Review: Echolot – Volva (2017)

Auch auf ihrem Zweitwerk haben sich Echolot der Art von Rock-Musik verschrieben, die Atmosphäre stets über griffige Songstrukturen stellt. Ergo erwarten den geneigten Hörer auf Volva vier ausufernde Tracks mit Jam-Charakter. Im gemäßigten Tempobereich gleitet das Trio aus Basel über weite Strecken instrumental im Spannungsfeld zwischen Pink Floyd, Hawkwind und Black Sabbath durch psychedelische Klanglangschaften. Weiterlesen

Review: Failure – The Heart is a Monster (2015)

10563119_479556672195337_5590897305055833661_nDas Failure mit einer Reunion kaum enttäuschen würden, ließ sich bereits im Vorfeld erahnen. Mit einem derartigen Geschoss wie es The heart is a monster ist, dürften trotzdem die Wenigsten (mich eingeschlossen) gerechnet haben Mittlerweile liegt der Release der 18-Track starken Comeback-LP schon beinahe ein halbes Jahr zurück, taucht derzeit zu Recht großflächig in den Jahresbesten-listen auf und hatte Zeit in meinen Gehörgängen zu reifen.

 

Diese ist bei der Musik des LA-Trios meiner Meinung nach noch immer von Nöten, will man die Brillanz der Stücke gänzlich begreifen und auskosten. Die wenigsten Failure-Songs springen dem Hörer direkt ins Gesicht. Der Popappeal will mitunter erst einmal unter dissonanten Gitarrenriffs gesucht werden. Das war bereits bei Fantastic Planet so und das ist es auch heute noch. Die bei genanntem Werk eingeführten Interludes (Segue 1 – 3) werden auf dem aktuellen Werk (Segue 4 – 9) ebenso konsequent fortgesetzt wie auch das ausgeprägte Händchen für grungy Alternative-Rock wieder zum Zuge kommt.

Alles beim alten also im Hause Failure? JA! Und das gefällt! Oder hätte jemand nach fast zwei Jahrzehnten Veröffentlichungsabstinenz ernsthaft große Experimente willkommen geheißen? Songs wie Come Crashing oder Hot Traveler bringen sofort das typische Failure-Feeling zurück und könnten direkt aus den 90ern stammen. Tatsächlich haben einige der Stücke schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Petting the Carpet beispielsweise hätte schon auf dem etwas halbgarem Debut  Comfort (1992) landen sollen und I can see houses, heute das Grand Finale der Platte, war sogar schon 1991 Teil des Livesets:

Hinsichtlich Thematik und Ästhetik ist man sich ebenfalls treu geblieben. Die von Band und Fans gleichermaßen geliebte Sci-Fi-Ästhetik wird im grandiosen Video von Counterfeit Sky besonders in den Fokus gerückt. In bester GravityInterstellarThe Martian-Manier liegt das aufwändig produzierte Astronauten-Drama dabei sogar noch voll im Trend. Mit spooky Backings versehen avanciert der Song auch beinahe zum stärksten Stück der Platte! Diese Ehre gebührt allerdings der Piano-Slide-Guitar-Ballade Mullholland Drive. Pink Floyd  und die Beatles lassen grüßen! Riesen Hit:

Mag The heart is a monster im letzten Drittel zwar dann doch etwas langatmig daherkommen und Magnified, meinem persönlichen Lieblingsalbum der Band nicht das Wasser reichen können, bin ich trotzdem schwer begeistert von der Platte. Absolut unpeinliches Comeback mit starken Songs und perfekter Produktion zwischen Dirty und Hochglanz. Wer wissen möchte wo moderne Alternative Acts wie A Perfect Circle, Queens of the Stone Age, Melissa auf der Maur oder Black Light Burns inspiriert wurden, dem seien Failure, auch 2015 noch, ebenso ans Herz gelegt wie Fans von Porcupine Tree, Dredg oder meinetwegen auch den frühen Weezer. Grunge-Fans und Potheads hören sowieso rein! Los! Jetzt!

