Der Liberated Tape Archive-Channel ist cool (XXXisql111)

Auf der Suche nach verwackelten Videoaufnahmen mit bescheidener Tonqualität von mehrheitlich verblichenen Nu-MetalActs??? You search no longer…  Der neue YouTube-Channel LIBERATED TAPE ARCHIVE ballert seit kurzem C.O.N.T.E.N.T am Fließband und ein Ende der Fahnenstange scheint noch lange nicht erreicht. Weiterlesen

Review: Deadsy – Commencement (2002)

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Artwork by Josh Gabbard

Dieses Album spricht mich optisch so unglaublich an. Dieses Album klingt so unglaublich gut. Dieses Album fängt so unglaublich stark an. Warum ist Commencement am Stück dann trotzdem so unglaublich langweilig?

Ich kann es mir kaum erklären. Die ersten beiden Songs Key to Gramercy Park und Winners sind krasse Hits. Absolut catchy und schwer aus dem Kopf zu bekommen. Brand New Love  und Mansion Love sind dann zumindest noch nett. Doch danach?

Nunja, es ist nicht unbedingt so, dass der Rest der Platte dann zwingend mies ist, aber das er nicht zwingend gut steht für mich ausser Frage. Zu langatmig und damit auch langweilig gestalten sich die noch verbleibenden 50(!) Minuten. Die Geschwindigkeit des ersten Tracks wird mit keinem der Stücke mehr erreicht und man schnarcht bei einem Tempo vor sich hin, das sogar weit unter Mid liegt.

Da nützt es leider auch nichts, dass als Gastmusiker mit Jay Gordon, Troy Van Leuween oder Jonathan Davis einige von mir geschätzte Persönlichkeiten am Start sind. Im Gegenteil: Geradezu nervige Stücke wie She likes Big Words oder Cruella sind zum Teil durch genannte Prominenz mitverschuldet worden. Die obligatorische 80er Jahre Coverversion im modernen Milleniumsgewand darf dann natürlich auch nicht fehlen. Allerdings geht mir Tom Sawyer schon im Original von Rush auf den Senkel und weder Deadsy noch Mindless Self Indulgence vermochten es meine Meinung daran zu ändern.

Musikalisch tropft das ganze Commencement – Klangbild nur so vor daumendicken Synthies,futuristischen Z-tars, knarzenden Bässen und hat einen unüberhörbaren 80s-touch. Klanglich in eine fette Josh Abraham/Jay Baumgardner-Produktion eingebettet, kann mich der Sound voll und ganz überzeugen. Wären doch nur die Songs besser….

Bei Kritikern und auch bei der Zielgruppe blieb Commencement eher unbeachtet und fuhr dann auch eher schlechte Kritiken ein. Leider kann ich mich da nur anschliessen. Warum ich dann überhaupt über diese Platte schreibe? Weil ich sie so gern lieben würde. Weil ich sie so gern in den Händen halte. Weil The Key to Grammercy Park ein Über-Hit ist. Weil diese Band an sich soviel Potential hatte. Weil vielleicht andere das in der Platte erkennen, was sie seinerzeit zum Lieblingsalbum eines gewissen Fred Durst machte.

 

The Key to Gramercy Park

Brand New Love



Tracklist:

  1. The Key to Gramercy Park
  2. Winners
  3. Brand New Love
  4. Mansion World
  5. Lake Waramaug
  6. The Elements
  7. Flowing Glower
  8. Future Years
  9. She Likes Big Words
  10. Cruella
  11. Seagulls (The Macroprosopus)
  12. Le Cirque En Rose (Obsolescence)
  13. Tom Sawyer
  14. Commencement

Commencement kann man komplett auf Spotify streamen oder für 0,77 € an Amazon sein Eigen nennen. Gibt da wohl auch verschiedene Coverversionen bei der die Farben des Gartenteichs variieren. Mein Exemplar ist dunkelblau, hab ich aber auch schon in weiß, hellblau oder rot gesehen.Tracks sind aber meines Wissens nach überall gleich. Catch em all! Oder so…

Released: 14. Mai 2002 via Elementree/Dreamworks

Der Elementree ist cool (XXXisql009)

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As found on elementree.com – Courtsey of Elementree/Reprise

 

1998: Korn werfen ihren dritten Longplayer Follow the Leader auf den Markt und befinden sich auf dem Rockstarolymp. Spätestens jetzt ist man vom gefeierten Szenestar zum MTV-Darling mutiert. Und was macht man als solcher? Klar: Ein eigenes Label gründen natürlich! Schließlich weiss man ja am besten, was die Leute hören wollen und was sich gut verkauft. Was sich in der Theorie absolut schrecklich anhört, erwies sich in der Realität allerdings als durchaus reizvoll.

Ob absichtlich oder nicht: Das Korn Label Elementree präsentierte von 1998 bis 2006 Künstler, die sowohl musikalisch als auch optisch und thematisch eine ähnliche Kerbe beackerten (der eigentliche Grundgedanke hinter der Idee eines Labels…). Nun gut, bei einer mikrigen Anzahl von nur 3 Acts dürfte das allerdings ein nicht allzu schwieriges Unterfangen gewesen sein…

Fälschlicherweise werden die Elementreekünstler dank ihrer New Metal – Ziehväter oft in eben diesen Kontext gestopft, wo sie musikalisch aber eigentlich nicht wirklich hingehören. Zwar hat man auch bei Elementree tief in den Schminktopf gegriffen und mit K-razy Bühnenoutfits, Instrumenten und Frisuren herumexperimentiert, doch hatte das Ganze einen unübersehbaren Sci-Fi-Anstrich, der sich auch deutlich in der Musik der kalifornischen Bands niederschlug: Futuristische Texte treffen auf sehr synthie- und samplelastige Gitarrenmusik, die größtenteils wohl eher im Industrial/Glam Bereich anzusiedeln ist.

