Review: The Velvet Underground & Nico (1967)

artwork by Andy Warhol

Wenn schonmal so etwas großes wie ein 50-jähriger Geburtstag zu einer derart großen Platte wie dem ‚Bananenalbum‘ von The Velvet Underground ansteht, dann darf man wohl sicherlich auch einmal ein paar Worte über einen Klassiker verlieren, über den eigentlich schon alles gesagt wurde, oder? Und sei es nur, um dem innerlichen Drang einer öffentlichen Liebesbekundung nachzukommen. Here she comes, you better watch your step. She’s going to break your heart in two.

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Review: Marilyn Manson – The Pale Emperor (2015)

Marilyn-Manson-The-Pale-Emperor-620x620Seit heute steht das neue Marilyn Manson Album The Pale Emperor in den Läden. Mit gerade mal zwei Jahren zum Vorgänger Born Villian eine verhältnissmäßig kurze Wartezeit. Dabei ist das Erscheinen der Platte für einen eingefleischten Fan, wie ich es zumindest einmal war, verheerend. Ab jetzt nämlich fällt es schwer, etwaige Zuneigung, sei es auch nur die vergangener Tage, öffentlich kundzutun.

 

Nun nämlich ist der Mephistopheles of Los Angeles, zumindest für mich, ebensolange schlimm wie gut. Hab ich eben schlimm gesagt? Belanglos bis lächerlich trifft es wohl besser… Zehn fette Jahre (vom Debut Portrait of an American Family bis zur MTV – Hitschleuder The Golden Age of Grotesque) stehen nun zehn mauen gegenüber. Ein andauernder Zustand, angefangen beim unsäglichen Eat Me, Drink Me.

Das einschlägige Musikportale wie Kerrang!, Metal Hammer, Blabbermouth der Rolling Stone, ja sogar Metalsucks von Mansons „best album in years“ sprechen und zum Teil sogar Parallelen zum Meilenstein Antichrist Superstar sehen wollen, empfinde ich als große Frechheit.

Klar, die wollen ja auch nur Geld verdienen und zugegeben: Bei Produktion und Cover (inc. lässiger Doppelkinnkaschierung) hat man sich etwas mehr Mühe gegeben als auf den beiden Vorgängerplatten. Aber ergibt das ergo gleich ein besseres Album? Das dargebotene monotonbesoffene und uninspirierte Geleiher aus sich bis zum erbrechen wiederholenden, dümmlichen Textphrasen (laut Manson soll das wohl Blues sein) ist mehr als unerträglich und erstickt auch jeden noch so gut gemeinten musikalischen Ansatz mit Leichtigkeit im Keim. Dabei bemüht sich die Instrumentierung zumindest um ein homogenes, wenn auch unspektakuläres Gesamtbild.

Für dieses zeigt sich vor allem Neuzugang und Sunnyboy Tyler Bates verantwortlich. Laidback, southernlike und staubig heißt die neue Devise. Gerne mal garniert mit dicken Knarzbässen. Das dürfte nicht von ungefähr an Rob Zombie erinnern, welcher Manson bezeichnenderweise auf der gemeinsamen Tour jede Nacht an die Wand spielte.

Gute Songs? Anspieltips? Fehlanzeige… Der Opener ist zusammen mit den beiden Vorabtracks Cupid Carries A Gun und Third Day of a Sevenday Binge noch am bekömmlichsten. Dabei sind genannte Titel natürlich selbstredend schon beeindruckend fürchterlicher Käse…

…zumal sich mit Twiggy Ramirez der einstige Hauptsongwriter der Band unlängst wieder an Board befindet. Traurig: Das Duo Manson/Ramirez, welches für die absolut großartigen Popsongs von Mechanical Animals verantwortlich gewesen sein soll, ist allem Anschein nach tatsächlich zu nichts besserem mehr fähig als diesem, hier vorliegenden Armutszeugnis.

