben einige der Stücke schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Petting the Carpet beispielsweise hätte schon auf dem etwas halbgarem Debut  Comfort (1992) landen sollen und I can see houses, heute das Grand Finale der Platte, war sogar schon 1991 Teil des Livesets:

Hinsichtlich Thematik und Ästhetik ist man sich ebenfalls treu geblieben. Die von Band und Fans gleichermaßen geliebte Sci-Fi-Ästhetik wird im grandiosen Video von Counterfeit Sky besonders in den Fokus gerückt. In bester GravityInterstellarThe Martian-Manier liegt das aufwändig produzierte Astronauten-Drama dabei sogar noch voll im Trend. Mit spooky Backings versehen avanciert der Song auch beinahe zum stärksten Stück der Platte! Diese Ehre gebührt allerdings der Piano-Slide-Guitar-Ballade Mullholland Drive. Pink Floyd  und die Beatles lassen grüßen! Riesen Hit:

Mag The heart is a monster im letzten Drittel zwar dann doch etwas langatmig daherkommen und Magnified, meinem persönlichen Lieblingsalbum der Band nicht das Wasser reichen können, bin ich trotzdem schwer begeistert von der Platte. Absolut unpeinliches Comeback mit starken Songs und perfekter Produktion zwischen Dirty und Hochglanz. Wer wissen möchte wo moderne Alternative Acts wie A Perfect Circle, Queens of the Stone Age, Melissa auf der Maur oder Black Light Burns inspiriert wurden, dem seien Failure, auch 2015 noch, ebenso ans Herz gelegt wie Fans von Porcupine Tree, Dredg oder meinetwegen auch den frühen Weezer. Grunge-Fans und Potheads hören sowieso rein! Los! Jetzt!

Hot Traveler

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Counterfeit Sky

Anspieltips: Mulholland Drive, Counterfeit Sky, Hot Traveler, Come Crashing, Atom City Queen

The Heart Is a Monster im Stream:

Released: 30.06.2015 via INgrooves Music Group, Failure Records LLC

Review: American Head Charge/(hed)p.e./Soil/Wolfborne/Frankfurt/16.10.2014

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Da ist sie nun also, die Chance auf die ich über zehn Jahre gewartet habe: Die Industrialmetalboys American Head Charge live sehen! Dazu noch mit meiner einstigen New Metal-Lieblingscombo (hed)p.e. im Vorprogramm und den in der Metalcommunity zumindest damals schwer gefeierten Soil als Headliner. Für zynische Menschen drei mal Schnee von vorgestern. Musik für Hängengebliebene. Genau unser Ding also!

Das Derdanielistcool.de – Team ist exckusiv vorgeladen und stürzt sich in eine bunt gemischte Menge aus potentiellen Dunkin‘ Donuts – Kunden, Juggalos, Dreadlocks und patchübersähten Kutten. Lokalisiert in Frankfurts‘ schöner neuer Location Zoom. Direkt in der Innestadt, dürfte der Laden wohl einigen noch unter dem Namen Sinkkasten bekannt sein. Reibungsloser Ablauf, Spitzensound und nette Leute sprechen für die Räumlichkeiten! Dazu dem Abendprogramm angepasste Mucke  aus der Konserve von A Perfect Circle, Black Light Burns und Marilyn Manson. Kann natürlich auch der Tourtechniker ausgewählt haben…

Wolfborne

Den Beginn machen nicht wie angekündigt 8 Foot Sativa, sondern Wolfborne aus Vancouver/Kanada. Und wenn ich Kanada höre, muss ich unwillkürlich immer gleich an Nickelback denken. Bezeichnend dann natürlich, wenn die Kapelle doch tatsächlich wie die Band des nasenoperierten Ehemanns von Avril Lavigne auf Drop D. klingt. Grenzwertige Songs wie Sex Sells oder Disturbed-ähnliche Stakkato-08/15-Alternative-Metal-Stücke tun dazu ihr übriges. Immerhin tight und sauber im Spiel, wirken Drummer und Gitarrist bei der Performance bisweilen mächtig gelangweilt. Kann dann lediglich Headcharge-Drummer Chris Emmery begeistern, der beschwipst und allein auf weiter Flur vor der Bühne taumelt und sein bestes gibt um die bisher etwa 50 – 60 Nasen zu animieren. Mit mäßigem Erfolg. Irgendwie arg plump und brav das Ganze. Grober Mist, wenn man mich fragt…

Beautiful people of Frankfurt: (hed)p.e. comes in peace!

Ich hatte mir ja nach meiner letzten (hed)p.e.-Show vor etwa 3 Jahren in Berlin geschworen, dieser stetigen, von der Band selbst vollzogenen Mythosschändung, nie wieder beizuwohnen. Geschweige denn durch Geld zu unterstützen. Wenn die Kapelle allerdings als Support auf dem Billing steht, sieht die Sache natürlich anders aus und ich nehm das gerne nochmal mit. „No one can judge me now!“ heisst es heute im Opener. Ich versuch mich dran!

