YO! SAM TV RAPS!

Erinnert sich noch jemand an Samsemilia’s Pott Cast? Das war der unterhaltsame aber nicht sonderlich langlebige Podcast von Samy Deluxe, der gerade mal sechs Episoden abgeworfen hat. Weiterlesen

Review: Main Concept – Hier Und Jetzt (2015)!

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Zehn Jahre keine LP. Und doch gibt es Main Concept schon fast ein Vierteljahrhundert. 1990 gegründet, zählen MC David Pe, Beat-Tüftler Glammerlicious und Dj Explizit als Vorreiter, gerade was Hip Hop aus München angeht. Und der kann nur aus dem gleichen Holz wie Blumentopf geschnitzt sein. Und da man sich gegenseitig gern hat, war der mittlerweile aufgelöste Topf auch 2015 noch gern gesehener Featuregast. Wie früher halt. München Halt.

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Die sind freilich nicht die einzigen Freunde, die sich die Feature-Ehre geben um das 25-jährige Main Concept-Jubiläum im Hier Und Jetzt zu feiern. Wasi von den Massiven Tönen, Boshi San, Retrogott, Aphroe von R.A.G., Flowin Immo, MC Rene, Spax, Vier Zu Eins, Get Open, Samy Deluxe, Eizi Eiz und Denyo sind mit von der Partie. Was zumindest den drei letztgenannten gelungen ist, nämlich auch über die Grenzen der Hip-Hop-Community ein relevanter Begriff zu sein, ist Main Concept ewig verwährt geblieben. Aber hey: Genau genommen wollten sie es ja auch nicht anders.

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Nun hab ich den Vorgänger Equilibrium von 2006 nie aufmerksam gehört, aber zumindest Genesis Exodus, das 1998 einigen anderen Kollegen schon um Längen voraus war, zeigte kein großes Interesse an kommerziellem Erfolg. Vom wahnwitzigen und äußerst hörenswerten Freestyle-Experiment Plan 58 ganz zu schweigen, was sich ob seiner Natur natürlich gleich jeglicher Struktur verweigerte. Statt großer Hooks und Anbiederungsversuche in Richtung Mainstream, frönt man Zeit des Bestehens lieber leidenschaftlich klassischem Conscious Rap mit Message und komplexen Texten, die an Vernunft und Aufrichtigkeit appellieren. Musik machen aus Spaß an der Freude könnte man auch sagen. Und das ist auch heute noch so.

„Keine Revolution sondern Evolutiontönt es da aus den Boxen. Wenn man letzteres auch mit der Lupe suchen muss, denn die Veränderung fällt allenfalls geringfügig aus. Wähnt man sich beim Hören doch stets in der Klasse von 94. Genau dass dürfte aber den Fans gefallen, denn hey: Genau genommen wollten sie es ja auch nicht anders.

So richtet sich Hier Und Jetzt auch ganz klar an die Dudes von früher, die „mittlerweile Haare, weiß wie der Schnee“ haben. Klar, dass man jene Hip-Hop-Generation nicht unnötig stressen mag. Dementsprechend chillig, jazzy und unaufgeregt fallen die Beats aus. Humorvoll bis kritisch kehrt David Pe dazu wie eh und je den selbstwussten, reflektierenden und gebildeten MC nach außen. Entweder er verkauft sich gut oder der Kerl hat tatsächlich was auf der Pfanne. Das war früher so. Und das ist auch heute noch so.

Unterm Strich tritt man auf der Stelle. Das aber immerhin souverän. Das Handwerk versteht man. Schade, dass man dem Hörer gerne mal das Gegenteil verzapfen will, wie auf Zufriedener Mann: „An meine Art zu rappen kommt niemand hier ran, sie unterscheidet sich vom Einheitsbrei signifikant.“ Trotzdem: Nettes Lebenszeichen mit netten Features und paar netten Songs. München Halt.

Anspieltipps: München Halt, Hier Und Jetzt, Wer Seid Ihr?

Hier Und Jetzt im Stream:

Die aktuelle Main Concept holst du dir bei Interesse Hier Und Jetzt im Lieblingsformat zu moderaten Preisen!

Released: 13.11.2015 via Buback Tonträger

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

Review: Nico Suave – Unvergesslich (2015)!

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Massive Töne, Creutzfeldt Jakob, Fünf Sterne, Eimsbush, Stieber Twins, Freundeskreis, Sleepwalker, Das Bo, Die Beginner, Sam, Töpfe und Eins Zwo: Alleine im Titeltrack hagelt es allerfeinstes Namedropping, welches passend zur A-N-N-A zitierenden Hook an die Goldenen Zeiten des deutschen Rap erinnert. Der Protagonist Nico Suave hat sie schließlich miterlebt. Debattiert man aber über die großen Namen jener Zeit, wird er gerne mal vergessen.

