Review: Florian Ostertag – Flo And The Machine (2020)

Flo And The Machine, die zweite full length des schwäbischen Singer/Songwriters Florian Ostertag ist mal wieder so ein Fall, bei der mir auf Grund der Ersteindrücke beinahe ein sehr schönes Album durch die Lappen gegangen wäre. So hat mich spontan weder das minimalistische Cover, noch der Albumtitel oder das eröffnende All About Me angesprochen, das genau die Art von Aufbruch-Road-Trip-Mucke bereithält, mit der ich persönlich nie so recht warm geworden bin.

In eine ähnliche Kerbe schlägt jedoch allenfalls noch das kurze Invisible, dessen Southern Rock-Anleihen auch nicht so ganz mein Fall sind. Der Rest der Platte ist aber überraschend grandios. So schafft es Flo And The Machine nämlich einen mit den weiteren acht Titeln im Handumdrehen einzuvernehmen und braucht dafür noch nicht mal große Gesten.

Stets begleitet von dezenter aber jederzeit ausdrucksstarker Instrumentierung (vornehmlich kommt natürlich die Akustikgitarre zum Einsatz) nimmt Ostertag die Rolle des suchenden und sehnsuchtsvollen Erzählers ein ohne das man den Eindruck hätte, er würde sich verstellen.

Vielmehr schimmert immer wieder eine sympathisch unprätentiöse Persönlichkeit durch die Songs, die einen wiederum auch in den melancholischen Momenten mit einem guten Gefühl zurücklassen. Für den schnellen Check schickt sich v.a. Drifting mit seinen wunderschön verträumten Backings und den Thom Yorke-Vokalausflügen an. Was für ein Song:

Weiter soll das zarte Schlagzeugstreicheln in Always Waiting ebenso wenig unerwähnt bleiben wie das verspielte Klimperstück John Wayne oder das lebhafte Band-Feeling im fantastischen Can’t Say What You Want.

Mag Ostertag in Fraud auch noch so sehr besingen, dass happy endings (zumindest in Filmen) nicht so unbedingt sein Ding seien, ist Flo And The Machine am Ende genau das! Und das muss er wohl auch selbst bemerkt haben oder wie sonst erklärt sich der eingespielte Applaus nach dem abschließenden Don’t Lose Yourself (Simple Man)? Das muss dann wohl die Selbstironie sein, von der der Pressetext spricht… achja… apropos Filme: Mit denen kennt sich Florian gut aus, ist er doch gefragter Komponist deutscher Filmproduktionen (z.B. About A Girl, Liebe Mauer, Zeit Der Zimmerbrände). Damit ihm nebenher nicht langweilig wird ist er zudem festes Bandmitglied von Philipp Poisel und Lena Meyer-Landrut.

Das nur mal der Vollständigkeit halber… denn an und für sich wäre dieses Namedropping gar nicht notwendig… Flo And The Machine steht und spricht durchaus für sich. Sehr runde Sache!

Anspieltipps: Drifting, Can’t Say What You Want, John Wayne

Flo And The Machine im Stream:

Flo And The Machine ist digital, als CD mit Texten, Chords und Downloadcode oder aber als schwarze LP (ebenfalls mit Texten und Downloadcode) im schlichten, matten Gatefold zu haben. Die zur Bemusterung vorliegende Vinyl-Variante klingt kurzum fantastisch! Dieser Tage übrigens auch live zu sehen/hören:

VÖ: 28.02.2020 via AdP Records

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