Neues Album von Zikade!

a3000362442_16Das dritte Album des Berliner Acoustic – Pop – Avantgardisten Zikade trägt den Namen Komische Musik und ist bereits seit einigen Tagen auf bandcamp abrufbar.

Der Titel ist Programm. Die Platte speziell wie einzigeigenartig. Verträumt, verspielt, verstrahlt. Lyrisch bedeutungsschwanger. Angesiedelt zwischen großem Pathos, großen Gefühlen und großer Intimität. Gewohnt mutig wie spannend.

Diesmal allerdings auffallend entspannt und zurückgelehnt. Die Hektik, die auf den Vorgängern gerne hier und da aufblitzen mochte, sucht man vergeblich.

Vielleicht das bisher zugänglichste Werk aus der Zikade – Schmiede, die mal wieder einen echten Geheimtipp zutage gebracht hat, an welchem meine Wenigkeit sogar durch diverse Bass – Beiträge Teil haben durfte.

In diesem Sinne: Lass uns unser Blut verteilen! oder etwas neumodischer ausgedrückt: Spread the word!

Fav: Perlentaucher

Komische Musik im Stream:

Review: Kristian Harting – Float (2014)

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Artwork by Asbjørn Sand

Hätte ich Kristian Harting nicht über den Live – Weg kennengelernt, ich hätte die Sounddichte auf Float garnicht einer einzelnen Person zuschreiben können. Bewaffnet mit Loopstation, Gitarre und glasklarer Stimme nutzt der Däne ersteres Utensil um die beiden verbleibenden schier endlos zu duplizieren wodurch sich die Fragmente der an sich zarten Singer/Songwriter – Stücke mitunter zur bedrohlich monströsen Wall Of Sound auftürmen.

Was live überzeugen konnte, funktioniert auch auf Platte super. Gitarrenspiel und Pop – Appeal baden sich in den hallgetränkten Ambient – Wogen tiefdüsterer Songs wie Queen Of The Highway  oder sitzen neben dem Sole Dancer im Zug nach Nirgendwo. Oder aber zu einem Konzert der Killers, an deren Hit letzterer unfreiwillig erinnert.

Wohin die Reise auch gehen mag ist eigentlich auch egal: Der Weg bleibt sowieso das Ziel und ist, wie so oft im Singer/Songwriter – Kosmos, auch bei Harting zentrales Thema. In diesem Zusammenhang darf der Mantra – Exzess Kamikaze nicht unerwähnt bleiben, der sich in dieser Thematik geradezu suhlt und im Liveset wie auch auf Platte als Highlight fungiert:

Weiteres, wenn nicht sogar noch größeres Themenfeld auf Float: Wasser. Harting, der seine Musik ein ums andere mal in seinem Leben als Rettungsanker nutzen konnte, will Float nicht nur als sicheren Hafen vor rauem Seetreiben verstanden wissen sondern vergleicht sich obendrein gleich selbst noch mit der lebensspendenden Flüssigkeit:

I had to be like water. Just float. Not think, not try to organize nor 
control the chaos… I had to be like water or I would break. 
It was a spiritual journey. A test.

Mag Float zum Ende hinaus auch etwas schwächeln, bleibt dem Konsumenten dennoch ein intimes Hörerlebnis für nächtliche Stunden. Und zwar eines, das sehr direkt und unverfälscht daherkommt. Und ehrlich. Aber das versteht sich ja beinahe von selbst. Denn wie wußte schon der allseits beliebte ostfriesische Blödelbarde Otto Waalkes: Dänen lügen nicht!

Anspieltipps: First Applause, Kamikaze, Feathered Ghosts

Float im Stream:

Float ist für faire 15€ auf Vinyl zu haben!

Released: 31.01.2014 via Exile On Mainstream

Review: Antoine Villoutreix – Paris Berlin (2016)

Antoine Villoutreix - Paris Berlin (Illustration Ulrike Jensen)

Artwork by Ulrike Jensen

Ich geb es ja zu: Ich fand Paris Berlin schon doof, da hatte ich noch keinen Ton von der darauf enthalten Musik gehört. Schon allein die gleich doppelt im Titel enthaltene Großstadt – Glorifizierung gekoppelt mit dem kindlichen Artwork genügte mir um das Album erst einmal mit Missachtung zu strafen. Kindlich banal auch die deutschen Texte zu Lass Uns Fahren, Wie Wunderschön, Neben Dir und Berlin. Gerade letzteres brachte mich schon beim lesen des Textes auf die Palme.

