Review: (hed)p.e. – Self titled (1997)

Artwork by DJ Product

Das ganze Guitar meets Rap – Ding ist ja immernoch ein heikles Thema, läuft man bei dessen Gutheißung doch stets Gefahr lauthals ausgelacht zu werden – sofern man nicht gerade über die erste RATM oder den Judgment Night Soundtrack philosophiert. Crossover oder gar New Metal gilt im Volksmund als fürchterlich und das kann man dank solcher Genies wie den H-Blockxx, Infectious Grooves oder den unsäglichen Body Count auch wirklich niemandem übel nehmen.

 

Auch (hed)p.e. aus Hunntington Beach setzen – seit nunmehr schon über 10 Jahren – allem Anschein nach auch wirklich alles daran, damit dieser Ist-Zustand unverändert bleibt, wie solch aktuelle Beispiele zweifellos belegen. Schade eigentlich, denn es gab mal Zeiten, da war die Truppe bei Jive gesignt, stand p.e. noch für planetary evolution, nannte man den eigenen Musikstil noch G-Punk und warf man mit dem 97er Debut die vielleicht bestmögliche Variante aus Hip Hop und Rock auf den Markt (um diesen Titel ringt es meiner Meinung nach allenfalls noch mit dem Nachfolger Broke).

Kaum ein artverwandter Act vermochte es dabei vor allem den Hip Hop-Part derart gut zu verkörpern, wie es die Orginalbesetzung um M.C.U.D. seinerzeit tat. Dem konnte man damals – im Gegensatz zu Kollegen wie Freddy D – die MC-Nummer durchaus noch abnehmen. Dazu eine arschtighte, punktgenaue Rhythmusgruppe, ein perfekt aufeinander abgestimmtes Gitarrenduo, rougher DJ sowie Texte über UFOs, Marihuanakiffjoints und Bitches. Selten hörte man Menschen schöner gemeinsam musizieren!

Lieblingstrack und Herzstück der Platte bleibt für mich der Headnoder Darky  – mit spacigen Whammys und einer der dirtiest Basslines ever! Back in the days btw. auch live der Übershit! Damn, check out the colors man:

Ähnlich schmoove Ken 2012:

Weitere Knaller sind nicht schwer ausfindig zu machen, denn bis auf die letzten zwei bis drei Stücke überzeugt die Platte sonst auf ganzer Linie. Serpent Boy und das punkige Firsty dürfen sich desweiteren hervorhebungswürdig schimpfen lassen.

Mir bleibt nichts weiteres zu sagen, als das ich mich scheiße cool fühle wenn ich dieser Wahnsinnscheibe lausche. Ist und bleibt der Shit und somit dringende Empfehlung! Learn it! Love it! Um abschließend erneut Darky zu zitieren:

If I drop the bomb pick it up…

 

Ground

Interview

Albumstream

Schon ab einem Cent auf Amazon zu haben. Bei Mehrbedarf unbedingt die dem Debut vorrausgegange Demoscheibe Church of Realities auschecken! Wer es vermag, mir davon eine Hardcopy zu beschaffen, möge auf ewig gebenedeit unter den Frauen sein!

Released: 12.08.1997 via Jive

Der Chocolate starfish and the hotdog flavored water – Releaseparty ist cool (xxxisql037)

Artwork by Wes Borland

Thank u Lord! Da ist es! Was hab ich schon danach gesucht… Ein bereits verloren geglaubtes Relikt aus alten Tagen ist endlich aufgetaucht:

Der legendäre MTV-Bericht zur Releaseparty von Chocolate starfish and the hotdog flavored water aus dem Jahre 2000. Wahrscheinlich DER kommerzielle Höhe- und Wendepunkt des New Metal und deshalb natürlich nirgendwo besser abzuhalten als in der Playboy Mansion. Und alle waren sie da: Deftones, Methods of Mayhem, Rob Zombie & Spider 1 von Powerman 5000, Korn, Backstreet Boys, Incubus, Michael Kelso und Steven Hyde von der 70s Show, Wes Borland im Fantômas-Shirt… und und und… es ist fast wie im Traum!