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(hed)p.e. mit Lieblingsspielzeug

Als die Band um M.C.U.D. – welcher sich zu Beginn selbstsicher und urban im Camouflagelook samt bandana-vermummten Gesicht präsentiert – ihr Set mit dem live ganzokayen No Turning Back vom aktuellen Output Evolution beginnt, bemerke ich sogar, wie ich widererwarten Bock auf die Show bekomme. Die kurz aufgekeimte Euphorie ist allerdings schon beim nächsten Song wieder passé, als die erste, brandneue und unsagbar miese „Punknummer“ den ersten Pogo anzettelt… In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Track Whitehouse vom 2010er Truth Rising, welcher die Klassikerriege aus Killing Time, Bartender und Blackout kurz unterbricht. Besagte Nostalgierunde animiert zwar sofort zum mitgröhlen und lässt ordentlich Extremitäten im Publikum zucken, zeigt aber gerade auch das größte Problem auf. Nämlich, dass die Hunntington-Beach-Boys – nunmehr auch um den offenbar pausierenden DJ Product vermindert – immermehr zur Selbstparodie verkommen und mehr oder weniger nur noch eine Coverband ihrer selbst sind.

Was ihre Liveshows irgendwie trotzdem zum Entertainment macht, sind die vollmundigen Ansagen von Großmaul und Chefposer Jared, welche einen stets zum Schmunzeln bringen und ein Gefühl von Willkommensein vermitteln. Auch heute Abend. Knüpft er doch gerade zum Frankfurtpublikum eine familiäre Bande:

Thank you beautiful brothers and sisters of Frankfurt. 
You look fuckin' beautiful tonight! My sons' grandmother 
was born in Frankfurt. So it's like we're related. I hope 
you're happy! We're so happy to be here. We just put out 
a record on Pavement Records, that's the Soil - recordlabel. 
It's some heavy fuckin' shit, it's so good. 
We sold out of 'em. Get it on itunes! Play some heavy shit!

Sagt’s und lässt One More Body, das vom Publikum geforderte und durch Roadie „Goose“ gebackupte C.B.C., Renegade, Peer Pressure und das marilynmansonodermeinetweigenaucheurythmicsabgekupferte Raise Hell über die mittlerweile gut angewachsene Zuschauerzahl regnen, welche sich allesamt zu amüsieren scheinen. Ich bin ja jedesmal erstaunt, wieviele Leute mit den neueren Sachen der Band vertraut sind und schäme mich natürlich auch zeitgleich ein bisschen, dass ich jeden Song mitsingen kann…

We brought Bob Marley to town with us!
Don't be mad heavy metal people! It's okay. American Head Charge 
and Soil will be here with some Heavy Metal all night. Right now we're 
going to play some fuckin' Reggae!!!

Shit. Die Raggaversion von The Meadow macht tatsächlich Bock und wirkt so mit dem abschließenden Hold On wie aus einem Guss.

Unterm Strich kommt der Mix aus Nostalgie, Fremdscham und köstlichen Ansagen sehr unterhaltsam und macht das 45 minütige Set sehr, sehr kurzweilig! Band und Publikum hatten sichtlich Spaß und als Supportact könnte ich mir deutlich schlechteres vorstellen. Das (hed)p.e. ihren Zenit aber schon seit Jahren überschritten haben, können sie auch heute nicht kaschieren. Im Endeffekt also alles wie erwartet…

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AHC – Crowd

„Beautiful“ brothers and sisters of Frankfurt…

American Head Charge
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Karma / American Head Charge

Von American Head Charge allerdings hab ich mir da schon etwas mehr erwartet. Wie sehr ich allerdings bedient werden würde, hätte ich niemals erwartet. HO-LY-SHIT! Um es gleich vorweg zu nehmen: Was die neuformierte Band aus Minneapolis an diesem Abend auf die kleine Clubbühne zimmert, zieht einem glatt die Schuhe aus! Eine der besten Shows die ich seit langem gesehen habe! Absolut tight, drückend und überraschend unpeinlich. Dazu noch die auf ganzer Linie überzeugende Stimme von Cameron Haecock. Ich habs ja schonmal gesagt: One of the best there is in this business…

Krass wie problemlos der mittlerweile krass abgemagerte und wortkarge Typ zwischen derbem Metalgeshoute und flächigen Harmonien hin- und her switcht. Blickfang außerdem: Gitarrist Karma, der seit The Feeding zur festen Instanz gehört und schon während des Bühnenaufbaus den Badboy mimt indem er bitterböse Blicke, ordinäre Gesten und verbale Beleidigungen gen Publikum schickt. Auch wenn sich das jetzt albern und panne anhören mag: Das war schon sehr überzeugend und angsteinflößend. Hab ich in der Form höchstens noch bei MSI-Gitarrist Steve Righ? erlebt…

Dreckig-gefährlich natürlich auch die Musik, die fast wie auf Platte aus den Boxen drückt und von Beginn an frenetisch abgefeiert wird. Bereits der Einstieg mit All wrapped up vom Debutalbum killt nur noch! Über den fetten Brei aus drückend lärmendem Metalriffing kreischen und schmatzten die Samples und Störgeräusche von Keyboarder Justin Fouler. (neben den Vocals für mich ja schon immer das Highlight dieser Band). Umso erfreuter war ich natürlich, als mir das nette Kerlchen anschließend verklickerte, dass die Truppe es gerade, zumindest für die Aufnahmen zum neuen Album, in Erwägung zieht, den 2002 geschassten Soundmaniac Aaron Zilch wieder ins Boot zu holen!!