Hot Traveler

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Counterfeit Sky

Anspieltips: Mulholland Drive, Counterfeit Sky, Hot Traveler, Come Crashing, Atom City Queen

The Heart Is a Monster im Stream:

Released: 30.06.2015 via INgrooves Music Group, Failure Records LLC

Review: Godzilla was a friend of mine – Life and function (2015)

115072Sensationelle Ghost City-Produktion, Vertrieb über das taufrische Label krimskramz  und chices Artwork von Hummelgrafik auf weißem Vinyl im matten Gatefold + Downloadcode. Der aktuelle Longplayer Life and function der Würzburger Godzilla was a friend of mine lässt sich nach außen hin in keinster Weise lumpen und macht optisch schonmal einiges her. Ob der Inhalt der Platte da mithalten kann? Ich war da zugegebenermaßen zunächst etwas skeptisch…

Klar, die Jungs beherrschen ihr Handwerk, das weiß man oder merkt es auf Anhieb. Was die Rhythmussektion hier auffährt ist schon echt beachtlich ausgefuchst und tight! Und auch an der Stimme wurde seit dem selbstbetitelten Vorgänger gearbeitet. Nun wird auch endlich mal brachial geschrien, was nochmal ganz neue Fenster in Sachen Intensivität öffnet. Die Gitarren lassen sich sowieso nichts zu Schulden kommen, sind gut aufeinander abgestimmt und pendeln mit gekonnter Laut-Leise-Dynamik spielend leicht zwischen melancholischer Stimmung und dreckiger Roughness. Dazu gibt sich die irgendwo zwischen Indie-, Alternative-, und Postrock agierende Band sehr detailverliebt und steckt viel Herzblut in ihre Songs. Auch diese Erkenntnis kommt unmittelbar.

Technisch und von Seite der Intention her also alles frei von jeglichen Einwänden. Nur habe ich das Songwriting zu Beginn als wahnsinnig sperrig, vekopft und schwer zugänglich empfunden. Und dabei wäre es auch beinahe geblieben. Eine Verkettung von Umständen zwang mich dann aber glücklicherweise dazu, das Album erst näher kennen- und schließlich lieben zu lernen. Life and function ist kein Easy-Listening-Nebenbei-Geplänkel, sondern erfordert Aufmerksamkeit und Zeit. Gibt man der Scheibe nämlich erst einmal ein paar Durchläufe, kommen auch die Ohrwürmer, versteht man die Rhythmik, regt sich das Tanzbein. Schließt man nach und nach alle Stücke ins Herz. Trägt sie bei sich. Pelican, Poe und Noise an warmen Sommernächten. Waves Inside, Paper cuts skin und Dagger im Herbst. Die zweite Hälfte des Titeltracks für immer unter der Haut!

Eine Platte aus einem Guß. Ein Grower, wenn man so will. Aber was soll man groß nach Worten ringen, wenn ein Blick auf die Songtitel gleich schon die perfekte Abrundung mitliefert, um Life and function auf den Punkt zu bringen: Plastic Diamond! Ein kleiner Diamant aus weißem Plastik.

Oh lines and chords and strings in choirs they together sing. 
Plastic diamonds they don`t shine forever.

Na dann… Shine on you crazy diamond!

Anspieltips: Pelican, Faithful Patrones, Life and Function

Albumstream:

Life and Function kann direkt beim Label für 13 Euro auf Vinyl oder für 7 Euro digital auf bandcamp erworben werden.

Released: 26.06.2015 via krimskramz

Review: Zikade – Salzgeschichten (2015)

a2769246469_16Nicht einmal ein Jahr ist es her, da hat der aus Berlin stammende Ausnahmemusiker Zikade mit Das Ende der Beschwerde ein  beachtenswertes wie verschrobenes Debut hingezimmert. Nun werden die Salzgeschichten erzählt, genauer gesagt schon seit einigen Wochen und wissen es, durch ungeahnte Aufgeräumtheit und wohltuenden Raum, das Herz mit anderen Worten und neuen Weiten zu bewerfen.

 

Alles anders also… aber immernoch surreal. Das weiß schon der Opener, der den Hörer gerne mit Pop-Appeal umgarnt und trotzdem nicht darum verlegen ist, freche, synthetische Wellen aufzutürmen. Wellen, die auch das Meer aus Gras im nachfolgenden Jung wiegen. Wer die aufrichtig zarte Melancholie dieses Tracks nicht fühlt, braucht den restlichen Salzgeschichten wohl kaum weitere Beachtung zu schenken. Wer hingegen gefühlsmäßig an Board ist, wird mit Zikade bereitwillig vom Ufer ablegen, an dem einst ein Hafen stand und durch den restlichen Tag gemeinsam schaukeln wollen. Im Sonnenlicht. Sich die Augen Pink pinseln lassen und die Lippen solange im satten Grün wälzen, bis der Mund zum Schlachtfeld wird. Die Möglichkeiten hat man schließlich. Der Teufel hat’s gesagt. Der Teufel hat gefragt.

