Review: Crazy Town – The Gift of Game (1999)

Crazytown-GiftofGame

Artwork by Bob Lee Hickson/Oxodyne

Als dieses Album damals mit Veröffentlichung des Überraschungshits Butterfly durch die Decke ging, hab ich mich immer damit gebrüstet, Crazy Town schon vorher auf dem Schirm gehabt zu haben. Daran hat sich auch bis Heute nichts geändert und ich fühl mich immernoch wahnsinnig cool, schon vorm Hype das Musikvideo zu Darkside beim heissgeliebten und oft erwähnten MTV Sushi – Format gesichtet, sowie diverse Artikel in der damals untruen 90er-Phase des Metal Hammers verschlungen zu haben.

The Gift of Game hatte auch ich natürlich nicht vor der Butterfly – Hysterie, allerdings schon bei erster Sichtung des zugehörigen Clips, als glühender Peppers – Anhänger, das sofortige Wissen, dass hier das geliebte Pretty Little Ditty – Instrumental vom 89er Mother’s Milk wiederverwertet wurde. Und dass die Peppers im New Metal – Feld als cool angesehen wurden, war mir zumindest damals in keinster Weise bewusst. Spätestens jetzt musste ich dieses Album haben und schnappte das bisher als Ladenhüter gehandelte Einzelexemplar, in der nächstgelegenen Müllerfiliale, einem schwer enttäuschtem Mädel direkt vor der Nase weg…. wo doch eigentlich gerade sie ab jetzt die neue Zielgruppe dieser Band werden sollte…

Denn mit einem Male war der, von meinem 15 jährigem Ich als hart rockender New Metal Act angesehene Haufen als Bravoband verschrien. Somit war es denn auch urplötzlich peinlich zuzugeben, dass man deren Album auch noch besitzt, geschweigedenn gut findet. Da half es auch nicht für Shifty Shellshock & Co. im Poll des Viva-Videotextes im Kampf um die Rockkrone zwischen Crazy Town und Limp Bizkit zu voten. Ja, ja…. those were the days….

Anyways, ich hab die Platte immer heimlich weiter gefeiert und geb das auch schon seit einigen Jahren wieder gerne zu! Schon allein die Top Produktion, die auf das Konto vom von mir geschätzten Josh Abraham und teilweise sogar unter zusätzlicher Mithilfe diverser Mitglieder der von mir noch viel mehr geschätzteren Orgy geht, macht es mir schwer meine Liebe zu diesem Album zu verheimlichen. Deren Sänger Jay Gordon ist denn auch gleich mit zwei großen Songs der Scheibe verbandelt. Zum einen als Gaststar im Video zum absolutem Brett Darkside

als auch als Gastsänger auf der wunderbar verträumten Black Cloud:

Ansonsten ist auf der (für New Metal typischen) Gästeliste beispielsweise noch KRS – One (B-Boy 2000) und dessen Reggea Kumpane Mad Lion (Hollywood Babylon) erwähnenswert. Damit sind die Hip Hop Roots ebenso gut abgedeckt wie auch mit dem Song Face the Music, welcher das altehrwürdige Brr Stick ‚em – Schema der Fat Boys aufgreift, dass man vor allem von den Beastie Boys, Method Man & Redman oder auch in zweierlei Limp Bizkit – Ausführung kennt. (Zum einen als eine Art Skit nach dem 97er Stuck als auch als Chorus des lächerlichen Head for the Barricade des Megaflops Results May Vary)

Als eine Art Schlüsseltrack darf man wohl Lollipop Porn ansehen, dass zum einen den Plattentitel beinhaltet als auch unmissverständlich auf das kotzehässliche Albumcover verweist. Dennoch: Sehr, sehr guter Track:

Die Hits Toxic, Butterfly und Revolving Door sind natürlich auch welche. Wobei man gerade bei letzterer Singleauskopplung im Clip gut beobachten konnte, wie die komplette Attitude sich mit dem Erfolg komplett in die falsche Richtung entwickelte und man die Band spätesten hier auch beim besten Willen nicht mehr ernst nehmen konnte.

Doch lässt man diesen ganzen Butterfly – Hype, der bei der Entstehung dieser Platte natürlich in keinster Weise abzusehen war, mal aussen vor, so bleibt The Gift of Game ein absoluter Meilenstein, wenn es um die Verschmelzung von Rock & Hip-Hop geht. Kommt man mit diesem Crossover Grundgedanken sowieso nicht klar, so darf man Crazy Town gern auch weiterhin verschmähen. Aber der qualitative Unterschied zu… meinetwegen den H-Blockx… sollte hoffentlich für jedermann erkenntlich sein.

