Review: RFA – Symptome Der Schmutzwelt (2018)

artwork: KURA Design

Man mag von Falk Schacht ja halten was man will, zugute halten aber muss man ihm sein offenes Ohr für den Underground. Die Falk Schacht Show im BR stellt jedenfalls zwischen Neuerscheinungen von etablierten Künstlern auch regelmäßig hörenswerte Geheimtipps aus dem Rapsektor vor. So  auch kürzlich erst geschehen mit RFA aus Erfurt, deren Erstveröffentlichung Symptome Der Schmutz-welt nichts weniger als eine kleine Offenbarung ist.

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Review: Nico Suave – Unvergesslich (2015)!

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Massive Töne, Creutzfeldt Jakob, Fünf Sterne, Eimsbush, Stieber Twins, Freundeskreis, Sleepwalker, Das Bo, Die Beginner, Sam, Töpfe und Eins Zwo: Alleine im Titeltrack hagelt es allerfeinstes Namedropping, welches passend zur A-N-N-A zitierenden Hook an die Goldenen Zeiten des deutschen Rap erinnert. Der Protagonist Nico Suave hat sie schließlich miterlebt. Debattiert man aber über die großen Namen jener Zeit, wird er gerne mal vergessen.

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Seit 2015 arbeitet er nun daran, genau dass zu ändern. Nicht mehr Vergesslich sondern Unvergesslich möchte er sein. Das Resultat ist ein Album, das entgegen seinem drögen Vorgänger tatsächlich Mit Liebe Gemacht ist. Das ist unüberhörbar. Seitens der Instrumentalisierung ist das mit Live-Musikern produzierte Werk nämlich auf äußerst hohem Niveau. Sehr lebendig und mit viel Liebe zum Detail wird zwischen Vintage, 60s, Soul, Indie und ja, auch ein bisschen Hip Hop hin- und hergependelt.

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as found on: nicosuave.de

Auch auf textlicher Ebene wollen, zu lässig unaufgeregtem Rap- Flow, unterschiedlichste Facetten ausgelotet werden. Statt zu spitten und representen möchte Suave den Hörer dabei emotional abholen und ist daher sehr auf Inhalte bedacht. Macht als Vater und Familienmensch  schließlich Sinn. Vom Stolpern und Scheitern wird da erzählt. Oder über  den eigenen Ziehsohn Avi.

So weit, so gut, so akzeptabel bis spannend. Wären da doch nur nicht die Refrains. Suave nämlich steht auf große, gesungene Hooks. Da ihm nach eigener Aussage aber das Talent dazu fehlt, werden diese kurzerhand von diversen Featuregästen beigesteuert. Das funktioniert mal besser, wie mit Matteo Capreoli im Opener Hochhinaus und mal schlechter, wie mit Nosliw. So Sieht’s Aus.

Die absolute Pathos-Klatsche bekommt der Zuhörer dann aber ausgerechnet mit der Nervensäge Xavier Naidoo verpasst. Und das gleich doppelt. Der Typ scheint leider Gebor’n dafür zu sein, zumindest mir allerhand deutsche Hip-Hop Tracks durch sein Zutun zu vermiesen. Geht die erste der beiden Nummern mit zugedrücktem Auge noch einigermaßen klar, muss ich bei der zweiten aber dann doch entschieden ‚Nein Danke‚ sagen. Immerhin: Gentleman und Patrice bleiben einem als weitere obligatorisch-nervtötende Gäste erspart und mit Samy Deluxe gibt es auf Walking sogar ein gelungenes zu verbuchen. Traut Suave sich wie auf der Trennungs-Schnulze Die Art dann doch mal, selbst eine Hook zu übernehmen, ist das Feature-Desaster umso bedauerlicher. Kommt nämlich definitv besser:

Wer den Oldschool-Backpack-Suave von Sternzeichen Krebs, Mutter Natur oder dem Debüt erwartet, wird auf Unvergesslich nicht bedient. Die Zielgruppe hat sich geändert und ich z.B. bin nicht mehr wirklich Teil davon. Ein Ohr kann man sicher trotzdem mal riskieren, denn schlecht gemacht ist die Platte wirklich nicht. Wie gesagt: Da steckt Mühe drin und das merkt man auch.

