Review: Nesta And The Blondes – Come Inside (2020)

Nesta And The Blondes sind eine recht frische Band aus der Schweiz, die zunächst eigentlich gar keine sein wollte. In erster Linie versteht sich das Quintett nämlich als ein Verbund aus fünf Freunden, die sich zufällig beim Snowboarden getroffen haben und seitdem nicht mehr voneinander lassen können. Spontane Jam-Sessions in ihrer daraufhin gegründeten Kleinkommune haben dann auch schnell die Nichtmusiker der Clique dazu animiert ein Instrument in die Hand zu nehmen. Weiterlesen

Review: American Head Charge – The War of Art (2001)

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Artwork by t42design and Dean Karr

 

Pleasingly – Falling apart – Pleasingly – Oblivious – Schönste Harmonien umschmeicheln mein Ohr und lassen die mentale Sonne aufgehen während ich halb betäubt im Stuhl liege und enorm unangenehmen Druck in meinem Unterkiefer verspühre. Schmerz kann man das nicht direkt nennen aber die Gewissheit dass da gerade ein Zahn in seine Einzelteile zerlegt wird bereitet doch Unbehagen!

 

Beschriebenes Szenario dürfte sich etwa 2003 abgespielt haben als mir in einer morgendlichen Prozedur 2 Weisheitszähne entnommen wurden. Musik konnte man sich dazu selbst mitbringen und dem geschundenen Kopf per Funkkopfhörer zuführen. Meine Waffe: The War of Art, das beeindruckende Major-Debüt der aus Minneapolis stammenden Industrial/Metal Band American Head Charge, die man aufgrund von Optik und Umfeld auch gerne mal in die New Metal – Ecke steckt. Eine damals noch 7 – köpfige Truppe die in den Glanzzeiten von Slipknot und System of a Down gerne mal als the next big thing gehyped wurde und mit unglaublichem Glück sowie Pech gesegnet waren. Glück, da man nach nur wenigen Monaten Bandgeschichte und gerade mal einem Demorelease schon mit Megaproducer Rick Rubin in der sagenumwobenen Houdini Mansion am ersten Album bastelte – Plattendeal für dessen Label inklusive. Pech, da man mit dem Releasedate vom 21.August 2001 gerade mal 3 Wochen Abstand zum 11.September 2001 hatte und nicht gerade mit offenen Armen empfangen wurde wenn man sich in Militäroptik und Panzer auf dem Cover präsentierte und zudem Amerika im Bandnamen und Krieg im Plattentitel trug… Trotz ausgiebiger Touren (u.a. Ozzfest) und pushen von Kollegen wie Joey Jordison  ging da nicht mehr viel.

Und das ist absolut Schade, denn The War of Art zählt in punkto aggresiver Musik zu den absoluten Glanzstunden der Jahrtausendwende und eignet sich nicht nur hervorragend zum Zähneziehen! Etwas Zeit muss man sicher mitbringen, denn das Album ist mit seinen 16 Titeln und einer Länge von beinahe 70 Minuten zu Beginn ein zäher Bastard. Viele der Songs zünden erst nach mehrmaligen Hören, da absolute Informationsflut und enorme Detailverliebtheit herrscht. Dies geht nicht zuletzt auf die beiden Elektroniktüftler Aaron Zilch und Justin Fouler zurück. Vieles, was die beiden mit  Keys & Samples betreiben fällt erst bei genauem hinhören auf und lässt immer wieder Neues entdecken. Könnte den Ein oder Anderen aber sicherlich auch etwas überfordern… Audio Terrorism nannte Zilch das seinerzeit…

Es gibt aber auch durchaus Songs die auf Anhieb gut funktionieren. A Violent Reaction ist beispielsweise perfekt als Opener gewählt und fährt bereits alle Trademarks auf:

Sofort schießen einem da Größen wie Ministry, Marilyn Manson oder Faith no More in den Kopf – ohne deren Musik einfach billig zu kopieren wohlgemerkt. Letzterer Einfluss kommt neben den Keyboardteppichen vor allem durch das beeindruckende Stimmorgan von Fronter Martin Cock zu tragen, der meiner Meinung nach zu den unterschätztesten Sängern im Metalbereich zählt und in den raren cleanen Passagen tatsächlich an Patton erinnert.

