Review: Coal Chamber – Rivals (2015)

Coal_Chamber_Rivals_0213 Jahre ist es her, da warfen Coal Chamber genervt das Handtuch. Persönliche Differenzen, vor allem zwischen Gitarrist Meegs und Sänger Dez Fafara, machten seinerzeit den Split unumgänglich. Drogen und der abflachende New Metal-Hype taten ihr Übriges. Von jenem mitbegründeten Sound distanzierte sich Dez anschließend mit Devildriver bewusst, während der Rest der Band mit erfolglosen neuen Projekten wie Glass Piñata oder Machine Gun Orchestra in die Röhre schauen durfte.

Und nun? New Metal it is again! Oder meinetwegen auch Spooky Core, wie Fans der ersten Stunde die Musik des L.A.-Vierers einst betitelten. Das alte Kriegsbeil innerhalb der Band wurde begraben und seit der Reunion Show von vor vier Jahren auf dem Soundwave-Festival strahlen sich zumindest drei Augenpaare aus dem originalen Line-Up wieder freudig an. Bassistin Rayna, die damals nach der dritten Platte Dark Days die Segel strich um sich Kind, Kegel und Christus zu widmen, ist bei der Reinkarnation nicht am Start. Wohl aber ihre Nachfolgerin Nadja Peulen. Soweit zum Personal.

Und die Musik auf Rivals? Ist eigentlich exakt wie die auf seinem direkten Vorgänger: Druckvoll, böse, düster, monströs und… mächtig einfallslos bis uninspiriert. Aber das war im Grunde genommen ja auch schon beim Debut der Fall. Was da allerdings anders war und Coal Chamber reichlich zu Gute kam, war zum einen die absolute Unverbrauchtheit ihres reduzierten und rohen Sounds, den seinerzeit sonst eigentlich nur KoЯn in ähnlicher Art und Weise lieferten und zum anderen die schrille Optik à la Marilyn Manson. Mag letzteres zu Beginn der New Metal-Ära noch relativ unausgelutscht gewesen sein, beweist ein Blick in die aufgedunsenen und verbrauchten Gesichter der Musiker, dass damit heutzutage kaum noch ein Blumentopf zu gewinnen sein dürfte. Lässt man derartige und altersgeschuldete Oberflächlichkeiten mal links liegen und konzentriert sich auf das Wesentliche, kommt trotzdem zum gleichen Schluss: Der Originalitätsfaktor ist dahin und längst überstrapaziert.

Das ist eigentlich richtig Schade, hatten Coal Chamber 1999 unter den Fittichen von Josh Abraham mit dem elektronisch angehauchten und etwas melodischeren Chamber Music doch mal ein richtig starkes Album abgeliefert. Eine Messerspitze von dessen Experimentierfreudigkeit hätte sicher auch Rivals nicht geschadet. Mag es in Sachen Soundästhetik zwar rocken wie der Teufel und auch stimmlich beeindrucken, bleibt das Songwriting weitestgehend auf der Strecke – zu transparent, austauschbar, stumpf und plump eben. Darüber kann weder der durchaus gelungene Vorbote I.O.U. Nothing, noch das Al Jourgensen-Feature in Suffer in Silence hinwegtäuschen. Ein Jammer, denn Rivals ist wirklich kein schlechtes Album. Leider aber ein belangloses. Doch wie schon gesagt: Das ist bei dieser Band ja nichts neues… Fans des Vorgängers dürften demnach mit Rivals ebenso glücklich werden, wie solche von Groove-betontem Metal der Marke Soulfly oder Ektomorf. Hätte ich jetzt nicht gebraucht. Kann man aber machen. Derartige Videos jedoch nicht:

I.O.U. Nothing

Suffer in Silence (feat. Al Jourgensen)

Anspieltipps: I.O.U. Nothing, Another Nail The Coffin, Rivals

Rivals im Stream:

Rivals gibt es beim Label beispielsweise auf goldenem Vinyl!

Released: 22.05.2015 via Napalm Records

Horch, von fern ein leiser Harfenton!

