MAJOR UPDATE!

Durchatmen… gleich wird es viel zu viel auf einmal, weil hier viel zu viel verpasst wurde aber viel zu viel passiert ist. Deshalb hier die absolute Vollbedienung um die mauen Blog-Wochen etwas wettzumachen. Vollgas: Weiterlesen

Review: Nico Suave – Unvergesslich (2015)!

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Massive Töne, Creutzfeldt Jakob, Fünf Sterne, Eimsbush, Stieber Twins, Freundeskreis, Sleepwalker, Das Bo, Die Beginner, Sam, Töpfe und Eins Zwo: Alleine im Titeltrack hagelt es allerfeinstes Namedropping, welches passend zur A-N-N-A zitierenden Hook an die Goldenen Zeiten des deutschen Rap erinnert. Der Protagonist Nico Suave hat sie schließlich miterlebt. Debattiert man aber über die großen Namen jener Zeit, wird er gerne mal vergessen.

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Seit 2015 arbeitet er nun daran, genau dass zu ändern. Nicht mehr Vergesslich sondern Unvergesslich möchte er sein. Das Resultat ist ein Album, das entgegen seinem drögen Vorgänger tatsächlich Mit Liebe Gemacht ist. Das ist unüberhörbar. Seitens der Instrumentalisierung ist das mit Live-Musikern produzierte Werk nämlich auf äußerst hohem Niveau. Sehr lebendig und mit viel Liebe zum Detail wird zwischen Vintage, 60s, Soul, Indie und ja, auch ein bisschen Hip Hop hin- und hergependelt.

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Auch auf textlicher Ebene wollen, zu lässig unaufgeregtem Rap- Flow, unterschiedlichste Facetten ausgelotet werden. Statt zu spitten und representen möchte Suave den Hörer dabei emotional abholen und ist daher sehr auf Inhalte bedacht. Macht als Vater und Familienmensch  schließlich Sinn. Vom Stolpern und Scheitern wird da erzählt. Oder über  den eigenen Ziehsohn Avi.

So weit, so gut, so akzeptabel bis spannend. Wären da doch nur nicht die Refrains. Suave nämlich steht auf große, gesungene Hooks. Da ihm nach eigener Aussage aber das Talent dazu fehlt, werden diese kurzerhand von diversen Featuregästen beigesteuert. Das funktioniert mal besser, wie mit Matteo Capreoli im Opener Hochhinaus und mal schlechter, wie mit Nosliw. So Sieht’s Aus.

Die absolute Pathos-Klatsche bekommt der Zuhörer dann aber ausgerechnet mit der Nervensäge Xavier Naidoo verpasst. Und das gleich doppelt. Der Typ scheint leider Gebor’n dafür zu sein, zumindest mir allerhand deutsche Hip-Hop Tracks durch sein Zutun zu vermiesen. Geht die erste der beiden Nummern mit zugedrücktem Auge noch einigermaßen klar, muss ich bei der zweiten aber dann doch entschieden ‚Nein Danke‚ sagen. Immerhin: Gentleman und Patrice bleiben einem als weitere obligatorisch-nervtötende Gäste erspart und mit Samy Deluxe gibt es auf Walking sogar ein gelungenes zu verbuchen. Traut Suave sich wie auf der Trennungs-Schnulze Die Art dann doch mal, selbst eine Hook zu übernehmen, ist das Feature-Desaster umso bedauerlicher. Kommt nämlich definitv besser:

Wer den Oldschool-Backpack-Suave von Sternzeichen Krebs, Mutter Natur oder dem Debüt erwartet, wird auf Unvergesslich nicht bedient. Die Zielgruppe hat sich geändert und ich z.B. bin nicht mehr wirklich Teil davon. Ein Ohr kann man sicher trotzdem mal riskieren, denn schlecht gemacht ist die Platte wirklich nicht. Wie gesagt: Da steckt Mühe drin und das merkt man auch.

