Der Over The Garden Wall ist cool (XXXisql099)

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Dass dieser Blog ein kleines Faible für Halloween pflegt ist wahrlich kein Geheimnis und wurde z.B. auch im vergangenen Jahr mit Der Daniel Ist Cruel exzessiv zur Schau gestellt. Da es für ein ähnlich aufwendig angelegtes Projekt in diesem Jahr mal wieder an Zeit mangelt ist es umso schöner, dass es die zehnteilige Mini-Serie Over The Garden Wall gibt, die das locker wieder wett macht. Erst kürzlich entdeckt und gierig einverleibt,  bin ich der festen Überzeugen einen neuen Halloween-All-Time-Fav für mich entdeckt zu haben. Weiterlesen

Review: The Instant Voodoo Kit – Wanna Talk About Voodism? Yeah Baby! (2016)

coverWanna Talk About Voodism? – Dass einem die Antwort, auf die im Plattentitel gestellte Frage, mit einem Yeah Baby! gleich mitgeliefert wird mag praktisch sein… ob sie aber tatsächlich für jedermann zutreffend ist, darf man zu bezweifeln wagen. Dafür polarisieren The Instant Voodoo Kit  zu sehr. Ihre dritte Platte macht da keine Ausnahme, kontrastiert die verschiedenen Pole vielleicht sogar noch einen Ticken mehr, als es der Vorgänger getan hat.

Dass ich mich mit dem vor geraumer Zeit einmal intensiv auseinandergesetzt habe, war Umständen geschuldet, die an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden sollen. Der Aufmerksamkeit aber, welche ich der Musik auf Something Good (2013) seinerzeit geschenkt habe, ist es geschuldet, dass mir die Ablehnungshaltung gegenüber der nunmehr 13(!)-köpfigen Truppe abhanden gekommen ist. Die war nämlich durchaus mal vorhanden und beruhte darauf, dass ich die Band vor allen Dingen auf ihre Kaspereien aus dem Helge Schneider-Kosmos reduziert habe, in welchem ich mich nie so wirklich heimisch gefühlt habe. Einfach nicht mein Humor. Daran vermögen auch heute Tracks wie Leggins Sind Keine Hosen, Buffalo Bill oder Rebootan nichts zu ändern. Wobei letztgenannte Nummer mir dann doch beim ersten Hören ein verstohlenes Grinsen abgerungen hat… und das, wo der Song auch noch ausgerechnet im Pseudo-Ragga-Gewand daherkommt… Damn!

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Soviel also zur Seite der Voodoo Kids, die mir nicht so recht taugen will. ABER, wie schon erwähnt gibt es da ja noch ganz andere zu entdecken! Lassen wir die Rock-Ansätze von Songs wie Bomb In My Head trotzdem einfach mal unkommentiert links liegen und kommen ohne weitere Umschweife zur spannendsten und meiner Meinung nach aufregendsten Facette der Band. Die, in der Tom Waits auf dem madigen Rücken des Oogie Boogie Man durch nebelverhangene Schwefelfelder galopiert. Die, in der die Band dem Zuhörer ein dekadentes Kabarett  aus Vaudeville und Burlesque kredenzt und an Schausteller, Gaukler und Sideshow-Freaks erinnert. Die, in welcher der im Zusammenhang mit der Kapelle omnipräsente New Orleans Jazz – Vergleich  wahrhaftig nicht unerwähnt bleiben darf.

Dann nämlich, wenn sich The Instant Voodoo Kit in sleazy düstergrau-polternden Chansons wie The Good Die Young, Easy Come,Easy Go oder dem alles überragenden Elephant Stomp verlieren, kriegen sie mich! Instant Voodoo Hits! Yeah Baby! Lässt ein Song wie Mister Sister Lady Baby dann noch Assoziationen zu Steamboat Willie, Lou Reed und dem Athletic-Theme des Super Mario World Soundtracks wach werden, fühle ich mich als Hörer gänzlich abgeholt und entertained!

Unterm Strich also ein wenig musikalische Yin-und-Yang-Action, bei der je nach Geschmack Rosinenpicken angesagt sein könnte und die mitunter so starke Kontraste aufweist wie das Make-Up, mit dem sich die Protagonisten gerne mal zukleistern. Mag man von denen im Ensemble halten was man möchte, kann man ihnen die Liebe zum Detail, ihre Leidenschaft für ihr Handwerk und den Mut zum Wagnis wie zur Originalität auch und gerade mit ihrer aktuellen Scheibe nicht absprechen! Wanna Talk About Voodism? Schon geschehen!

Anspieltipps: Elephant Stomp, The Good Die Young

Trackliste:

01. Das war die Nacht
02. Easy Come, Easy Go
03. Mama Ain’t The 1 2 3 4 U
04. Bomb In My Head
05. Rebootan
06. Buffalo Bill
07. Peter Pan
08. Alptraum Serenade
09. Elephant Stomp
10. Midnight Train
11. Mister Sister Lady Baby
12. Ihr Läuser
13. The Good Die Young
14. Leggins Sind Keine Hosen

Wanna Talk About Voodism? Yeah Baby! greift man sich am besten direkt auf der Releaseparty im Würzburger Dornheim am 02.09. oder auf der anschließenden Tour für 20 Euro auf Vinyl im Gatefold (inc. Mp3) oder im CD-Format für nen Zehner ab!

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Releases: 02.09.2016 via Voodism Enterprise

Review: Zikade – Salzgeschichten (2015)

a2769246469_16Nicht einmal ein Jahr ist es her, da hat der aus Berlin stammende Ausnahmemusiker Zikade mit Das Ende der Beschwerde ein  beachtenswertes wie verschrobenes Debut hingezimmert. Nun werden die Salzgeschichten erzählt, genauer gesagt schon seit einigen Wochen und wissen es, durch ungeahnte Aufgeräumtheit und wohltuenden Raum, das Herz mit anderen Worten und neuen Weiten zu bewerfen.

 

Alles anders also… aber immernoch surreal. Das weiß schon der Opener, der den Hörer gerne mit Pop-Appeal umgarnt und trotzdem nicht darum verlegen ist, freche, synthetische Wellen aufzutürmen. Wellen, die auch das Meer aus Gras im nachfolgenden Jung wiegen. Wer die aufrichtig zarte Melancholie dieses Tracks nicht fühlt, braucht den restlichen Salzgeschichten wohl kaum weitere Beachtung zu schenken. Wer hingegen gefühlsmäßig an Board ist, wird mit Zikade bereitwillig vom Ufer ablegen, an dem einst ein Hafen stand und durch den restlichen Tag gemeinsam schaukeln wollen. Im Sonnenlicht. Sich die Augen Pink pinseln lassen und die Lippen solange im satten Grün wälzen, bis der Mund zum Schlachtfeld wird. Die Möglichkeiten hat man schließlich. Der Teufel hat’s gesagt. Der Teufel hat gefragt.

Zikade antwortet mit einem unheimlich intensiv knisternden wie emotionalen Liebesalbum. Die auf dem Vorgänger recht dominanten Samples, sucht man bis auf dezent verhaltene Beats vergeblich. Psychedelisch angehauchte Gitarrenklänge dominieren das Klangbild, werden von warmen Bässen gestützt. Gemeinsam verlieren sie sich in Schall und Rauch. Wer jetzt an Fanta 4 denkt, wird sich bei den Sprechgesangseinlagen von Einfach umso mehr am Tag am Meer wähnen. Über allem webt das veruchrauchte Stimmorgan der Zikade immernoch polarisierende Lyrik, die sicher auch diesmal nicht nur auf Zuspruch treffen dürfte. Pseudointellektuell schimpfen Kritiker so etwas gerne, was hier aber keineswegs geltend gemacht werden darf. Tatsächlich transferiert die kryptisch komplexe Wortwahl die Musik perfekt auf die Textebene, zeugt von großer Weitsicht und ist zudem oftmals schonungslos ehrlich. Man muss sich nur darauf einlassen können und die Zeit mitbringen, welche die Salzgeschichten sich nehmen.

Irgendwo zwischen Tom Waits, Portishead, Beck, Selig, Neubauten, Marlene Dietrich, Pink Floyd, Singer-Songwritertum und Unerhörtem ist das Endprodukt sicherlich und unbedingt als mutig einzustufen. Noch mutiger dürfte es allerdings sein, sich absolute Hits wie Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten oder das schmutzige Warnlicht entgehen zu lassen.

Für mich jedenfalls eine der innovativsten Platten der letzten Monate! Serious!
Jeder weiss Bescheid was zu tun ist, oder?

Anspieltips: Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten, Warnlicht, Alles anders

Albumstream:

Die Salzgeschichten lassen sich für 10€ über bandcamp beziehen.

Released: 29.07.2015 via bandcamp

Review: The Legendary Tigerman – Do Come Home [EP] (2015)

Style: "color"2004 machte uns Marilyn Manson den Dave Gahan. Jetzt macht uns Dave Gahan den Marilyn Manson.

Das zumindest könnte man beim Anblick der Jean Baptiste Mondino – Photographie glatt meinen. Diese stellt nicht nur die schmückende Front der hier vorliegenden EP Do Come Home dar, sondern zierte auch schon das Album Femina aus dem Jahre 2009.

 

Natürlich handelt es sich bei keiner der genannten Veröffentlichungen um Werke aus dem Hause Depeche Mode. Vielmehr gehören sie zum nicht gerade dünnen Katalog des in Mosambik geborenen und in Portugal aufgewachsenen Multiinstrumentalisten Paulo Furtado, der bereits seit 2002 unter dem Pseudonym The Legendary Tigerman den Rock’n’Roll als Ein-Mann-Kapelle auf Tonträger und Bühnen zaubert.

Zugegebenermaßen kannte ich bis vor wenigen Minuten weder Interpreten noch genannten Photographen… Dennoch nehme ich mir einfach mal raus, die Zusammenarbeit der Beiden als ’nicht beliebig‘ zu betiteln. Schenkt man den vier Tracks nämlich Gehör und scrollt dazu durch die Galerie des Linsenmagiers, wird man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Nahezu alle Gesichter, die man auf Anhieb mit der Musik des ‚Tigermans‘ assoziiert, tauchen auf: Beck, Waits, Tarantino, Lynch… sogar die schmutzigen Jeans einer Madonna in der Filmsection möchte man ‚Do Come Home‘ andichten.

Rechtfertigende Belege für die Vergleichsflut dürfte man alleine schon im samtweichen Folkopener zur Genüge finden. Dem gleichzeitig als Titeltrack fungierenden Stück wirft der Infotext mit Chris Isaak sogar gleich noch den nächsten großen Namen hinterher. Bluesy Vocals und luftige Gitarre zu spärlichem Beat „and [you] just drive along that lost highway.

„I’m just a wild beast with a broken heart!“ Und da sich Herzschmerz durch dramatische Streicherteppiche immernoch am besten intensivieren lässt, steht der bewährte Trick auch der Flüsternummer Wild Beast ausgezeichnet und geht unter die Haut! Ähnlich wie die Tagespflege einer Lena Meyer Landrut. Die tänzelt schon seit geraumer Zeit durch die aktuelle L’oreal-Werbekampagne zur Tigermannummer Light me up twice, welche im Gegensatz zur Reklame sexy unpeinlich kommt und mit weiblichen Gastvocals von Cláudia Efe zu Jack White-infiziertem Bluesriffing überzeugt.

Und weil das schöne Geschlecht als stimmlicher Konterpart so herrlich funktioniert, findet die Formel zum Schluß erneut Anwendung und wird durch prominenten Einsatz sogar noch gepimpt: Der Name Maria De Medeiros dürfte dabei nicht wenigen Pulp Fiction-Fans ein Begriff sein. Das es sich bei besagter Kooperation um die zigste Neuauflage von These Boots Are Made for Walkin‘ handelt, die zudem auch schon Teil der eingangs erwähnten 2009er Platte war, stört überraschend wenig. Vielmehr drückt man dem Evergreen den eigenen Stempel auf und liefert noch gleich den Beweis mit, dass manche Songs selbst eine Jessica Simpson-Schändung locker wegstecken und weiterhin funktionieren können.

Vier Hits für die nächtliche Straße also. Gefühlvoll bis verrucht und irgendwie mystisch angehaucht. Diese EP überspringt die Eingewöhnungsphase und funktioniert direkt und sofort! Ab April ist das neue Album ‚True‘ auch über deutsche Kanäle verfügbar. Die Plattenfirma will ‚Do Come Home‘ als dessen Vorboten wissen.

Ich bin gespannt!