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Seit 2015 arbeitet er nun daran, genau dass zu ändern. Nicht mehr Vergesslich sondern Unvergesslich möchte er sein. Das Resultat ist ein Album, das entgegen seinem drögen Vorgänger tatsächlich Mit Liebe Gemacht ist. Das ist unüberhörbar. Seitens der Instrumentalisierung ist das mit Live-Musikern produzierte Werk nämlich auf äußerst hohem Niveau. Sehr lebendig und mit viel Liebe zum Detail wird zwischen Vintage, 60s, Soul, Indie und ja, auch ein bisschen Hip Hop hin- und hergependelt.

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Auch auf textlicher Ebene wollen, zu lässig unaufgeregtem Rap- Flow, unterschiedlichste Facetten ausgelotet werden. Statt zu spitten und representen möchte Suave den Hörer dabei emotional abholen und ist daher sehr auf Inhalte bedacht. Macht als Vater und Familienmensch  schließlich Sinn. Vom Stolpern und Scheitern wird da erzählt. Oder über  den eigenen Ziehsohn Avi.

So weit, so gut, so akzeptabel bis spannend. Wären da doch nur nicht die Refrains. Suave nämlich steht auf große, gesungene Hooks. Da ihm nach eigener Aussage aber das Talent dazu fehlt, werden diese kurzerhand von diversen Featuregästen beigesteuert. Das funktioniert mal besser, wie mit Matteo Capreoli im Opener Hochhinaus und mal schlechter, wie mit Nosliw. So Sieht’s Aus.

Die absolute Pathos-Klatsche bekommt der Zuhörer dann aber ausgerechnet mit der Nervensäge Xavier Naidoo verpasst. Und das gleich doppelt. Der Typ scheint leider Gebor’n dafür zu sein, zumindest mir allerhand deutsche Hip-Hop Tracks durch sein Zutun zu vermiesen. Geht die erste der beiden Nummern mit zugedrücktem Auge noch einigermaßen klar, muss ich bei der zweiten aber dann doch entschieden ‚Nein Danke‚ sagen. Immerhin: Gentleman und Patrice bleiben einem als weitere obligatorisch-nervtötende Gäste erspart und mit Samy Deluxe gibt es auf Walking sogar ein gelungenes zu verbuchen. Traut Suave sich wie auf der Trennungs-Schnulze Die Art dann doch mal, selbst eine Hook zu übernehmen, ist das Feature-Desaster umso bedauerlicher. Kommt nämlich definitv besser:

Wer den Oldschool-Backpack-Suave von Sternzeichen Krebs, Mutter Natur oder dem Debüt erwartet, wird auf Unvergesslich nicht bedient. Die Zielgruppe hat sich geändert und ich z.B. bin nicht mehr wirklich Teil davon. Ein Ohr kann man sicher trotzdem mal riskieren, denn schlecht gemacht ist die Platte wirklich nicht. Wie gesagt: Da steckt Mühe drin und das merkt man auch.

So bleibt Unvergesslich zwar nicht Unverständlich aber eben auch nicht Unverzichtbar. Vor allem aber Geschmacksache.

Anspieltipps: Unvergesslich, Die Art, Walking

Unvergesslich im Stream:

Unvergesslich kann man für relativ stramme 19 Euro als Silberling erwerben.

Released: 20.02.2015 via Embassy of Music

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

Review: Ferris MC – Glück Ohne Scherben (2015)!

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Als Aggro Berlin und Konsorten noch in den Kinderschuhen steckten, hörte der unange-fochtene Bad Boy des Deutschrap auf den Namen Ferris MC. Als Mitbegründer von F.A.B. fest in der Szene verankert, war er nach deren Split als Solokünstler eine der zentralen Figuren im Hype um die Hamburger Mongo Clikke. Neben unzählbaren Features (u.a. Afrob, Spezializtz, Eins Zwo, Such A Surge, Absolute Beginner, Samy Deluxe…) und geschickt ge- streuten Skandälchen, festigte sich sein Assi-Image vor allem durch seine erste EP Asimetrie.

Derart roughes hatte man bis dato in Hip-Hop-Deutschland noch nicht vernommen. Zumindest nicht aus dem Mainstream. War dieser Output von 1999 gleich ein absoluter Volltreffer, kann man selbiges von seinen Nachfolgern nicht sagen. Lässt man die Platten Fertich! (2001), Audiobiography (2003) und seine letzte, selbstbetitelte von 2004 nämlich noch einmal Revue passieren, entsteht ein mehr oder weniger zerfahrener Eindruck. Gelungene Hits wie Flash For Ferris MC oder Zur Erinnerung stehen im starken Kontrast zu poppig-schäbigen Drogenhymnen oder unsäglichen Pseudo-Crossover-Nummern. Unweigerlich zeichnen genannte Alben also das Bild eines Künstlers, der seinen Schaffensdrang nicht so recht in Szene zu setzen weiß. Das sollte sich 2006 ändern, als Sascha Reimann beschloss sein Alter-Ego Ferris MC zugunsten von Elektronik und Schauspiel an den Nagel zu hängen. Gerade letzteres Metier sollte ihm gut stehen. Seine Leistung in den Filmen Für Den Unbekannten Hund und 12 Meter Ohne Kopf überzeugte. Absolut.