Auch nach mehrmaligem Anspielversuch bleibt The Pale Emperor un-schönhörbar und unschön hörbar. Leider ist das einst schillernde Gesamtkunstwerk Marilyn Manson zu einem Schatten seiner eigenen, nunmehr schon Selbstparodie verkommen und taugt derzeit bestenfalls noch als Witzvorlage. Einer von Ex-Keyboarder Madonna Wayne Gacy gern genutzten wohlgemerkt. Der dürfte an der neuen Platte wieder seine helle Freude haben… Kenner sollten unbedingt mal dessen Facebookfreundschaft anfordern… sehr unterhaltsam!

Wer noch nach Beweisen für die Qualitäten des neuen Outputs sucht, findet sie spätestens in den hitverdächtig grottigen Musikvideos… Das kann einfach nicht deren scheiß Ernst sein…

Deep Six

Cupid Carries A Gun

 Albumstream:

Hier noch ein Appetizer für alle, die den Pale Emporer (kein Schreibfehler: EMPORER!) in desaströser Deluxeversion ihr Eigen nennen wollen:

Ich bin dann mal raus…

Released: 20.01.2015 via Hell etc. / Cooking Vinyl / Loma Vista Recordings

Review: Powerman 5000 – Tonight the Stars Revolt! (1999)

2667427712_d46ea10685_z„Abgespaceter Sci-Fi-Metal der ab und zu in Richtung Marilyn Manson schielt und White Zombie locker an die Wand rockt!“ – So (meine ich mich entsinnen zu können) der Tenor einer Kurzbeschreibung zum PM5K – Album Tonight the Stars Revolt! im Mailorderkatalog EMP, etwa um die Jahrtausendwende herum.

Welch vortreffliche Beschreibung, bei der vor allem letzterer Vergleich nicht von ungefähr kommt… Aber immer schön der Reihe nach!

Your future has arrived…Are you ready yo go? Bereits im Intro An Eye is upon you kommt die albumübergreifende Sci-Fi Thematik deutlich zum Vorschein und lädt ein zum bunten MTVcomicopera-industrialmetal mit catchy Gitarrenriffs. Mainstreamtauglicher Metal mit Comictexten? Der Rob Zombie Vergleich ist ebenso unausweichlich wie berechtigt, ist PM5K-Sänger und Mastermind Spider 1 doch dessen jüngerer Bruder. Doch damit nicht genug Verschwandtschaftsaction : Auch der damalige Neuzugang Mike Tempesta teilt sich nicht aus reinem Zufall den Nachnamen mit dem jahrelangen Zombie-Stammdrummer John Tempesta. Dem Mann an der zweiten Gitarre ist der Metal-Einschlag dieses, zumindest in den Staaten, wahnsinnig erfolgreichen Albums zu verdanken. Somit bricht es sowohl komerziell als auch stilistisch mit den eher von groovy Crossover und Sprechgesang dominierten Vorgängern A Private Little War (1993), True Force (1994), The Blood Splat Rating System (1995), sowie dem Majordebut Mega!! Kung Fu Radio (1997).

Von solch alten Kamellen wollten Powerman (übrigens benannt nach diesem chicen Comic) anno 1999 scheinbar nichts mehr wissen. Stumpf, tight und maschinell auf den Punkt hiess seinerzeit die neue Devise! Das macht bereits der Einstieg mit Supernova goes Pop mehr als deutlich klar. Macht mir jedesmal sofort Bock auf mehr. Ein Verlangen, welches mit dem weiteren Verlauf der Platte glücklicherweise problemlos gestillt werden kann! Wer jemals Tony Hawk’s Pro Skater 2 gezockt hat, dürfte mit dem nachfolgenden, bekanntesten Stück der Band „When Worlds Collide“ bestens vertraut sein. Hit!!

Das eher schleppende, sehr maschinelle „Nobodys Real“, ebenfalls als Single ausgekoppelt könnte man wiederum von Schwarzeneggers‘ finest End of Days unterbewusst aufgeschnappt haben. Überhit!