So bleibt Unvergesslich zwar nicht Unverständlich aber eben auch nicht Unverzichtbar. Vor allem aber Geschmacksache.

Anspieltipps: Unvergesslich, Die Art, Walking

Unvergesslich im Stream:

Unvergesslich kann man für relativ stramme 19 Euro als Silberling erwerben.

Released: 20.02.2015 via Embassy of Music

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

Review: Ferris MC – Glück Ohne Scherben (2015)!

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Als Aggro Berlin und Konsorten noch in den Kinderschuhen steckten, hörte der unange-fochtene Bad Boy des Deutschrap auf den Namen Ferris MC. Als Mitbegründer von F.A.B. fest in der Szene verankert, war er nach deren Split als Solokünstler eine der zentralen Figuren im Hype um die Hamburger Mongo Clikke. Neben unzählbaren Features (u.a. Afrob, Spezializtz, Eins Zwo, Such A Surge, Absolute Beginner, Samy Deluxe…) und geschickt ge- streuten Skandälchen, festigte sich sein Assi-Image vor allem durch seine erste EP Asimetrie.

Derart roughes hatte man bis dato in Hip-Hop-Deutschland noch nicht vernommen. Zumindest nicht aus dem Mainstream. War dieser Output von 1999 gleich ein absoluter Volltreffer, kann man selbiges von seinen Nachfolgern nicht sagen. Lässt man die Platten Fertich! (2001), Audiobiography (2003) und seine letzte, selbstbetitelte von 2004 nämlich noch einmal Revue passieren, entsteht ein mehr oder weniger zerfahrener Eindruck. Gelungene Hits wie Flash For Ferris MC oder Zur Erinnerung stehen im starken Kontrast zu poppig-schäbigen Drogenhymnen oder unsäglichen Pseudo-Crossover-Nummern. Unweigerlich zeichnen genannte Alben also das Bild eines Künstlers, der seinen Schaffensdrang nicht so recht in Szene zu setzen weiß. Das sollte sich 2006 ändern, als Sascha Reimann beschloss sein Alter-Ego Ferris MC zugunsten von Elektronik und Schauspiel an den Nagel zu hängen. Gerade letzteres Metier sollte ihm gut stehen. Seine Leistung in den Filmen Für Den Unbekannten Hund und 12 Meter Ohne Kopf überzeugte. Absolut.

Retrospektiv erscheint der nächste Schritt, der darauf folgen sollte, eigentlich schon fast als unumschiffbare Konsequenz. Denn wo wäre man mit einem gesunden Faible für Elektronik, Theatralik und überspitzter Selbstdarstellung besser aufgehoben als bei den Buds von Deichkind? Die bieten seinerzeit nicht nur genügend Spielraum um sich auszutoben, sondern befinden sich dank dem Überraschungshit Remmidemmi Anfang 2008 gerade noch im zweiten Frühling und haben darüber hinaus, nach dem Abgang von Malte Pittner und Buddy Inflagranti, vor allen Dingen dringenden Auffüll-Bedarf was das Lineup betrifft. In Zusammenarbeit gelingt der neuerstärkten Konstellation das vortreffliche Arbeit Nervt (2008), der okaye Befehl Von Ganz Unten (2015) sowie das dürftige Niveau Weshalb Warum (2015).

Feiert man derartig große Erfolge wie es Reimann mit Deichkind nunmehr seit Jahren tut, ist der Ego-Push gewissermaßen vorprogrammiert. Bonzenbrother und Reimemonster zu sein, ist plötzlich wieder lukrativ und spätestens nach dem Live-Comeback mit Stamm-DJ Stylewarz auf dem Splash 2013 ist klar: Ein neues Ferris MC – Album soll her.

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Soweit die Theorie. Und was kann Glück Ohne Scherben, der Rücktritt vom Rücktritt nun? Nicht viel… Zwar kreischen die Kettensägen auf All Die Schönen Dingen auch heute noch, sind dabei aber bisweilen geschmeidig zart auf den Luftbahn-Schienen unterwegs. Will heißen: Viel Billo- Pop, wenig Hip-Hop.

