Review: Conny Ochs/Jena/19.11.2014

1622211_797454246941915_2022672832016599225_nIch bin ja per se kein großer Singer/Songwriter Fan. Mir persönlich erscheint diese Tradition oftmals etwas steif und aufgesetzt, zumindest hierzulande. Anders Conny Ochs, der eher den Hobo-Gedanken von Freiheit und Authentizität verkörpert, weshalb seine Shows für mich immer etwas ganz besonderes sind. Besonders genug um fünf weitere Menschen ins 3 Std. entfernte Jena zu entführen. Sieht man die Plattenbauskyline der Ostmetropole, meint man es jedesmal mit Deutschlands womöglich hässlichstem Ort zu tun zu haben. Tatsächlich aber ist die Stadt im Bergkessel eigentlich ganz schnuckelig. Auch die heutige Konzertlocation Rosenkeller, weiß mit  verwinkeltem Gewölbekellercharme zu über- und Stimmung zu erzeugen. Schade nur, dass so wenige Menschen an diesem verregneten Herbstmittwoch den Fuß vor die Wohnungstür geschafft haben. Gerade mal rund 15 (?) Menschen tummeln sich im bestuhlten Gemäuer, um dem South of Mainstream Troubadour-Package beizuwohnen. Neben Ochs nämlich, stehen mit Kristian Harting und Friedemann zwei weitere Exile on Mainstream-Acts auf der Speisekarte. Macht der Singer/Songwriter-Riege also drei.

 

Den Anfang macht dann überraschenderweise auch der – vom Flyer her – eher als Headliner vermutete Conny Ochs himself. Der nimmt die geringe Zuschauerzahl gelassen und nutzt die Umstände als Anlass für ein sehr intimes Set, gespickt mit der ein oder anderen raren Perle seines Kataloges.

Bewaffnet mit Akkustikklampfe, Bassdrum, Schellenkranz und einer der bestkonrolliertesten und beeindruckendsten Stimmen Deutschlands, ziehen die Raw Love Songs, des in Jeanskluft gehüllten Hallensers, von Beginn an in ihren Bann.

IMG_0369 KopieBereits der Opener Lead Out vom aktuellen Album Black Happy wird mit einer derart brutalen Ehrlichkeit vorgetragen, dass sich Gänsehaut schwer vermeiden lässt. Das schwere Don’t know her name vom Solo-Debut wirbelt Staub auf, Star von der brandneuen 7-inch Single durchstrahlt den Nebel bittersweet. Suiciety heisst das Aushängeschild der genannten Neuveröffentlichung und der zugehörige Titeltrack folgt auf dem Fuße:

„Vielleicht kennen ein paar Leute von euch das auch. Ich hab ein paar Freunde schon verloren, die sich entschieden haben hier in dieser Welt nicht mehr weiterzumachen. Deshalb möchte ich das nächste Lied nicht nur den Leuten widmen, die nicht mehr hier sind, sondern auch denen die noch hier sind. Und an diese Leute denken.“ Ich hätt‘ halt fast geweint bei diesem grandiosen, sehr positivem Stück.

Waiting for the monster! Allerdings! Doch auf welches Monster man wartete, hätte ich selbst nicht mehr für möglich gehalten… Eine kleine Sensation: Ochs packt tatsächlich einen Song seiner einstigen Kapelle Zombie Joe aus! Wohin Woher aus dem 2005er Schlachthaus, Baby!. Unfassbar, denn seit dem Split dieser – mir sehr teuren – Band, hat er das Material bislang nicht wieder angefasst. Voila:

Conny Ochs – Wohin Woher – live:

 

Was danach noch kommen soll? Das ultradeepe Susanna, ebenfalls Teil des allerjüngsten Outputs zum Beispiel. Die E-Gitarre kommt zum Einsatz! Dirty! Sleazy! Bluesy! Schwermütig und rough! Ein Wahnsinnsstück mit mehr Rock n‘ Roll – Esprit als manche Bandformation! Die PJ Harvey Nummer „To bring you my love“ anzuhängen macht absolut Sinn und Vultures by the Vines aus der Kollabo-Platte mit Wino hält die Nase in den Wind. „Den Song möchte ich heute besonders an Wino rausschicken“man hat es mitbekommen und kann sich denken warum… Mit Bassdrum als Puls und Zeilen wie „Don’t let it get you down“ oder „Big mouth gets ready to swallow“ sieht man den Song plötzlich an einem ganz anderen Ort und die schier unbändige Dringlichkeit der Worte fließen ungefiltert ins Herz. Hat mich umgehauen!

„Wenn ich mit meinen Freunden von Rügen unterwegs bin, freue ich mich immer, dass wir ein kleines bisschen Meeresbrise auf die Bühne bekommen.“ Der befreundete Musiker Janko nimmt für die nächsten beiden Songs Platz an Cajon und Ziehharmonika.

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Burn Burn Burn und Grassy Grass Grass (aus der Z-Joe and the Dustbowlers-Phase) machen im Bundle nicht nur aufgrund der optischen Wortsilbigkeit Freude, sondern vor allem weil es absolute Hits sind, die mit der Untermalung des Kollegen stimmig hervorgehoben werden. Es folgt das abschließende False Profits vom noch bestehenden Band-Projekt The Baby Universal. Tatsächlich mein Lieblingsstück deren jüngster Platte Slow Shelter.

Starke Setlist! Starke Performance! Starker Abend! Und das haben auch alle im Raum gefühlt!

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Die nachfolgenden Acts verpasse ich leider. Allerdings aus gutem Grund! Ein ganz besonderes Interview mit dem Protagonisten des heutigen Abends wartete nämlich hinter den Kulissen auf uns. Das Ergebnis dieses ausgiebigen Chats‘ darf man spätestens bald an dieser Stelle in Form eines großen Videospecials erwarten!

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Conny Ochs – Setlist

01. Lead out
02. Don’t know her name
03. Star
04. Suiciety
05. Waiting for the monster
06. Wohin woher (Zombie Joe)
07. Susanna
08. To bring you my love (PJ Harvey)
09. Vultures by the Vines (Wino & Conny Ochs)
10. Burn Burn Burn
11. Grassy Grass Grass (Z-Joe and the Dustbowlers)
12. False Profits (The Baby Universal)

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Alle Fotos exklusiv für www.derdanielistcool.de und mit freundlicher Genehmigung des mightyfinen Photographen Awanes!

Ein Gedanke zu „Review: Conny Ochs/Jena/19.11.2014

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