Zikade antwortet mit einem unheimlich intensiv knisternden wie emotionalen Liebesalbum. Die auf dem Vorgänger recht dominanten Samples, sucht man bis auf dezent verhaltene Beats vergeblich. Psychedelisch angehauchte Gitarrenklänge dominieren das Klangbild, werden von warmen Bässen gestützt. Gemeinsam verlieren sie sich in Schall und Rauch. Wer jetzt an Fanta 4 denkt, wird sich bei den Sprechgesangseinlagen von Einfach umso mehr am Tag am Meer wähnen. Über allem webt das veruchrauchte Stimmorgan der Zikade immernoch polarisierende Lyrik, die sicher auch diesmal nicht nur auf Zuspruch treffen dürfte. Pseudointellektuell schimpfen Kritiker so etwas gerne, was hier aber keineswegs geltend gemacht werden darf. Tatsächlich transferiert die kryptisch komplexe Wortwahl die Musik perfekt auf die Textebene, zeugt von großer Weitsicht und ist zudem oftmals schonungslos ehrlich. Man muss sich nur darauf einlassen können und die Zeit mitbringen, welche die Salzgeschichten sich nehmen.

Irgendwo zwischen Tom Waits, Portishead, Beck, Selig, Neubauten, Marlene Dietrich, Pink Floyd, Singer-Songwritertum und Unerhörtem ist das Endprodukt sicherlich und unbedingt als mutig einzustufen. Noch mutiger dürfte es allerdings sein, sich absolute Hits wie Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten oder das schmutzige Warnlicht entgehen zu lassen.

Für mich jedenfalls eine der innovativsten Platten der letzten Monate! Serious!
Jeder weiss Bescheid was zu tun ist, oder?

Anspieltips: Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten, Warnlicht, Alles anders

Albumstream:

Die Salzgeschichten lassen sich für 10€ über bandcamp beziehen.

Released: 29.07.2015 via bandcamp

Review: Suns of Thyme – Fortune, Shelter, Love and Cure (2013)

Artwork by Lionel Williams

Haben mich Suns of Thyme auf dem diesjährigen Void Fest live zwar sofort für sich gewinnen können, hat es auf der Platte Fortune, Shelter, Love and Cure etwas länger gedauert. Zuerst lediglich als lässig gefällige Nebenbeimucke empfunden, wurde mir die wahre Größe dieses Releases erst nach mehreren Hördurchgängen bewusst. Die 10 Tracks verlangen nach dem richtigen Moment um ihren vollen Glanz versprühen zu können.

 

 

In meinem Falle taten sie das nach einem kurzen, aber gewaltigen Sommergewitter. Die Musik der Berliner sollte sich als das adäquate, vertonbildlichte Gegenstück für einen Spaziergang durch nasses, dampfendes Weidegras erweisen. Schritttempo. Schwer und traurig. Leicht verschroben. Glitzernde, weite Flächen. Der Natur beim Erholen im Sonnenbad zusehen und eine Prise Herbst in der Luft. Dem Gasgemisch der Erdatmosphäre bleibt erstaunlich viel Raum, was bei dem eigentlich mit halligen Effektpedals, Backgroundchören, Sitarsounds, Schellenkranzorgien und flächigen Synthies regelrecht zugeballerten Psychedlic/Krautrock/Shoegaze – Gebräu schon bemerkenswert erscheint. Die richtigen Stellen verdichtet, klare Strukturen und wie unverschämt gut klingen denn bitte diese dumpfwarmhölzernen Bässe?

Pink Floyd, The Doors, Velvet Underground. Seattle und Woodstock. Die Paten zum Retrohippiesound mit tollen Songs wie The way oder The years we got are not enough, scheinen schnell ausgemacht. Denkste, denn nach Blue Phoenix Tree beginnt der spannende, große Ausstieg aus der Platte!

Bei den ersten Tönen von Cataclysm 2084 meint man plötzlich einem anderen Interpreten zu lauschen. Trip Hop! DJ Shadow! Underworld! NIN und Tool! Vielleicht sogar Moby oder Fatboy Slim!? Ich hör so unglaublich viel in diesem Stück! Der Blick, über die üblichen Verdächtigen hinaus, in etwas fremdere Gefilde tut dem Album wahnsinnig gut! Mein absoluter Favourit:

Dicht gefolgt allerdings von der sechsminütigen Mantrakanone Asato Maa. Tibetische Gebetsmühle mit heavy Gitarrenchorus! Derbe gut:

Die Drums bleiben anschließend im Keller wenn die Lebensgeister zu Akustikgitarren in die Nebelschwaden tiefblauer Gewässer gehaucht werden. Earth, Over. Und meiner mittlerweile recht esoterischen Wortwahl nach zu urteilen, wurde mir das Arkanprinzip von Fortune, Shelter, Love and Cure wohl soeben zuteil. Richtig gut!