Dazu gibt es Limp Bizkits Top MTV – Momente im Schnelldurchlauf und Fred Durst Galore im Überfluss:

This is not a test - This is reality !!!

Chocolate starfish and the hotdog flavored water ist natürlich auf Spotify abruf- oder auf dem Flohmarkt deines Vertrauens auffindbar:

Review: Failure – Magnified

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Artwork by Bruce Schwartz / Glen Wexler

Magnified ist das zweite Album von Failure und meiner Meinung nach auch gleichzeitig ihr bestes, auch wenn das entgegen der gängigen Fantastic Planet Verehrung gehen mag…

Im Gegensatz zu Fantastic Planet, braucht Magnified kaum Eingewöhnungszeit, sondern tut es dem Frosch auf dem Cover gleich und springt einen von der ersten Sekunde des Openers Let it Drip  direkt an.

 

Seit dem ersten Hördurchlauf, stellt diese Platte etwas mit mir an, was ich bis Heute schwer in Worte fassen kann. Eigentlich sollte ich geneigt sein, Magnified als weniger spektakulären Grunge abzutun… aber so einfach funktioniert das hier nicht… da ist noch irgendwas… das hat Soul! Das muss wohl an den Gitarren liegen, die einen ganz speziellen Tiefgang kreieren. Naja, man muss ja auch nicht immer alles zu Tode analysieren. Hört man sich Moth an, versteht man aber vielleicht trotzdem was ich meine:

Ist man jetzt noch nicht dabei, dann packt einen der Rest wohl auch nicht. Denn das Rezept bleibt immer das gleiche: verzerrte Bässe, angenehm unaufgeregte Stimme, die gerne mal an Kurt Cobain erinnert und mächtige, mächtige Gitarrenwände! Wird diese Grundformel im Großen und Ganzen zwar immer beibehalten, so hat die Band dennoch vor allem eines: gute Songs! In den ersten beiden Dritteln herrscht enorme Hitdichte!

Das von schiefen Gitarren dominierte Bernie,

die bittersüße Weltanschauung Wonderful Life,

und schließlich die clever gewählte Single Undone, beweisen das gleich mehrfach:

Gut, nach einem Knaller von diesem Kaliber geht dann halt auch garnichts mehr! Sämtliches Pulver ist somit verschossen und die drei abschliessenden Tracks hätte man eigentlich auch nicht mehr zwingend gebraucht. Aber gut: Mit 10 Tracks hat man das Album ja trotzdem kompakt gehalten.

Am Ende des Tages bleibt Magnified zwar auch „nur“ Gitarrenmusik, aber auch genau in der Art und Weise, wie sie sein sollte. Und sogar noch ein klein wenig mehr!

Um das zu erkennen, bedarf es auch keiner großen Anstrengungen, um abschließend Bernie zu zitieren:

"All we've got to do is just drop by"

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Undone

Tracklist:

01. Let it Drip
02. Moth
03. Frogs
04. Bernie
05. Magnified
06. Wonderful Life
07. Undone
08. Wet Gravity
09. Empty Friend
10. Small Crimes

Magnified kann man komplett auf Spotify streamen, oder gebraucht um die 15 Euro (zu Recht) auf den einschlägigen Portalen finden.

                                                                                         Released: 08. März 1994 via Slash

NACHTRAG: Das Teil wird doch tasächlich auf Vinyl re-released!

 

 

Review: Videodrone (1999)

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Artwork by Neil Kellerhouse/Steve Gerdes

Einer der hörenswerteren Exoten, den es im Zuge des New-Metal-Singning-Wahnsinns nach oben spülte hört auf den Namen Videodrone.

Doch abgesehen vom Umfeld, in welchem sich die Jungs bewegten, haben sie mit genanntem Style eigentlich wenig  am Hut. Mit Metal schon gleich gar nichts. Gitarren sind zwar vorhanden, doch dank massivem Effekteinsatz meist kaum mehr  als solche zu erkennen.

