Review: A Tribe Called Quest – Midnight Marauders (1993)

XjWHsIz„His music and what he’s contributed is seismic and hard to measure. He’s affected us as much as he’s affected all of you,“ – Phife Dawg, in A Tribe Called Quests MC – Doppel das leicht quietschige Pendant zu Q-Tips Bass, ist am 23.03.2016 an den Folgen langjähriger Diabetis im Alter von 45 Jahren verstorben. Das Zitat stammt aus dem kürzlich veröffentlichten Presse – Statement seiner Tribe – Kollegen, das weiterhin verlauten lässt: „The fight for his joy and happiness gave him everything he needed.“

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Phife Dawg

Für Freude und Glückseligkeit kämpfte er auch mit A Tribe Called Quest auf insgesamt fünf Alben. Am meisten vielleicht auf dem letzten, The Love Movement von 1998. Am eindrucksvollsten aber sicherlich auf dem dritten, Midnight Marauders, das zumindest in meinem Bewusstsein als stärkste ihrer Scheiben manifestiert ist. Wo die, unter Fans scheinbar etwas beliebteren, Vorgänger People’s Instinctive Travels And The Paths of Rhythm (1990) und besonders The Low End Theory (1991) sich an vielen Stellen noch auf Abstraktheiten in Beats und Raps ausruhen, öffnet man sich 1993 zumindest partiell dem Mainstream.

Einladendere Grooves, griffigere Hooks, etwas funkier und tigher im Beat. Dazu ein erkennbar ausgefeilteres Gespür der Rapper für Prägnanz. Nicht zwingend in den Lyrics, die bewegen sich auch auf dieser Platte wie gehabt clever im Spannungsfeld zwischen Rassenfrage, Sex und Alltags – Struggle, sondern in der wesentlich fokusierteren Darbietung. Statt fleißig Part für Part aneinanderzureihen, umkreist sich das MC – Duo harmonisch und ergänzt sich mit fast blindem Verständnis auf Tracks wie The Chase Pt.2 oder Steve Biko (Stir It Up).

Am stärksten: Award Tour mit Trugoy The Dove von den ähnlich agierenden De La Soul im Chorus. Zurecht einer ihrer größten Hits, dessen Chartplatzierung (#47 in den Billboards) die Band auch nie wieder toppen sollte:

Und der merkwürdige Albumtitel? Wird am Ende des eben hervorgehobenen Tracks von der durch die Platte führenden Frauenstimme derart kryptisch erklärt, dass ich an dieser Stelle doch lieber den Erklärungsversuch von DJ Ali Shaheed Muhammad einschieben möchte:

"We decided to call the album 'Midnight Marauders' because 
A Tribe Called Quest are like sound thieves looting your ears."

Das Busta-Rhymes-Sample-gestützte Oh My God, das schmoove Sucka Nigga oder der düstere Halbtiteltrack Midnight bilden weitere Glanzlichter. Auch wenn mir persönlich Tracks wie das verspulte 8 Millions oder der schwache Abgang aus Lyrics To Go, God Lives Through und dem Bonus Track Hot Sex nicht sonderlich zusagen, bleibt Midnight Marauders trotzdem eines der stärksten und wichtigsten Alben aus dem Jazz – Rap – Fusion – Sektor. Innovativ, zeitlos und wegweisend. Letzteres darf sicher nicht nur für Ami – Acts geltend gemacht werden!

Phife Dawg – Rest In Power!

Anspieltipps: Award Tour, Sucka Nigga, We Can Get Down, Clap Your Hands

Midnight Marauders im Stream:

Den Klassiker gibt es hier zum fairen Preis auf Vinyl. Prima Einstieg in den Katalog der Band!