Beispiel gefällig? „Sein Kopf tut ihm bisschen weh / Gestern war wieder Schlägerei / Der Pogo war so krass, oh je / Die Welt ist eine Schweinerei / Berlin… / Du weisst ich liebe dich so viel.“ Und so weiter und so fort… Fair enough: Antoine Villoutreix ist kein Muttersprachler, weshalb man bei seinen deutschen Texten sicherlich ein Auge zudrücken sollte. Und ja: Man könnte solch reduzierte Zeilen wie „Wie wunderschön wäre die Welt ohne Bomben, ohne Kriege“ auch ganz bestimmt als ‚unmittelbar‘, ‚ungekünstelt‘ und ‚authentisch‘ betiteln und gutheißen. Ich allerdings pack die bisher genannten Stücke leider auch unter Einbezug genannter Denkansätze beim besten Willen nicht. Weder in ihrer schriftlichen noch in ihrer vertonten Form.

Glücklicherweise gibt es aber noch ein zweite Hälfte von Paris Berlin entdecken.  Wie es der Titel erahnen lässt, stellt diese das Pendant zur deutschsprachigen Berlin – Seite dar und ist demnach selbstverständlich in französischer Sprache gehalten. Diese lässt schon eher aufhorchen und steht dem Musiker meiner Meinung nach um einiges besser. Attribute wie ‚ungekünstelt‘ und ‚authentisch‘ wollen denn nun auch um einiges besser greifen.

Antoine Villoutreix - Les boulevards de Paris (Illustration Emmanuel Villoutreix)Antoine Villoutreix3 (© Stephan Talneau)Antoine Villoutreix - Wie Wunderschön (Illustration Ulrike Jensen)

Mag die Melange aus Folk und Chanson mit gelegentlichen Zitaten aus Swing, Reggea und Rock auch in französischer Sprache leider nicht so wirklich mein Fall sein, lässt sich ihr ein gewisser Charme jetzt nur noch schwer absprechen.

Tief und rauchig legt Villoutreix seine Stimme in ein federleichtes, weiches Bett aus akustischen Gitarren, Piano, Kontrabass, sanften Trommelschlägen, Streichern und gelegentlichen Bläsereinsprengseln. Ansprechende Arrangements und eine warme Produktion runden die Platte ab, die in ihren schönsten Momenten (Alright und Le Jour Qui Se Lève) einer sommerlichen Radtour durch die mediterranen Blumenfelder der französischen Provence gleichkommt. „Da wo die Sonne immer scheint…

So wie es dem Protagonisten der Platte schwerfällt sich zwischen zwei Städten zu entscheiden, so fällt es auch mir letztlich schwer ein Urteil über Paris Berlin zu fällen. Doof, wie im Vorfeld befürchtet, finde ich es an manchen Stellen leider tatsächlich. An einigen anderen dafür sogar richtig schön. Im Culture – Clash Paris vs. Berlin siegt für mich jedenfalls ganz klar die Stadt an der Seine. Aber das wusste ich auch schon vorher…

Ganz egal aber Wie Wunderschön die Musik von Antoine Villoutreix meiner Einschätzung nach nun sein mag oder eben nicht: Sie wird ihre Abnehmer finden und betanzt werden. Da darf man sich sicher sein. Nicht zuletzt dank dieser Gewissheit hat man sich als Releasedate wohl mit dem 29.04 siegessicher den Welttag des Tanzes auserkoren. C’est super!

Anspieltipps: Alright, Le Jour Qui Se Lève

Paris Berlin im Stream:

Paris Berlin gibt ist hier als Vinyl (20€) oder CD (15€) erhältlich!

Released: 29.04.2016 via Sungroove

Pleasing hipsters doesn’t even pay the fucking rent! – Ein Interview mit Gisli (Ngf010)

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Wenige Wochen ist es her, da habe ich in How About That? eine neue Indie-Lieblingsplatte gefunden. Warum besagter 2004er Output bei all seiner unverschämten catchyness nicht zum gefeierten Szene-Darling wurde, war dabei nur eine von vielen Fragen, die sich mir aufdrängten. Umso schöner, dass ich Gisli, den Protagonisten hinter der Platte, dazu bewegen konnte, sich hinter die Tastatur zu klemmen und mir in einigen Punkten Rede und Antwort zu stehen. Die kleine Schaffenswerkschau folgt in englischer Sprache und lässt den Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Songwriters, Sängers, Instrumentalisten und Produzenten schweifen! Keine Ausreden mehr und diesen Typen jetzt entdecken!