Überhaupt spielen hier nicht die, sondern die Elektronik von Rohan Cowden die tragende Hauptrolle. Man wird regelrecht von Samples, Keyboards und elektronischen Drumbeats zugebombt. Dadurch wird die Platte bei den ersten Durchläufen zwar etwas sperrig, aber gibt auf lange Sicht immer wieder neue Details preis, die es zu entdecken gilt.

Kann ich mir zwar gut vorstellen, dass das mit der Elektronik live sicher nicht allzu gut funktioniert haben dürfte, tut es das auf Platte jedenfalls absolut! Obwohl irgendwie schon glamourös, finde ich, dass Videodrone auch einen gewissen Gangsta-touch besitzt (kaum verwunderlich, bedenkt man, dass Rock n‘ Roll Gangster und Graphik-Genius Fieldy hier die Regler bediente). Dass Bild von dunklen U-Bahn-Schächten führt sich mir jedenfalls ebenso vor Augen wie das Ambiente einer öffentlichen Toilette, wie man sie aus Sabrina von den Neubauten her kennt. (Hängt natürlich auch mit den Bandfotos im Booklet zusammen…)
Die Gästeliste der Platte kann sich dabei für damalige Verhältnisse durchaus als hochkarätig schimpfen lassen. So stösst man schon innerhalb der ersten Sekunden auf das bekannte Stimmorgan von Korn-Sänger Jonathan Davis. (Sehr gewagter Einstieg für eine unbekannte Newcomerband…) Doch damit nicht genug, bei Human Piñata geben sich mit DJ Lethal und Fred Durst gleich 2/5tel von Limp Bizkit die Ehre.
Ein bisschen mehr Hip Hop gibt es dann mit Pig in a Blanket, welcher die Psycho Realm – Crew featured.

Hervorzuheben wären dann auf jeden Fall noch die hitverdächtige Songperle Faceplant,

Alone with 20 Bucks mit einer der sexiesten Basslines ever

oder L.S.D. (Lucifer’s Stained Dress) mit einer der dümmsten Textzeilen ever:

„So wake up take me in
I’m not Marilyn Manson
I’m just a guy who’s got it in for you.“

Das schmoove Closer to Coma, das hibbelige The Devil’s Sweepstakes – Videodrone kann besonders zu Beginn punkten! Da stört es auch nicht weiter, dass die letzten 2 bis 3 Songs nicht mehr so recht funktionieren wollen.

Fazit: Ich liebe diese Platte abgöttisch, würde sie aber nur bedingt weiterempfehlen da sie schon den Willen erfordert sich darauf einzulassen und somit etwas Zeit benötigt um zu zünden. Auch das näselnde Gequäke von Sänger Ty Elam ist sicher nicht jedermanns Sache (wobei das bei  Bands wie Smashing Pumpkins oder Placebo ja auch kaum jemanden zu stören scheint). Wer offen für Neues ist, sollte hier dringend mal ein Ohr riskieren. Ungehört! Ach ja, once again: Nicht von der Optik abschrecken lassen!

 

Ty Jonathan Down



Tracklist:

  1. Ty Jonathan Down
  2. Closer to Coma
  3. Alone with 20 bucks
  4. The Devil’s Sweepstakes
  5. Faceplant
  6. Human Piñata
  7. Pig in a Blanket
  8. L.S.D. (Lucifer’s Stained Dress)
  9. Ant in the Dope
  10. Power Tools for Girls
  11. Jesus (Lord of the Apes)
  12. C.O.B.

Videodrone kann man kostenlos und komplett auf Spotify streamen oder sich für einen Cent hinterherwerfen lassen.

 

Review: Deadsy – Commencement (2002)

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Artwork by Josh Gabbard

Dieses Album spricht mich optisch so unglaublich an. Dieses Album klingt so unglaublich gut. Dieses Album fängt so unglaublich stark an. Warum ist Commencement am Stück dann trotzdem so unglaublich langweilig?