Man könnte die Liste so weiterführen, denn bis auf das etwas maue Automatic und die unnötige Coverversion Let the Goodtimes Roll (allerdings: DJ Lethal! im Feature) überzeugt das Album sonst auf ganzer Länge. Beim neunten Track „Operate, Annihilate“ dürfte es sich dabei wohl um meinen absoluten Favouriten handeln:

Alter. Wie oft ich den Song damals im Schulbus über meinen Discman (!) gepumpt hab und mich derbe cool gefühlt hab… ähnlich cool wie in dem Moment, als die artverwandte Band Static X beim 2003er Rock im Park dabei war die Bühne zu entern und selbiger Song über die Boxen schallte. Selbstredend wähnte ich mich in der Position des Kenners und dachte der Einzige zu sein, dem das Stück bekannt ist. Pre-Internet-Ära und so… Da konnte man sowas noch ernsthaft glauben… Those where the days…

Weiterhin interessant: Blast Off to Nowhere (Rob Zombie im Feature, der selten kreischiger klang als auf diesem Stück – Fahrt ab auf die Brüder!) und die aus dem Rahmen fallende, wunderschöne Schlußnummer „Watch the Sky for me“:

Stargast auf diesem Track: Ginger Fish, ein gutes Jahrzehnt DER Drummer bei Marilyn Manson und mittlerweile bei (surprise) Rob Zombie. Ungewöhnlicherweise bei diesem Song nicht an den Drums, sondern am Piano. Wie es dazu kam, kann man in diesem schönen Interview nachhören. Das der Song eine Adaption von Vangelis‘ One more kiss dear ist wusste ich selbst bis eben auch noch nicht.

Fazit: Wer mit den Teenage Mutant Ninja Turtles, Captain Planet und Marshall Bravestarr aufgewachsen ist, ein Faible für Roboter und Science Fiction – Thematik hat, auf Naruto-optik klarkommt und bei Industrial-Metal der Marke White Zombie, Marilyn Manson oder Rammstein nicht gleich das kalte Kotzen bekommt, dürfte hier sehr, sehr glücklich werden. Der Rest darf getrost weiterskippen oder sich wahlweise ins Fäustchen lachen. Ich steh jedenfalls auf das hier abgelieferte Gesamtpaket aus Musik, Thematik und Optik. Dass sich die heute immernoch aktive „Band“ – lediglich Spider ist übriggeblieben – ihrer öffentlichen Wahrnehmung durchaus bewusst ist, kann man in diesem charmanten Interview nachlesen!

Desweiteren empfehlenswert: Die Tracks Ultra Mega! , Get on get off! , das kurz vor Release eingestampfte und als Nachfolger angedachte Anyone for Doomsday? (2001), sowie sämtliche, oben aufgeführten Vorgänger. Vom nachfolgenden Rest ist leider größtenteils eher abzuraten…

Released: 20.07.1999 via Dreamworks

Der Chocolate starfish and the hotdog flavored water – Releaseparty ist cool (xxxisql037)

Artwork by Wes Borland

Thank u Lord! Da ist es! Was hab ich schon danach gesucht… Ein bereits verloren geglaubtes Relikt aus alten Tagen ist endlich aufgetaucht:

Der legendäre MTV-Bericht zur Releaseparty von Chocolate starfish and the hotdog flavored water aus dem Jahre 2000. Wahrscheinlich DER kommerzielle Höhe- und Wendepunkt des New Metal und deshalb natürlich nirgendwo besser abzuhalten als in der Playboy Mansion. Und alle waren sie da: Deftones, Methods of Mayhem, Rob Zombie & Spider 1 von Powerman 5000, Korn, Backstreet Boys, Incubus, Michael Kelso und Steven Hyde von der 70s Show, Wes Borland im Fantômas-Shirt… und und und… es ist fast wie im Traum!

Dazu gibt es Limp Bizkits Top MTV – Momente im Schnelldurchlauf und Fred Durst Galore im Überfluss:

This is not a test - This is reality !!!

