Review: The Rolling Stones – Their Satanic Majesties Request (1967)

artwork: Michael Cooper

Mick Jagger und das Okkutle sind uns schon bei Kenneth Anger und auch  kürzlich erst im Zusammenhang mit The Master And Margarita begegnet. Die 67er Platte Their Satanic Majesties Request scheint sich da irgendwie einzureihen. Ist der Titel selbst zwar nur als Pun auf eine Formulierung in britischen Pässen zu verstehen, versprüht die Scheibe dennoch einen Hauch von schwarzer Magie. Mag man sich über diese Aussage streiten können, bleibt das Album dennoch unbestreitbar die kurioseste VÖ im Katalog der Rolling Stones.

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Review: Up in Smoke Vol.5/Würzburg/13.03.2015

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Möchte man in Würzburg Konzerten von Künstlern mit Rang und Namen beiwohnen, sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass – unterfränkischer Lokalpatriotismus hin oder her – die Mainperle immernoch Teil von Bayern ist. Demnach sind Attribute wie z.B. Zucht & Ordnung weitestgehend zu beachten. Heute sollte es allerdings die Pünktlichkeit sein, die groß geschrieben werden wollte. Der Nichteinhaltung dieses zum vollständigen Konzertgenuss notwendigen Grundsatzes sei es denn auch geschuldet, dass ich den Supportact THE GROUNDING gnadenlos verpasse. SORRY! But if you’re one of the Cool Kids you won’t be there at 8 pm…

Damit bleibt die Würzburger Formation, die sich immernoch einer Webpräsenz verweigert, für mich weiterhin mysteriös. Augenzeugen wussten aber von einer gut eingespielten, psychedelisch angehauchten Instrumentalband zu berichten. Gerne habe man improvisiert. Dazu eine komplett gejammte Zugabe, begeisterte Leute in der ersten Reihe sowie „übelst abgefahrene Spacesounds“, für die sich der Psychedelic Network-Guru und H20’s finest verantwortlich zeigt. Weitere, nicht ganz unbekannte Gesichter, darf man in der schönen Fotoreihe von music-on-net.photography gerne selbst ausfindig machen. Das nächste Mal dann besser pünktlich sein…

Und wer ist alles am Start? Ein erster Blick in die Posthalle lässt einen vergnügt schmunzeln. Denn hat man einen einigermaßen guten Überblick über die hiesige Band-, Musiker-, und Konzertszene, findet sich so mancher bekannte Charakterkopf unter den schätzungsweise 300 bis 400 Besuchern. Da stehen die Hardcore- und Black-Metal-Kiddies in trauter Einigkeit neben den gestandenen, alteingesessenen Kuttenträgern, um gemeinsam den ausufernden Klangteppichen der Headlinerbands zu lauschen. Und auch die Black Sabbath– und Led Zeppelin-Shirts (die letzten Jahre eher priviligierten H&M-Kunden vorbehalten) werden endlich wieder mit Stolz getragen. Das, was böse Zungen als Altherrenrock bezeichnen, ist immernoch schwer in Mode.

IMG_3148 KopieDie haben RADIO MOSCOW aus Iowa zweifellos im Griff: Braunes Lederwestchen, Rickenbacker, Medallions…. Matte und Schnauzer sind sowieso Pflicht! What you see is what you get: Die Strat versprüht Hendrix galore während sich die Rhythmusgruppe knochentrocken durch den Opener Death of a Queen pflügt. Dazu zentnerweise Hall auf den Vocals. Ordentlich dichter Sound für eine three-piece-Band! Das bringt die Mähnen im Publikum sofort in Wallung. Bereitwillig lässt sich dieses von Broke Down zum Warpig machen oder gleich von Rancho Tehama Airport durch die Prärie peitschen. I just don’t know… technisch ist das einwandfrei bis beeindruckend und auch kurzfristig spannend…