Ich kann es mir kaum erklären. Die ersten beiden Songs Key to Gramercy Park und Winners sind krasse Hits. Absolut catchy und schwer aus dem Kopf zu bekommen. Brand New Love  und Mansion Love sind dann zumindest noch nett. Doch danach?

Nunja, es ist nicht unbedingt so, dass der Rest der Platte dann zwingend mies ist, aber das er nicht zwingend gut steht für mich ausser Frage. Zu langatmig und damit auch langweilig gestalten sich die noch verbleibenden 50(!) Minuten. Die Geschwindigkeit des ersten Tracks wird mit keinem der Stücke mehr erreicht und man schnarcht bei einem Tempo vor sich hin, das sogar weit unter Mid liegt.

Da nützt es leider auch nichts, dass als Gastmusiker mit Jay Gordon, Troy Van Leuween oder Jonathan Davis einige von mir geschätzte Persönlichkeiten am Start sind. Im Gegenteil: Geradezu nervige Stücke wie She likes Big Words oder Cruella sind zum Teil durch genannte Prominenz mitverschuldet worden. Die obligatorische 80er Jahre Coverversion im modernen Milleniumsgewand darf dann natürlich auch nicht fehlen. Allerdings geht mir Tom Sawyer schon im Original von Rush auf den Senkel und weder Deadsy noch Mindless Self Indulgence vermochten es meine Meinung daran zu ändern.

Musikalisch tropft das ganze Commencement – Klangbild nur so vor daumendicken Synthies,futuristischen Z-tars, knarzenden Bässen und hat einen unüberhörbaren 80s-touch. Klanglich in eine fette Josh Abraham/Jay Baumgardner-Produktion eingebettet, kann mich der Sound voll und ganz überzeugen. Wären doch nur die Songs besser….

Bei Kritikern und auch bei der Zielgruppe blieb Commencement eher unbeachtet und fuhr dann auch eher schlechte Kritiken ein. Leider kann ich mich da nur anschliessen. Warum ich dann überhaupt über diese Platte schreibe? Weil ich sie so gern lieben würde. Weil ich sie so gern in den Händen halte. Weil The Key to Grammercy Park ein Über-Hit ist. Weil diese Band an sich soviel Potential hatte. Weil vielleicht andere das in der Platte erkennen, was sie seinerzeit zum Lieblingsalbum eines gewissen Fred Durst machte.

 

The Key to Gramercy Park

Brand New Love



Tracklist:

  1. The Key to Gramercy Park
  2. Winners
  3. Brand New Love
  4. Mansion World
  5. Lake Waramaug
  6. The Elements
  7. Flowing Glower
  8. Future Years
  9. She Likes Big Words
  10. Cruella
  11. Seagulls (The Macroprosopus)
  12. Le Cirque En Rose (Obsolescence)
  13. Tom Sawyer
  14. Commencement

Commencement kann man komplett auf Spotify streamen oder für 0,77 € an Amazon sein Eigen nennen. Gibt da wohl auch verschiedene Coverversionen bei der die Farben des Gartenteichs variieren. Mein Exemplar ist dunkelblau, hab ich aber auch schon in weiß, hellblau oder rot gesehen.Tracks sind aber meines Wissens nach überall gleich. Catch em all! Oder so…

Released: 14. Mai 2002 via Elementree/Dreamworks

Der Elementree ist cool (XXXisql009)

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As found on elementree.com – Courtsey of Elementree/Reprise

 

1998: Korn werfen ihren dritten Longplayer Follow the Leader auf den Markt und befinden sich auf dem Rockstarolymp. Spätestens jetzt ist man vom gefeierten Szenestar zum MTV-Darling mutiert. Und was macht man als solcher? Klar: Ein eigenes Label gründen natürlich! Schließlich weiss man ja am besten, was die Leute hören wollen und was sich gut verkauft. Was sich in der Theorie absolut schrecklich anhört, erwies sich in der Realität allerdings als durchaus reizvoll.