Eine davon findet man im Song Self, dessen Eingans zitierte Stelle zu den Höhepunkten zählt:

Das darauffolgende und zurecht als Single ausgekoppelte Stück Just so you know verfällt der Freude an der Melodie sogar beinahe komplett. Auch heute noch ihr bekanntester Song:

Ansonsten bleibt es eher rough und stampfendes Mid-tempo dominiert die Platte – Vom Prügler Americunt evolving into useless psychic garbage mal abgesehen…Als weitere Highlights würde ich zudem noch Shutdown, Fall oder das ebenfalls ausgekoppelte All wrapped up nennen. Für mich DIE Großtat der Platte:

Zusammenfassend zählt The War of Art für mich zu einem der unterschätztesten Alben ever und sei Jedem ans Herz gelegt, der mit bisher erwähnten Künstlern auch nur ansatzweise etwas anfangen kann! New Metal der bis auf diverse optische Patzer – die Präsenz eines Chad Hanks beispielsweise – mit erschreckend wenig Peinlichkeiten daherkam… Schade das die Hälfte der Band nach Vollendung der Platte auf der Strecke blieb… And all it was was something beautiful…

Anspieltips: A Violent Reaction, Just So You Know, All Wrapped Up

All wrapped up

Just so you know

Tracklist:

01. A Violent Reaction
02. Pushing The Envelope
03. Song For The Suspect
04. Never Get Caught
05. Self
06. Just So You Know
07. Seamless
08. Effigy 23
09. Americunt Evolving Into Useless Psychic Garbage
10. Shutdown
11. We Believe
12. Breathe In Bleed Out
13. Fall
14. Reach And Touch
15. All Wrapped Up
16. Nothing Gets Nothing

—-

The War of Art ist gebraucht für lachhafte 0,01 € über amazon zu bekommen und steht außerdem auch auf Spotify. Wer von der Platte nicht genug bekommt checkt das noch in Eigenregie erstelle Demo-Album Trepanation ab um einige der Songs nochmal aus einem anderen Blickwinkel zu erfahren oder hält die Augen nach der Just so you know – Maxi offen. Die gibts nämlich mit der famosen B-Seite Real Life!

Released: 21.08.2001 via American Recordings

Der Funky Monks ist cool (XXXisql003)

artwork by Gus Van Zant as found on docsandsocks.blogspot.de

artwork by Gus Van Zant as found on docsandsocks.blogspot.de

Über DIE Chili Peppers – Platte Blood Sugar Sex Magik muss man wohl keine großen Worte mehr verlieren. Der Crossover Meilenstein schlechthin befindet sich dank der Hits Under the Bridge und Give it Away  zu Recht in sämtlichen Regalen und auf Festplatten von Musikliebhabern aus allen erdenklichen Sparten.

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Artwork by Gus Van Zant / Henky Penky

 

Das erste Album welches 1991 zusammen mit Produzentenlegende Rick Rubin in der sagenumwobenen Houdini Mansion in den Hollywood Hills entstand, hat bis heute nichts an seinem Glanz eingebüsst und lässt mich nach wie vor fasziniert zurück.
Eine große Mitschuld an dieser Faszination trägt für mich neben den unsterblichen Songs der Dokumentarfilm Funky Monks von Gavin Bowden (Fleas Schwager btw.), der damals zeitgleich mit BSSM auf den Markt kam und die Entstehung der Platte gekonnt festhält. In 60 Minuten wohnt man neben Interviews, Foto- und Recordingsessions,  sowie detailierten Einblicken ins Songwriting den Peppers z.B. beim rasieren bei oder erfährt von Frusciantes Groupiegeschichten und Masturbationsverhalten. Für Leute, die ihn nur als verschwurbelten Indie-König kennen sicher witzig.