Released: 09.11.2016 via Jive

Review: (hed)p.e. – Broke (2000)

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Cuz everybody talking about that new sound crazy but it’s still hip hop to meTrue that! Ein großes Problem war glaube ich immer, dass man die Band vor allem aus dem Metal- und nicht aus dem Rapblickwinkel betrachtet hat. Auch auf dem zweiten und zeitgleich erfolgreichstem Output der Band überwiegen die Hip Hop Elemente. Würde Busta Rhymes mit Gitarren arbeiten, könnte das Endergebnis wohl wie Broke klingen (auch wenn die traurige Wirklichkeit dieser Vorstellung da bekanntermaßen anders ausfällt…).  Im Vergleich zum Debut hat man im Sound arg ausgemistet und den Fokus auf die Vocals gelegt. Gemäßigter und präziser sind die Songs. Songs? Genau, auf Broke gibt es richtige Songs. Hits. Mit klar definierten Strukturen, catchy Refrains und dem wahrscheinlich knackigsten Gitarrensound der Jahrtausendwende!

Vom Opener Killing Time über Feel God (feat. Serj Tankian von SOAD, sowie Morgan Lander von Kittie) bis hin zur kleinen Erfolgsingle Bartender, herrscht auf der ersten Albumseite erstmal nonstop Partystimmung, die dann in der unverschämt guten Biggy-Hommage Crazy Legs gipfelt!

 (hed) p.e. oh can’t you see? Sometimes your shit just hypnotize me

Hypnotisch gut wird es dann tatsächlich beim elektronisch, experimentellen Pac Bell, ehe dann doch noch ein wenig Füllmaterial durchsuppt. Jesus (of Nazareth) beispielsweise wirkt durch theatralische Kornanleihen gerade auf textlicher Basis etwas albern. Live trotzdem dope! Zum Abschluss kommt dann noch das wunderschön poppige Stück The Meadow beinahe ein wenig Peppers-like daher. Klasse Abgang einer starken Platte, die MTV eigentlich hätte lieben müssen und Limp Bizkit und Konsorten auch aus heutiger Sicht locker in den Schatten stellt.

Leider die letzte Großtat dieser Band, die in der Phase des Nachfolgealbums Blackout (2003) zuerst Richtung Mainstream schielte, danach von Jive gedropped wurde und daraufhin allmählich in ihre Bestandteile zerfallen sollte.

Der traurige Rest von hed, bestehend aus Jahred, Mawk und DJ Product ist noch bis heute mit leichtem Revolving-Door-Lineup aktiv. Die Alben Only in Amerika (2004) und Back to Base X (2006) können zumindest partiell überzeugen, wenn man die Sache mit Humor nimmt und sich nicht zu arg an den hirnrissigen Texten stört. Heute ist von den früheren Glanztaten allerdings wenig bis nichts übrig geblieben. Wenn sie nicht gerade Bob Marley covern, gleicht das was die Jungs jetzt treiben oft eher einer schlechten Bad Brains meets Suicidal Tendencies – Parodie und macht einen in großer Regelmäßigkeit einfach nur noch fassungslos. Live dennoch auf absurde, unerklärliche Art und Weise irgendwie unterhaltsam… muss an den Ansagen liegen…

Was die anderen ehemaligen Mitglieder heute so treiben? Gitarrist Westyle war danach lange live bei Korn, mehr oder weniger hinter dem Vorhang aktiv und betreibt neuerdings ein Programm Namens Rock Solid Recovery, bei dem es darum geht Junkies mit Hilfe von Musik von der Sucht zu befreien.

Chizad, ebenfalls Gitarre, war später bei Human Lab und Duress tätig. Heute spielt er noch vereinzelt Acoustic-Shows. Sowohl mit Partner bei The Pharmacy Keys, als auch solo. Genannte Solosongs kann man sich btw. hier umsonst downloaden.

Drummer B.C. blieb meines Wissens nach dem Split musikalisch inaktiv und fährt nun viel Quad mit seinen Söhnen…

Die neue Platte Evolution ist btw. seit einigen Tagen auf dem Markt (diesmal auch Minus DJ Product…) und klingt so.

Bartender

Killing Time



The Meadow

Interview 2001 mit Chizad + Mawk

Albumstream

Wer Broke nicht nur streamen, sondern gleich in physikalischer Form sein Eigen nennen möchte, wird auf amazon schon für wenige Cent fündig… Lohnt sich hier übrigens richtig, da sich auf der Scheibe noch ein Promovideo über die Entstehung der Platte und der Bonustrack Bad Dream befindet. Allem Anschein nach auch auf Vinyl zu haben… aber mir leider noch nie untergekommen… Außerdem auch immer die Augen nach der Meadow-Single offen halten. Mit 2 leckeren Liveversionen von Firsty und Bartender!

Released: 22.08.2000 via Jive

Review: (hed)p.e. – Self titled (1997)

Artwork by DJ Product

Das ganze Guitar meets Rap – Ding ist ja immernoch ein heikles Thema, läuft man bei dessen Gutheißung doch stets Gefahr lauthals ausgelacht zu werden – sofern man nicht gerade über die erste RATM oder den Judgment Night Soundtrack philosophiert. Crossover oder gar New Metal gilt im Volksmund als fürchterlich und das kann man dank solcher Genies wie den H-Blockxx, Infectious Grooves oder den unsäglichen Body Count auch wirklich niemandem übel nehmen.

 

Auch (hed)p.e. aus Hunntington Beach setzen – seit nunmehr schon über 10 Jahren – allem Anschein nach auch wirklich alles daran, damit dieser Ist-Zustand unverändert bleibt, wie solch aktuelle Beispiele zweifellos belegen. Schade eigentlich, denn es gab mal Zeiten, da war die Truppe bei Jive gesignt, stand p.e. noch für planetary evolution, nannte man den eigenen Musikstil noch G-Punk und warf man mit dem 97er Debut die vielleicht bestmögliche Variante aus Hip Hop und Rock auf den Markt (um diesen Titel ringt es meiner Meinung nach allenfalls noch mit dem Nachfolger Broke).

Kaum ein artverwandter Act vermochte es dabei vor allem den Hip Hop-Part derart gut zu verkörpern, wie es die Orginalbesetzung um M.C.U.D. seinerzeit tat. Dem konnte man damals – im Gegensatz zu Kollegen wie Freddy D – die MC-Nummer durchaus noch abnehmen. Dazu eine arschtighte, punktgenaue Rhythmusgruppe, ein perfekt aufeinander abgestimmtes Gitarrenduo, rougher DJ sowie Texte über UFOs, Marihuanakiffjoints und Bitches. Selten hörte man Menschen schöner gemeinsam musizieren!

Lieblingstrack und Herzstück der Platte bleibt für mich der Headnoder Darky  – mit spacigen Whammys und einer der dirtiest Basslines ever! Back in the days btw. auch live der Übershit! Damn, check out the colors man:

Ähnlich schmoove Ken 2012:

Weitere Knaller sind nicht schwer ausfindig zu machen, denn bis auf die letzten zwei bis drei Stücke überzeugt die Platte sonst auf ganzer Linie. Serpent Boy und das punkige Firsty dürfen sich desweiteren hervorhebungswürdig schimpfen lassen.

Mir bleibt nichts weiteres zu sagen, als das ich mich scheiße cool fühle wenn ich dieser Wahnsinnscheibe lausche. Ist und bleibt der Shit und somit dringende Empfehlung! Learn it! Love it! Um abschließend erneut Darky zu zitieren:

If I drop the bomb pick it up…

 

Ground

Interview

Albumstream

Schon ab einem Cent auf Amazon zu haben. Bei Mehrbedarf unbedingt die dem Debut vorrausgegange Demoscheibe Church of Realities auschecken! Wer es vermag, mir davon eine Hardcopy zu beschaffen, möge auf ewig gebenedeit unter den Frauen sein!

Released: 12.08.1997 via Jive