Ob absichtlich oder nicht: Das Korn Label Elementree präsentierte von 1998 bis 2006 Künstler, die sowohl musikalisch als auch optisch und thematisch eine ähnliche Kerbe beackerten (der eigentliche Grundgedanke hinter der Idee eines Labels…). Nun gut, bei einer mikrigen Anzahl von nur 3 Acts dürfte das allerdings ein nicht allzu schwieriges Unterfangen gewesen sein…

Fälschlicherweise werden die Elementreekünstler dank ihrer New Metal – Ziehväter oft in eben diesen Kontext gestopft, wo sie musikalisch aber eigentlich nicht wirklich hingehören. Zwar hat man auch bei Elementree tief in den Schminktopf gegriffen und mit K-razy Bühnenoutfits, Instrumenten und Frisuren herumexperimentiert, doch hatte das Ganze einen unübersehbaren Sci-Fi-Anstrich, der sich auch deutlich in der Musik der kalifornischen Bands niederschlug: Futuristische Texte treffen auf sehr synthie- und samplelastige Gitarrenmusik, die größtenteils wohl eher im Industrial/Glam Bereich anzusiedeln ist.

Nix groß am Hut also mit bebasecapten Midtwenties die ihre Teenageangst stolz auf der Brust tragen? Ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Machen wir uns also gefasst auf ein Namedropping der üblichen Verdächtigen, wenn wir Orgy, Videodrone und Deadsy mal etwas näher beleuchten!

 

ORGY
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Photo by Joseph Cultice – Courtsey of Elementree/Reprise

Die ersten im Bunde sind zeitgleich auch die bekanntesten und erfolgreichsten aus dem Elementree-Stall. Das Debutalbum Candyass aus dem Jahre 1998 entpuppte sich  zumindest in den Staaten als Platin-seller. Neben der Tatsache sowohl die erste Band auf dem Korn-Label (inklusive Teilnahme an der ersten Family Values Tour) gewesen zu sein, wird dieser Umstand auch oft der bekannten Coverversion des New Order Klassiker Blue Monday zugeschoben. Ein zusätzliches Feature mit Jonathan Davis auf dem Track Revival und auch die stilistische Nähe zum fast zeitgleich erschienenen Mechanical Animals von Marilyn Manson machten dann den öffentlichen Eindruck der Nachahmerband ohne eigene Identität perfekt.

Obwohl man erst nach Fertigstellung des Debüts die Bühne erklomm, waren die Orgy-Mitglieder bei weitem keine unbeschriebenen Blätter mehr. So war Fronter Jay Gorden der Legende nach sowohl Bassist bei Deadsy, als auch Mitglied der New Metal Pos(t)er Boys Crazy Town und irgendwie auch mit den Sunnyboys von Lit verbandelt. Auch die erste Coal Chamber – Platte ging zu großen Teilen auf seine Kappe. Der Produzentensessel wurde jedoch zeitweise mit Engineer Amir Derakh geteilt, früherer Gitarrist der stylebewussten Rough Cutt und späterer Kollege bei Orgy am ähöm: G-Synth. Gitarrist Ryan Shuck, ehemaliges Bandmitglied von Davis‚ erster Kapelle Sex Art komplettierte dann alsbald den kreativen Kern von Orgy.

Zusammen mit Basser Paige Haley und Drummer Bobby Hewit warf man dann mit erwähntem Candyass und dem 2000er Zweitling Vapor Transmission zwei Full-Length Alben übers Korn-Label in die Welt, welche mich auch heute noch umblasen. Jeder Track hat seine Daseinsberechtigung und Füllmaterial sucht man vergeblich. ( Aber dazu mehr in den Reviews zu Candyass und Vapor Transmission).