So bleibt Unvergesslich zwar nicht Unverständlich aber eben auch nicht Unverzichtbar. Vor allem aber Geschmacksache.

Anspieltipps: Unvergesslich, Die Art, Walking

Unvergesslich im Stream:

Unvergesslich kann man für relativ stramme 19 Euro als Silberling erwerben.

Released: 20.02.2015 via Embassy of Music

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

Review: Prezident – Neueste Erkenntnisse vom absteigenden Ast

coverMan kann beim Anblick dieses hässlichen Covers eigentlich nix gutes erwarten. Sieht irgendwie aus wie das Artwork einer Deutschpunk Band aus den 80ern.

Tatsächlich verbirgt sich dahinter aber absolut spannender, authentischer, makaberer, zynischer und zudem literarisch hochwertiger Hip-Hop aus dem Jahre 2010.

 

 

Mit den abgebildeten Cartooncharakteren hat „Neueste Erkenntnisse vom absteigenden Ast“ glücklicherweise nichts am Hut. Die schwarzweiss Optik könnte jedoch nicht besser gewählt sein, fängt sie doch die erzeugte Stimmung perfekt ein:
Denn das hier ist (gerade für Deutschrapverhältnisse) durchweg richtig düster.

Schaut und hört man dann genauer hin, passt es zudem wie die Faust aufs Auge, dass alle abgebildeten Szenen sich „Unter Tage“ abspielen. Denn R.A.G. sind hier ebenso als Referenz zu nennen, wie auch Creutzfeldt & Jakob, deren bester Track „Anfangsstadium“ dann auch gleich treffsicher in „Weltfremd“ verbaut wurde:

Im Anfangsstadium befindet sich Prezident ebenso wenig wie er weltfremd ist. Zwar gilt der Wuppertaler Germanistik- und Geschichtsstudent noch immer als Geheimtip, doch ist der absteigende Ast bereits sein 3. Longplayer und das aktuelle Album „Kunst ist eine besitzergreifende Geliebte“ in aller Munde. Richtig so! Auch wenn er das mit dem Erfolg eher in bester Huss & Hodn Manier angeht:

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Das Rad erfindet Prezident zwar nicht neu, aber eine Ausnahmeerscheinung sowie eine absolute Empfehlung stellt er, jeglichem Artworkproblem, dem Künstlernamen oder der abschreckende Musikbezeichnung „Whiskeyrap“ zum Trotze, definitv dar!

Bis auf den Ausrutscher „Höllenritt“ eine sehr stimmige Platte, die Fans der bisher genannten Künstler und meinetwegen auch Curse, durchaus ansprechen sollte!

Die schönsten Tracks:

Paranoia III

Unwohl

Links von der Pforte der Hölle

Mise en Abyme

Als wollte Gott uns ersaufen

Tracklist:

01. Als wollte Gott uns ersaufen (mit Antagonist)
02. Flaschenöffner
03. Weltfremd
04. Paranoia III (mit Chaomonga & Mythos)
05. Höllenritt (mit Gaggball)
06. Der talentierte Mister Prezident
07. Tattoo (mit Antagonist und Eks & Hop)
08. Unwohl
09. Links von der Pforte der Hölle
10. Mise en Abyme
11. Gänsehaut
12. Retardierendes Moment
13. Es heisst, dass sie heiss ist

 Released: 06.Dezember 2010 via Homepage

Und das beste zum Schluss: Die Platte kann man komplett kostenlos und legal über seine Website beziehen! (Wie auch den empfehlenswerten Rest seiner Discographie)

Na dann mal los!