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Allerortens stehen neue Platten samt zugehöriger Vorabhörproben in den Startlöchern. Sieben Schmuckstücke für euch in alphabetischer Reihenfolge:

Coal Chamber

Unlängst reunited, war ein neues Album der New Metal – Mitbegründer Coal Chamber quasi vorprogrammiert.  Der bereits hörbare Opener I.O.U. Nothing macht deutlich, dass die Band so stumpf und banal klingt wie eh und je. Mir macht das ja irgendwie trotzdem ein bisschen Spaß… muss aber jeder für sich wissen. Nur für die Optik sollten sie sich (nach wie vor??? I don’t think so!) etwas schämen…

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Rivals ist ab dem 19.05.2015 erhältlich und hier z.B. als limitiertes Vinyl vorbestellbar. Desweiteren gibt es da demnächst auch eine Tour mit Soil und American Head Charge, welche die Band u.a. auch mal wieder nach Deutschland führt.

Faith No More

Das es so etwas wie New Metal überhaupt gibt, darf man wohl u.a. auch den Crossoverinitiatoren Faith No More in die Schuhe schieben. Die zeigen sich ebenfalls reunited, optisch ähnlich unköstlich (ja, auch die schon fast erschreckend lang fortwährende Schönheit eines Mike Patton scheint allmählich nachzulassen), wissen aber selbstredend ein ganz anderes musikalisches Niveau zu bedienen. Das lies die erste Kostprobe Motherfucker bereits erahnen und wird nun von Superhero bestätigt, dass tatsächlich auch vom 97er Album of the Year hätte stammen können:

Still kinda badass! Sol Invictus wurde das neue Werk getauft und ist ebenfalls ab dem 19.05.2015 zu haben. Im Juni auch auf deutschen Bühnen! Dürfte sich immer noch schwer lohnen!

Godzilla Was A Friend Of Mine

Dicke Bassdrum, knarzige Bassline: Godzilla Was A Friend Of Mine bashen den Pelican mit Schellenkränzen. Und das verhältnismäßig dirty! Man scheint bei Ghost City Recordings ganze Arbeit geleistet zu haben. Der Track wurde gestern über das (wahlweise) gratis Mixtape#2 des Pylon-Netzwerks rausgeballert:

10 Songs sind gerade auf dem Weg ins Presswerk! Freu mich schon darauf das Ding der Würzburger in die Finger zu bekommen! Du hast schon richtig gelesen…

MC Rene

Tragisch wie der Tod von MC Rene. Ist MC Rene tot? Nee!
Nun also doch wieder MC! Die Vagabundenzeit in deutschen ICEs scheint vorbei und das am morgigen Freitag erscheinende Album Renessance, welches durch die Beats von Carl Crinx quasi ins Leben gerufen wurde, könnte die Platte sein, die man immer von Reen hätte hören wollen. Davon zeugten bereits der Track Mein Leben ist ein Freestyle, die Facebook-Hörproben-Sessions sowie das aktuelle Doppel(kinn)video zu Zurück zum Minimum/Kein Glanz:

Statt nervigen Jiggybeats und albernem Rappergetue, wie das bei Reen auf Scheiß auf euren Hip Hop (2002) oder Der letzte Marokkaner (2005) gerne mal der Fall war, wartet das neue Werk allem Anschein nach vermehrt mit Oldschoolattitude à la A Tribe Called Quest oder De la Soul auf. Will heißen: Der ehemalige Mixery Raw Deluxe – Moderator scheint sich nun endlich auf seine Stärken besonnen zu haben. Dazu gibt es Featuregäste wie Toni L oder Retrogott! Könnte tatsächlich bocken! Reen ist btw. seit heute auch auf einwöchiger Tour! Wer kann: Hingehen!! Live macht der bekanntlich ja immer(noch) am meisten Spaß!

Rick Tick Evil

Unglaublich! Auch das in Insiderkreisen bereits als das „Chinese Democracy von Unterfranken“ gehandelte und vor wenigstens vier Jahren angekündigte Debut von Rick Tick Evil wird ab dem 14.03.2015 via CD den Weg in die Gehörgänge finden, wenn die Rockfrüchtchen zusammen mit den Kendolls im Immerhin wüten. Rockröhrengalore würde die Mainpost wohl sagen, aber ich sag dazu: Fruchtalarm! Eine erste Verköstigung gibt es mit einem Auszug des Titeltracks We’ll take it from here:

More to come!