Obwohl man ab 2000 eine komerziellere Richtung anpeilte, blieben die Verkaufszahlen dennoch hinter den Erwartungen zurück (für Gold sollte es dennoch reichen). Die erste Single Fiction (dreams in digital) schlug sich zwar recht ordentlich, doch zur zweiten Auskopplung gabs dann nicht mal mehr ein Musikvideo, geschweige denn große Promotion. Probleme mit dem Label wurden publik und Bobby verließ die Band, um die es dann erstmal still wurde.

2004 raufte man sich dann mitsamt Bobbster doch nochmal für Punk Statik Paranoia zusammen. Doch sowohl das selten hässliche Artwork, als auch die mikrigen 9 Tracks machten irgendwie den Eindruck, dass da nicht mehr so viel Bock vorhanden ist. In Deutschland kam das Teil schon gleich garnicht mehr in den Handel und das neue Label D1, betrieben von Jay Gordon und dessen Vater war noch schneller wieder in der Versenkung veschwunden als man schauen konnte. An und für sich ist das Album nicht mal übel, doch steht es in Sachen Klasse, Hitdichte und Wiedererkennungswert in keiner Relation zu den grandiosen Vorgängern.  Auch der versuchte Imagewechsel, nachzusehen im Clip zur Single Vague stand ihnen meiner Meinung nach nicht sonderlich gut zu Gesicht.

Kurz danach gab es noch die von Fans unterstützte DVD Trans Global Spectacle (die in meinem Kopf btw. als grauenhaft vermerkt ist) und eine erneute Sendepause die bis 2012 andauern sollte. Ryan und Amir vertrieben sich die Zeit einerseits mit ihrer neuen, noch heute aktiven Band Julien K, sowie dem Linkin Park Spin-off Dead by Sunrise von Chester Bennington. Als die Band bereits von sämtlichen Fans abgeschrieben war, begann 2010 eine köstliche öffentliche Schlammschlacht zwischen Ryan/Amir vs. Jay, als letzterer bekannt gab er wolle das Orgyding wieder vorantreiben, allerdings ohne seine alten Weggefährten. Nachzulesen in Facebookpostings der Herren Shuck, Derakh und Gordon. Sehr unterhaltsam das Ganze!

Das neue Orgy – Lineup hat gleich 2 ehemalige Deadsy – Mitglieder an Board, mit Grime of Century einen okayen Song samt fürchterlichem Video veröffentlicht, die erste US Tour bereits hinter sich und arbeitet momentan an einem neuen Release. Mal die Platte abwarten, aber ich glaub ich bin dann raus…

Das alte Zeug zähle ich aber immernoch zu meinen All-time-favourites! Checkt mal:

Stitches

 

VIDEODRONE
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Photo by Jeff Jones – Courtsey of Elementree/Reprise

Das zweite Elementree-Signing hört auf den Namen Videodrone und hatte schon vor seinem selbstbetitelten Debut eine beachtliche Geschichte vorzuweisen. So formierte sich der Kern der Band bereits 1988 unter dem Namen Cradle of Thorns und veröffentlichte neben dem durchaus hörbarem Gothic/Rock Release Remember it Day zwei fast unerträgliche Alben über Triple X (ein Label welches schon Jane’s Addiction oder Social Distortion Starthilfe gab). Die Platten Feed Us und Download This lassen zwar schon die Experimentierfreudigkeit erkennen, die Videodrone später mal so interessant machen sollte, doch geht die Produktion auf keine Kuhhaut, erkennt man kaum Songs in dem wirren Brei, ist die Stimme der ehemaligen Co-Sängerin Tamara Slayton jenseits von Gut und Böse, nerven die Interludes und Noisecollagen die jeden Anflug von Stimmung sofort im Keim ersticken. Aber davon kann sich gerne jeder selbst ein Bild machen.

