Review: Daniel Johns – Talk (2015)

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Hätte ich es nicht schon vorher gewusst, ich hätte den sich zu lassivem Elektro – R’n’B räkelnden und leicht überheblich wirkenden Oben Ohne – Beau im Video zu Cool On Fire nicht als Daniel Johns identifizieren können. Jedenfalls nicht als den, den ich kenne. Der ist schließlich Kurt Cobains MiniMe und Fronter der australischen Nirvana – Cover- band Silverchair. Und doch: It’s him!

Der sich hartnäckig haltende Vorwurf der Nirvana – Imitation lässt sich dabei natürlich allenfalls in Hinblick auf deren erste Platte Frogstomp (1995) rechtfertigen. Wo die Band hier im zarten Teeniealter noch recht belanglosen Grunge schrammelte, ließ die zwar auch nicht ganz runde Freakshow (1997) bereits künftige Großtaten erahnen. Und die sollten in Form des grandiosen Neon Ballroom (1999) nicht lange auf sich warten lassen. Gerade dieses Album, das Hauptsongwriter Johns heute gerne als ‚uninspiriert‘ abtut, öffnet ihm die Türen zum Popformat. Und dem nähert er sich seither aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Da ist z.B. das anspruchsvoll orchestrierte aber auch überambitionierte Diorama (2002) oder der verzichtbare Elektrorock der letzten Silverchair – Platte Young Modern (2007) zu nennen. Außerdem der Ausflug zum gefälligen Akustikschunkelpop mit The Dissociatives.

Schienen genannte Werke noch darum bemüht die musikalische Vergangenheit einzuweben wird nun endgültig keine Rücksicht mehr auf die einstige Anhängerschaft genommen: Auf seiner ersten Solo – Platte Talk regiert der lupenreine Pop – Overkill! Es ist der Mainstream – Hörer, den man nun auf die Tanzfläche bittet. Justin Timberlake, Frank Ocean, Michael Jackson, The Knife oder James Blake seien mal als grobe Referenzen genannt. Nach den späten Silverchair klingt höchstens noch das mit Musical – Touch versehene New York.

Da Johns bekanntlich ein begnadeter Songwriter mit einem geschickten Händchen für einprägsame Hooks ist, verwundert es kaum, dass einem in der ersten Hälfte der Platte die Hits nur so um die Ohren fliegen. Der eröffnende Soul – Schmachter Aerial Love (attention: this is no ordinary love) geht jeglichem Minimalismus zum Trotze direkt ins Ohr und bekommt mit By Your Side, vor allem aber mit Preach gleich zwei äquivalente Hits zur Seite gestellt.

Tragendes und bindendes Element ist Johns‘ beeindruckende Stimme, die einem gerade in den Falsettlagen wohlwollend Frusciante ins Gedächtnis ruft. Innovativ ist der Sound den Talk fährt zwar nicht, dafür aber ziemlich gut gemacht und gemessen am Background des Interpreten als wahnsinnig mutig einzustufen. Kleinere Experimente gibt es übrigens auch. Zum Beispiel im sexy schrulligen Downbeat – Knüller Imagination, meinem persönlichen Lieblingsstück, in welchem munter mit Gitarrenversatzstücken und gepitchten Vocals kokettiert wird:

Schade nur, dass man nach dem Stück gerade mal bei der Hälfte der arg gut gemeinten 61 Minuten angelangt ist. Man  hätte die Platte locker um sechs Tracks entschlacken können denn die zweite Hälfte gestaltet sich dann doch etwas langatmig. Immerhin: der Schluss aus bereits erwähnter Big Appel – Ode und dem großartig düsteren Good Luck stimmt wieder versöhnlich.

Mag die optische Präsenz des Ex – Lovers von Natalie Imbruglia ein auch noch so starkes Stück sein, den neuen musikalischen Kurs kann ich im Prinzip trotzdem nur  befürworten. Der Daniel ist eben cool. Ob nun im Flanellhemd oder Oben Ohne.

Anspieltipps: Aerial Love, Imagination, Preach, By Your Side

Talk im Stream:

Hier kann man sich nach Belieben mit verschiedensten Formaten der Platte eindecken.

Released: 22.05.2015 via Eleven

Liegengebliebenes im Schnelldurchlauf!

Wer den vorangegangenen Post gelesen hat, wird sicher eins und eins zusammenzählen und sich somit auch erklären können, warum die Fülle an Einträgen hier noch immer recht zähflüßig vonstattengeht. Deshalb hier mal ein paar Sachen aus jüngster Vergangenheit im Schnelldurchlauf, die ich für erwähnenswert halte:

Zikade veröffentlicht erstes Musikvideo!