 

Anspieltips: Darkside, Black Cloud, Lollipop Porn

 

Toxic

Darkside

Butterfly

Revolving Door

Tracklist:

01. Intro
02. Toxic
03. Think Fast (feat. Dirty Unit)
04. Darkside
05. Black Cloud (feat. Jay Gordon)
06. Butterfly
07. Only When I’m Drunk
08. Hollywood Babylon (feat. Mad Lion)
09. Face the Music
10. Lollipop Porn
11. Revolving Door
12. Players (Only love you when they’re playing)
13. B-Boy 2000 (feat. KRS-One)
14. Outro www.crazytown.com

 Released: 09.11.1999 via Columbia

Review: Orgy – Candyass (1998)

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Artwork by Steve Gerdes

Auch auf die Gefahr hin mich weit aus dem Fenster zu lehnen und den Spott einiger Leute auf mich zu ziehen: Candyass ist eines der besten Alben die je produziert wurden.

Als ich damals Blue Monday, die Adaption des New Order Klassikers in einer Special – Cover – Sendung bei MTV Sushi sah, war ich sofort hin und weg. Ich kann mich auch noch erinnern mir das Album im Nov. 2000 zeitgleich mit Marilyn Mansons Holywood zugelegt zu haben.

Somit hatte ich von Anfang an den direkten Vergleich zu der Band, mit der Orgy neben den Nine Inch Nails immer wieder verglichen werden sollten und kam schnell zu der Überzeugung, dass Orgy sich keinesfalls hinter diesen großen Namen verstecken brauchen, da sie ihr ganz eigenes Süppchen kochen.

Candyass, benannt nach einer L.A. Drag Queen kommt dann auch genau so düstersexy, wie es der Titel und das famose Artwork vermuten lassen. Hat der Einstieg Social Enemies noch Introcharakter, kriegt man mit Stitches schon gleich die erste Hitsingle um die Ohren gehauen. Dissention ist ein sperriger Bastard, der aber auch nötig ist, damit sich die etwas ruhigere Songperle Platinum voll entfalten kann:

„You can’t escape what makes you tragic you know“

How true that is… Hammertrack reiht sich hier an Hammertrack. Fetisha, Fiend, All the Same, man müsste die ganze Platte nennen um ihr gerecht zu werden. Ein Highlight, welches genannt werden muss ist dann definitiv Revival, mit Korn Sänger Jonathan Davis im Feature (live auch sehenswert btw.), bevor dann mit dem düsteren Dizzy auch schon kurzweilige 48 Minuten hinter uns liegen.

Diese Platte ist von vorne bis hinten durchgehend perfekt und lebt vor allem von den mehrstimmigen, unverkennbaren Vocals von Jay Gordon die meist im Mittelpunkt stehen. Klar hat man es bei Orgy im Grunde mit einer Gitarrenband zu tun, doch fällt die Musik dafür sehr elektronisch aus. Interessant ist allerdings, dass hier nur wenig Samples, Synthies und Programmings zum Einsatz kommen, denn große Teile der Elektronik wurden live eingespielt. Mit G-Synths und E-Drums versteht sich (der 80er Wave Touch kommt schließlich nicht von ungefähr). Laut Gitarrist Ryan Shuck sei das auch genau der Anspruch gewesen: Eine Rockband zu schaffen die elektronische Musik macht.

Mission geglückt kann man da nur sagen, denn Candyass fand in den Staaten beinahe 2 Millionen Abnehmer. Eine beachtliche Summe für ein düsteres Debutalbum, das auch nicht zwingend beim ersten Hördurchgang zündet. Ich selbst verbringe nun schon fast 13 Jahre mit diesem Album und kann (im Gegensatz zu den Videoclips) keine Abnutzungserscheinung ausmachen. Im Gegenteil scheint es sogar bei jedem weiteren Durchlauf zu wachsen:

„Now you seem to be so much better than before“

 

Blue Monday

Stitches

Tracklist: 

  1. Social Enemies
  2. Stitches
  3. Dissention
  4. Platinum
  5. Fetisha
  6. Fiend
  7. Blue Monday
  8. Gender
  9. All the Same
  10. Pantomime
  11. Revival
  12. Dizzy

Candyass kann man komplett auf Spotify streamen oder für 0,01€ gebraucht über amazon kaufen. Ja, richtig gelesen: 0,01 €. Es ist eine Schande…                             Fanatikern sei zu guter letzt auch noch die Alternative Dissention Version vom Scream 3 Soundtrack ans Herz gelegt!

Released: 18. August 1998 via Elementree/Reprise/Warner