Chocolate starfish and the hotdog flavored water ist natürlich auf Spotify abruf- oder auf dem Flohmarkt deines Vertrauens auffindbar:

Der Clip von Sean Yseults‘ neuer Band ist cool (xxxisql026)

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White Zombie anno 1995 (as found on hennemusic.com)

Die Bassistin Sean Yseult war mit Sicherheit nie der tragende Grund, warum man White Zombie gut finden sollte, stellte aber bis zum Split 1997, als einzig verbliebenes Gründungsmitglied neben Aushängeschild Rob Zombie, eine feste Konstante im Lineup dar.

Und auch wenn sie ihr Haupt gerne Mal mit Knochen oder Teufelshörnchen schmückte, sowie einen absolut schrecklichen Geschmack an den Tag legte, wenn es um die Optik ihrer Bässe ging (Axt Form, Sean, Axt Form!), hat die Gute eigentlich nie wirklich gestört. Eher hatte man bei ihr immer den Eindruck, es trotz diverser Ausrutscher, mit der recht stilsicheren Rockerbraut von neben an zu tun zu haben. Irgendwie sympatisch.

Dieser Eindruck ist nun definitiv dahin. Denn auch wenn ihr Ex Rob mit seinem Tourkumpanen Marilyn Manson beim Thema The Shining ähnlich daneben griff, ist das, was die moshende Sargbasslady nun zusammen mit ihrer neuen Kapelle Star & Dagger verbrochen hat, beim besten Willen nicht mehr (er)tragbar:

Star & Dagger – In my Blood

Mir fehlen einfach die Worte! Stanley Kubrick hätte den Mädels die Ohren lang gezogen! Die Musik darf ja jeder Bekloppte da draussen für gut befinden, aber das Visuelle macht einen nur noch fassungslos! Man sollte meinen es gäbe rechtliche Schritte, um die Schändigung eines derartigen Meisterwerks zu verhindern.

Wer macht nur sowas? Die Antwort lautet: Art Haynie! Der muss wohl auch nen Cameo in seinem Werk haben, aber fragt bitte nicht wo. Ich habe nämlich nicht vor, mir dieses Ungetüm von einem Musikvideo ein zweites Mal anzutun! Die Highlights sind auch derart breit gefächert, dass man kaum auf Details eingehen kann. Wobei, die Hose der Sängerin Von Hesseling eigentlich ganz klarer Favourit sein sollte! Ganz grauselig!

Den Leuten scheint es offenbar trotzdem zu gefallen:

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Bleibt nur zu hoffen, dass der Wunsch dieses Users nicht wahrgenommen wird:

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Wer diesen Crap tatsächlich weiterverfolgen mag, kann sich hier zur aktuellen Platte informieren.

Was mich allerdings schon die ganze Zeit wundert ist, dass noch kein anderer Künstler auf die Idee gekommen ist, die Bildgewalt von The Shining in ein Musikvideo zu packen…

 Slipknot – Spit it Out

Wo wir gerade eh schon bei The Shining sind. Die noch recht aktuelle Doku Room 237 steht derzeit auf Youtube und versucht anhand abstrusester Nerdfachsimpeleien zu erklären, warum man es bei  dem Klassiker mit dem wahrscheinlich besten Film aller Zeiten zu tun hat! Definitiv unterhaltsam und tatsächlich an manchen Stellen sehr aufschlussreich:

Room 237

Wollen wir abschließend mal nicht so sein und zeigen die olle Sean Yseult noch einmal in Bestform. Der White Zombie – Clip zu More Human than Human vom 95er Astro Creep 2000 – Songs of Love, Destruction and Other Synthetic Delusions of the Electric Head tut sein bestes um das Bild wieder gerade zu rücken:

White Zombie – More Human than Human

That’s more like it!

So, mal wieder mit The Shining, Oldschool- Slipknot und White Zombie beschäftigt. Ich würde mich fast dazu bewegt fühlen mich bei Sean zu bedanken, wenn ich meine Zeit nicht sowieso jeden zweiten Tag mit diesen Themen verschwenden würde…

Der Elementree ist cool (XXXisql009)

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As found on elementree.com – Courtsey of Elementree/Reprise

 

1998: Korn werfen ihren dritten Longplayer Follow the Leader auf den Markt und befinden sich auf dem Rockstarolymp. Spätestens jetzt ist man vom gefeierten Szenestar zum MTV-Darling mutiert. Und was macht man als solcher? Klar: Ein eigenes Label gründen natürlich! Schließlich weiss man ja am besten, was die Leute hören wollen und was sich gut verkauft. Was sich in der Theorie absolut schrecklich anhört, erwies sich in der Realität allerdings als durchaus reizvoll.