Das ich die Sachen des Berliners Zikade sehr schätze, weiß der aufmerksame Leser natürlich schon. Wurde es doch hier und da schonmal erwähnt… Nun war der Knabe mit den schönen Zähnen kürzlich In Gent um dort unter der Regie des Jungfilmers Ellard Vasen eine Visualisierung für das gleichnamige Stück aus dem Debut Das Ende der Beschwerde in Angriff zu nehmen. Glitzer, Masken, eine Dame namens Helene Bracke, Zeitraffer und die schönste Grinse seit Kurt Cobain. It has its moments…

Panda People legen nach!

Kürzlich erst mit The usual place quasi aus dem Dornröschenschlaf erwacht, legen die Panda People nun mit American Queen gleich den nächsten Hit nach. Passend dazu gibt’s ein schmissiges Retrovideo. Den Track kann man übrigens umsonst downloaden!

Mínus endlich auf Spotify!

Der Mínus ist cool: So hieß der allererste Testartikel, den ich 2013 für diese Seiten geschrieben habe. Nun ist die Band endlich auch auf Spotify zu finden! Nun aber keine Ausreden mehr und ran an die Bullette! Meine besondere Empfehlung gilt dabei nach wie vor dem Album Halldór Laxness von 2003! Desweiteren findet man dort auch die mir bisher unbekannte, zum Album zugehörige Single Romantic Exorcism mit nicen Bonustracks! Außerdem steht nun auch die erste Demo aus den Hardcoretagen der Band auf Youtube! Von neuem Album weiterhin keine Spur…

Neues von Purity Ring!

Das ich deren Debut Shrines ganz arg mag, habe ich hier meines Wissens nach noch nie erwähnt, richtig!? Wird Zeit! Wie auch für ein neues Purity Ring Album. Das steht schon in den Startlöchern und wurde bereits mit dem famosen Vorabtrack Begin Again angekündigt! Nun wurde unlängst mit dem nicht minder grandiosen Push Pull nachgelegt, sowie eine Europatour angekündigt! Die neue Platte Another Eternity kommt am 3.März!

Blink 182 – Split!

as found on http://imstars.aufeminin.com

 

Nicht das mir Blink 182 jetzt arg am Herzen liegen oder ich sie noch als sonderlich relevant erachte… aber der ganz frische, erneute Spilt mit Gitarrist Tom DeLonge weiß es doch mich zu entertainen.

Hier ein frisches Ex-Kollegen-bashing via Rolling Stone mit den beiden verbliebenen Mitgliedern.

Review: Aufbau West – Zweitbester (2014)

Fotoquelle: Fleet Union

Das Debutalbum Zweitbester der Ostwestfalener Combo Aufbau West steht nach dreijährigem Entstehungsprozess in den Startlöchern.

Nach gefeierter EP, Jennifer Rostock – supporttour und Konzerten in Vietnam, stehen die Zeichen nun schwer auf Sturm!

 

 

 

Überhaupt Vietnam: Die Brücke zum Einstiegssong lässt sich nicht nur zur, vom Goethe Institut gesponserten, Minitour schlagen. Auch Kampf und Krieg – Begriffe, die man unweigerlich mit dem Land assoziiert – sind hier tatsächlich Programm. Laut Pressetext ist Zweitbester durchaus als Kampfansage zu verstehen. Den Krieg hat man dabei bereits im Vorabtrack Und das ist erst der Anfang gleich mal der halben deutschen Poplandschaft angesagt. Von den Hosen über Tim Bendzko und Frida Gold bis hin zu Clueso: Hier kriegt jeder sein Fett weg.

„Lange genug ham Bands sich alle gut gefunden und lange genug grinsen 
sich Rockmusiker an erzählen wie gerne sie sich mögen. Zu Hause schimpft 
man dann über die oder so. Das war einfach so geil und so befreiend zu 
sagen, dass die alle stinken. Das alle gerne unsere Feinde sein dürfen.“ 
(Aufbau West Sänger Florian Berres)
 

„Wir sind die andern“ schreibt man sich dann selbst auf die Fahne um sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Bezeichnend nur, wenn man sich dann im Sound kaum vom derzeitigen Standard unterscheidet. Und genau da liegt für mich auch das Problem, das btw. nicht nur mir ins Auge sticht:

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Was die Band selbst als wütende Punkattitüde versteht, ist dann auch nur gerade so auflehnend, wie es das enge Popkorsett eben hergiebt und bei genauerer Betrachtung in etwa so aufgesetzt rebellisch wie Lukas Hilberts‘ Sturm & Drang Phase seiner unsäglichen Band Roh oder meinetwegen auch Revolverheld.