Beheimatet im kalifornischen Bakersfield ist ihre Nähe zu Korn bzw. Davis‚ Vorgängerband Sexart damit auch schon geklärt. Die Kleinstadtrocker waren nämlich schon früh connected. Bezeichnend auch der Umstand, dass Johnny Boy ursprünglich zum C.O.T. / Videodrone Frontmann Ty Elam aufblickte:

„Ty was the one who first inspired me to sing. When I was in my first Band Sex Art, Ty would always come out and sing the Song ‚Sex Art‘ with me. I had no idea how to sing when I first joined that band. I just watched what he did.“ (J.Davis 1999 während des Videoshoots zu ‚Ty Jonathan down‚)

Witzig, wenn man bedenkt, dass man Videodrone später eher in die Korn-Nachahmer Schublade steckte. Als Korn dann ihr Label am Start hatten, war es dann natürlich Ehrensache ihre alten Homies zu unterstützen und das ging sogar über den Plattendeal hinazs. Als Produzent agierte nämlich kein geringerer als Kornbassist und Rock‘ n Roll Gangster Fieldy, der im Übrigen durch seine Cradle of Filth – Scherze den Anstoß zur Namensänderung gab. Doch auch damit noch nicht genug Starthilfe von Papa Korn: Brian „Head“ Welch gab bei  Power Tool for Girls noch eine Schippe seines Könnens hinzu und Davis bereicherte mit eben schon erwähntem Ty Jonathan Down sowohl den Opener als auch einzigen Videoclip der Band mit seiner Person (traurigerweise ist der Song auch gerade deshalb ihr bekanntester). Zudem wurde man  auf die ausgedehnte Rock is Dead Tour von Korn und Rob Zombie eingeladen und übernahm mit Jesus (Lord of the Apes) auch gleich noch einen Song der Korn-Vorgängerband L.A.P.D.

Bei soviel Unterstützung sollte man meinen, man sei glücklich mit seinem Label gewesen. War man zu Beginn wohl auch, doch wurde im Nachhinein eher Kritik am Label ausgeübt: So habe man den Fehler gemacht mit Faceplant die softeste Nummer als Single auszukoppeln, die Maxi-CD zum zwar bestehenden Videoclip Ty Jonathan Down nie veröffentlicht zu haben und auch nicht genug Geld bereit gestellt habe um genügend Shirts zu produzieren, geschweige denn überhaupt Promotion für das Album gemacht zu haben. Nachdem man dann 2000 von Reprise gekickt wurde, warf man dann  ziemlich schnell komplett das Handtuch.

2008 hatte dann auch Ty ein Jay Gordon – ähnliches Syndrom, als auch er seine alte Band unter dem Namen Cradle of Thorns wiederbelebte. Ebenfalls ohne auch nur einen seiner früheren Mitmusiker dabei zu haben versteht sich. Ausser einer völlig unbeachteten Online – Single namens All over again trug das Projekt bis heute keine weiteren Früchte und es ist wohl auch unwahrscheinlich, dass da noch etwas kommen wird.

Während Drummer Kris Kohls, als Drummer von Adema (witzigerweise bekannt dafür durch den Halbbruder von Jonathan Davis gefrontet zu werden und  das hässlichste EP-Cover der Welt verschuldet zu haben) weiterhin tourt, ist der Rest der Band nach diversen Projekten mittlerweile ganz von der Bildfläche verschwunden.

Und das ist sehr Schade. Denn der einzige Release von Videodrone ist und bleibt eines der besten und innovatisten Alben die je im New Metal Dunstkreis entstanden sind. Das Material ist zwar zu Beginn etwas zäh und sperrig, doch wenn die Songs sich einmal geöffnet haben, erschließt sich einem deren Brillianz. Doch mehr dazu im Review.

Ich würde jetzt nicht soweit gehen und Videodrone uneingeschränkt jedem empfehlen, denn das was die Jungs seinerzeit geschaffen haben ist schon Special-Interest-Kram und damit auch nicht jedermanns Sache. Allerdings liegt im Falle von Videodrone ein echter Geheimtip für Leute die nach Neuem und Ungehörtem suchen vor.

