Review: RFA – Symptome Der Schmutzwelt (2018)

artwork: KURA Design

Man mag von Falk Schacht ja halten was man will, zugute halten aber muss man ihm sein offenes Ohr für den Underground. Die Falk Schacht Show im BR stellt jedenfalls zwischen Neuerscheinungen von etablierten Künstlern auch regelmäßig hörenswerte Geheimtipps aus dem Rapsektor vor. So  auch kürzlich erst geschehen mit RFA aus Erfurt, deren Erstveröffentlichung Symptome Der Schmutz-welt nichts weniger als eine kleine Offenbarung ist.

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Review: Gisli – How About That? (2004)

gisli-how-about-thatDass das schmissige Debut des gebürtigen Isländers Gisli Kristjansson nicht mit Preisen und Lobhuldigungen überhäuft wurde, ist ähnlich unfassbar wie es die Catchyness von How About That? ist. 13 charmant verschrobene Indie-Song-Perlen, die durch Lo-Fi-Pop-Appeal, Detailverliebtheit und scheinbar unerschöpflichen Ideen-reichtum glänzen.

Fair enough: Versucht man, dem Grundimpuls letzterer Qualität auf die Schliche zu kommen, so darf Folk-Rap-König Beck Hansen als Referenz keinesfalls ungenannt bleiben. Vor allem die Pseudo-Big-Beat-Rap-Nummern Go Get Em Tiger, I Don’t Fight, TV=The Devil oder Can You Make Me Right? hätten auch ohne Weiteres aus dessen Odelay-Phase stammen können. Gisli deshalb jetzt schon als Copycat abstempeln? Könnte man machen…. Aber wenn schon, dann bitte als wild fauchende! Wie die auf dem Cover!

Doch selbst damit würde man der Platte A: wahnsinnig Unrecht tun und B: die Stärke der Songs ohnehin nicht entkräften! Lassen wir die Vergleiche deshalb doch einfach mal stecken und erfreuen uns am mitreißenden Sing-Along-Chorus des Openers, der UpBeat-Fuzziness der Slacker-Hymne Straight To Hell oder wiegen uns in der Melancholie der Akustikballaden End Of My Ropes und I’m Trying. Als wäre das nicht schon fast zu viel des Guten, gilt es obendrein auch noch zuckerwarmsüße Nummern wie  Mind Games, The Day It All Went Wrong oder Worries ins Herz zu schließen, die bei all ihrem Charme, spielend den perfekten Soundtrack für Filme der Marke Juno oder MTV-Films-Produktionen wie Save The Last Dance, Joe’s Apartment, mindestens aber Napoleon Dynamite hätten abgeben können.

Überhaupt MTV: Die hätten den Genre-Crossover auf How About That? eigentlich bedingungslos lieben müssen… Und wenn schon nicht den, dann doch bitte wenigstens die großartigen Texte um Starbucks, Low-Fat-Milk, Burger, Mariah Carey, P.Diddy, Prince, Gareth Gates, den Wu Tang Clan und öhm MTV. Hat bei den New Radicals seinerzeit schließlich auch gezogen. Muß man wohl nicht verstehen…

Jeglicher ungerechter Mainstream-Verschmähung zum Trotze, dürfte 90er-Enthusiasten das Herz bei How about that? deshalb nicht weniger hoch schlagen. Gleiches gilt für Fans erwähnter Filme, Beck-Anhänger oder Anticon-Sympathisanten. Ich jedenfalls bekenne mich in allen genannten Punkten mehr als schuldig und bin demnach schwerstens aus dem Häuschen! Mein derzeitiger Favorit aus dem Indie-Sektor, den ich leider erst viel zu spät für mich entdeckt habe! Jeder Song ein Treffer!  Go get em tiger!!!

 Anspieltipps: Go Get Em Tiger, I Don’t Fight, Worries, Mind Games, How about that?….

How About That? im Stream:

How about that? bekommt man derzeit für lächerliche Cent-Beträge auf Amazon hinterhergeworfen! Der etwas bodenständigere, weitaus weniger hibbelige und ebenso hörenswerte Nachfolger Build-Ups & Break-Downs hat es leider nie bis zur offiziellen Veröffentlichung geschafft. Wohl aber auf die Soundcloud-Page des Künstlers! Ein neues Album, des zuletzt vor allem als Produzent tätigen Protagonisten, ist zudem gerade in der Mache! So how about that? YEAH!