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„I’m gonna be drunk and flat broke. I’m gonna be tired, old and bitter. And really messed up.“ – Gisli, I really do hope the lyrics of 2004’s Straight To Hell didn’t become bitter truth to you. How are you doing these days?

Well I’m definitely older, that’s for sure! Probably less messed up then I used to be but also perhaps a bit more tired, as you get when you grow older. Other than that I’m great thank you.

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How About That? – 2004

I’ve just discovered your superb debut How About That? the other day and have to say that I dig each and every song, which has become a rare thing to me. How do you personally feel about that record nowadays?

I’m glad to hear that you like it. That makes me happy. Personally I have mixed feelings about that album. Musically it was very much a reaction to what was going on in music at the time so to my ears it sounds a bit dated but there are still a few songs there I still like a lot and I think still stand on their own, you know? Lyrically I thought it was fun to write hip-hop style lyrics to these pop songs, a lot was just stream-of-consciousness kind of stuff, which no-one was doing at the time but then a whole wave of bands came along and did just that so I guess it feels a lot less special now a days. Still a few good lines here and there I think. So you know, I’m proud of the album but I don’t listen to it.

A lot of critics compared you to Beck Hansen back in the day. Did you feel flattered by that or did it bug you?

No, never. I thought it was a massive compliment even though I’m not the biggest Beck fan in the world. I got weird sometimes when people tried to use it against me though. Dissing me for sounding like Beck but then saying someone else was great because they sounded just like the Rolling Stones or whatever… If you want to please hipsters you’ve got to rip of the right artists you know, but then you have to remember that pleasing hipsters doesn’t even pay the fucking rent! Haha

„Oh my god this world is fucked up“ – still your Most Frequent Thought?

Yup! Especially these days. The Panama Papers didn’t exactly strengthen my faith in politicians. We are dealing with this here in Iceland at the moment on a pretty big scale. I’m convinced this the beginning of the end for ”old politics” and that something new is right around the corner so I’m sure we can start thinking about something more uplifting soon.

Check Your Pants, Know What I’m Sayin‘, I Refuse… the ‚How About That?-era‘ also brought us some excellent B-Sides! And then there are these awesome demos you shared on soundcloud. Good stuff that is! I bet there are still some goodies left in the vault from that early period of your career…

Yes I’m sure there, somewhere. Every once in a while I find a song on one of my hard drives that I’ve forgotten about. Sometimes half written or half recorded or both! I can’t say the quality is always gold though.

Talking about unreleased stuff: What excactly kept you from releasing your 2nd album Build-Ups & Break-Downs? I mean, it’s up on soundcloud as well and it’s ace! Any chance of a physical release some day? It’s a shame that people don’t know about this…

I recorded that second album in Los Angeles and had a great time doing it. I had the best time with the best people and I was very happy with the result. Then we started planning the release and it was all taking very long and I couldn’t work out why until one day EMI Records was sold and the label put down. When that happened I had had enough of record company politics and also I was getting a bit tired of being a solo artist and just being an artist in general so I just stead in the studio, working with and for other people, writing and producing. It was the logical next step really. I got the rights to the album back from the label immediately but I wasn’t into doing that thing any longer. I might still release it though. In the meantime it’s free for anyone who can find me on Facebook and has the nerve to ask for a download link 🙂

You did a lot of touring back then with your band, sharing stages with The Dresden Dolls, The Magic Numbers and whatnot. Get onto the bus and headin‘ to the sun. Touring is fun! There must be tons of great memories! Like to share some?

Yeah I did an awful lot of touring, and it was amazing! I remember standing on stage in front of about 5.000 people at a festival in Germany the moment I realized that the next line in the song was: I’m like the 2nd world war without the nazis… I chickened out and just went silent for that line. Some journalists gave me a hard time afterwards for not saying it though. I also remember the last thing I did before walking on stage at Glastonbury was to throw up because I was so hung over. Then I walk on stage and was met by the loudest roar I had ever heard from the crowd, which I was´t expecting at all. It freaked me out so much I almost threw up again on the stage. Good times…

moblogpicsf.phpYou used to have that talented band of handsome gentlemen around you. What are those guys up to? Do you still work together?

Keeping bands together is hard work! The bassplayer had a hard time with touring so he turned into a raging alcoholic and had some kind of a breakdown on our last tour. I’ve worked with the guitar player (Bjørn) a little bit and the drummer (Odd) was also in a new line-up that I had for a couple of UK tours where we were playing the second album. They are all doing music in some form I think but I’ve moved countries a couple of times since that so we don’t really stay in touch that much.