Dass Videodrone von der Öffentlichkeit als eines der schlimmsten New Metal Verbrechen ever angesehen werden, dürfte nicht zuletzt an der selten albernen Perfomance ihrers Videoclips liegen, in dem sie darüber hinaus eh nur die zweite Geige spielen nicht. Schafft man es aber sich da durchzubeissen und sich nicht abschrecken zu lassen, kann man ein wirklich tolles Album entdecken:

 

Ty Jonathan Down

 

DEADSY
Deadsy

Courtsey of Elementree/Reprise

Die dritten und letzten Elementree-Schützlinge sind bei mir so ein Zwischenfall. Zwar steh ich ultra auf diese ganze Bubblegumoptik die die Jungs seinerzeit abgezogen haben und finde auch die musikalische Grundausrichtung durchaus fresh. Doch leider mangelt es den Kollegen meiner Meinung nach einfach an Hits um mich auch auf Albumlänge zu überzeugen.

Hier und da gibt es sehr gute Tracks wie das absolut grandiose The Key to Gramercy Park (siehe auch Clip unten), Winners oder Time, die jedoch inmitten von drögem, uninspiriertem Songbrei allein auf weiter Flur stehen. Sound, Stimme und Image sind toll, doch an packendem Songwriting hapert es dann doch (siehe auch Commencement Review).

Die als Kunstprojekt angelegte Band um Phillips Exeter Blue I, (seines Zeichens Sohn von Pop-Ikone Cher), hatte bereits vor ihrem Majoreinstieg ein selbstbetiteltes Independent Debut vorzuweisen, das heutzutage allerdings nur noch schwer zu bekommen ist. Dreimal darf man nun raten welcher bekannte New Metal – Star sich auf Sleepy Hollow, dem letzten Titel der Scheibe die Ehre gab: Klar, der dicke Johnny natürlich! Dürfte bei dem einen oder anderen Kazaa-Jünger auch noch als Korn & Marilyn Manson – Blair Witch auf dem Rechner gammeln…

Wem übrigens der Name des Sängers Phillips Exeter Blue schon merkwürdig erscheint, dem seien doch auch noch andere Namen des Deadsy-Revolving-Door-Lineups ans Herz gelegt: Alec Püre, Dr. Nner, Creature, The Beast, oder Carlton Megalodon. Letzterer übrigens an der ähöm: Z-tar.

Mitlerweile liegt auch diese Band auf Eis. Weder das Indiedebüt, Commencement, der Nachfolger Phantasmagore von 2007, geschweige denn die Pushingversuche aus dem Hause Korn und Limp Bizkit vermochten es den Deadsyzug ins rollen zu bekommen. Vor allem Fred Durst prophezeite der Band damals eine große Zukunft und kürte Commencement anno 2002 zu seinem Lieblingsalbum. Der einzig ordentliche Clip mit Budget wurde dann auch vom Microphone Abuser-Himself auf die Beine gestellt, ist in Deutschland aber leider nur mit Hilfe des allseits beliebten Proxytricks geniessbar. Wer bei dem Song übrigens genau hinhört wird auch hier once again Jonathan Davis im Background erkennen können. Voila:

The Key to Gramercy Park

Yau, echt schade, dass da nichts mehr geht bei Elementree… Homepage ist down seit 2007 und ein wirkliches Statement zum Ableben gab es meines Wissens nach auch nicht, dürfte aber nicht zuletzt mit der stetig sinkenden Korn-Nachfrage zusammenhängen. Hätte mich schon stark interessiert wie die für Elementree angekündigten Releases von The Drama, Marz oder RBX sich im Katalog gemacht hätten…
Nachvollziehbar ist der Schlussstrich anhand der letztlich mageren Verkaufszahlen allerdings schon und vielleicht nach dem „Klasse statt Masse“– Prinzip sogar gerechtfertigt. Gerade deshalb nämlich verbleibt mir dieses Label wohl auch mit wonnigem Gefühl im Gedächtnis, auch wenn ich die geschminkten Buben in ihren PVC Anzügen schon etwas vermisse…