Ob absichtlich oder nicht: Das Korn Label Elementree präsentierte von 1998 bis 2006 Künstler, die sowohl musikalisch als auch optisch und thematisch eine ähnliche Kerbe beackerten (der eigentliche Grundgedanke hinter der Idee eines Labels…). Nun gut, bei einer mikrigen Anzahl von nur 3 Acts dürfte das allerdings ein nicht allzu schwieriges Unterfangen gewesen sein…

Fälschlicherweise werden die Elementreekünstler dank ihrer New Metal – Ziehväter oft in eben diesen Kontext gestopft, wo sie musikalisch aber eigentlich nicht wirklich hingehören. Zwar hat man auch bei Elementree tief in den Schminktopf gegriffen und mit K-razy Bühnenoutfits, Instrumenten und Frisuren herumexperimentiert, doch hatte das Ganze einen unübersehbaren Sci-Fi-Anstrich, der sich auch deutlich in der Musik der kalifornischen Bands niederschlug: Futuristische Texte treffen auf sehr synthie- und samplelastige Gitarrenmusik, die größtenteils wohl eher im Industrial/Glam Bereich anzusiedeln ist.

Nix groß am Hut also mit bebasecapten Midtwenties die ihre Teenageangst stolz auf der Brust tragen? Ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Machen wir uns also gefasst auf ein Namedropping der üblichen Verdächtigen, wenn wir Orgy, Videodrone und Deadsy mal etwas näher beleuchten!

 

ORGY
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Photo by Joseph Cultice – Courtsey of Elementree/Reprise

Die ersten im Bunde sind zeitgleich auch die bekanntesten und erfolgreichsten aus dem Elementree-Stall. Das Debutalbum Candyass aus dem Jahre 1998 entpuppte sich  zumindest in den Staaten als Platin-seller. Neben der Tatsache sowohl die erste Band auf dem Korn-Label (inklusive Teilnahme an der ersten Family Values Tour) gewesen zu sein, wird dieser Umstand auch oft der bekannten Coverversion des New Order Klassiker Blue Monday zugeschoben. Ein zusätzliches Feature mit Jonathan Davis auf dem Track Revival und auch die stilistische Nähe zum fast zeitgleich erschienenen Mechanical Animals von Marilyn Manson machten dann den öffentlichen Eindruck der Nachahmerband ohne eigene Identität perfekt.

Obwohl man erst nach Fertigstellung des Debüts die Bühne erklomm, waren die Orgy-Mitglieder bei weitem keine unbeschriebenen Blätter mehr. So war Fronter Jay Gorden der Legende nach sowohl Bassist bei Deadsy, als auch Mitglied der New Metal Pos(t)er Boys Crazy Town und irgendwie auch mit den Sunnyboys von Lit verbandelt. Auch die erste Coal Chamber – Platte ging zu großen Teilen auf seine Kappe. Der Produzentensessel wurde jedoch zeitweise mit Engineer Amir Derakh geteilt, früherer Gitarrist der stylebewussten Rough Cutt und späterer Kollege bei Orgy am ähöm: G-Synth. Gitarrist Ryan Shuck, ehemaliges Bandmitglied von Davis‚ erster Kapelle Sex Art komplettierte dann alsbald den kreativen Kern von Orgy.

Zusammen mit Basser Paige Haley und Drummer Bobby Hewit warf man dann mit erwähntem Candyass und dem 2000er Zweitling Vapor Transmission zwei Full-Length Alben übers Korn-Label in die Welt, welche mich auch heute noch umblasen. Jeder Track hat seine Daseinsberechtigung und Füllmaterial sucht man vergeblich. ( Aber dazu mehr in den Reviews zu Candyass und Vapor Transmission).