Released: 2004 via EMI

Der The Pharcyde ist cool (XXXisql007)

www.thereallisaleone.com

Photograph by Lisa Leone (1995) – www.thereallisaleone.com

„Und sie sagt es wär schön wenn du bei mir bleibst heut Nacht“.
Ja, nun geschlagene 17 Jahre später begreife ich, dass diese Fettes Brot-Textpassage aus Jein, die Adaption des Pharcyde-Hits She Said ist. The Pharcyde nicht zu kennen scheint allerdings keine Schande zu sein, ist die Glanzzeit dieser Gruppe nunmehr auch schon mindestens 18 Jahre her und ihre Popularität heutzutage kaum noch nennenswert. Vor einem knappen halben Jahr entdeckte ich die Band dank einer alten Visionsausgabe für mich. Was die 4 MCs Slimkid3, Fatlip, Imani und Bootie Brown auf ihren beiden Kultalben Bizarre Ride II the Pharcyde (1993) und Labcabincalifornia (1995) mithilfe ihrer wechselnden Produzenten J-Swift und Jay Dee abliefern geht auch heute noch gut ins Ohr:

Fresher L.A. Sunshine Hip Hop der gute Laune macht! Als Vergleich könnte vielleicht der Wu-Tang Clan in nett, oder Will Smith in credebil durchgehen.

Als bekanntestes Pharcyde-Stück ist wohl Passing me by vom ersten Output zu nennen:

Der Clip hat sicher nicht zuletzt durch seine Kopfüberszenen Kultstatus erlangt.Diese Experimentierfreudigkeit konnte mit dem Musikvideo zum Wahnsinnstrack Drop nicht nur beibehalten, sondern sogar noch übertrumpft werden. Lediglich 3 Cuts wurden der Legende nach benötigt um mit dem unverschämt guten Rückwartsclip Maßstäbe zu setzen:

Dem aufmerksamen New Metal – Kenner dürften The Pharcyde durch verschiedene Kollabos von Slimkid3 mit den guten alten Korn bereits bekannt sein. So ist der MC auf dem Song Cameltosis der Follow the Leader-Platte vertreten, im Got the Life-Video als Obdachloser zu bewundern und mit dem Song Sugar Coated auf einem der größten Fremdschämalben vertreten: Rock’n Roll Gangster, das wagemutige Hip Hop Album des Kornbassisten.

Wo wir gerade beim Fremdschämen sind! Geil auch, dass The Pharcyde seinerzeit den grandiosen Soundtrack zum ganz schlimmen Street-Fighter-Spielfilm abgeliefert haben. Nachzusehen im trashig geilen Videoclip zu Pandemonium:

Soweit so gut, doch wie ging es nach Labcabincalifornia eigentlich weiter? Zunächst kam es 1997 zum Split mit Gründungsmitglied Fatlip und anschließender Sendepause. Die 2000er EP Testing the Waters konnte ebenso wenig reissen, wie das zugehörige Album Plain Rap. Musikalisch eigentlich nicht zwingend schlechter als die beiden Klassiker, war es dann wohl doch die Pause, die als Grund für den ausbleibenden Erfolg genannt werden muss. Allerdings braucht man sich wohl auch nicht wundern, wenn man sich mit einem selten schäbigen Video wie Trust versucht in Szene zu setzen…

Nachdem Slimkid3 das sinkende Schiff im Anschluss ebenfalls verlies, gabs 2004 noch das saftlose Humboldt Beginnings mit dünnen Beats, die wohl modern klingen sollen, aber doch eher kitschig und ziemlich dünn rüberkommen sowie Raps die rhythmisch stark an Skills eingebüsst haben.

Auch wenn das letzte Album somit geschlagene 9 Jahre zurückliegt: Das Pharcyde – Duo  aus Imani und Bootie Brown ist live noch immer unterwegs.
Die Frage was denn nun eigentlich aus den anderen beiden MCs geworden ist führte mich dann zu einer pikanten und freudigen Erkenntnis:

Nach diversen Soloausflügen sind Fatlip und Slimkid3 ebenfalls wieder zusammen auf der Bühne um Pharcyde-Songs zu performen. Zusammen mit J-Swift ist man nun als Bizarre Ride II the Pharcyde  zum zweiten mal auf ausgedehnter Tour um eben jenen Klassiker live in seiner Gesamtheit zu präsentieren. Freudigerweise auch wieder hierzulande:

  • 22.06.13 Hannover
  • 24.06.13 Frankfurt
  • 25.06.13 Erlangen
  • 26.06.13 Heidelberg
  • 04.07.13 München
  • 05.07.13 Münster
  • 06.07.13 Rotterdam

Appetit dafür holt man sich am besten mit der Clip/Live/Interview-Sammlung Cydeways, die einen guten Überblick über das Gesamtschaffen der Band bietet:

2 Pharcydes also. Beinahe so witzig wie Queensryche1 und Queensryche2 oder die Frage ob die Cavalera Conspiracy mehr Sepultura als Sepultura ist. Man wird sehen wie sich das ganze weiterentwickelt. Gut wird man allem Anschein nach wohl nicht aufeinander zu sprechen sein… Ich jedenfalls freu mich, die meiner Meinung nach stärkere Hälfte bald live zu sehen!

Reviews zu Bizarre Ride und Labcabincalifornia sind bereits am Start!

offizielle Pharcyde-Webpräsenz