Review:Mínus – Jesus Christ Bobby (2001)

178689_1_f-500x500

Artwork by Börkur Sügporssona

Eine Band aus Island und ein Coverartwork das auch von Tool stammen könnte:
Man ist sich schon fast sicher, dass einen hier langatmiges Geplänkel erwartet.
Doch weit gefehlt! „Jesus Christ Bobby“ knallt einem schon mit dem Eröffnungsriff von Chimera so unverblühmt in die Fresse, dass einem der auf der Zunge liegende Porcupine Tree – Vergleich sofort im Halse stecken bleibt.

 

Wenn dann noch der Gesang mit der Textzeile „Searching for your position“ einsetzt, weiss man dass hier keine Kompromisse gemacht werden.

„These recordings are the offspring of manic lunatics who are lost in music but
still certain in their means to find necessary balance between modern rock & futuristic soundscapes“ prangt es auf der CD und erweist sich als absolut treffende Selbsterkenntnis.

Die Scheibe strotzt vor Aggressivität. Krasse Rhythmuswechsel, verzerrter Bass und fast durchgehend gekeifte Vocals kreieren pures Chaos von beeindruckender Intensität. Das haben 2001 noch nicht viele geschafft! Die Platte gilt in Kennerkreisen ihrer Zeit als weit voraus und wäre wohl einige Jahre später bei der großen „Math-Core-Explosion“ ein weitaus größerer Erfolg gewesen.

Einzelne Songs rauszupicken fällt schwer, da sich viele Songs doch stark ähneln. Und genau da liegt für mich auch das Problem. Ein paar weitere Songs wie die aus dem Rahmen fallende Akkustik-Ballade „Arctic Exhibition“ hätten meiner Meinung nach gut getan, da das durchgehende Geprügel auf Dauer schon ermüdet und mich dann auf Albumlänge nicht mehr fesselt (aber gut, dass ist mein Problem mit Hardcore im Allgemeinen).

Trotzdem: Häppchenweise greife ich gerne hin und wieder auf „Jesus Christ Bobby“ zurück wenn ich Bock auf Noise habe. Eine Perle für mich bleibt der Song Pulse, welcher mit seinem cleanen Gesang und Herzschmerz-Galore aber keinesfalls repräsentativ für das Album steht. Diese Ehre gebührt dann wohl doch Misdo.

Pulse

Misdo

Tracklist:

  1. Chimera
  2. Leisure
  3. Modern Haircutz
  4. Misdo
  5. Electra Complex
  6. Frat Rock
  7. Arctic Exhibition
  8. Liquid Courage
  9. Denver
  10. Peccadillo
  11. Pulse

 

Wer das Teil physikalisch besitzen will kann für $12.89 direkt beim Label Victory Records ordern oder aber bei amzon gebraucht für 0,75 € zuschlagen. Steht allerdings auch ziemlich alles schön durcheinander auf YT (die in Eigenregie veröffentlichte Platte „Hey, Johnny!“ übrigens auch). Auf Spotify sucht man Mínus jedenfalls vergeblich.

                                                                       Released: 10. Juli 2001 via Victory Records

2 Gedanken zu „Review:Mínus – Jesus Christ Bobby (2001)

  1. Pingback: Review:Mínus – Halldór Laxness (2003) | Der Daniel ist cool

  2. Pingback: Der Mínus ist cool (XXXisql001) | Der Daniel ist cool

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.