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…spätestens jetzt aber stellt sich bei mir schon Übersättigung ein. Die schier endlosen Solis von Mastermind Parker Griggs machen mich mürbe und mir die grundsätzlich recht greifbaren Songs ganz schön madig. Auf die Frage, was denn mein Stehplatznachbar von der Darbietung hält, ernte ich ein knappes „übertriebene Affen, die gern 60 Jahre alt wären“. Ganz so grob hätte ich es nicht formuliert aber gut: Ich bin nicht allein! Wir dürften trotzdem nur einen kleinen Prozentmuffelsatz darstellen, denn die Meute folgt der Band auch die restlichen 250 Miles und hat sichtlich Spaß an der Truppe. Genanntem, achtminütigen Trip folgt das flotte Before it burns. Beim darauffolgenden Stück lege ich erstmal eine Toilettenpause ein. Klar, before it burns… Die Band spendiert noch Deep Blue Sea vom 2007er Debut und beendet ihr 50-minütiges Set bluesy. Die beiden Alben The Great Escape of Leslie Magnafuzz und 3 & 3 Quarters bleiben somit außen vor. Die Fans scheinen dennoch entschieden auf ihre Kosten gekommen zu sein und in der Umbaupause sind beinahe ausnahmslos begeisterte Lobeshymnen auf die Band zu vernehmen. Beispiele gefällig?

"Übertrieben gut!" 
"Total Titte! Schlagzeugsound war sexzellent, Klampfe sowieso über alle 
Zweifel erhaben, der Bass hat ordentlich gedröhnt. Sehr sexy!"
"Odin ist persönlich aus Wallhalla herabgeritten um bei dieser Show seinen 
Geist auf die drei Bandmitglieder von Radio Moscow zu verteilen!"  
"Die Band war der absolute Wahnsinn. Wir waren vor der Bühne und ham 
gedacht: Woah, unser Höschen muss jetzt gleich gewechselt werden.
Wir sind verliebt!"
"Ich dreh einfach komplett durch!"

Metalleude… Wohin die Liebe fällt… Offenbar ist somit für viele der Konzertabendzenit bereits erreicht worden! Das überrascht, da mit den deutschen Urgesteinen von COLOUR HAZE das im Vorfeld vermutete Highlight erst noch ins Haus steht. Die Münchner geben sich ähnlich wortkarg wie ihre Vorgänger und lassen vor allem die Instrumente sprechen. Der Vocal-Anteil ist bei der Band bekanntermaßen sowieso gering.

IMG_3186 KopieUmso amüsanter, dass der barfüßige Sänger und Gitarrist  Stefan Koglek (ich enthalte mich jeglichem schlechten Wortwitz zu dessen Nachnamen) sich gegen Mitte des Sets, aufgrund des zu lauten Publikumpegels, dazu gezwungen sieht, den Quasselstrippen durch die Blume zu sagen, dass diese doch bitte mal die Goschen halten sollen. Und ich hab das auch noch verpasst! Denn in besagtem Moment bin ich schon längst durch die Tür, um mich nochmal auf der Gegenveranstaltung im Keller umzuhören. Somit entgeht mir auch der 26-minütige Zugabensong der Psychedelic-Kanone.

 

Was ich allerdings während der ersten(!) 50 Minuten erfahren durfte, war eine sehr interessante Band, die ihre Stücke zwar gut durchdacht, aber eben auch sehr langwierig gen Endlosigkeit auftürmt. Sowas muss man halt einfach mögen oder besser noch: FÜHLEN. Ich vermag (zumindest heute) weder der einen noch der anderen Regung nachzukommen, kann und will aber auch wirklich nichts Schlechtes über die Jungs sagen. Und selbst wenn: Es dürfte sie eh nicht kümmern. Wie sie da vor wabernden Lavalampenprojektionen stehen. In ihrer Religionslehreroptik, ganz aufgelöst in Musik, abgetaucht in fremde Sphären, die rhythmisch wogende Seelenmasse vor der Nase in ihre Atome spaltend und darum bemüht, sie dem Kosmos einzuverleiben! Damn… wie es scheint löst die Band in mir heftigste Potheadschwadrationsromantik aus… Immerhin! Macht sich sicher gut, wenn ich das erste Mal mein schniekes Batikshirt trage, welches ich eben auf der Herrentoilette gefunden habe…

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Alle Fotos exklusiv für www.derdanielistcool.de und mit freundlicher Genehmigung des mightyfinen Photographen Awanes!

