NRT – Ambition [EP] (2016)

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Die Tracht Prügel, die die Bochumer Düster-Popper NRT dem gängigen Strophe-Refrain-Aufbau verabreichen, hat das Cover zierende Xavier Naidoo-Look-A-Like allem Anschein nach am eigenen Leib erfahren müssen.

Brutalitäten sollte auf Ambition trotzdem keiner erwarten: Das Trio gibt sich  gediegen.

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Wo der Bandname die Vokale experimentell aus dem Wort uNoRTe auslässt, sind die Experimente im Klangbild anderer Natur. Ausgelassen wird hier wenig. Ausgelassen  lotet die Band vielmehr Genre-Grenzen aus. Das zumindest verspricht der Beipackzettel: „Endlich mal was anderes“, „erfrischend“ bis „unerwartet“ seien häufige Reaktionen, wenn NRT Synthpop und Dark Wave auf Alternative Rock treffen lassen. Was auf dem Papier nach wildem Stil-Crossover klingt, kriecht dann allerdings wesentlich homogener und ‚herkömmlicher‘ aus den Boxen als angenommen. Das propagierte große Soundexperiment muss meinereiner schon mit der Lupe suchen. Mehr noch: Ohne die Vorab-Info wäre es mir noch nicht einmal in den Sinn gekommen. Mag aber evtl. meinen extravaganten Hörgewohnheiten geschuldet sein und stört ja auch erstmal nicht weiter.

Die EP startet mit dem ersten Track nämlich richtig gut. Gleichzeitig auch Titeltrack, schmeichelt die erste Hälfte der Nummer mit verhaltenem Piano, geschmeidigen Gitarren und kernigen Bass-Akzenten der düsteren Stimmfarbe von Sängerin Dorette Gonschorek, die ein wenig wie Q Lazzarus-light klingt. Gefällt außerordentlich gut, bis der Song mit dieser schönen Formel bricht und Schlagzeug und Riff einsetzen. Funktioniert für mich leider garnicht. Äußerst Schade, denn gerade wenn das Piano-Schema zum Schluß wieder aufgegriffen wird, werde ich das Gefühl nicht los, dass hier großes Potential verschenkt wurde.

Das schleppende Friendship hingegen ist schon um einiges gefälliger und erinnert gerade in seinen getragenen Stellen an Switchblade SymphonySelf-Deception tut das sogar noch mehr! Die Formel Dark Wave + Gitarre ist eben doch nicht ganz so neu… Quest hingegen lässt mich an Die My Darling denken. Und  an die damals besprochene Caballo-EP. Auch New Model Army möchte ich als Referenz nicht unerwähnt lassen. Komplettiert werden die vier erwähnten Tracks durch drei Remixe von No More, Wellencocktail und Vadot, die sich jeweils der Aufbereitung einer älteren Nummer widmen.

NRT haben sich schon eine beachtliche Folgschaft erspielt, denen Ambition sicherlich ebenso taugen wird, wie Menschen, die sich gerne in Einrichtungen wie K17 oder Darkflower tummeln. Gerade die Remix-Nummern kann ich mir gut in derartiger Gesellschaft vorstellen.

Mich selbst allerdings lässt die Veröffentlichung weitestgehend kalt, ohne sie deshalb schlecht zu finden. Ich bin eben auch einfach kein großer Freund des Genres. Bezeichnenderweise sind es gerade die klassischen Pop-Elemente, die mir tendenziell zusagen würden, die von der Band aber ja bewusst ausgespart werden. Erfrischend jedoch: Der Verzicht auf Sparten-typische Klischeebedienung und Phrasendrescherei in Lyrics, Artwork und Erscheinungsbild. Danke dafür!

Anspieltipps: Friendship, Self-Deception

Tracklist:
01.Ambition
02.Friendship
03.Quest
04.Self-Deception
05.Memories (Blue Space Mix by No More)
06.Marching (Repeat-Mix by Wellencocktail)
07.Marching (Mensch-Maschine Remix by Vadot)

Ambition erscheint auf Vinyl (inkl.CD) und als Download!

Released: 05.02.2016 via Timezone

Review: Caballo – The Legendary Mercy Notes (2015)

11148711_820169041364683_6206455611863732932_nWie ein Hauch von Patchouli Parfum legt sich die düsterromantische Stimme des aufstrebenden Berliner Solokünstlers Teresa Caballo auf deepe 80er Synthieteppiche. Auf dem Papier eigentlich mal so garnicht mein Ding. Aber hey: Hübscher Bub auf dem Cover und gemixt wurde im ‚Studio Super Cool‘. Als wäre das für eine Besprechung nicht schon ausschlaggebend genug, schlägt der Titel der EP darüberhinaus auch gleich noch den Bogen zur letzten von mir verfassten Rezension. Na dann…

Legendär hin oder her, rein thematisch gesehen sind die ‚Mercy Notes‘ vor allen Dingen erst einmal eines: Mysteriös! Ein wenig Klarheit über die Notenblätter eines angeblich streng geheimen Initiators kann man sich bei Bedarf hier verschaffen. Dem möchte die klangliche Ästhetik selbstredend in nichts nachstehen und kommt deshalb ebenfalls mit einer dicken Portion Mystik um die Ecke. Zentnerweise Hall, Electrobeats und erwähnt tiefes Organ, welches auch gerne mal um die ein oder andere Nuance gen Erdkern gepitcht wird, laden ein, um offenherzig der Melancholie zu fröhnen.

Das weiß tatsächlich gleich mit dem unmittelbaren Einstieg von Downtown zu überzeugen. Popige Schwarzmalerei, die der von Depeche Mode nicht unähnlich ist. Geht sofort ins Ohr und so leicht nicht mehr raus. Auch die restlichen vier Songs schlagen in eine ähnliche Kerbe, sind super eingängig und geschmackvoll arrangiert. Heutzutage einen solchen Sound aufzufahren ist sicherlich als gewagt bis mutig einzustufen. Die ‚Legendary Mercy Notes‘ spielen bewusst mit Klischees, umschiffen deren plakativen Einsatz aber gekonnt. Statt die 80er plump des bloßen Retroeffektes Willen zu kopieren, wird eine eigensinnige Neuinterpretation geliefert, die ihre Daseinsberechtigung vor allem durch ausgeklügelte Songstrukturen untermauert. Weltbewegend neu ist das alles natürlich trotzdem nicht, aber das dürfte wohl auch kaum die Intention hinter den Songs gewesen sein.

Besonders begeistert mich desweiteren die musikalische Nähe zu alten Spielkonsolen-gassenhauern. Hört euch mal Stücke wie White Boy oder das komplett instrumentale Electric Butter an… und das mein ich jetzt wirklich von jeglicher Ironie befreit und als absolutes Kompliment: Das könnte doch auch eine aufgemotzte Version des grandiosen Donkey Kong Country 2 Soundtracks sein, oder? Sogar der Soundtrack meines alltime-favourites Plok! kommt mir da in den Sinn! Wunderbar!

Fazit: Ja, mir gefällt was Caballo hier gezaubert hat! Und das stellt für mich das eigentlich mysteriöse dar…

‚The Legendary Mercy Notes‘ im Stream:

‚The Legendary Mercy Notes‘ gibt es btw. hier zum freien Download!

Released: 20.04.2015 via Selbstvertrieb