Review: Gewalt/Die Hartjungs/Nürnberg/05.04.2017

Wenn der kürzlich auf diesen Seiten erst ausgiebig gefeierte Patrick Wagner mit seiner neuen Band Gewalt in der Stadt ist, lässt man sich das natürlich keinesfalls entgehen. Witzigerweise aber hätte es sich die Band beinahe selbst entgehen lassen müssen. Weiterlesen

Hour Of Goon!

avatars-000201697965-gti85d-t500x500

https://www.instagram.com/hour_of_goon/

Neben Samy Deluxe hat eine weitere meiner Jugendlieben das Medium Podcast für sich entdeckt!

Jeordie White, sicherlich weitläufig bekannter als Twiggy Ramirez, Hauptkomponist der Hochphase von Marilyn Manson, linke Hirnhälfte von Goon Moon und ehemaliges Mitglied von A Perfect Circle, Nine Inch Nails und Amboog-A-Lard, betätigt sich nun schon seit geraumer Zeit als Co-Host an einem Star Wars- Podcast.

 

Dank mangelndem Interesse an der im Fokus stehenden Weltraum-Saga leider nicht so wirklich mein Fall. Nun aber gibt es ein weitaus spannenderes Podcast-Projekt des sympathischen Herren zu entdecken. In Hour of Goon spricht er nun an der Seite seines Freundes und Weggefährten Fred Sablan (u.a. ehemaliger Mitverantwortlicher der Marilyn Manson-Tiefphase, Livemusiker bei Goon Moon und zusammen mit Wes Borland aktives Mitglied bei Queen Kwong) über Levis-Jeans, Brunner, Linner, Billy Zane, Lost und Star Wars. Begleitend dazu gibt es störende Hintergrundgeräusche, Rückwärtssamplegelumpe, Mindgefucke sowie die Weltpremiere eines Songs namens Billy Zane.

Das zumindest in der ersten Episode, die primär als Kickstart verstanden werden will. Zukünftig allerdings, ist durchaus auch mit Gästen (Chriss Goss wird bereits als potentieller Gast angedeutet), Konzepten und Themensendungen (zum Beispiel über Filme, Musik, Comics, Spielzeug) zu rechnen! Könnte ziemlich cool werden die Geschichte!

Boah! Voll Cool Hey! HEY!

avatars-000201697965-gti85d-t500x500

https://www.instagram.com/hour_of_goon/

Review: Suns of Thyme – Fortune, Shelter, Love and Cure (2013)

Artwork by Lionel Williams

Haben mich Suns of Thyme auf dem diesjährigen Void Fest live zwar sofort für sich gewinnen können, hat es auf der Platte Fortune, Shelter, Love and Cure etwas länger gedauert. Zuerst lediglich als lässig gefällige Nebenbeimucke empfunden, wurde mir die wahre Größe dieses Releases erst nach mehreren Hördurchgängen bewusst. Die 10 Tracks verlangen nach dem richtigen Moment um ihren vollen Glanz versprühen zu können.

 

 

In meinem Falle taten sie das nach einem kurzen, aber gewaltigen Sommergewitter. Die Musik der Berliner sollte sich als das adäquate, vertonbildlichte Gegenstück für einen Spaziergang durch nasses, dampfendes Weidegras erweisen. Schritttempo. Schwer und traurig. Leicht verschroben. Glitzernde, weite Flächen. Der Natur beim Erholen im Sonnenbad zusehen und eine Prise Herbst in der Luft. Dem Gasgemisch der Erdatmosphäre bleibt erstaunlich viel Raum, was bei dem eigentlich mit halligen Effektpedals, Backgroundchören, Sitarsounds, Schellenkranzorgien und flächigen Synthies regelrecht zugeballerten Psychedlic/Krautrock/Shoegaze – Gebräu schon bemerkenswert erscheint. Die richtigen Stellen verdichtet, klare Strukturen und wie unverschämt gut klingen denn bitte diese dumpfwarmhölzernen Bässe?

Pink Floyd, The Doors, Velvet Underground. Seattle und Woodstock. Die Paten zum Retrohippiesound mit tollen Songs wie The way oder The years we got are not enough, scheinen schnell ausgemacht. Denkste, denn nach Blue Phoenix Tree beginnt der spannende, große Ausstieg aus der Platte!