Bekanntes Material gab es überraschend wenig. Neben Dirty und natürlich Just so you know, kam lediglich noch das grandiose Writhe (Opener der aktuellen EP) zum Zug. Die restlichen 3 Songs waren brandneu, größtenteils sehr, sehr heavy und hätten in dieser Form auch problemlos auf The War of Art zu finden sein können. Auch wenn es ruhig noch ein paar Hits mehr hätten sein dürfen, ist das ebenfalls um die 40 Minuten lange Set absolut perfekt und fährt alles andere an diesem Abend sowas von an die Wand! Damn, freu ich mich jetzt auf die kommende Platte! Mit American Head Charge ist tatsächlich noch zu rechnen!!

Soil

Wenn nun allerdings We will rock you den Auftritt von Soil ankündigt, verlässt einen die Lust ja schon ein wenig. Die Band allerdings gibt von Beginn an mächtig Gas und versteht es alle Wacken– und G.O.N.D. – Shirtträger, sowie sämtliche Kuttenrocker von der ersten Sekunde an zu begeistern. Von Halo vielleicht mal abgesehen, den ich mir unter Umständen in einem unbeobachteten Moment klammheimlich reinfahren würde, hat mich die Chicagoer-Formation nie packen können. Bevor man auf diesen sicherlich eher zum Schluss angesiedelten Hit wartet, spielt man dann doch lieber Fanboy und nutzt die Zeit für gemütliche Schnacks und Shakehands mit den Mitgliedern der vorangegangenen Bands und lässt den Abend mit einer schönen, anschließenden Fahrzeug- Licht- und Rauschmittelkontrolle der Frankfurter Polizei ausklingen. 0.00 Promille… Facettenreicher Abend mit vielen zufriedenen Gesichtern!

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Hangin‘ out with A.H.C. and (hed)p.e.

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Review: Land of La Bora – We go (2014)

Artwork by Wes Borland

Scott Borland: Ein Name der auf derdanielistcool.de nun schon des Öfteren gefallen ist. Doch selbst unaufmerksamen Besuchern dieser Seite sollte es bei dem Namen Borland schon im Hinterkopf klingeln. Genau: Scott ist der jüngere Bruder des mit Limp Bizkit zum Weltstar avancierten Wes Borland. An den ersten drei Bizkit Alben trägt der mittlerweile 35 jährige nicht unerheblichen Anteil. Viele der Keyboards und Samples gingen seinerzeit auf sein Konto.

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Auch konnte man ihn bereits auf der Bühne mit Bruder Borland bei Big Dumb Face und im Studio mit Vanilla Ice für dessen – erst kürzlich hier besprochenen Platte – Hard to Swallow sichten. Das geplante Projekt Eat the Day – erneut zusammen mit Wes – erblickte leider nie das Licht der Welt und so war es nun an die zehn Jahre still um den Mann. Jetzt allerdings hat der Gute eine fabelhafte EP seines neuen Babys Land of la Bora ins Netz gestellt, welche durch einen Post vom Big Brother über dessen Black Light Burns FB Profil die erste Aufmerksamkeit – auch meinerseits – nach sich zog:

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There you have it. Feiner Zug! Ansonsten hat der auf We go gebotene Sound wenig bis garnichts am Hut mit dem berühmten Familienmitglied und könnte nicht weiter weg sein vom Gitarrengeschrammel der bisher genannten Acts. Vielmehr dominieren bei Land of la Bora die durchweg programmierten Beats, zuckersüßen Synthieflächen und vereinzelt ist auch mal ein wenig Glockenspiel oder Akustikklampfe zu vernehmen. Darüber schwebt die angenehm unaufgeregte Stimme von Scott. Erinnert mich in The What If ein wenig an MGMT und könnte im abschliessenden Grem auch glatt als Soundtrack für ein Computerspiel durchgehen. Zwar nicht zwingend innovativ aber doch sehr gemütlich, sehr poppig und sehr empfehlenswert für frühe Sonntage. Gefällt!

Der Titeltrack allein sollte schon Appetit auf mehr machen:

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Anspieltip: We go

Tracklist:

1. We go
2. The What If
3. Carry The Sun
4. Grem

We Go ist im Stream und als kostenloser Download auf bandcamp zu finden.

Released: 03.05.2014 via bandcamp