Review: Zikade – Wortstörungsfindungen (2017)

Nennt ihn Parasit, er hört eh nicht richtig hin. Ansonsten hätte die Ein-Mann-Band Zikade sich auf Album Nummer vier wohl dem Mainstream geöffnet. Stattdessen fallen auch die Wortstörungsfindungen zu großen Teilen eigensinnig bis sperrig aus. Gut so! Etwas sanfter noch als auf dem Vorgänger platzieren sich die gewohnt eigenartig verschrobenen Texte inmitten von Reverb-umschleierten Gitarren und spärlicher Elektronik nebst allerhand Sample-Versatzstücken. Weiterlesen

Neues Album von Zikade!

a3000362442_16Das dritte Album des Berliner Acoustic – Pop – Avantgardisten Zikade trägt den Namen Komische Musik und ist bereits seit einigen Tagen auf bandcamp abrufbar.

Der Titel ist Programm. Die Platte speziell wie einzigeigenartig. Verträumt, verspielt, verstrahlt. Lyrisch bedeutungsschwanger. Angesiedelt zwischen großem Pathos, großen Gefühlen und großer Intimität. Gewohnt mutig wie spannend.

Diesmal allerdings auffallend entspannt und zurückgelehnt. Die Hektik, die auf den Vorgängern gerne hier und da aufblitzen mochte, sucht man vergeblich.

Vielleicht das bisher zugänglichste Werk aus der Zikade – Schmiede, die mal wieder einen echten Geheimtipp zutage gebracht hat, an welchem meine Wenigkeit sogar durch diverse Bass – Beiträge Teil haben durfte.

In diesem Sinne: Lass uns unser Blut verteilen! oder etwas neumodischer ausgedrückt: Spread the word!

Fav: Perlentaucher

Komische Musik im Stream:

Review: Zikade – Salzgeschichten (2015)

a2769246469_16Nicht einmal ein Jahr ist es her, da hat der aus Berlin stammende Ausnahmemusiker Zikade mit Das Ende der Beschwerde ein  beachtenswertes wie verschrobenes Debut hingezimmert. Nun werden die Salzgeschichten erzählt, genauer gesagt schon seit einigen Wochen und wissen es, durch ungeahnte Aufgeräumtheit und wohltuenden Raum, das Herz mit anderen Worten und neuen Weiten zu bewerfen.

 

Alles anders also… aber immernoch surreal. Das weiß schon der Opener, der den Hörer gerne mit Pop-Appeal umgarnt und trotzdem nicht darum verlegen ist, freche, synthetische Wellen aufzutürmen. Wellen, die auch das Meer aus Gras im nachfolgenden Jung wiegen. Wer die aufrichtig zarte Melancholie dieses Tracks nicht fühlt, braucht den restlichen Salzgeschichten wohl kaum weitere Beachtung zu schenken. Wer hingegen gefühlsmäßig an Board ist, wird mit Zikade bereitwillig vom Ufer ablegen, an dem einst ein Hafen stand und durch den restlichen Tag gemeinsam schaukeln wollen. Im Sonnenlicht. Sich die Augen Pink pinseln lassen und die Lippen solange im satten Grün wälzen, bis der Mund zum Schlachtfeld wird. Die Möglichkeiten hat man schließlich. Der Teufel hat’s gesagt. Der Teufel hat gefragt.

Zikade antwortet mit einem unheimlich intensiv knisternden wie emotionalen Liebesalbum. Die auf dem Vorgänger recht dominanten Samples, sucht man bis auf dezent verhaltene Beats vergeblich. Psychedelisch angehauchte Gitarrenklänge dominieren das Klangbild, werden von warmen Bässen gestützt. Gemeinsam verlieren sie sich in Schall und Rauch. Wer jetzt an Fanta 4 denkt, wird sich bei den Sprechgesangseinlagen von Einfach umso mehr am Tag am Meer wähnen. Über allem webt das veruchrauchte Stimmorgan der Zikade immernoch polarisierende Lyrik, die sicher auch diesmal nicht nur auf Zuspruch treffen dürfte. Pseudointellektuell schimpfen Kritiker so etwas gerne, was hier aber keineswegs geltend gemacht werden darf. Tatsächlich transferiert die kryptisch komplexe Wortwahl die Musik perfekt auf die Textebene, zeugt von großer Weitsicht und ist zudem oftmals schonungslos ehrlich. Man muss sich nur darauf einlassen können und die Zeit mitbringen, welche die Salzgeschichten sich nehmen.