Der The Magick Lantern Cycle ist cool (XXX019)

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Die Themen Kurzfilm und Okkultismus standen hier ja erst kürzlich zur Debatte. Da außerdem Halloween schon so langsam vor der Tür steht, könnte der Zeitpunkt für einen Kenneth Anger – Eintrag nicht besser gewählt sein.

Der erste Kontakt zu diesem kontroversen Filmemacher entstand bei mir über die Doku The Beach Boys and Satan. Diese behandelt unter anderem die Verbindung der Sunnyboys zu Charles Manson, im speziellen aber die zum aufstrebenden Schauspieler, Musiker und Manson-Jünger Bobby Beausoleil. Der noch immer inhaftierte Ganove(!) spielte 1966 die Hauptrolle in Angers bekanntestem Output Lucifer Rising, heute Bestandsteil und Finale der 9-teiligen Kurzfilmreihe „The Magick Lantern Cycle„, die den Kern Angers‘ Schaffen darstellt. Vor allem wegen dieser gilt der bekennende Anhänger der von Hexenmeister(!) Aleister Crowley iniziierten Religion Thelema als Pionier des amerikanischen Undergroundkinos.

Zu sehen gibt es massig skurille Charaktere in opulenten Outfits mit stark okkutlem Bezug und einer ordentlichen Portion Homoerotik, für die Anger seinerzeit auf jeden Fall eine Lanze gebrochen hat. Ruft man sich das Alter dieser Filme in Erinnerung erkennt man, dass dieser Mann definitiv Eier hat!

Auf Dialoge wird komplett verzichtet, dafür gibt es zum Teil heftig creepy Soundcollagen, für die auch mal die ein oder andere Rocklegende Pate stand…

Auf, auf durcharbeiten und bitte keinen plakativen Horrorquatsch erwarten!

1.Fireworks (1947)

Homoerotischer Matrosen Flick in Schwarz-Weiss. Heimlich im eigenen Elternhaus gefilmt und mit Kenneth Anger selbst in der Hauptrolle. Nach eigener Aussage das einzige was er zum Leben eines 17-jährigen zu sagen hat. Wird im letzten Drittel ganz schön grob…

2.Puce Moment (1949)

Anger spielt mit den Abendkleidern seiner Großmutter. Zweite Version dieses Films mit neuer Musik von einem Mann namens Jonathan Halper, der wohl sonderlich nicht weiter bekannt sein muss. Ein leicht schräg anmutendes Weib(!) parfümiert sich und träumt sich nach draussen. Irgendwie kommt das sehr nahe an das Gefühl welches ich bei The Velvet Underground & Nico verspüre. Ein Strauss Hunde ist auch mit von der Partie!

3.Rabbit's Moon (1950)

Beklemmender Soundtrack! Wenn dies auch zugegebenermassen nicht der echte ist. Die letzte von Anger verfasste Version kam mit dem „It came in the night“ – loop der Gruppe „A Raincoat“ etwas alberner rüber. Ich ziehe untrue wie ich bin diese Fanmade-Version vor, weil dramatischer.  Ein Clown versucht den Mond zu fangen, wird daraufhin von einem Harlekin geneckt und macht einer jungen Dame den Hof. Blau ist die Farbe der Sehnsucht. Hab ich in dieser Form zum einschlafen geschaut und hab die Nacht etwas unruhig verbracht.

4.Eaux D'Artifice (1953)

Klanglich und farblich geht es ähnlich weiter. Eine Frau irrt durch diverse italienische Springbrunnenanlagen. Von Kritikern gefeiert, aus meiner Sicht verzichtbar. Aber ich versteh ja auch nix von Kunst…

5.Inauguration Of The Pleasure Dome (1954)

Der Hauptdarsteller hat Schmuck zum fressen gern, ist Struwelpeter– und Marge Simpson-fan, trägt sein eigenes Merchandise und macht auch als Ramses eine gute Figur. Osiris hör ich da? Nene, das ist der gute alte Ramses! Wird in Kennerkreisen als Hommage an Aleister Crowley gehandelt, den der Hauptcharakter ebenfalls mimt. Silberkugeln machen nicht nur Werwölfe kirre, in der Hölle laufen Opereten und auch die Dame aus bereits bekanntem „Puce Moment“ befindet sich eben dort. Furchteinflössendes Teil! Bisschen zu lang vielleicht…