Seemingly out of nowhere, 2012 saw you releasing some catchy stripped-down new material and rumors are up that you’re working on new material lately? New release? New label? New shows? New band? New New? How about that, yeah?

Hell yeah, I’ve never stopped writing and recording my own music. I just didn’t want to do all the other stuff like releasing and making whole albums. At the moment I am making an album though. I would say I’m about 70% done. It’s not all stripped down and easy either, there’s all kinds of stuff going on. It will be out this year, hopefully this summer.

You co-produced and co-wrote Briefly Shaking by Anja Garbarek and played a bunch of instruments on the album as well! Just gave it a spin and it’s the bomb! How do you feel about that record?

That was such a fun thing to do. She’s an amazing artist and had no musical restrictions or boundaries when we were working, always open to anything. That album got director Luc Besson interested in working with her so one of the songs we wrote together (Can I keep him) ended up in his movie called Angel-A which was very cool indeed.

moblogpsdsdfic.phpAlthough you haven’t released that much stuff of your own these last couple of years you haven’t been lazy when it comes to producing records with other artists: Duffy, Roisin Murphy, Cathy Dennis, Mick Jones, Joe McElderry… you name it! Are you able to make a living out of working in studios and whith whom did you work recently?

Against all odds I’ve made a living of music for 12-13 years. It’s a lot harder after moving to Iceland though as the music business here is tiny so I work in TV and radio here too. But I’m still very busy producing and mixing for people, mainly people outside of Iceland for some reason. Just finished an album with the Norwegian singersongwriter-pop-star William Hut. That is such a good album!!

Who’s on your wishlist to work with and is there a producer you admire?

I want to go to a really shitty english pub with Jeff Lynne, and I really really want to make music with Buck65.

You grew up in Iceland. I’ve been planning to go there for ages and certainly will some day. Which spots shouldn’t be missed when one is travelling this country? Recommendations for magic, obscure and odd places are highly appreciated!

I don’t want to disappoint you but it’s getting pretty commercial here now. That doesn’t change the fact that it’s still a magical place! It really is. You can just get into a car and drive anywhere and it will blow you away. I promise. Or you could come visit the town where I live which has about 90 residence and not much else. That’s pretty cool too.

I’d like to quote you one last time in the following: „In Iceland there are people actually making pieces somewhere in the middle of ‚real art and high kitsch’“. In my view, this statement doesn’t only fit your own music perfectly but is getting me curious as well! Who’s your favourite artist from back home?

That line is something I picked up from a Buck65 song actually but it’s always stuck with me. I too think it describes what I’m always trying to do so, well spotted! There’s a lot of good music in Iceland at the moment but all of a sudden these bands are getting all
international. Kaleo, Of Monsters And Men and a few other bands are doing really good things. There’s a guy here called Junius Meyvant who’s really good and Sóley, she’s touring a lot all over the world I think. I don’t think I have any favorites at the moment though.. except Eliza Newman my girlfriend! She’s amazing!

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Mr. Kristjansson, thank you so much for your time and I’m really looking forward to your upcoming stuff!

It was a pleasure, sir. I had to think while answering these questions.
That doesn’t happen very often!

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Interview vom 11.04.2016
Photos aus dem Archiv von Gisli Kristjansson
Gisli Kristjansson Webpräsenz

Review: Conny Ochs – Future Fables (2016)

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www.mainstreamrecords.de

Wer nicht weiß, wie sehr mir die Musik von Conny Ochs am Herzen liegt, dürfte diesen Blog nie aufmerksam verfolgt haben. Und ehe ich am Ende noch selbst vergesse, warum das eigentlich so ist, weht mir Hole den imaginieren Küstenwind um die Nasenspitze. Salzig, staubig und ungefiltert. Ein Hauch vertonter Freiheit. Der erholsame Track ist Opener des mittlerweile schon dritten Soloalbums, das einmal mehr durch Authentizität und Intensität glänzt. Es trägt den Titel Future Fables und erscheint Ende Februar!