Ist das an sich ja noch einigermaßen nachvollziehbar, stößt es bei mir auf blankes  Unverständnis, dass der gefürchtete Pseudo-Crossover eine gleich dreifache Renaissance erfährt.  Mal ist es der Eminem-Wannaba-Promi-Diss Roter Teppich, mal die bemühte Otto-Waalkes-Flachwitz-Aufbereitung Monstertruck oder aber, in besonders lächerlicher Art und Weise, die Erhobene-Zeigefinger-Pose gen Rap-Nachwuchs (Kill Kill Kill), die einen Bauklötze staunen lassen. Im Feature bei letzterem übrigens Eko Fresh, der das Teil aber auch nicht mehr zu retten vermag. Gerade die Beiden können das bekanntlicherweise besser…

Apropos besser: Die Katzen/Kater – Thematik gab es mit Doppelkopf 1999 auch schon in gut. Mein Raumschiff legt derweil ne satte Bruchlandung hin und die Las Vegas-Zocker-Hymne Spieler bleibt so Plastik wie die Stadt selbst. Wenn Ferris dann gegen Ende der Platte Die Zahnfee mimt, fällt einem schließlich endgültig das sprichwörtliche Ei aus der Hose. Schrecklich:

Sollte es jemanden geben, der dieses Ungetüm von einem Comeback tatsächlich gewollt haben sollte, dem sei die Hook von Wenn Du Hast ans Herz gelegt: „Immer wenn du hast was du wolltest, ist es nicht mehr das was du wolltest.“ ‚Okay‘ sind lediglich Opener und Titeltrack. Doch selbst die sind verzichtbar.

Fazit : „Diese Geschichte hat [k]ein Happy End. Was bleibt sind Scherben ohne Glück. Fast wie früher eigentlich. Schade, denn sympathisch ist der Charakterkopf (no pun intended) an sich ja eigentlich immernoch…

Anspieltips: Fensterlose Zeit, Glück Ohne Scherben

Glück Ohne Scherben im Stream:

Glück Ohne Scherben kann man hier in verschiedensten Ausführungen erstehen. Zeitgemäß wird für besonders Hartgesottene natürlich auch ein Boxset mit (*hust*) Bandana angeboten.

Released: 29.05.2015 via Warner Music

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

Die-Coole-Deutschrap-Comeback-Superwoche!!!

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Was los Digger, Ahnma! Neben Spekulationen über eine mögliche Eins Zwo-Reunion (Gott bewahre, ich wäre gern weiterhin Fan…) steht konkreter das erste Beginner-Album seit 13 Jahren mit dem bedeutungsschwangeren Titel Advanced Chemistry zum 26.08.2016 ins Haus. Die zugehörige erste Single sollte mittlerweile jeder auf dem Schirm haben:

Kann man von den Feature-Gästen auch halten was man will, so bin ich für meinen Teil dennoch positiv überrascht, was die Qualität des Songs betrifft. Und das, wo ich die Band doch nach der Total-Katastrophe Blast Action Heroes bereits komplett abgeschrieben hatte. Bevor nun aber voreilige Schlüsse ob des neuen Outputs gezogen werden, nutzen wir doch lieber die einmalige Gelegenheit uns mit sieben Deutschrap-Comeback-Platten der jüngeren Vergangenheit vertraut zu machen. Sieben??? Heißt das etwa…

Aight! Eine neue Superwoche! Wie schon bei der letzten bedeutet das: Jeden Tag eine neue Platten-Besprechung. Und das man bei Ekelswörtern wie ‚Deutschrap‘ oder ‚Comeback‘ dabei nicht nur mit Rosinen konfrontiert wird, versteht sich von selbst. Ab morgen geht es los, Digger! Ahnma!