Irgendwo zwischen Tom Waits, Portishead, Beck, Selig, Neubauten, Marlene Dietrich, Pink Floyd, Singer-Songwritertum und Unerhörtem ist das Endprodukt sicherlich und unbedingt als mutig einzustufen. Noch mutiger dürfte es allerdings sein, sich absolute Hits wie Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten oder das schmutzige Warnlicht entgehen zu lassen.

Für mich jedenfalls eine der innovativsten Platten der letzten Monate! Serious!
Jeder weiss Bescheid was zu tun ist, oder?

Anspieltips: Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten, Warnlicht, Alles anders

Albumstream:

Die Salzgeschichten lassen sich für 10€ über bandcamp beziehen.

Released: 29.07.2015 via bandcamp

www.derdanielistfaul.de…

Fürst… möchte man angesichts des regen Informationsflusses auf diesen Seiten ja sicherlich meinen. Dem ist aber natürlich nur bedingt so. Vielmehr fällt die Blogarbeit derzeit aus purem Zeitmangel etwas arg mau aus. In den Haushalten von CANNAHANN und Paulinchen Brennt wird derzeit mächtig vor und hinter den Kulissen geackert und auch Godzilla was a friend of mine und Zikade futterten und futtern diverse Häppchen meiner Zeit (beide Acts haben btw. starke neue Scheiben am Start – siehe hier und da).

 

 

Weitere musikalische Bonbons sind außerdem bereits in Planung! Kurz gesagt: Produzieren vor schwadrodieren! Rechnet man dieser Binsenweisheit dann noch eine unerwartet üppige Arbeitsflut aus dem Daily Life hinzu, ist die Zeit auch schon ganz weg. Ich weiß: mimimi…

Das ist tatsächlich mehr als schade, da es schon wieder nen ganzen Haufen toller Platten und Konzerte gab, über die ich hätte schreiben wollen und sollen…

Das wird sicherlich bald nach- und nach- und nachgeholt!

HOL ICH MIR!

Zur Überbrückung hier ein schmackhafter Appetizer zum 65. Rakoczy Fest, welcher derzeit Rhöner Knabenseelen gleich haufenweise konsumiert. Tendenz steigend!

Liegengebliebenes im Schnelldurchlauf!

Wer den vorangegangenen Post gelesen hat, wird sicher eins und eins zusammenzählen und sich somit auch erklären können, warum die Fülle an Einträgen hier noch immer recht zähflüßig vonstattengeht. Deshalb hier mal ein paar Sachen aus jüngster Vergangenheit im Schnelldurchlauf, die ich für erwähnenswert halte:

Zikade veröffentlicht erstes Musikvideo!

Das ich die Sachen des Berliners Zikade sehr schätze, weiß der aufmerksame Leser natürlich schon. Wurde es doch hier und da schonmal erwähnt… Nun war der Knabe mit den schönen Zähnen kürzlich In Gent um dort unter der Regie des Jungfilmers Ellard Vasen eine Visualisierung für das gleichnamige Stück aus dem Debut Das Ende der Beschwerde in Angriff zu nehmen. Glitzer, Masken, eine Dame namens Helene Bracke, Zeitraffer und die schönste Grinse seit Kurt Cobain. It has its moments…

Panda People legen nach!

Kürzlich erst mit The usual place quasi aus dem Dornröschenschlaf erwacht, legen die Panda People nun mit American Queen gleich den nächsten Hit nach. Passend dazu gibt’s ein schmissiges Retrovideo. Den Track kann man übrigens umsonst downloaden!

Mínus endlich auf Spotify!

Der Mínus ist cool: So hieß der allererste Testartikel, den ich 2013 für diese Seiten geschrieben habe. Nun ist die Band endlich auch auf Spotify zu finden! Nun aber keine Ausreden mehr und ran an die Bullette! Meine besondere Empfehlung gilt dabei nach wie vor dem Album Halldór Laxness von 2003! Desweiteren findet man dort auch die mir bisher unbekannte, zum Album zugehörige Single Romantic Exorcism mit nicen Bonustracks! Außerdem steht nun auch die erste Demo aus den Hardcoretagen der Band auf Youtube! Von neuem Album weiterhin keine Spur…

Neues von Purity Ring!