‚Do Come Home‘ im Stream:

‚Do Come Home‘ hier im exklusiven und limitierten CD oder aber im Mp3- Format ordern!

Released: 27.03.2015 via India Records / Rough Trade

Review: Tom Waits – Rain Dogs (1985)

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„Dogs in the rain lose their way home, [because] after it rains, every place they peed on has been washed out…. They go to sleep thinking the world is one way, and they wake up and somebody moved the furniture.“ (Tom Waits)

Um es vorweg zu nehmen: NEIN, ich habe mir nicht alle Tom Waits Platten (immerhin mal locker 16 reguläre) reingefahren, wohl aber die essentiellen.

 

Dennoch nehm ich mir nun einfach mal die Frechheit raus, dass 1985 veröffentlichte Rain Dogs als sein vielleicht bestes, rundestes Werk herauszuheben. Schillern hier doch die wichtigsten Facetten des liebenswerten bis furchteinflößenden amerikanischen Wakadoos in vollem Glanze.

Die reichen auf Rain Dogs u.a. von Seemanspolka (Singapore) über Orleanssound (Tango till they’re Sore) zu wunderschönen, herzzereissenden Folksongballaden. Ehrlich, demjenigen dem bei Time kein Wasser in die Augen schießt, muss wohl ein Herz aus Stahl haben…

Weiterhin findet sich Freejazz (Midtown), Spokenwordgruseleien (9th & Hennepin) und sogar fast radiotaugliches mit 80s Poprockfeeling. In diese Schublade würde ich beispielsweise das gefühlvolle Hang down your head, vielmehr aber noch das etwas bekanntere, springsteeneske Downtown Train stecken. Hat man schonmal anderswo gehört? Richtig: Unter anderem von Rod Stewart, der 1989 ordenltlich Asche mit seiner Version gemacht haben dürfte…

Zusammengesetzt wurde das in New York entstandene, sowie dessen Urbanverwirrung gewidmete Rain Dogs aus einem schier unerschöpflichen Sammelsurium verschiedenster Klangkörper.Neben herrkömmlichen Saiten-, Tasten-, und Percussioninstrumenten wird auch vor Türen, Küchengeräten, singenden Sägen oder Geräuschen der Eastside-Metropole nicht zurückschreckt. Damit einhergehend bedient man sich gleich der Fingerfertigkeiten einer ganzen Armada von Gastmusikern – z.B. der eines Keith Richards.

Das neunte Album seiner Discographie wird dabei gerne in einem Atemzug – als eine Art Triologie – mit dem Vorgänger Swordfishtrombones (1983) und dem Nachfolger Franks Wild Years (1987) genannt, welche die Transformationsphase vom eher konventionellen Jazz- und Bluesman hin zum avantgardistischen Rockmusiker markieren. Klar, der Revolutionsakt geht klar an den Vorgänger von 83, aber erst auf Rain Dogs wirkt alles am rechten Platz.

Schlechte Songs sucht man ebenso vergeblich, wie Langeweile. Bloß nicht von der 19-Stück starken Tracklist abschrecken lassen! Die Songs sprengen kaum die drei-Minuten-Grenze. Und wenn doch, kommt eben der beliebte 80er-fade-out-Trick zum Einsatz um etwaiger Überlänge Einheit zu gebieten!

Bleibt also nichts weiteres zu tun, als sich vom gläserschmooven Clap Hands anfixen zu lassen und der Aufforderung des Titels nachzukommen!

Unterm Strich schmachtet, bellt und armstrongt sich Waits hier rhythmisch durch eines der besten Rockalben der 80er. Ein super Einstiegsalbum um einen spannenden, wichtigen und einflussreichen Musiker für sich zu entdecken. Jetzt reinfahren, um beim 30jährigen Jubiläum im September mitreden zu können!

Anspieltipps: Clap Hands, Tango till they’re Sore, Time, Rain Dogs

Albumstream:

Weiterhin empfehlenswert: Die bereits erwähnten, stilistisch ähnlichen Alben Swordfishtrombone und Franks Wild Years, besonders aber das tiefschwere „Spätwerk“ Alice aus dem Jahre 2002. Rain Dogs bekommt man selbst auf Vinyl schonmal für nen gut angelegten Zehner. So watch out!

Released: 30.09.1985 via Island Records