Obwohl man ab 2000 eine komerziellere Richtung anpeilte, blieben die Verkaufszahlen dennoch hinter den Erwartungen zurück (für Gold sollte es dennoch reichen). Die erste Single Fiction (dreams in digital) schlug sich zwar recht ordentlich, doch zur zweiten Auskopplung gabs dann nicht mal mehr ein Musikvideo, geschweige denn große Promotion. Probleme mit dem Label wurden publik und Bobby verließ die Band, um die es dann erstmal still wurde.

2004 raufte man sich dann mitsamt Bobbster doch nochmal für Punk Statik Paranoia zusammen. Doch sowohl das selten hässliche Artwork, als auch die mikrigen 9 Tracks machten irgendwie den Eindruck, dass da nicht mehr so viel Bock vorhanden ist. In Deutschland kam das Teil schon gleich garnicht mehr in den Handel und das neue Label D1, betrieben von Jay Gordon und dessen Vater war noch schneller wieder in der Versenkung veschwunden als man schauen konnte. An und für sich ist das Album nicht mal übel, doch steht es in Sachen Klasse, Hitdichte und Wiedererkennungswert in keiner Relation zu den grandiosen Vorgängern.  Auch der versuchte Imagewechsel, nachzusehen im Clip zur Single Vague stand ihnen meiner Meinung nach nicht sonderlich gut zu Gesicht.

Kurz danach gab es noch die von Fans unterstützte DVD Trans Global Spectacle (die in meinem Kopf btw. als grauenhaft vermerkt ist) und eine erneute Sendepause die bis 2012 andauern sollte. Ryan und Amir vertrieben sich die Zeit einerseits mit ihrer neuen, noch heute aktiven Band Julien K, sowie dem Linkin Park Spin-off Dead by Sunrise von Chester Bennington. Als die Band bereits von sämtlichen Fans abgeschrieben war, begann 2010 eine köstliche öffentliche Schlammschlacht zwischen Ryan/Amir vs. Jay, als letzterer bekannt gab er wolle das Orgyding wieder vorantreiben, allerdings ohne seine alten Weggefährten. Nachzulesen in Facebookpostings der Herren Shuck, Derakh und Gordon. Sehr unterhaltsam das Ganze!

Das neue Orgy – Lineup hat gleich 2 ehemalige Deadsy – Mitglieder an Board, mit Grime of Century einen okayen Song samt fürchterlichem Video veröffentlicht, die erste US Tour bereits hinter sich und arbeitet momentan an einem neuen Release. Mal die Platte abwarten, aber ich glaub ich bin dann raus…

Das alte Zeug zähle ich aber immernoch zu meinen All-time-favourites! Checkt mal:

Stitches

 

VIDEODRONE
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Photo by Jeff Jones – Courtsey of Elementree/Reprise

Das zweite Elementree-Signing hört auf den Namen Videodrone und hatte schon vor seinem selbstbetitelten Debut eine beachtliche Geschichte vorzuweisen. So formierte sich der Kern der Band bereits 1988 unter dem Namen Cradle of Thorns und veröffentlichte neben dem durchaus hörbarem Gothic/Rock Release Remember it Day zwei fast unerträgliche Alben über Triple X (ein Label welches schon Jane’s Addiction oder Social Distortion Starthilfe gab). Die Platten Feed Us und Download This lassen zwar schon die Experimentierfreudigkeit erkennen, die Videodrone später mal so interessant machen sollte, doch geht die Produktion auf keine Kuhhaut, erkennt man kaum Songs in dem wirren Brei, ist die Stimme der ehemaligen Co-Sängerin Tamara Slayton jenseits von Gut und Böse, nerven die Interludes und Noisecollagen die jeden Anflug von Stimmung sofort im Keim ersticken. Aber davon kann sich gerne jeder selbst ein Bild machen.