Das ich deren Debut Shrines ganz arg mag, habe ich hier meines Wissens nach noch nie erwähnt, richtig!? Wird Zeit! Wie auch für ein neues Purity Ring Album. Das steht schon in den Startlöchern und wurde bereits mit dem famosen Vorabtrack Begin Again angekündigt! Nun wurde unlängst mit dem nicht minder grandiosen Push Pull nachgelegt, sowie eine Europatour angekündigt! Die neue Platte Another Eternity kommt am 3.März!

Blink 182 – Split!

as found on http://imstars.aufeminin.com

 

Nicht das mir Blink 182 jetzt arg am Herzen liegen oder ich sie noch als sonderlich relevant erachte… aber der ganz frische, erneute Spilt mit Gitarrist Tom DeLonge weiß es doch mich zu entertainen.

Hier ein frisches Ex-Kollegen-bashing via Rolling Stone mit den beiden verbliebenen Mitgliedern.

Sweet November!

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Der diesjährige November hält viel Freude bereit. Sowohl für mich, als auch für Freunde. There you go:

Zikade Debut ist raus!

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Photo by Florian Ullbrich

Nicht nur das Warten, sondern auch die Beschwerde hat allem Anschein nach ein Ende: Das Debutalbum des Berliners Zikade steht in den Startlöchern und ist ab sofort über seinen Facebookauftritt zu beziehen.Nebst sechs Skits gibt es neun eigenwillige Stücke mit überwiegend deutschen Texten, welche ihresgleichen suchen, zu entdecken.

Koketterie küsst Teenage Angst. Und man glaubt es! Und man glaubt es kaum! Oder um es mit den Worten des Interpreten zu sagen: „Setz dich hin und sei gespannt doch sei es nicht zu sehr.“

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Wunderbares Wirrwarr, dessen folkiges Singer/Songwritertum gerne in psychedelische Hallschwaden abtaucht oder mit Trip-Hop Beats liebäugelt.
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Kantig, roh und einfühlsam präsentiert sich „Zikade“ im durchweg gemäßigten Tempo und nimmt sich Raum und Zeit. Wer sich eben diese gerne für Musik nimmt und gelegentlich (notwendig!) schiefe Töne nicht scheut, wird hier mit einem bunten Strauß verschrobener Ohrwürmer belohnt. Ich krieg vieles schon nicht mehr aus dem Kopf. Mein persönlicher Favourit trägt den Titel „Sommernacht“:
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Irgendwie kommen mir beim Verlauf von „Das Ende der Beschwerde“ desöfteren deutsche Diva-Koryphäen wie Marlene Dietrich oder Zarah Leander in den Sinn… Macht sich sicher gut in verrauchten, dämmrigen Nachtclubs! Latelounge und so… Unbedingt verschiedene Stücke antesten, zuschlagen und im Auge behalten!! Alle Bässe auf dem Album btw by yours truly

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Erster Printartikel!

Wie kürzlich schon angekündigt liegt nun mein erster Printartikel vor. Und zwar in der aktuellen, vierteljährlich erscheinenden Kleinen Zeitung der FAZ (more to come btw.). Die Story ist an sich eine etwas abgeänderte Version des bereits bekannten Zikade-Interviews. Kann man aber ja ruhig nochmal raushauen wenn das Ding schon gedruckt wird:

Artikel - Drees - klein

Für gut lesbare Version einfach aufs Foto clicken.

Derdanielistcool.de wird 1!

                                                                                                              Volle Bulle geheim!

Junge, Junge! Derdanielistcool.de wird nun schon ein ganzes Jahr alt! Das will natürlich gefeiert werden und  passiert auch gleich in Form von 2 neuen Rubriken!

                                                                                                              Volle Bulle geheim!

Zum einen ist mir bewusst geworden, dass ich mich mit der XXXisql-Rubrik stark eingeengt habe und es unter dem Deckmantel schwer ist mal eben kurze Neuigkeiten oder Ankündigungen zu posten und zu archivieren. Ebenso schwierig würde sich die Sache gestalten, wollte ich über Sachen was neues loswerden die bereits abgearbeitet wurden. Zum Beispiel wäre mir DerCrazytownistimmernochcool usw. auf Dauer dann auch schlichtweg zu blöd. Lange Rede, kurzer Sinn: Für solche Fälle gibt es ab jetzt die neue Rubrik Neues! .

                                                                                                              Volle Bulle geheim!

                                                                                                              Volle Bulle geheim!