Dringende Kaufempfehlung gilt natürlich allen Genrefans, sowie im Speziellen auch naturverbundenen Menschen, die auf der Suche nach einem Soundtrack für intensive Draussenmomente sind. Auf Vinyl z.B. schon für läppische 15 Euro zu haben!            Go for it und der Musik etwas Zeit gönnen. Außerdem unbedingt bei Gelegenheit live anschauen!

Blue Phoenix Tree

Fortune, Shelter, Love and Cure im Stream:

Released 15.11.2013 via Motor & Electric Magic

Der The Magick Lantern Cycle ist cool (XXX019)

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Die Themen Kurzfilm und Okkultismus standen hier ja erst kürzlich zur Debatte. Da außerdem Halloween schon so langsam vor der Tür steht, könnte der Zeitpunkt für einen Kenneth Anger – Eintrag nicht besser gewählt sein.

Der erste Kontakt zu diesem kontroversen Filmemacher entstand bei mir über die Doku The Beach Boys and Satan. Diese behandelt unter anderem die Verbindung der Sunnyboys zu Charles Manson, im speziellen aber die zum aufstrebenden Schauspieler, Musiker und Manson-Jünger Bobby Beausoleil. Der noch immer inhaftierte Ganove(!) spielte 1966 die Hauptrolle in Angers bekanntestem Output Lucifer Rising, heute Bestandsteil und Finale der 9-teiligen Kurzfilmreihe „The Magick Lantern Cycle„, die den Kern Angers‘ Schaffen darstellt. Vor allem wegen dieser gilt der bekennende Anhänger der von Hexenmeister(!) Aleister Crowley iniziierten Religion Thelema als Pionier des amerikanischen Undergroundkinos.

Zu sehen gibt es massig skurille Charaktere in opulenten Outfits mit stark okkutlem Bezug und einer ordentlichen Portion Homoerotik, für die Anger seinerzeit auf jeden Fall eine Lanze gebrochen hat. Ruft man sich das Alter dieser Filme in Erinnerung erkennt man, dass dieser Mann definitiv Eier hat!

Auf Dialoge wird komplett verzichtet, dafür gibt es zum Teil heftig creepy Soundcollagen, für die auch mal die ein oder andere Rocklegende Pate stand…

Auf, auf durcharbeiten und bitte keinen plakativen Horrorquatsch erwarten!

1.Fireworks (1947)

Homoerotischer Matrosen Flick in Schwarz-Weiss. Heimlich im eigenen Elternhaus gefilmt und mit Kenneth Anger selbst in der Hauptrolle. Nach eigener Aussage das einzige was er zum Leben eines 17-jährigen zu sagen hat. Wird im letzten Drittel ganz schön grob…

2.Puce Moment (1949)

Anger spielt mit den Abendkleidern seiner Großmutter. Zweite Version dieses Films mit neuer Musik von einem Mann namens Jonathan Halper, der wohl sonderlich nicht weiter bekannt sein muss. Ein leicht schräg anmutendes Weib(!) parfümiert sich und träumt sich nach draussen. Irgendwie kommt das sehr nahe an das Gefühl welches ich bei The Velvet Underground & Nico verspüre. Ein Strauss Hunde ist auch mit von der Partie!

3.Rabbit's Moon (1950)

Beklemmender Soundtrack! Wenn dies auch zugegebenermassen nicht der echte ist. Die letzte von Anger verfasste Version kam mit dem „It came in the night“ – loop der Gruppe „A Raincoat“ etwas alberner rüber. Ich ziehe untrue wie ich bin diese Fanmade-Version vor, weil dramatischer.  Ein Clown versucht den Mond zu fangen, wird daraufhin von einem Harlekin geneckt und macht einer jungen Dame den Hof. Blau ist die Farbe der Sehnsucht. Hab ich in dieser Form zum einschlafen geschaut und hab die Nacht etwas unruhig verbracht.

4.Eaux D'Artifice (1953)

Klanglich und farblich geht es ähnlich weiter. Eine Frau irrt durch diverse italienische Springbrunnenanlagen. Von Kritikern gefeiert, aus meiner Sicht verzichtbar. Aber ich versteh ja auch nix von Kunst…

5.Inauguration Of The Pleasure Dome (1954)

Der Hauptdarsteller hat Schmuck zum fressen gern, ist Struwelpeter– und Marge Simpson-fan, trägt sein eigenes Merchandise und macht auch als Ramses eine gute Figur. Osiris hör ich da? Nene, das ist der gute alte Ramses! Wird in Kennerkreisen als Hommage an Aleister Crowley gehandelt, den der Hauptcharakter ebenfalls mimt. Silberkugeln machen nicht nur Werwölfe kirre, in der Hölle laufen Opereten und auch die Dame aus bereits bekanntem „Puce Moment“ befindet sich eben dort. Furchteinflössendes Teil! Bisschen zu lang vielleicht…

6.Scorpio Rising (1963)

(Aufgrund des hochkarätigen Soundtracks leider proxybedürftig)

Wahnsinnsjacken! Wahnsinnslogos! Wahnsinnsfrisen! Und die Jungs wissen wie man mit Fluppen umgeht! Charmanter Streifen der zu 50er/60er-Jahre-Soundtrack Bikerkult, Naziästhetik, Jesus und auch etwas Schwansss miteinander verknüpft. Hat seinerzeit die ein oder andere Kontroverse ausgelöst.

Bringt mir eine Anekdote einer ehemaligen Arbeitskollegin zurück ins Gedächtnis. Die nämlich war mit dem Vorstand eines Bikerclubs verheiratet. Ein Teil deren Aufnahmeprüfung: Der Neuling muss eine Grube ausheben und seine Kutte darin platzieren. Anschließen darf dann jedes Gangmitglied sowohl einen saftigen Burnout auf dem guten Stück hinlegen als auch flächendeckend darauf urinieren. Die Kutte muss danach getragen und nie wieder gewaschen werden.

Somit erscheint mir so manches was man hier zu sehen bekommt gar nicht allzuweit hergeholt. Scorpio Rising ist wohl das was man gemeinhin als Kult bezeichnet!

 

7.Kustom Kar Kommandos (1964)

Wir lauschen den Klängen der irren Paris Sisters während ein blonder Schönling seinen Hotrod pflegt. Braucht die Welt jetzt nicht wirklich, ist aber im Anschluss an „Scorpio Rising“ recht erfrischend und darf wohl auch als eine Art Erweiterung gesehen werden.

8.Invocation of my Demon Brother (1969)

Mick Jagger schmeisst den Moog an und spielt sich gleich auch noch selbst. Eingangs erwähnter Bobby Beausoleil macht uns den Luzifer und neben Anger tummelt sich auch Church of Satan – Gründer Anton Lavey unter dem munteren Haufen. Hohes Staraufgebot wenn man so will. Geraucht wird aus einem Schädel, die Hunde tragen Schnauzbart, Schwansss ist in etwa halb so groß wie Saturn und eine Hauskatze soll wohl auch irgendwo in dem Geschwurbel beigesetzt werden. Soll im übrigen Mitschuld an „Sympathy for the Devil“ tragen.

ZAP
YOU’RE PREGNANT
THAT’S WITCHCRAFT

Mein Favourit der Reihe!

9.Lucifer Rising (1970-1980)

Wir sind beim letzten Akt angelangt. Bobby Beausoleil bleibt bei seiner Paraderolle des Luzifers (zwischenzeitlich war da auch mal Mick Jaggers jüngerer Bruder Chris im Gespräch) und stiehlt anschließend die Filmrollen um Anger zu erpressen, wird wg. des ersten „Manson-Mordes“ an Gary Hinman zu lebenslanger Haft verurteilt und liefert vom Gefängnis aus den Soundtrack nach, den ursprünglich Zeppelin-Urgestein Jimmy Page zusteuern sollte und wohl auch irgendwann mal hat. Die Entstehung zog sich dementsprechend über Jahre hinweg ehe man ihn 1980 erstmals zu Gesicht bekam.

Sehr Ramseslastig und irgendwie entspannend. Bisschen Pink Floyd-Feeling. Ein guter Abschluss!

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Ich bin begeistert und nehme natürlich nur einen Bruchteil der Informationsfülle des „Magick Lantern Cycles“ wahr. Sicherlich gibt es da dutzenderweise Interpretationsansätze mit denen man sich nach belieben austoben kann. Ich für meinen Teil bin jedoch erstmal gesättigt und nehme das gesehene einfach mal so hin.

Der Legende nach schuf Anger wohl um die 40 solcher Kurzfilme, viele davon mittlerweile zerstört oder verloren. Diese 9 stellen somit den traurigen Rest dar. Bitte würdigen!

Seine Bücher Hollywood Babylon I + II sollen übrigens auch ziemlich dope sein!

Tue was du willst!

St. Anger!