Review: Muso – Amarena (2016)

muso-amarena-album-coverDer Typ da oben will uns umerziehen. Muso hält dagegen und bleibt unerziehbar. Das Albumcover alleine spricht Bände. Noch immer mehr Sprecher denn Rapper im flowtechnischen Sinne, tut es der Heidelberger auch auf seiner zweiten Full-Length seinem Artwork in gewohnter Eigenwilligkeit gleich und manifestiert damit seine Ausnahmestellung als Deutschraps Avantgarde – Rapper. Statt Stracciatella gibt es diesmal Amarena in die Waffel. Anderer Flavour, ähnliche Substanz.

Wen Eis kalt lässt, greift gleich zu Acid Trips Auf Esspapier und stellt fest, dass sich Muso auch ohne Chimperator und Get Well Soon im Rücken treu bleibt. Noch immer umweben detailverliebte Synthiebeats die noch detailverliebteren Textergüsse, die man in derartiger Abstraktheit hierzulande allenfalls von Doppelkopf gehört haben dürfte. Egal ob Storytelling, melancholisch und deep oder verbissen kryptisch: Aufmerksamkeit ist gefordert. 0815-Rap-Thematik wird ausgespart. Bleibt erspart. Die andern Kids spielten draussen, ich hab Gedankengänge ausgebuddelt.‚ – Der Zuhörer hat sich durch diese hindurchzuzwingen, will er sich Zugänglichkeit zu Amarena verschaffen.

Photo by Patrick Herzog

Dieser Kraftakt hat sich schon bei den Vorgängern gelohnt und tut es auch  bei Musos Neuer, die als konsequente Weiterentwicklung zu verstehen ist und als einheitliches Gesamtwerk fast noch einen Ticken besser funktioniert. Das um Ali As bereicherte Ultimatum mal beseite gelegt, mögen die Hits diesmal vielleicht nicht offensichtlich auszumachen sein, allerdings findet man, trotz der ein oder anderen schmalzschmierigen Pop-Hook, auch keine wirklichen Ausfälle. Die Produktionen von LO und Gianni Brezzo dürften in ihrer angenehmen und beeindruckend homogenen Geschmeidigkeit nicht gänzlich unschuldig daran sein. Xavier Naidoo hätte man trotzdem stecken lassen können… penetriert eigentlich aber auch nur Käufer der Deluxe CD. Schwamm drüber

Muso untermauert auch 2016 die Veilseitigkeit des Genres mit einer unkonventionellen, experimentellen, interesanten, mutigen und einzigartigen Platte, die gerade lyrisch ihresgleichen sucht und sicherlich polarisiert. Gut so!

Anspieltipps: Regen, 1001 Morgen, Über Wunden, 0815

Amarena im Stream:

Amarena ist beispielsweise hier als Limited Box auf CD erhältlich. Nebst Rose Crystal gegen Rücken...

Released: 19.08.2016 via Believe Germany (Soulfood)