Beheimatet im kalifornischen Bakersfield ist ihre Nähe zu Korn bzw. Davis‚ Vorgängerband Sexart damit auch schon geklärt. Die Kleinstadtrocker waren nämlich schon früh connected. Bezeichnend auch der Umstand, dass Johnny Boy ursprünglich zum C.O.T. / Videodrone Frontmann Ty Elam aufblickte:

„Ty was the one who first inspired me to sing. When I was in my first Band Sex Art, Ty would always come out and sing the Song ‚Sex Art‘ with me. I had no idea how to sing when I first joined that band. I just watched what he did.“ (J.Davis 1999 während des Videoshoots zu ‚Ty Jonathan down‚)

Witzig, wenn man bedenkt, dass man Videodrone später eher in die Korn-Nachahmer Schublade steckte. Als Korn dann ihr Label am Start hatten, war es dann natürlich Ehrensache ihre alten Homies zu unterstützen und das ging sogar über den Plattendeal hinazs. Als Produzent agierte nämlich kein geringerer als Kornbassist und Rock‘ n Roll Gangster Fieldy, der im Übrigen durch seine Cradle of Filth – Scherze den Anstoß zur Namensänderung gab. Doch auch damit noch nicht genug Starthilfe von Papa Korn: Brian „Head“ Welch gab bei  Power Tool for Girls noch eine Schippe seines Könnens hinzu und Davis bereicherte mit eben schon erwähntem Ty Jonathan Down sowohl den Opener als auch einzigen Videoclip der Band mit seiner Person (traurigerweise ist der Song auch gerade deshalb ihr bekanntester). Zudem wurde man  auf die ausgedehnte Rock is Dead Tour von Korn und Rob Zombie eingeladen und übernahm mit Jesus (Lord of the Apes) auch gleich noch einen Song der Korn-Vorgängerband L.A.P.D.

Bei soviel Unterstützung sollte man meinen, man sei glücklich mit seinem Label gewesen. War man zu Beginn wohl auch, doch wurde im Nachhinein eher Kritik am Label ausgeübt: So habe man den Fehler gemacht mit Faceplant die softeste Nummer als Single auszukoppeln, die Maxi-CD zum zwar bestehenden Videoclip Ty Jonathan Down nie veröffentlicht zu haben und auch nicht genug Geld bereit gestellt habe um genügend Shirts zu produzieren, geschweige denn überhaupt Promotion für das Album gemacht zu haben. Nachdem man dann 2000 von Reprise gekickt wurde, warf man dann  ziemlich schnell komplett das Handtuch.

2008 hatte dann auch Ty ein Jay Gordon – ähnliches Syndrom, als auch er seine alte Band unter dem Namen Cradle of Thorns wiederbelebte. Ebenfalls ohne auch nur einen seiner früheren Mitmusiker dabei zu haben versteht sich. Ausser einer völlig unbeachteten Online – Single namens All over again trug das Projekt bis heute keine weiteren Früchte und es ist wohl auch unwahrscheinlich, dass da noch etwas kommen wird.

Während Drummer Kris Kohls, als Drummer von Adema (witzigerweise bekannt dafür durch den Halbbruder von Jonathan Davis gefrontet zu werden und  das hässlichste EP-Cover der Welt verschuldet zu haben) weiterhin tourt, ist der Rest der Band nach diversen Projekten mittlerweile ganz von der Bildfläche verschwunden.

Und das ist sehr Schade. Denn der einzige Release von Videodrone ist und bleibt eines der besten und innovatisten Alben die je im New Metal Dunstkreis entstanden sind. Das Material ist zwar zu Beginn etwas zäh und sperrig, doch wenn die Songs sich einmal geöffnet haben, erschließt sich einem deren Brillianz. Doch mehr dazu im Review.

Ich würde jetzt nicht soweit gehen und Videodrone uneingeschränkt jedem empfehlen, denn das was die Jungs seinerzeit geschaffen haben ist schon Special-Interest-Kram und damit auch nicht jedermanns Sache. Allerdings liegt im Falle von Videodrone ein echter Geheimtip für Leute die nach Neuem und Ungehörtem suchen vor.