Wesentlich spannender dürfte sich die Rubrik Nachgefragt gestalten: In sehr sehr unregelmäßigen Abständen gedenke ich hier kleine Interviews oder Artikel einzustellen. Da dies natürlich sehr arbeitsaufwendig ist und angesichts meiner üblichen Tätigkeiten nebenher laufen muss, wird dieses Feld wahrscheinlich eher spärlich gefüllt werden. Aber hey: Einen ersten Artikel gibt es dort bereits zum schmökern! Für ein Projekt hab ich meinen Freund und Bandkollegen Benjamin bezüglich einer längeren Israelreise interviewt! Sein neues musikalisches Projekt Zikade sollte man sich nicht entgehen lassen!Man munkelt übrigens besagter Artikel würde demnächst in einer kleinen FAZ – Schwesterzeitung abgedruckt… wenn auch in einer überarbeiteten und gekürzten Version… Dennoch: Ein schöneres Geburtstagsgeschenk für derdanielistcool.de wäre doch wohl schwer vorstellbar! Naja, vielleicht wäre eine Schulung für korrekte Kommasetzung auch nicht verkehrt gewesen… Aber sei es wie es sei:

                                                                                                              Volle Bulle geh

Vieles ist geplant und ich freu mich richtig über die paar Nasen die hier ab und an mal reinspitzen! Auf ein neues Jahr derdanielistcool.de!

                                                                                                              Volle Bulle geheim!

Pure, genießerische Wirklichkeit – Ein Interview mit Zikade (Ngf001)

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Geheim

All this time I’m asking where to go when I get there.“ Benjamin Drees, ein hagerer Mann Anfang 20 mit wuscheligem Haar, blickt zufrieden vor sich hin, während die Worte sanft aus den Boxen kriechen und die kleine 1-Zimmer-Wohnung in Berlin Mitte erfüllen.

Es sind seine Worte und Teil eines neuen musikalischen Projektes, welches vor knapp einem Jahr begann und nun in Kürze unter dem Künstlernamen „Zikade“ das Licht der Welt erblicken soll. Eine ganze Hand voll Stücke sind es geworden, die alle die Sprache des Neuen, des Unentdeckten, der Erfahrung sprechen. Dieser Eindruck kommt nicht von ungefähr, sind die interessanten Klanggerüste doch fast wie eine Art Tagebuch zu verstehen und Versinnbildlichung eines etwa halbjährigen Israel-Aufenthaltes, der Ende 2012 begann. Ein wenig ungewöhnlich erscheint die Zielsetzung ins Land der Bibel dabei, ist man es doch eher gewöhnt, junge Menschen als Au-pair oder im Rahmen des Work-and-Travel-Programmes nach Australien, Asien oder Neuseeland pilgern zu sehen. Dabei kann gerade das israelische Kibbuz-System bieten, was viele der Reisenden suchen: frische und unabhängige Lebensperspektiven als Lohn gegen gemeinnützige Arbeit. Einmal auf seine Erfahrungen angesprochen, blickt man in ein weit aufgerissenes Augenpaar, welches die Begeisterung, trotz wohldurchdachter Wortwahl, kaum zu verbergen mag.

481578_10201208631840913_944684687_nDie Idee zur Reise sei ihm schon vor knapp 6 Jahren gekommen und gehe auf den Kontakt zu israelischen Musikern zurück, die er in Berlin kennenlernen durfte und eine Freundschaft zu Tage förderte, die erstmals zu einem zweiwöchigen Kurzbesuch in Israel führen sollte und den Wunsch aufkeimen ließ, dieses Land einmal über einen längeren Zeitraum zu erfahren. Der letztendliche Entschluss, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, kam dann sehr spontan und die Wahl auf Neot Semadar, ein Kibbuz südlich in der Wüste Negev gelegen, ganz natürlich, nachdem es ihm als „der schönste Ort auf Erden“ angepriesen wurde.