Retrospektiv erscheint der nächste Schritt, der darauf folgen sollte, eigentlich schon fast als unumschiffbare Konsequenz. Denn wo wäre man mit einem gesunden Faible für Elektronik, Theatralik und überspitzter Selbstdarstellung besser aufgehoben als bei den Buds von Deichkind? Die bieten seinerzeit nicht nur genügend Spielraum um sich auszutoben, sondern befinden sich dank dem Überraschungshit Remmidemmi Anfang 2008 gerade noch im zweiten Frühling und haben darüber hinaus, nach dem Abgang von Malte Pittner und Buddy Inflagranti, vor allen Dingen dringenden Auffüll-Bedarf was das Lineup betrifft. In Zusammenarbeit gelingt der neuerstärkten Konstellation das vortreffliche Arbeit Nervt (2008), der okaye Befehl Von Ganz Unten (2015) sowie das dürftige Niveau Weshalb Warum (2015).

Feiert man derartig große Erfolge wie es Reimann mit Deichkind nunmehr seit Jahren tut, ist der Ego-Push gewissermaßen vorprogrammiert. Bonzenbrother und Reimemonster zu sein, ist plötzlich wieder lukrativ und spätestens nach dem Live-Comeback mit Stamm-DJ Stylewarz auf dem Splash 2013 ist klar: Ein neues Ferris MC – Album soll her.

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Soweit die Theorie. Und was kann Glück Ohne Scherben, der Rücktritt vom Rücktritt nun? Nicht viel… Zwar kreischen die Kettensägen auf All Die Schönen Dingen auch heute noch, sind dabei aber bisweilen geschmeidig zart auf den Luftbahn-Schienen unterwegs. Will heißen: Viel Billo- Pop, wenig Hip-Hop.

Ist das an sich ja noch einigermaßen nachvollziehbar, stößt es bei mir auf blankes  Unverständnis, dass der gefürchtete Pseudo-Crossover eine gleich dreifache Renaissance erfährt.  Mal ist es der Eminem-Wannaba-Promi-Diss Roter Teppich, mal die bemühte Otto-Waalkes-Flachwitz-Aufbereitung Monstertruck oder aber, in besonders lächerlicher Art und Weise, die Erhobene-Zeigefinger-Pose gen Rap-Nachwuchs (Kill Kill Kill), die einen Bauklötze staunen lassen. Im Feature bei letzterem übrigens Eko Fresh, der das Teil aber auch nicht mehr zu retten vermag. Gerade die Beiden können das bekanntlicherweise besser…

Apropos besser: Die Katzen/Kater – Thematik gab es mit Doppelkopf 1999 auch schon in gut. Mein Raumschiff legt derweil ne satte Bruchlandung hin und die Las Vegas-Zocker-Hymne Spieler bleibt so Plastik wie die Stadt selbst. Wenn Ferris dann gegen Ende der Platte Die Zahnfee mimt, fällt einem schließlich endgültig das sprichwörtliche Ei aus der Hose. Schrecklich:

Sollte es jemanden geben, der dieses Ungetüm von einem Comeback tatsächlich gewollt haben sollte, dem sei die Hook von Wenn Du Hast ans Herz gelegt: „Immer wenn du hast was du wolltest, ist es nicht mehr das was du wolltest.“ ‚Okay‘ sind lediglich Opener und Titeltrack. Doch selbst die sind verzichtbar.

Fazit : „Diese Geschichte hat [k]ein Happy End. Was bleibt sind Scherben ohne Glück. Fast wie früher eigentlich. Schade, denn sympathisch ist der Charakterkopf (no pun intended) an sich ja eigentlich immernoch…

Anspieltips: Fensterlose Zeit, Glück Ohne Scherben

Glück Ohne Scherben im Stream:

Glück Ohne Scherben kann man hier in verschiedensten Ausführungen erstehen. Zeitgemäß wird für besonders Hartgesottene natürlich auch ein Boxset mit (*hust*) Bandana angeboten.

Released: 29.05.2015 via Warner Music

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

Samsemilia’s Pottcast!

artworks-000139798033-7f3gof-t500x500Seit etwas mehr als einem Monat schon betreibt Samy Deluxe (s)einen interessanten Podcast namens Samsemilia’s Pottcast.

Aufgezeichnet wird das ganze im hauseigenen KunstWerkStadt-Studio. Sehr geil, denn somit gibt es nun endlich mal etwas aus genannter ‚Produktionsstädte‘ das mich überzeugen kann!

 

 

Bisher kann man in sechs Episoden den Gesprächen mit so illustren Gästen wie DJ Vito, Bengio, Afrob, David P von Main Concept, Ali As, Eko Fresh oder dem von mir sehr geschätzten Curse lauschen, welches ich zum Einstieg auch wärmstens empfehlen kann!

Gesprochen wird unter anderem über das Comeback-Album Uns, die unsäglichen Nebenprojekte The Achtung Achtung und Herr Sorge, das Songwriting von Scooter, das Schreiben für andere Künstler und natürlich über den Re-Release von Feuerwasser.

„Voll die interessanten und guten Fragen Alter“ wie Curse im Dialogverlauf feststellt! Stimmt! Macht echt Spaß: