Review: Roamer – What The Hell (2018)

What The Hell!? Während man bei Songtiteln wie Open My Pants, Sick Enough, Bye Bye Baby, Touchscreen, Rebel oder der grauselig kastigen Typografie, die die vorliegende Platte ziert und damit im krassen Kontrast zu den arty-anspruchsvollen Photo.-montagen steht, schon fast schreiend davonlaufen möchte, überrascht einen der musikalische Inhalt dann doch ungemein. Roamer schleifen den Hörer nämlich gnadenlos an den Haaren einmal quer durch die alternative Musiklandschaft. Weiterlesen

Review: Pink Lint – You might lose a few teeth but it’s fun (2014)

25377f9b-Pink Lint - You might lose a few Teeth but it's fun - 600x600Es gab mal eine Band, welche den googleunfreundlichen Namen Plus trug, Anfang der Nullerjahre eine Platte veröffentlichte und meines Wissens nach zwei weitere Alben produzierte, nur um sie dann doch in der privaten Schublade zu platzieren. Eben jene Band firmiert nun unter dem Namen Pink Lint und hat vor wenigen Tagen, nach achtjähriger Findungsphase, ein wunderbar federleichtes Indie-Album names You might loose a few teeth but it’s fun über Grand Hotel van Cleef veröffentlicht.

 

Auf Strophe-Refrain-Schemata wird größtenteils verzichtet, doch man merkt es kaum. Dafür sind die Arrangements viel zu catchy geraten, lässt man sich genug Zeit und dem Hörer Platz zum Atmen und Verstehen. Das ist durchaus beachtlich, bei der großen Instrumentenfülle aus Schlagstabspielen, verzücktem Guitarpicking, Bläsern, kleineren Elektrospielchen, Streichern und einer trockenen, sehr geschmackvollen Rhythmusgruppierung. Die Songs wirken  in keinem Moment überladen. Über allem schwebt dazu die Stimme von Mastermind „Oliver Burghardt“, die sich irgendwo zwischen Bright Eyes, Why? und Radiohead bewegt und ab und an von gefällig zarten Backgroundchören gestützt wird.

Passend für die zweite Jahreshälfte, den Frühstückstisch, zum Wäschewaschen und sicher auch zum Renovieren. Zudem auch live hübsch anzuschauen (die kommenden Tage auf Tour mit Marcus Wiebusch)! Fährt hoffentlich bald die verdiente Aufmerksamkeit ein!

Hat mich! Bittersweet!

Mein Lieblingstrack „Monsters of Age“:

Das wunderbare Musikvideo „The Great Ballon of All Things“:

Album-Stream:

Album kaufen:

Released: 10.10.2014 via Grand Hotel van Cleef

Review: Sugo – EP (2012)

23906_550589414954910_1413500438_nEin wenig mysteriös ist diese Veröffentlichung ja schon. Man weiss nicht so recht ob die Platte den Titel Tell the freaks I’m home again, Tell your freaks I’m home again, Take the Money and Run trägt oder schlichtweg unbetitelt ist.

 

 

Ähnlich verwirrt bin ich was das mitgelieferte Photo angeht, welches einen ebenfalls im Dunkeln lässt, ob es denn gleichzeitig auch das Coverartwork verkörpern soll…. Ist aber eigentlich auch egal, denn spätestens seit David Copperfield wissen wir, dass ein wenig Mystifizierung das Geschäft noch immer belebt hat.

Um die Sache mit den Vergleichen schnell abzuhaken, hauen wir gleich mal die Begriffe Radiohead und Muse in die Runde, die hier unvermeidbar sind, aus deren Vorbildfunktion Sugo selbst keinen Hehl machen, die aber dennoch nur eine Idee von der Musik geben und konzentrieren uns lieber auf den grandiosen Opener Forget:

Charismatisches Glockenspiel und interassente Hintergrundsamples blasen das von Slidegitarren getragene Stück nicht unnötig auf, sondern verstärken lediglich den verträumten Charakter der Nummer. Herrliches Ding und perfekt gewählter Einstieg, der sofort sämtliche Stärken der Jungs aufweisen kann: Schnörkellose Gitarrenmusik mit angenehmer und unaufgesetzter Kopfstimme!

Shamble fällt dank seiner verspielten Synthiemelodie positiv aus dem Rahmen und weiss mit rhythmisch ausgeklügeltem Refrain durchaus zu begeistern. Irgendwie sehr britisch das Teil:

Inmitten der 5 Track umfassenden EP dann das Monument Tell the freaks I’m home again. Bestens auf dem Zenit plaziert! Die Bassline killt einfach nur noch und die Songstruktur finde ich sehr beachtlich! Absoluter Höhepunkt für mich:

Das folgende Earl ist perfekte Roadtripmucke im besten Sinne des Wortes und der zur Abwechslung mal verhältnissmässig tiefe Gesang von Sänger Claudius schmiegt sich wohlwollend ins Herz, ehe das abschliessende Manic dann im Chorus nochmal ein Rockbrett aufs Parkett zaubert! Runde Sache!

Unterm Strich muss ich sagen, dass das Erstlingswerk(?) der Bremer Formation bei mir nicht direkt auf Anhieb zünden wollte, aber mich mittlerweile, nach einigen Hördurchläufen, gerade auch zur kalten Jahreszeit, auf voller Länge begeistern kann! Der entspannte Indierock von Sugo passt perfekt auf die Autobahn und ist absolut unproblematisch, kostenlos und legal über ihre Homepage zu beziehen oder für nen gut angelegten Fünfer per Email zu ordern!

Anhören, den sympathischen Jungs ein paar liebe Worte zukommen lassen und am besten baldmöglichst live begutachten! Kann ich aus eigener Erfahrung nur dringend empfehlen!

Anspieltips: Tell the freaks I’m home again, Forget

Tracklist:

1. Forget
2. Shamble
3. Tell the freaks I’m home again
4. Earl
5. Manic

Released: 25.11.2012 via www.sugo-music.de