Wino & Conny Ochs

Du weißt nicht um wen es sich bei Wino & Conny Ochs handelt? Schäm dich! Der Song Shards lässt keinen Zweifel daran, dass das Soulpower-Duo mit Freedom Conspiracy direkt an Heavy Kingdom (2012) anknüpft. Ab dem 27.03.2015 auf Vinyl und CD bei Exile on Mainstream erhältlich!

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Der Wolf

Das beste kommt natürlich zum Schluß! Ein Update aus dem Wolfsbau! Leute, der Ultimative Lover ist dran! Das gibt’s doch garnicht! Der Wolf – GTI ist kurz vor der Zielgeraden!! Ich erwarte: Einfach nur schöne Musik, einfach nur schöne Musik!!!

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Der Elementree ist cool (XXXisql009)

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As found on elementree.com – Courtsey of Elementree/Reprise

 

1998: Korn werfen ihren dritten Longplayer Follow the Leader auf den Markt und befinden sich auf dem Rockstarolymp. Spätestens jetzt ist man vom gefeierten Szenestar zum MTV-Darling mutiert. Und was macht man als solcher? Klar: Ein eigenes Label gründen natürlich! Schließlich weiss man ja am besten, was die Leute hören wollen und was sich gut verkauft. Was sich in der Theorie absolut schrecklich anhört, erwies sich in der Realität allerdings als durchaus reizvoll.

Ob absichtlich oder nicht: Das Korn Label Elementree präsentierte von 1998 bis 2006 Künstler, die sowohl musikalisch als auch optisch und thematisch eine ähnliche Kerbe beackerten (der eigentliche Grundgedanke hinter der Idee eines Labels…). Nun gut, bei einer mikrigen Anzahl von nur 3 Acts dürfte das allerdings ein nicht allzu schwieriges Unterfangen gewesen sein…

Fälschlicherweise werden die Elementreekünstler dank ihrer New Metal – Ziehväter oft in eben diesen Kontext gestopft, wo sie musikalisch aber eigentlich nicht wirklich hingehören. Zwar hat man auch bei Elementree tief in den Schminktopf gegriffen und mit K-razy Bühnenoutfits, Instrumenten und Frisuren herumexperimentiert, doch hatte das Ganze einen unübersehbaren Sci-Fi-Anstrich, der sich auch deutlich in der Musik der kalifornischen Bands niederschlug: Futuristische Texte treffen auf sehr synthie- und samplelastige Gitarrenmusik, die größtenteils wohl eher im Industrial/Glam Bereich anzusiedeln ist.

Nix groß am Hut also mit bebasecapten Midtwenties die ihre Teenageangst stolz auf der Brust tragen? Ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Machen wir uns also gefasst auf ein Namedropping der üblichen Verdächtigen, wenn wir Orgy, Videodrone und Deadsy mal etwas näher beleuchten!

 

ORGY
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Photo by Joseph Cultice – Courtsey of Elementree/Reprise

Die ersten im Bunde sind zeitgleich auch die bekanntesten und erfolgreichsten aus dem Elementree-Stall. Das Debutalbum Candyass aus dem Jahre 1998 entpuppte sich  zumindest in den Staaten als Platin-seller. Neben der Tatsache sowohl die erste Band auf dem Korn-Label (inklusive Teilnahme an der ersten Family Values Tour) gewesen zu sein, wird dieser Umstand auch oft der bekannten Coverversion des New Order Klassiker Blue Monday zugeschoben. Ein zusätzliches Feature mit Jonathan Davis auf dem Track Revival und auch die stilistische Nähe zum fast zeitgleich erschienenen Mechanical Animals von Marilyn Manson machten dann den öffentlichen Eindruck der Nachahmerband ohne eigene Identität perfekt.

Obwohl man erst nach Fertigstellung des Debüts die Bühne erklomm, waren die Orgy-Mitglieder bei weitem keine unbeschriebenen Blätter mehr. So war Fronter Jay Gorden der Legende nach sowohl Bassist bei Deadsy, als auch Mitglied der New Metal Pos(t)er Boys Crazy Town und irgendwie auch mit den Sunnyboys von Lit verbandelt. Auch die erste Coal Chamber – Platte ging zu großen Teilen auf seine Kappe. Der Produzentensessel wurde jedoch zeitweise mit Engineer Amir Derakh geteilt, früherer Gitarrist der stylebewussten Rough Cutt und späterer Kollege bei Orgy am ähöm: G-Synth. Gitarrist Ryan Shuck, ehemaliges Bandmitglied von Davis‚ erster Kapelle Sex Art komplettierte dann alsbald den kreativen Kern von Orgy.