Nix groß am Hut also mit bebasecapten Midtwenties die ihre Teenageangst stolz auf der Brust tragen? Ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Machen wir uns also gefasst auf ein Namedropping der üblichen Verdächtigen, wenn wir Orgy, Videodrone und Deadsy mal etwas näher beleuchten!

 

ORGY
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Photo by Joseph Cultice – Courtsey of Elementree/Reprise

Die ersten im Bunde sind zeitgleich auch die bekanntesten und erfolgreichsten aus dem Elementree-Stall. Das Debutalbum Candyass aus dem Jahre 1998 entpuppte sich  zumindest in den Staaten als Platin-seller. Neben der Tatsache sowohl die erste Band auf dem Korn-Label (inklusive Teilnahme an der ersten Family Values Tour) gewesen zu sein, wird dieser Umstand auch oft der bekannten Coverversion des New Order Klassiker Blue Monday zugeschoben. Ein zusätzliches Feature mit Jonathan Davis auf dem Track Revival und auch die stilistische Nähe zum fast zeitgleich erschienenen Mechanical Animals von Marilyn Manson machten dann den öffentlichen Eindruck der Nachahmerband ohne eigene Identität perfekt.

Obwohl man erst nach Fertigstellung des Debüts die Bühne erklomm, waren die Orgy-Mitglieder bei weitem keine unbeschriebenen Blätter mehr. So war Fronter Jay Gorden der Legende nach sowohl Bassist bei Deadsy, als auch Mitglied der New Metal Pos(t)er Boys Crazy Town und irgendwie auch mit den Sunnyboys von Lit verbandelt. Auch die erste Coal Chamber – Platte ging zu großen Teilen auf seine Kappe. Der Produzentensessel wurde jedoch zeitweise mit Engineer Amir Derakh geteilt, früherer Gitarrist der stylebewussten Rough Cutt und späterer Kollege bei Orgy am ähöm: G-Synth. Gitarrist Ryan Shuck, ehemaliges Bandmitglied von Davis‚ erster Kapelle Sex Art komplettierte dann alsbald den kreativen Kern von Orgy.

Zusammen mit Basser Paige Haley und Drummer Bobby Hewit warf man dann mit erwähntem Candyass und dem 2000er Zweitling Vapor Transmission zwei Full-Length Alben übers Korn-Label in die Welt, welche mich auch heute noch umblasen. Jeder Track hat seine Daseinsberechtigung und Füllmaterial sucht man vergeblich. ( Aber dazu mehr in den Reviews zu Candyass und Vapor Transmission).

Obwohl man ab 2000 eine komerziellere Richtung anpeilte, blieben die Verkaufszahlen dennoch hinter den Erwartungen zurück (für Gold sollte es dennoch reichen). Die erste Single Fiction (dreams in digital) schlug sich zwar recht ordentlich, doch zur zweiten Auskopplung gabs dann nicht mal mehr ein Musikvideo, geschweige denn große Promotion. Probleme mit dem Label wurden publik und Bobby verließ die Band, um die es dann erstmal still wurde.

2004 raufte man sich dann mitsamt Bobbster doch nochmal für Punk Statik Paranoia zusammen. Doch sowohl das selten hässliche Artwork, als auch die mikrigen 9 Tracks machten irgendwie den Eindruck, dass da nicht mehr so viel Bock vorhanden ist. In Deutschland kam das Teil schon gleich garnicht mehr in den Handel und das neue Label D1, betrieben von Jay Gordon und dessen Vater war noch schneller wieder in der Versenkung veschwunden als man schauen konnte. An und für sich ist das Album nicht mal übel, doch steht es in Sachen Klasse, Hitdichte und Wiedererkennungswert in keiner Relation zu den grandiosen Vorgängern.  Auch der versuchte Imagewechsel, nachzusehen im Clip zur Single Vague stand ihnen meiner Meinung nach nicht sonderlich gut zu Gesicht.

Kurz danach gab es noch die von Fans unterstützte DVD Trans Global Spectacle (die in meinem Kopf btw. als grauenhaft vermerkt ist) und eine erneute Sendepause die bis 2012 andauern sollte. Ryan und Amir vertrieben sich die Zeit einerseits mit ihrer neuen, noch heute aktiven Band Julien K, sowie dem Linkin Park Spin-off Dead by Sunrise von Chester Bennington. Als die Band bereits von sämtlichen Fans abgeschrieben war, begann 2010 eine köstliche öffentliche Schlammschlacht zwischen Ryan/Amir vs. Jay, als letzterer bekannt gab er wolle das Orgyding wieder vorantreiben, allerdings ohne seine alten Weggefährten. Nachzulesen in Facebookpostings der Herren Shuck, Derakh und Gordon. Sehr unterhaltsam das Ganze!

Das neue Orgy – Lineup hat gleich 2 ehemalige Deadsy – Mitglieder an Board, mit Grime of Centur