Bei den ersten Tönen von Cataclysm 2084 meint man plötzlich einem anderen Interpreten zu lauschen. Trip Hop! DJ Shadow! Underworld! NIN und Tool! Vielleicht sogar Moby oder Fatboy Slim!? Ich hör so unglaublich viel in diesem Stück! Der Blick, über die üblichen Verdächtigen hinaus, in etwas fremdere Gefilde tut dem Album wahnsinnig gut! Mein absoluter Favourit:

Dicht gefolgt allerdings von der sechsminütigen Mantrakanone Asato Maa. Tibetische Gebetsmühle mit heavy Gitarrenchorus! Derbe gut:

Die Drums bleiben anschließend im Keller wenn die Lebensgeister zu Akustikgitarren in die Nebelschwaden tiefblauer Gewässer gehaucht werden. Earth, Over. Und meiner mittlerweile recht esoterischen Wortwahl nach zu urteilen, wurde mir das Arkanprinzip von Fortune, Shelter, Love and Cure wohl soeben zuteil. Richtig gut!

Dringende Kaufempfehlung gilt natürlich allen Genrefans, sowie im Speziellen auch naturverbundenen Menschen, die auf der Suche nach einem Soundtrack für intensive Draussenmomente sind. Auf Vinyl z.B. schon für läppische 15 Euro zu haben!            Go for it und der Musik etwas Zeit gönnen. Außerdem unbedingt bei Gelegenheit live anschauen!

Blue Phoenix Tree

Fortune, Shelter, Love and Cure im Stream:

Released 15.11.2013 via Motor & Electric Magic

Review: Orgy – Candyass (1998)

orgy-candyass-20111207100224

Artwork by Steve Gerdes

Auch auf die Gefahr hin mich weit aus dem Fenster zu lehnen und den Spott einiger Leute auf mich zu ziehen: Candyass ist eines der besten Alben die je produziert wurden.

Als ich damals Blue Monday, die Adaption des New Order Klassikers in einer Special – Cover – Sendung bei MTV Sushi sah, war ich sofort hin und weg. Ich kann mich auch noch erinnern mir das Album im Nov. 2000 zeitgleich mit Marilyn Mansons Holywood zugelegt zu haben.

Somit hatte ich von Anfang an den direkten Vergleich zu der Band, mit der Orgy neben den Nine Inch Nails immer wieder verglichen werden sollten und kam schnell zu der Überzeugung, dass Orgy sich keinesfalls hinter diesen großen Namen verstecken brauchen, da sie ihr ganz eigenes Süppchen kochen.

Candyass, benannt nach einer L.A. Drag Queen kommt dann auch genau so düstersexy, wie es der Titel und das famose Artwork vermuten lassen. Hat der Einstieg Social Enemies noch Introcharakter, kriegt man mit Stitches schon gleich die erste Hitsingle um die Ohren gehauen. Dissention ist ein sperriger Bastard, der aber auch nötig ist, damit sich die etwas ruhigere Songperle Platinum voll entfalten kann:

„You can’t escape what makes you tragic you know“

How true that is… Hammertrack reiht sich hier an Hammertrack. Fetisha, Fiend, All the Same, man müsste die ganze Platte nennen um ihr gerecht zu werden. Ein Highlight, welches genannt werden muss ist dann definitiv Revival, mit Korn Sänger Jonathan Davis im Feature (live auch sehenswert btw.), bevor dann mit dem düsteren Dizzy auch schon kurzweilige 48 Minuten hinter uns liegen.

Diese Platte ist von vorne bis hinten durchgehend perfekt und lebt vor allem von den mehrstimmigen, unverkennbaren Vocals von Jay Gordon die meist im Mittelpunkt stehen. Klar hat man es bei Orgy im Grunde mit einer Gitarrenband zu tun, doch fällt die Musik dafür sehr elektronisch aus. Interessant ist allerdings, dass hier nur wenig Samples, Synthies und Programmings zum Einsatz kommen, denn große Teile der Elektronik wurden live eingespielt. Mit G-Synths und E-Drums versteht sich (der 80er Wave Touch kommt schließlich nicht von ungefähr). Laut Gitarrist Ryan Shuck sei das auch genau der Anspruch gewesen: Eine Rockband zu schaffen die elektronische Musik macht.