Sicherlich zu nicht geringem Teil  der blühenden Zusammenarbeit mit Lehrmeister Wino geschuldet, ist der Folk mittlerweile zugunsten flimmernder Southern-Rock-Ästhetik auf einigen Stücken etwas in den Hintergrund geraten. Diesen Spirit atmet beispielsweise das Dreiergespann aus Piece Of Heaven, Killer und Spin. Ehe man aber Angst bekommt, Ochs wäre die so geliebte Melancholie ganz abhanden gekommen, malt er im Finale des letztgenannten Stücks als Neo-Schamane zu entspanntem Mantrachor wieder Mandalas auf die geistige Iris und lässt mit Wake Up und vor allem Empire zwei der schönsten Stücke im Zentrum strahlen: Raw Love Songs! Die großen Gefühle! Das steht dem ewig Reisenden meiner Meinung nach noch immer am besten:

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Strange Alchemy bringt das zum Ende hin sogar noch besser zum Ausdruck. Niagara Fälle, die im Herzen toben! Mein persönliches Highlight der Platte!

Wie schon auf den letzten Releases, gesellen sich auch auf der aktuellen Platte diverse Instrumente wie Klavier, Bass, Drums oder Mundharmonika zu Akustikgitarre und Ausnahme-Stimme. Zudem auch des Öfteren E-Gitarren-Einschübe, teilweise gesponsert vom Baby Universal– und Zombie Joe-Weggefährten Hannes Scheffler. Immer stilvoll und songdienlich eingesetzt. Nie überladen.

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Photos von: Christian Thiele

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Überraschen tut einen Future Fables allenfalls durch den musikalischen Optimismus solch federleichter Country-Songs wie No Easy Way Out, Fools oder Golden Future. Ansonsten reiht sich die Platte perfekt in den Katalog des gebürtigen Hallensers ein und es gilt: Wer den vor drei Jahren erschienenen Vorgänger Black Happy oder die beiden Kollabo-Alben mit Wino mochte, findet auch an Future Fables Gefallen. Keine Frage!

Allen, denen die Musik von Conny Ochs bisher noch nicht untergekommen ist, könnte die Platte in ihrer willkommenen Kompaktheit von gerade mal 33:38 Minuten außerdem als perfekter Einstieg in den Klangkosmos eines immernoch wahnsinnig unterschätzten Künstlers dienen! Gebt dieser leidenschaftlichen, kraftvollen Scheibe mal eine Chance! Ihr werdet es nicht bereuen! Make some room for the feeling!

Anspieltipps:  Strange Alchemy, Empire, Wake Up

Tracklist:
01. Hole
02. Piece Of Heaven
03. Killer
04. Spin
05. Wake Up
06. Empire
07. Golden Future
08. Slide
09. No Easy Way
10. Fools
11. Strange Alchemy
12. Make Some Room

Future Fables ist ab dem 26.02.2016 über Exile On Mainstream zu haben. Der schlaue Käufer ordert natürlich die Vinyl-Version zu fairen 16€ im Pre-Order und nimmt sie schon einige Tage früher in Empfang! Außerdem HOT: ochsworks.com, die neue Seite für die Grafikarbeiten des Künstlers!

Released: 26.02.2016 via Exile On Mainstream

Review: Riders Connection – Colour Me (2015)

12006375_885680111468177_5076676889656571154_nAright! Farbenfrohes für die kalte Jahreszeit! Sonnenbrille raus! Haare dreaden! Hacky Sacken! Jonglieren! Liebe, Frieden, Einigkeit! Let the colours reunite! Die Berliner Riders Connection tritt den Kampf gegen den seelischen Downpress an! Nuh true? Denkste! Auf dem neuesten Werk der 2010 ins Leben gerufenen Band hagelt es emotionale Vibrations in allen Regenbogen-farben. Nur positive? Mitnichten!

 

„Freude und Trauer, Liebe und Wut, das alles sind Repräsentationen von Farben, die über die verschiedenen Stile und Stimmungen auf dem Album ihre Verbindung zueinander finden“, weiß der Pressetext. Klar, die musikalische Grundausrichtung aus Reggea, Soul, Flamenco, Blues und Worldmusic rückt die Freuden der Karibik lebensbejahend in den Fokus.Textlich jedoch ist auf Colour Me tatsächlich nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen! So much Trouble in the world! Saxophon raus und weg mit dem Blues! Die Seele muss genesen! Den Tigerbalsam verabreicht die Combo in Form von Musik! Wie das gleichnamige Stück erklärt, sorgt diese schließlich wie kaum etwas anderes für das leibliche Wohl. Viva la musique! Die Riders Connection hat sie zum fressen gern! Jamjamjamjamjam und Leckerschmecker.