Dabei hätten Aufbau West all das Gekeife und Gespitte garnicht nötig, hat man es doch im Grunde genommen mit einer guten Popproduktion zu tun. Der Mix aus verhaltenem Indierock und eckigem Elektropop wird gespickt mit dezenten Hip-Hop Anleihen, die vor allem auf dem groovigen und sehr tightem Drumming basieren. Die Produktion von Dennis Scheider ist tadellos und dürfte dem geneigten Radiokonsumenten ohne weiteres easy reingehen. Dazu wird gerne mit Retrobegriffen um sich geworfen, was einem Schneevongestern-fan wie mir dann sogar auch ein Lächeln abgewinnen kann. Alsdawären: Kurt Cobain, The Cure, Shakira, R.E.M., Fräulein Flodders, Teenage Dirtbag, Bono, die Lindenstraße und viele bunte Smarties. Aufgrund von cleverem Songwriting könnte man auch die Band selbst getrost als Smarties bezeichnen: Die Songs beissen sich fest, ob man will oder nicht. Das kann bei einem eher nervigen Stück wie Zu jung für R.E.M. mal unangenehm sein, oder bei gelungeneren Tracks wie Die sicher schlimmste Wahl (im Feature: Jennifer Weist) oder dem mit einem sehr charmanten Video versehenen Titelsong auch mal absolut klargehen.

Für meinen Geschmack ist mir Zweitbester im Großen und Ganzen dennoch zu glatt und mir die Grundhaltung, mit diesem ganzen provokanten Effekthascherfrechdachstum, auch etwas zuwider bis unsympathisch. Wird aber auch ohne meine Zustimmung definitiv seine Freunde und Fans finden. Womöglich sogar zu Recht… ist ja alles immer objektiv und am besten macht sich jeder selbst ein Bild davon. Ich persönlich tendiere dann aber doch eher dazu, die eröffnenden Worte der Platte zu zitieren: „Ich denke schon es ist okay, wenn wir uns nicht mehr wiedersehn…“

Trackliste:

01. Vietnam
02. Und das ist erst der Anfang
03. Von Hellersdorf bis Rotterdam
04. Die sicher schlimmste Wahl (feat. Jennifer Weist)
05. Deine Mutter (Du Armer)
06. Zu jung für R.E.M.
07. Zweitbester
08. Lindenstraße & Cardigans
09. So große Gegenstände
10. Lichter Aus
11. Kiloweise Realness

Zweitbester ist ab dem 21.11.2014 erhältlich. Bei Interesse kauft man am besten gleich die limited Edition mit Remixen und Neuinterpretationen von z.B. Wir Sind Helden, U3000 oder Juli – Produzent Tobias Siebert.

Veröffentlichung: 21.11.2014 via Fleet Union / Indigo / Finetunes

Review: 52 Hertz – Nov. Demo 2013 (2014)

a0496798865_10All cats are beautiful! Davon können nicht nur die HC-Buben von Zerre, sondern auch ihre Würzburger Kollegen von 52 Hertz ein Liedchen singen. Genauer genommen sind es sogar zwei, die sie da auf ihrem aktuellen Demotape zum Besten geben.

Im Trio wird hier aufregende Gitarrenmusik fabriziert, soweit geht man mit dem nirvanaeskem Coverartwork konform, doch klingt das Endergebnis dann eher nach Washington D.C., denn nach Seattle.

Ähnlich dem Seattle-Grunge aber, ist auch der mit der amerikanischen Hauptstadt assoziierte Post/Emo/Rock/Core, mittlerweile ein wenig aus der Mode gekommen. Ein bedauernswerter Umstand, der irgendwie aber gerade dafür sorgt, dass dieses Tape unglaublich fresh daher kommt, denn sowas hört man einfach nicht mehr allzu oft. Da fühlt man sich glatt nochmal um gut 12 Jahre zurückgeworfen, als man zum ersten Mal über At the Drive-In stolperte und selbige Entdeckung, bei dutzenden Bands, auch Hierzulande, zu einer regelrechten Postrock – Flut führte, die die Bühnen sämtlicher Kultur- und Jugenzentren dominieren sollte.

Bitte nicht falsch verstehen: Weder ist mir entgangen, dass dieser Style nie wirklich weg war, noch möchte ich 52 Hertz als Retter eines etwas angestaubten Genres anpreisen. Fakt aber ist, dass hier ein wahnsinnig frisches Lüftchen weht, welches zumindest mir mal wieder zeigt, warum solche Musik begeistert, wenn sie richtig gemacht ist. Einmal den Hit Curr antesten und verstehen, was ich meine:

Auch auf textlicher Ebene, wirkt die schlichte Gegenüberstellung von Neuanfang in der Ferne und Familienhalt in der Heimat, äusserst sympathisch und gibt so den frickeligen Gitarrenläufen noch die nötige Portion Emotionalität mit auf die Reise. Ob es auch im zweiten Titel I’d rather hang out with a Stone than going back there, tatsächlich die Heimat ist, welche die verhasste Örtlichkeit darstellt, an die man dennoch gebunden ist, bleibt reine Spekulation meinerseits. Fraglos jedoch, dass auch dieses Stück  in musikalischer Hinsicht einiges kann:

In the club - drinking beer, to drown our never ending boredom.
Pointless - like the village life we live.