6.Scorpio Rising (1963)

(Aufgrund des hochkarätigen Soundtracks leider proxybedürftig)

Wahnsinnsjacken! Wahnsinnslogos! Wahnsinnsfrisen! Und die Jungs wissen wie man mit Fluppen umgeht! Charmanter Streifen der zu 50er/60er-Jahre-Soundtrack Bikerkult, Naziästhetik, Jesus und auch etwas Schwansss miteinander verknüpft. Hat seinerzeit die ein oder andere Kontroverse ausgelöst.

Bringt mir eine Anekdote einer ehemaligen Arbeitskollegin zurück ins Gedächtnis. Die nämlich war mit dem Vorstand eines Bikerclubs verheiratet. Ein Teil deren Aufnahmeprüfung: Der Neuling muss eine Grube ausheben und seine Kutte darin platzieren. Anschließen darf dann jedes Gangmitglied sowohl einen saftigen Burnout auf dem guten Stück hinlegen als auch flächendeckend darauf urinieren. Die Kutte muss danach getragen und nie wieder gewaschen werden.

Somit erscheint mir so manches was man hier zu sehen bekommt gar nicht allzuweit hergeholt. Scorpio Rising ist wohl das was man gemeinhin als Kult bezeichnet!

 

7.Kustom Kar Kommandos (1964)

Wir lauschen den Klängen der irren Paris Sisters während ein blonder Schönling seinen Hotrod pflegt. Braucht die Welt jetzt nicht wirklich, ist aber im Anschluss an „Scorpio Rising“ recht erfrischend und darf wohl auch als eine Art Erweiterung gesehen werden.

8.Invocation of my Demon Brother (1969)

Mick Jagger schmeisst den Moog an und spielt sich gleich auch noch selbst. Eingangs erwähnter Bobby Beausoleil macht uns den Luzifer und neben Anger tummelt sich auch Church of Satan – Gründer Anton Lavey unter dem munteren Haufen. Hohes Staraufgebot wenn man so will. Geraucht wird aus einem Schädel, die Hunde tragen Schnauzbart, Schwansss ist in etwa halb so groß wie Saturn und eine Hauskatze soll wohl auch irgendwo in dem Geschwurbel beigesetzt werden. Soll im übrigen Mitschuld an „Sympathy for the Devil“ tragen.

ZAP
YOU’RE PREGNANT
THAT’S WITCHCRAFT

Mein Favourit der Reihe!

9.Lucifer Rising (1970-1980)

Wir sind beim letzten Akt angelangt. Bobby Beausoleil bleibt bei seiner Paraderolle des Luzifers (zwischenzeitlich war da auch mal Mick Jaggers jüngerer Bruder Chris im Gespräch) und stiehlt anschließend die Filmrollen um Anger zu erpressen, wird wg. des ersten „Manson-Mordes“ an Gary Hinman zu lebenslanger Haft verurteilt und liefert vom Gefängnis aus den Soundtrack nach, den ursprünglich Zeppelin-Urgestein Jimmy Page zusteuern sollte und wohl auch irgendwann mal hat. Die Entstehung zog sich dementsprechend über Jahre hinweg ehe man ihn 1980 erstmals zu Gesicht bekam.

Sehr Ramseslastig und irgendwie entspannend. Bisschen Pink Floyd-Feeling. Ein guter Abschluss!

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Ich bin begeistert und nehme natürlich nur einen Bruchteil der Informationsfülle des „Magick Lantern Cycles“ wahr. Sicherlich gibt es da dutzenderweise Interpretationsansätze mit denen man sich nach belieben austoben kann. Ich für meinen Teil bin jedoch erstmal gesättigt und nehme das gesehene einfach mal so hin.

Der Legende nach schuf Anger wohl um die 40 solcher Kurzfilme, viele davon mittlerweile zerstört oder verloren. Diese 9 stellen somit den traurigen Rest dar. Bitte würdigen!

Seine Bücher Hollywood Babylon I + II sollen übrigens auch ziemlich dope sein!

Tue was du willst!

St. Anger!