Zusammen mit Basser Paige Haley und Drummer Bobby Hewit warf man dann mit erwähntem Candyass und dem 2000er Zweitling Vapor Transmission zwei Full-Length Alben übers Korn-Label in die Welt, welche mich auch heute noch umblasen. Jeder Track hat seine Daseinsberechtigung und Füllmaterial sucht man vergeblich. ( Aber dazu mehr in den Reviews zu Candyass und Vapor Transmission).

Obwohl man ab 2000 eine komerziellere Richtung anpeilte, blieben die Verkaufszahlen dennoch hinter den Erwartungen zurück (für Gold sollte es dennoch reichen). Die erste Single Fiction (dreams in digital) schlug sich zwar recht ordentlich, doch zur zweiten Auskopplung gabs dann nicht mal mehr ein Musikvideo, geschweige denn große Promotion. Probleme mit dem Label wurden publik und Bobby verließ die Band, um die es dann erstmal still wurde.

2004 raufte man sich dann mitsamt Bobbster doch nochmal für Punk Statik Paranoia zusammen. Doch sowohl das selten hässliche Artwork, als auch die mikrigen 9 Tracks machten irgendwie den Eindruck, dass da nicht mehr so viel Bock vorhanden ist. In Deutschland kam das Teil schon gleich garnicht mehr in den Handel und das neue Label D1, betrieben von Jay Gordon und dessen Vater war noch schneller wieder in der Versenkung veschwunden als man schauen konnte. An und für sich ist das Album nicht mal übel, doch steht es in Sachen Klasse, Hitdichte und Wiedererkennungswert in keiner Relation zu den grandiosen Vorgängern.  Auch der versuchte Imagewechsel, nachzusehen im Clip zur Single Vague stand ihnen meiner Meinung nach nicht sonderlich gut zu Gesicht.

Kurz danach gab es noch die von Fans unterstützte DVD Trans Global Spectacle (die in meinem Kopf btw. als grauenhaft vermerkt ist) und eine erneute Sendepause die bis 2012 andauern sollte. Ryan und Amir vertrieben sich die Zeit einerseits mit ihrer neuen, noch heute aktiven Band Julien K, sowie dem Linkin Park Spin-off Dead by Sunrise von Chester Bennington. Als die Band bereits von sämtlichen Fans abgeschrieben war, begann 2010 eine köstliche öffentliche Schlammschlacht zwischen Ryan/Amir vs. Jay, als letzterer bekannt gab er wolle das Orgyding wieder vorantreiben, allerdings ohne seine alten Weggefährten. Nachzulesen in Facebookpostings der Herren Shuck, Derakh und Gordon. Sehr unterhaltsam das Ganze!

Das neue Orgy – Lineup hat gleich 2 ehemalige Deadsy – Mitglieder an Board, mit Grime of Century einen okayen Song samt fürchterlichem Video veröffentlicht, die erste US Tour bereits hinter sich und arbeitet momentan an einem neuen Release. Mal die Platte abwarten, aber ich glaub ich bin dann raus…

Das alte Zeug zähle ich aber immernoch zu meinen All-time-favourites! Checkt mal:

Stitches

 

VIDEODRONE
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Photo by Jeff Jones – Courtsey of Elementree/Reprise

Das zweite Elementree-Signing hört auf den Namen Videodrone und hatte schon vor seinem selbstbetitelten Debut eine beachtliche Geschichte vorzuweisen. So formierte sich der Kern der Band bereits 1988 unter dem Namen Cradle of Thorns und veröffentlichte neben dem durchaus hörbarem Gothic/Rock Release Remember it Day zwei fast unerträgliche Alben über Triple X (ein Label welches schon Jane’s Addiction oder Social Distortion Starthilfe gab). Die Platten Feed Us und Download This lassen zwar schon die Experimentierfreudigkeit erkennen, die Videodrone später mal so interessant machen sollte, doch geht die Produktion auf keine Kuhhaut, erkennt man kaum Songs in dem wirren Brei, ist die Stimme der ehemaligen Co-Sängerin Tamara Slayton jenseits von Gut und Böse, nerven die Interludes und Noisecollagen die jeden Anflug von Stimmung sofort im Keim ersticken. Aber davon kann sich gerne jeder selbst ein Bild machen.