Dass Videodrone von der Öffentlichkeit als eines der schlimmsten New Metal Verbrechen ever angesehen werden, dürfte nicht zuletzt an der selten albernen Perfomance ihrers Videoclips liegen, in dem sie darüber hinaus eh nur die zweite Geige spielen nicht. Schafft man es aber sich da durchzubeissen und sich nicht abschrecken zu lassen, kann man ein wirklich tolles Album entdecken:

 

Ty Jonathan Down

 

DEADSY
Deadsy

Courtsey of Elementree/Reprise

Die dritten und letzten Elementree-Schützlinge sind bei mir so ein Zwischenfall. Zwar steh ich ultra auf diese ganze Bubblegumoptik die die Jungs seinerzeit abgezogen haben und finde auch die musikalische Grundausrichtung durchaus fresh. Doch leider mangelt es den Kollegen meiner Meinung nach einfach an Hits um mich auch auf Albumlänge zu überzeugen.

Hier und da gibt es sehr gute Tracks wie das absolut grandiose The Key to Gramercy Park (siehe auch Clip unten), Winners oder Time, die jedoch inmitten von drögem, uninspiriertem Songbrei allein auf weiter Flur stehen. Sound, Stimme und Image sind toll, doch an packendem Songwriting hapert es dann doch (siehe auch Commencement Review).

Die als Kunstprojekt angelegte Band um Phillips Exeter Blue I, (seines Zeichens Sohn von Pop-Ikone Cher), hatte bereits vor ihrem Majoreinstieg ein selbstbetiteltes Independent Debut vorzuweisen, das heutzutage allerdings nur noch schwer zu bekommen ist. Dreimal darf man nun raten welcher bekannte New Metal – Star sich auf Sleepy Hollow, dem letzten Titel der Scheibe die Ehre gab: Klar, der dicke Johnny natürlich! Dürfte bei dem einen oder anderen Kazaa-Jünger auch noch als Korn & Marilyn Manson – Blair Witch auf dem Rechner gammeln…

Wem übrigens der Name des Sängers Phillips Exeter Blue schon merkwürdig erscheint, dem seien doch auch noch andere Namen des Deadsy-Revolving-Door-Lineups ans Herz gelegt: Alec Püre, Dr. Nner, Creature, The Beast, oder Carlton Megalodon. Letzterer übrigens an der ähöm: Z-tar.

Mitlerweile liegt auch diese Band auf Eis. Weder das Indiedebüt, Commencement, der Nachfolger Phantasmagore von 2007, geschweige denn die Pushingversuche aus dem Hause Korn und Limp Bizkit vermochten es den Deadsyzug ins rollen zu bekommen. Vor allem Fred Durst prophezeite der Band damals eine große Zukunft und kürte Commencement anno 2002 zu seinem Lieblingsalbum. Der einzig ordentliche Clip mit Budget wurde dann auch vom Microphone Abuser-Himself auf die Beine gestellt, ist in Deutschland aber leider nur mit Hilfe des allseits beliebten Proxytricks geniessbar. Wer bei dem Song übrigens genau hinhört wird auch hier once again Jonathan Davis im Background erkennen können. Voila:

The Key to Gramercy Park

Yau, echt schade, dass da nichts mehr geht bei Elementree… Homepage ist down seit 2007 und ein wirkliches Statement zum Ableben gab es meines Wissens nach auch nicht, dürfte aber nicht zuletzt mit der stetig sinkenden Korn-Nachfrage zusammenhängen. Hätte mich schon stark interessiert wie die für Elementree angekündigten Releases von The Drama, Marz oder RBX sich im Katalog gemacht hätten…
Nachvollziehbar ist der Schlussstrich anhand der letztlich mageren Verkaufszahlen allerdings schon und vielleicht nach dem „Klasse statt Masse“– Prinzip sogar gerechtfertigt. Gerade deshalb nämlich verbleibt mir dieses Label wohl auch mit wonnigem Gefühl im Gedächtnis, auch wenn ich die geschminkten Buben in ihren PVC Anzügen schon etwas vermisse…