Review: Zikade – Salzgeschichten (2015)

a2769246469_16Nicht einmal ein Jahr ist es her, da hat der aus Berlin stammende Ausnahmemusiker Zikade mit Das Ende der Beschwerde ein  beachtenswertes wie verschrobenes Debut hingezimmert. Nun werden die Salzgeschichten erzählt, genauer gesagt schon seit einigen Wochen und wissen es, durch ungeahnte Aufgeräumtheit und wohltuenden Raum, das Herz mit anderen Worten und neuen Weiten zu bewerfen.

 

Alles anders also… aber immernoch surreal. Das weiß schon der Opener, der den Hörer gerne mit Pop-Appeal umgarnt und trotzdem nicht darum verlegen ist, freche, synthetische Wellen aufzutürmen. Wellen, die auch das Meer aus Gras im nachfolgenden Jung wiegen. Wer die aufrichtig zarte Melancholie dieses Tracks nicht fühlt, braucht den restlichen Salzgeschichten wohl kaum weitere Beachtung zu schenken. Wer hingegen gefühlsmäßig an Board ist, wird mit Zikade bereitwillig vom Ufer ablegen, an dem einst ein Hafen stand und durch den restlichen Tag gemeinsam schaukeln wollen. Im Sonnenlicht. Sich die Augen Pink pinseln lassen und die Lippen solange im satten Grün wälzen, bis der Mund zum Schlachtfeld wird. Die Möglichkeiten hat man schließlich. Der Teufel hat’s gesagt. Der Teufel hat gefragt.

Zikade antwortet mit einem unheimlich intensiv knisternden wie emotionalen Liebesalbum. Die auf dem Vorgänger recht dominanten Samples, sucht man bis auf dezent verhaltene Beats vergeblich. Psychedelisch angehauchte Gitarrenklänge dominieren das Klangbild, werden von warmen Bässen gestützt. Gemeinsam verlieren sie sich in Schall und Rauch. Wer jetzt an Fanta 4 denkt, wird sich bei den Sprechgesangseinlagen von Einfach umso mehr am Tag am Meer wähnen. Über allem webt das veruchrauchte Stimmorgan der Zikade immernoch polarisierende Lyrik, die sicher auch diesmal nicht nur auf Zuspruch treffen dürfte. Pseudointellektuell schimpfen Kritiker so etwas gerne, was hier aber keineswegs geltend gemacht werden darf. Tatsächlich transferiert die kryptisch komplexe Wortwahl die Musik perfekt auf die Textebene, zeugt von großer Weitsicht und ist zudem oftmals schonungslos ehrlich. Man muss sich nur darauf einlassen können und die Zeit mitbringen, welche die Salzgeschichten sich nehmen.

Irgendwo zwischen Tom Waits, Portishead, Beck, Selig, Neubauten, Marlene Dietrich, Pink Floyd, Singer-Songwritertum und Unerhörtem ist das Endprodukt sicherlich und unbedingt als mutig einzustufen. Noch mutiger dürfte es allerdings sein, sich absolute Hits wie Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten oder das schmutzige Warnlicht entgehen zu lassen.

Für mich jedenfalls eine der innovativsten Platten der letzten Monate! Serious!
Jeder weiss Bescheid was zu tun ist, oder?

Anspieltips: Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten, Warnlicht, Alles anders

Albumstream:

Die Salzgeschichten lassen sich für 10€ über bandcamp beziehen.

Released: 29.07.2015 via bandcamp

Der Elcunorix ist cool (XXXisql049)

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„Sagt mal, fresst ihr das Zeug!?“ – Den erbosten Gesichtsausdruck meines Vaters, mit welchem er mir und meinem Geschwisterchen Ende der 90er eine erst kürzlich erworbene und bereits geleerte Duschgelflasche unter die Nase hielt, fand ich damals ja schon fast ein wenig übertrieben. Gut, unser Verschleiß an hochwertigen Scheuer- und Reinigungsmitteln, die wir zur täglichen Hygiene verwendeten, mag in der Tat schon abseits der gängigen Norm gewesen sein (jedenfalls von meiner Seite aus), was des Vaters Zorn ja auch irgendwie rechtfertigte. Das Zeug aber per os einverleiben? Nein! Das erschien mir bislang als absolut unlogisch.

Jedenfalls bis Anfang diesen Jahres. Da nämlich hat ElcurinaHausmarke der bekannten Supermarktkette Norma – neue Duschgelsorten für Kinder ins Sortiment aufgenommen.

 

Ich war natürlich sofort vom pinken „Prinzessin“ – Duschgel, mit den Glitzersternchen angetan. Auch das blaue, mit Silbertalern gespickte Duschgel „Pirat“ übte auf mich als One Piece – Fan und Jack Sparrow – Double einen ebenso unwiderstehlichen Reiz aus. Fazit: Ein prickelnder Spaß, der wohlriechende Düfte garantiert und funkelnde Fundstücke in Bart- und Haupthaar nicht ausschließt! Nicht mehr aber auch nicht weniger!

Anders allerdings beim Fruchtzaubershampoo Elcunorix. Die grüne Plastikflasche mit dem Merlinverschnitt hat mich ja zuerst noch am wenigsten angemacht. Ist bei besagtem Artikel ja noch nicht einmal ein künstlicher Glitzerzusatz enthalten. Die Neugierde, das Sortiment komplett zu erfahren zwang mich dennoch zum Kauf. Und siehe da: Der Elcunorix hat mich tatsächlich verzaubert!

Ich nutze seinen Zauber jedoch nicht zur blossen Haarpflege, sondern vor allem als Elexier für heisse Vollbäder. Dabei meine ich stets in Erdbeerjoghurt zu treiben, kommt der Geruch doch ziemlich nah an geschmacksverstärkte, durch Milchsäurebakterien verdickte Milch mit dem Geschmack der Fragaria daher.

Da keimt in mir unweigerlich der Wunsch auf, die Unterstellung meines Vaters von damals doch noch baldmöglichst in die Tat umzusetzen…