Beheimatet im kalifornischen Bakersfield ist ihre Nähe zu Korn bzw. Davis‚ Vorgängerband Sexart damit auch schon geklärt. Die Kleinstadtrocker waren nämlich schon früh connected. Bezeichnend auch der Umstand, dass Johnny Boy ursprünglich zum C.O.T. / Videodrone Frontmann Ty Elam aufblickte:

„Ty was the one who first inspired me to sing. When I was in my first Band Sex Art, Ty would always come out and sing the Song ‚Sex Art‘ with me. I had no idea how to sing when I first joined that band. I just watched what he did.“ (J.Davis 1999 während des Videoshoots zu ‚Ty Jonathan down‚)

Witzig, wenn man bedenkt, dass man Videodrone später eher in die Korn-Nachahmer Schublade steckte. Als Korn dann ihr Label am Start hatten, war es dann natürlich Ehrensache ihre alten Homies zu unterstützen und das ging sogar über den Plattendeal hinazs. Als Produzent agierte nämlich kein geringerer als Kornbassist und Rock‘ n Roll Gangster Fieldy, der im Übrigen durch seine Cradle of Filth – Scherze den Anstoß zur Namensänderung gab. Doch auch damit noch nicht genug Starthilfe von Papa Korn: Brian „Head“ Welch gab bei  Power Tool for Girls noch eine Schippe seines Könnens hinzu und Davis bereicherte mit eben schon erwähntem Ty Jonathan Down sowohl den Opener als auch einzigen Videoclip der Band mit seiner Person (traurigerweise ist der Song auch gerade deshalb ihr bekanntester). Zudem wurde man  auf die ausgedehnte Rock is Dead Tour von Korn und Rob Zombie eingeladen und übernahm mit Jesus (Lord of the Apes) auch gleich noch einen Song der Korn-Vorgängerband L.A.P.D.

Bei soviel Unterstützung sollte man meinen, man sei glücklich mit seinem Label gewesen. War man zu Beginn wohl auch, doch wurde im Nachhinein eher Kritik am Label ausgeübt: So habe man den Fehler gemacht mit Faceplant die softeste Nummer als Single auszukoppeln, die Maxi-CD zum zwar bestehenden Videoclip Ty Jonathan Down nie veröffentlicht zu haben und auch nicht genug Geld bereit gestellt habe um genügend Shirts zu produzieren, geschweige denn überhaupt Promotion für das Album gemacht zu haben. Nachdem man dann 2000 von Reprise gekickt wurde, warf man dann  ziemlich schnell komplett das Handtuch.

2008 hatte dann auch Ty ein Jay Gordon – ähnliches Syndrom, als auch er seine alte Band unter dem Namen Cradle of Thorns wiederbelebte. Ebenfalls ohne auch nur einen seiner früheren Mitmusiker dabei zu haben versteht sich. Ausser einer völlig unbeachteten Online – Single namens All over again trug das Projekt bis heute keine weiteren Früchte und es ist wohl auch unwahrscheinlich, dass da noch etwas kommen wird.

Während Drummer Kris Kohls, als Drummer von Adema (witzigerweise bekannt dafür durch den Halbbruder von Jonathan Davis gefrontet zu werden und  das hässlichste EP-Cover der Welt verschuldet zu haben) weiterhin tourt, ist der Rest der Band nach diversen Projekten mittlerweile ganz von der Bildfläche verschwunden.

Und das ist sehr Schade. Denn der einzige Release von Videodrone ist und bleibt eines der besten und innovatisten Alben die je im New Metal Dunstkreis entstanden sind. Das Material ist zwar zu Beginn etwas zäh und sperrig, doch wenn die Songs sich einmal geöffnet haben, erschließt sich einem deren Brillianz. Doch mehr dazu im Review.