Da war er dann doch, der Slacker-Gedanke der Generation X…

Von Langeweile und Faulheit, zeugt allerdings weder das beachtliche Liveengagement der Band, noch die als erfolgreich zu verbuchende Labelsuche, die im Falle dieser Veröffentlichung gleich 9 Interessenten zu Tage förderte, derer tatkräftigen Unterstützung es zu verdanken ist, dass die erste 200er – Auflage bereits so gut wie vergriffen ist.

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Glücklicherweise steht das Teil (in digitaler Form) weiterhin zum kostenlosen Download auf Bandcamp bereit, werden meines Wissens nach noch ein paar Tapes nachgelegt, sowie gerade an einem neuen Dreher geschraubt.

Diese netten Kerle bitte unbedingt im Auge behalten und live sehen, so lange man noch die Gelegenheit dazu hat: cause cats don’t live as long as desired…

Curr (live)

Tracklist:

1. Curr
2. I’d rather hang out with a stone than going back there!

Released 03.01.2014 via: Flood Floorshows / Tief in Marcellos Schuld / Monday Morning / Shivery.MMXII. / Don’t Shoot The Messenger / Nowhere Youth / Featherlight /Upwind / Rebuild

Review: Failure – Magnified

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Artwork by Bruce Schwartz / Glen Wexler

Magnified ist das zweite Album von Failure und meiner Meinung nach auch gleichzeitig ihr bestes, auch wenn das entgegen der gängigen Fantastic Planet Verehrung gehen mag…

Im Gegensatz zu Fantastic Planet, braucht Magnified kaum Eingewöhnungszeit, sondern tut es dem Frosch auf dem Cover gleich und springt einen von der ersten Sekunde des Openers Let it Drip  direkt an.

 

Seit dem ersten Hördurchlauf, stellt diese Platte etwas mit mir an, was ich bis Heute schwer in Worte fassen kann. Eigentlich sollte ich geneigt sein, Magnified als weniger spektakulären Grunge abzutun… aber so einfach funktioniert das hier nicht… da ist noch irgendwas… das hat Soul! Das muss wohl an den Gitarren liegen, die einen ganz speziellen Tiefgang kreieren. Naja, man muss ja auch nicht immer alles zu Tode analysieren. Hört man sich Moth an, versteht man aber vielleicht trotzdem was ich meine:

Ist man jetzt noch nicht dabei, dann packt einen der Rest wohl auch nicht. Denn das Rezept bleibt immer das gleiche: verzerrte Bässe, angenehm unaufgeregte Stimme, die gerne mal an Kurt Cobain erinnert und mächtige, mächtige Gitarrenwände! Wird diese Grundformel im Großen und Ganzen zwar immer beibehalten, so hat die Band dennoch vor allem eines: gute Songs! In den ersten beiden Dritteln herrscht enorme Hitdichte!

Das von schiefen Gitarren dominierte Bernie,

die bittersüße Weltanschauung Wonderful Life,

und schließlich die clever gewählte Single Undone, beweisen das gleich mehrfach:

Gut, nach einem Knaller von diesem Kaliber geht dann halt auch garnichts mehr! Sämtliches Pulver ist somit verschossen und die drei abschliessenden Tracks hätte man eigentlich auch nicht mehr zwingend gebraucht. Aber gut: Mit 10 Tracks hat man das Album ja trotzdem kompakt gehalten.

Am Ende des Tages bleibt Magnified zwar auch „nur“ Gitarrenmusik, aber auch genau in der Art und Weise, wie sie sein sollte. Und sogar noch ein klein wenig mehr!

Um das zu erkennen, bedarf es auch keiner großen Anstrengungen, um abschließend Bernie zu zitieren:

"All we've got to do is just drop by"

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Undone

Tracklist:

01. Let it Drip
02. Moth
03. Frogs
04. Bernie
05. Magnified
06. Wonderful Life
07. Undone
08. Wet Gravity
09. Empty Friend
10. Small Crimes

Magnified kann man komplett auf Spotify streamen, oder gebraucht um die 15 Euro (zu Recht) auf den einschlägigen Portalen finden.

                                                                                         Released: 08. März 1994 via Slash

NACHTRAG: Das Teil wird doch tasächlich auf Vinyl re-released!