Mission geglückt kann man da nur sagen, denn Candyass fand in den Staaten beinahe 2 Millionen Abnehmer. Eine beachtliche Summe für ein düsteres Debutalbum, das auch nicht zwingend beim ersten Hördurchgang zündet. Ich selbst verbringe nun schon fast 13 Jahre mit diesem Album und kann (im Gegensatz zu den Videoclips) keine Abnutzungserscheinung ausmachen. Im Gegenteil scheint es sogar bei jedem weiteren Durchlauf zu wachsen:

„Now you seem to be so much better than before“

 

Blue Monday

Stitches

Tracklist: 

  1. Social Enemies
  2. Stitches
  3. Dissention
  4. Platinum
  5. Fetisha
  6. Fiend
  7. Blue Monday
  8. Gender
  9. All the Same
  10. Pantomime
  11. Revival
  12. Dizzy

Candyass kann man komplett auf Spotify streamen oder für 0,01€ gebraucht über amazon kaufen. Ja, richtig gelesen: 0,01 €. Es ist eine Schande…                             Fanatikern sei zu guter letzt auch noch die Alternative Dissention Version vom Scream 3 Soundtrack ans Herz gelegt!

Released: 18. August 1998 via Elementree/Reprise/Warner

 

Der The Gorburger Show ist cool (XXXisql006)

As found on http://thegorburgershow.tumblr.com/

As found on http://thegorburgershow.tumblr.com/

The Gorburger Show wirbt selbst damit „a delicious new music talk show“ zu sein und hat damit absolut Recht!

This just might be the best thing on television that isn’t on television“ schreibt ein Fan und hat damit vielleicht sogar noch mehr Recht!

Das Konzept dieser neuen Sendung ist schnell und einfach erklärt:
Ein menschenfressendes blaues Alien/Monster namens „Gorburger Lebowitz Hammerstein“ dringt gewaltsam in einen japanische Nachrichtensender ein, um dort fortan seine eigene Talkshow zu hosten.
Auch wenn das zu schön klingt um wahr zu sein, bekräftigt schon ein kurzer Blick in den Trailer den absoluten Wahrheitsgehalt des Plots:

Mit nunmehr bereits 19 Episoden, die sich allesamst so grob zwischen 5 und 10 Minuten bewegen gibt es seit September 2012 im Wochenrhythmus endlich wieder eine Musiktalkshow, die zumindest mich zu begeistern weiss!

Mit der Stimme von Comedian T.J. Miller interviewte Usher-Fan Gorburger bereits so illustre Gäste wie z.B. Eagles of Deathmetal, Flea, oder The Mars Volta und schreckte neben dem Verspeisen seiner Gäste ebenfalls nicht davor zurück, den Jungs von Health die beste NIN-Frage ever zu stellen oder die Wahnsinnsfrise von Cedric Bixler-Zavala zu betatschen!

Mithilfe verschiedener Sidekicks wie den Tokio Fever-Girls , „Takeshi“ oder seinem besten Freund „Robert“ , werden die Gespräche immer wieder durch Quizrunden wie die „Laser Round“, „Point to Point“  oder Aktionen wie “ Justify the name of your band“ unterbrochen. Unregelmäßig gibt es zudem zur Auflockerung auch sehenswerte Musikeinlagen diverser Indie-live-acts zu begutachten!

Zum antesten eignet sich beispielsweise Episode 4 mit 3OH!3, die Roberts‘ Tod live auf Sendung miterleben müssen:

Was Funny Or Die hier in Zusammenarbeit mit The Warner Sound kreiert haben, könnte durchaus als eine Art Waynes World mit Gwars Oderus Urungus als Host durchgehen (auch wenn der Musikgeschmack hier glücklicherweise deutlich besser ausfällt) und ist für mich nichts weniger als die beste Musiktalkshow seit dem Tod von Viva Zwei!

Die ersten beiden Seasons dieser kleinen Sensation gibt es hier!
Catch em while they’re hot!

———————————————————————————————————————-

Btw: Neben der Show gibt es mittlerweile auch ein Gorburger Mag bei Amoeba Music in Hollywood abzugreifen. Diese Info verfolgt im Übrigen keinen anderes Zweck als anzumerken, dass meine Wenigkeit dieses Schloss von einem Plattenladen schon selbst betreten hat (www.derdanielistcool.de).