Ich würde jetzt nicht soweit gehen und Videodrone uneingeschränkt jedem empfehlen, denn das was die Jungs seinerzeit geschaffen haben ist schon Special-Interest-Kram und damit auch nicht jedermanns Sache. Allerdings liegt im Falle von Videodrone ein echter Geheimtip für Leute die nach Neuem und Ungehörtem suchen vor.

Dass Videodrone von der Öffentlichkeit als eines der schlimmsten New Metal Verbrechen ever angesehen werden, dürfte nicht zuletzt an der selten albernen Perfomance ihrers Videoclips liegen, in dem sie darüber hinaus eh nur die zweite Geige spielen nicht. Schafft man es aber sich da durchzubeissen und sich nicht abschrecken zu lassen, kann man ein wirklich tolles Album entdecken:

 

Ty Jonathan Down

 

DEADSY
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Courtsey of Elementree/Reprise

Die dritten und letzten Elementree-Schützlinge sind bei mir so ein Zwischenfall. Zwar steh ich ultra auf diese ganze Bubblegumoptik die die Jungs seinerzeit abgezogen haben und finde auch die musikalische Grundausrichtung durchaus fresh. Doch leider mangelt es den Kollegen meiner Meinung nach einfach an Hits um mich auch auf Albumlänge zu überzeugen.

Hier und da gibt es sehr gute Tracks wie das absolut grandiose The Key to Gramercy Park (siehe auch Clip unten), Winners oder Time, die jedoch inmitten von drögem, uninspiriertem Songbrei allein auf weiter Flur stehen. Sound, Stimme und Image sind toll, doch an packendem Songwriting hapert es dann doch (siehe auch Commencement Review).

Die als Kunstprojekt angelegte Band um Phillips Exeter Blue I, (seines Zeichens Sohn von Pop-Ikone Cher), hatte bereits vor ihrem Majoreinstieg ein selbstbetiteltes Independent Debut vorzuweisen, das heutzutage allerdings nur noch schwer zu bekommen ist. Dreimal darf man nun raten welcher bekannte New Metal – Star sich auf Sleepy Hollow, dem letzten Titel der Scheibe die Ehre gab: Klar, der dicke Johnny natürlich! Dürfte bei dem einen oder anderen Kazaa-Jünger auch noch als Korn & Marilyn Manson – Blair Witch auf dem Rechner gammeln…

Wem übrigens der Name des Sängers Phillips Exeter Blue schon merkwürdig erscheint, dem seien doch auch noch andere Namen des Deadsy-Revolving-Door-Lineups ans Herz gelegt: Alec Püre, Dr. Nner, Creature, The Beast, oder Carlton Megalodon. Letzterer übrigens an der ähöm: Z-tar.

Mitlerweile liegt auch diese Band auf Eis. Weder das Indiedebüt, Commencement, der Nachfolger Phantasmagore von 2007, geschweige denn die Pushingversuche aus dem Hause Korn und Limp Bizkit vermochten es den Deadsyzug ins rollen zu bekommen. Vor allem Fred Durst prophezeite der Band damals eine große Zukunft und kürte Commencement anno 2002 zu seinem Lieblingsalbum. Der einzig ordentliche Clip mit Budget wurde dann auch vom Microphone Abuser-Himself auf die Beine gestellt, ist in Deutschland aber leider nur mit Hilfe des allseits beliebten Proxytricks geniessbar. Wer bei dem Song übrigens genau hinhört wird auch hier once again Jonathan Davis im Background erkennen können. Voila:

The Key to Gramercy Park

Yau, echt schade, dass da nichts mehr geht bei Elementree… Homepage ist down seit 2007 und ein wirkliches Statement zum Ableben gab es meines Wissens nach auch nicht, dürfte aber nicht zuletzt mit der stetig sinkenden Korn-Nachfrage zusammenhängen. Hätte mich schon stark interessiert wie die für Elementree angekündigten Releases von The Drama, Marz oder RBX sich im Katalog gemacht hätten…
Nachvollziehbar ist der Schlussstrich anhand der letztlich mageren Verkaufszahlen allerdings schon und vielleicht nach dem „Klasse statt Masse“– Prinzip sogar gerechtfertigt. Gerade deshalb nämlich verbleibt mir dieses Label wohl auch mit wonnigem Gefühl im Gedächtnis, auch wenn ich die geschminkten Buben in ihren PVC Anzügen schon etwas vermisse…