 

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              Geheim

Keine utopische Übertreibung, wie sich zeigen sollte: eine Oase mitten in der Wüste. Palmenwälder, ein großer See und die Berge von Jordanien im Hintergrund, die täglich die Farben zu wechseln schienen, versprühten schnell den erhofften Charme des Garten Eden. Dass man natürlich nicht nur zum reinen Vergnügen, sondern auch als tatkräftige Unterstützung vor Ort war, wurde natürlich von vornherein über einen freundlichen Email-Kontakt abgeklärt und verinnerlicht. Diese Freundlichkeit spiegelte sich dann auch direkt am Arbeitsplatz wieder, denn die Oberhäupter, wie Benjamin die Kibbuz-Leiter liebevoll nennt, waren stets darauf bedacht, jedem eine nützliche Tätigkeit zukommen zu lassen, mit der sich derjenige identifizieren konnte. Im Gegensatz zu den permanent dort lebenden Menschen hat man als sogenannter Voluntär, wie Drees einer war, keinen festen Arbeitsplatz, sondern ist eher so etwas wie Mädchen für alles. So varriierten die Aufgabenbereiche vom anfänglichen Küchendienst über die Aufsicht im Kindergarten bis hin zum Mischen von Likören und dem Abfüllen von Weinen für den Verkauf. Neot Semadar ist nämlich vor allem auch als Produzent diverser Ökoprodukte bekannt. Mitunter gab es aber auch echte Knochenjobs zu verrichten. So bleibt besonders die Erinnerung an die Dattelplantage präsent, bei der es Aufgabe war, auf sämtliche Palmen zu klettern und die giftigen Dornen mittels einer Machete abzuschlagen, um einen reibungslosen Ernteablauf im darauffolgendem Halbjahr zu gewährleisten.

Trotz zweier, je einstündiger Pausen sicher kein Zuckerschlecken, bei Arbeitszeiten von fünf Uhr morgens bis vier Uhr mittags und den wüstengegebenen Temperaturen. „Gar nicht so schlimm“, meint Benjamin, denn die Eingewöhnungszeit sei ungewöhnlich schnell vonstatten gegangen, was er vor allen Dingen der wunderschönen Umwelt zugute hält. Außerdem gab es jeden Abend Entlohnung für die großen Mühen, was für ihn auch schönstes Erlebnis bleibt: das Treffen mit den anderen Voluntären am Lagerfeuer, bei dem man Geschichten austauschen, den unzähligen Musikern lauschen oder auch jederzeit Leute zum Improvisieren eines neuen Musikstückes finden konnte. Man machte sich kleine Geschenke und hatte sich lieb. Quasi der Hippie-Traum, ohne die sich aufzwängende Subkultur. Zusammenfassend bezeichnet er dieses allabendliche Szenario als „pure, genießerische Wirklichkeit“.

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           Geheim

Doch war bei all der Schönheit natürlich nicht alles Gold, was glänzt. Interessant und befremdlich zugleich erschien ihm die Tatsache, dass leicht sektisch mit den Lehren Hare Krischnas, Giojeff oder Rudolph Steiner hantiert wurde, was einerseits zusammen mit der Monotonie des puren Glücks zunehmend bedrückender auf ihn einwirkte, aber ihm andererseits den Abschied aus dem Exil auch maßgeblich erleichterte. Ein etwas kürzerer Aufenthalt in Jerusalem sowie in einem weiteren Kibbuz im Norden sollten folgen, ehe es März 2013 wieder zurück ins heimische Berlin ging.

Die Frage, ob er sich denn durch die Reise verändert habe, schmeckt ihm nicht sonderlich. Vielmehr ist er der Ansicht, dass ein wenig personelle Veränderung im Alltag eines Jeden stattfindet. Dafür müsse man nicht verreisen. Wenn überhaupt, so habe seine Auslandserfahrung diesen Prozess etwas beschleunigt und ihn mit einer geballten Ladung einprägsamer Momente zurückgelassen. Und das möchte er auch dabei belassen. Zu naiv wäre es zu glauben, man könne die gleichen Erfahrungen am gleichen Ort immer und immer wieder machen. So wird seine Israel-Reise auch keine Wiederholung finden, da er für sich bereits das Beste herausgeholt zu haben glaubt. Was er hingegen in aller Regelmäßigkeit wiederholt, ist die Pflege des Kontaktes zu neugewonnenen Freunden, die er nun in aller Welt hat. Alleine das war ihm die Reise schon wert. Interessierten, die es ihm gleich tun wollen, rät er, nur das Nötigste zu planen, um den Rest der eigenen Intuition zu überlassen. Es sei doch schöner, nicht schon von Beginn an zu wissen, was man am Ende sein Eigen nennen kann. Die Freude an der Ungewissheit sozusagen, die auch das eingangs zitiertes Zikade – Stück „Running from Despair“ zu versprühen weiß: „And in the end I may be smarter…“

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Interview vom 02.01.2014
Photos aus dem Archiv von Benjamin Drees
Zikade-Webpräsenz