Als ich mir das Teil vor ca. 13 Jahren als Jungspund über den EMP-Mailorder auf VHS geordert hatte, war ich zunächst schwer enttäuscht; hatte ich doch eigentlich einen Konzertmitschnitt erwartet und war auch von der Schwarz/Weiss Optik geschockt. Von meinen damals mangelhaften Englischkenntnissen mal ganz zu schweigen.

Was ich aber tatsächlich über den Bildschirm hab flimmern sehen, wurde mir erst etwas später bewusst: Nämlich nichts weniger als den Innbegriff einer perfekten Albumproduktion:
Ein paar Freunde kapseln sich nahezu komplett von der Aussenwelt ab und verschanzen sich in einem Wahnsinnshaus um tagtäglich Musik zu kreieren und zu leben (Sex&Drugs inbegriffen – Hippie Style).
Funky Monks zeigt Aufnahmebedingungen von denen wohl jeder Musiker träumt und bleibt eine äusserst sehenswerte Doku, die mich zusammen mit dem Album nachhaltig geprägt hat.

Yeah, wer dieses wichtige Zeitdokument der Rockgeschichte tatsächlich verpennt haben sollte, bekommt natürlich hier ganz easy die Möglichkeit das nachzuholen:

Funky Monks (Doku)

Nun ist mir natürlich klar, dass jeder Peppers-Noob Platte+Doku auf dem Schirm hat.
Wer jedoch wie ich süchtig ist nach dieser Epoche der Band, wird sich immer gewünscht haben, dass noch mehr von dem vorhandenem Videomaterial ans Tageslicht kommt.
So ne Art Extended-Version oder so…
Ist zwar bisher noch nicht passiert, aber es gibt eine sehr empfehlenswerte BSSM-Doku von VH1 aus der Ultimate Albums Reihe von 2002 über die ich kürzlich gestolpert bin und die der eigentliche Anlass dieses Artikels ist.
Hier gibt es einen ausführlichen Rückblick mit Interviews der Beteiligten, mit z.T. ungesehenen Aufnahmen aus der Mansion und vielen neuen Details & Hintergründen zur Entstehung. Macht auf jeden Fall Bock und ist sehr empfehlenswert. Die einzige Version davon auf YT leidet zwar unter miesem Sound (dennoch probs an den Uploader), aber Interessierte sollten dennoch einen Blick riskieren. Lohnt sich definitiv!

VH1 – Ultimate Albums: Blood Sugar Sex Magik (Doku)

Ihr seht, die Peppers hatten seinerzeit tatsächlich etwas magisches, mönchhaftes an sich. Mag vielleicht tatsächlich an dem Haus liegen, welches angeblich von Geistern heimgesucht wird und später z.B. Marilyn Manson, American Head Charge, Mars Volta (mit Flea am Bass btw.) als auch die Peppers anno 2006 zu Höchstleistungen verhalf.

Songs wie Breaking the Girl, Sir Psycho Sexy oder die ebenfalls aus der BBSM-Session entstammenden Songs Soul to Squeeze oder Sikamikanico haben auf mich immernoch einen immensen Wohlfühleffekt. Und alleine dafür werde ich diese Band immer lieben, jedem noch so schlimmen Cabron, jeder noch so schwachmatischer Hump De BumpKiedis Lyrik und jedem Flea-Skelett Anzug zum Trotz.

Abschließend noch das Musikvideo zu Suck My Kiss. Sicher bei weitem nicht der beste Song, aber der Clip zeigt nochmal viele schöne Moment aus der Albumproduktion:

Suck my kiss (Musikvideo)

Funky Monks kam über Warner Music Vision auf den Markt und gibt es mittlerweile natürlich auch auf DVD zu kaufen!