Bewaffnet mit funky Beatboxboy, lässiger Akustikgitarre und groovigen Bassläufen tanzt das Trio feierwütig durchs Motherland über Latainamerika bis hin zu Venezuelas Traumstrand Cuyagua! Vamos a la playa! „Alles, was Spaß macht hält [schließlich] jung“, dass wusste schon Curd Jürgens! Die Zeiger der innerlichen Uhr ticken natürlich trotzdem weiter. Ticks of the Clock und die Traumfrau immer im Kopf! Day after day durch die Violinen-getränkten Sonnenbänke des wilden Westens. A Hog-Killin‘ Time!

Labba Labba: Was die Riders Connection mit einer Schar begabter Gastmusiker im Studio X gezaubert hat ist, nicht zuletzt durch das einsetzen verschiedenster Sprachen, äussert abwechslungsreich, hervorragend produziert, catchy und stets darum bemüht eingesessenen Stilen eine moderne Note zu verleihen. Einen frischen Farbanstrich zu verpassen wenn man so will, um mal im Albumkonzept zu bleiben.

Das wird auf hiesigen Festivalbühnen sicher seine Freunde finden. Mir persönlich aber wurde beim Spiel mit den Farbdosen der Pinsel etwas zu oft ins Fettnäpfchen getunkt, was ein etwas arg beliebig transparentes Gesamtbild zurück lässt, so klischeebeladen, dass es mir wirklich schwer fällt noch objektiv zu bleiben und letztere Gefühlsregung aus dem eingangs zitiertem Pressetext bei mir die deutliche Überhand gewinnt.

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Fair enough: Derartige Musik stößt bei mir grundsätzlich schon auf wenig Gegenliebe. Mi naa wrap up! A nuh mi fi like it. Guess I don’t feel it…Oder um es mit den passenden Worten von Bob Marley zu sagen: „Some people feel the rain. Others just get wet.“  I an I bleibt dann wohl trocken… allen anderen wünsche ich trotzdem viel Spaß beim dancen!

Ticks of the Clocks (live)

Anspieltips: Days like these, Eleo

Colour Me im Stream:

Released: 22.10.2015 via Hey!blau Records

Nicole Dollanganger on the rise!

11027777_936673359739955_5195213008366605894_nErinnert sich noch wer an das Interview, das ich mal mit einer jungen Kanadierin namens Nicole Dollanganger geführt habe? Well… der kleine Geheimtip, über den ich damals komplett random gestolpert bin, gewinnt gerade rasant an Popularität. Remember where you heard it first. Haha..

 

Hatte die Dame zum Zeitpunkt unseres Interviews noch kaum Live-Erfahrung geht es nun unter der Obhut von Grimes (!) auf ausgedehnte Tour, welche die kommende Dollanganger-Platte Natural Born Losers außerdem auch mit ihrer neuen Organsition pusht. Seems like a dream match to me… Kanadas wohl schönstes Paar seit Chad Kroeger und Avril Lavigne!

Auch gibt es ein fantastisches neues Dollanganger-Video zu bewundern, bei welchem es sich um eine Neuauflage ihres Classics Angels of Porn handelt und das momentan zurecht viral geht:

Me likes a lot!

Da kommt mir auch, dass es mal wieder schwer an der Zeit für neue Interviews wäre… Vorschläge? Interesse? Let me know…

Review: Zikade – Salzgeschichten (2015)

a2769246469_16Nicht einmal ein Jahr ist es her, da hat der aus Berlin stammende Ausnahmemusiker Zikade mit Das Ende der Beschwerde ein  beachtenswertes wie verschrobenes Debut hingezimmert. Nun werden die Salzgeschichten erzählt, genauer gesagt schon seit einigen Wochen und wissen es, durch ungeahnte Aufgeräumtheit und wohltuenden Raum, das Herz mit anderen Worten und neuen Weiten zu bewerfen.

 

Alles anders also… aber immernoch surreal. Das weiß schon der Opener, der den Hörer gerne mit Pop-Appeal umgarnt und trotzdem nicht darum verlegen ist, freche, synthetische Wellen aufzutürmen. Wellen, die auch das Meer aus Gras im nachfolgenden Jung wiegen. Wer die aufrichtig zarte Melancholie dieses Tracks nicht fühlt, braucht den restlichen Salzgeschichten wohl kaum weitere Beachtung zu schenken. Wer hingegen gefühlsmäßig an Board ist, wird mit Zikade bereitwillig vom Ufer ablegen, an dem einst ein Hafen stand und durch den restlichen Tag gemeinsam schaukeln wollen. Im Sonnenlicht. Sich die Augen Pink pinseln lassen und die Lippen solange im satten Grün wälzen, bis der Mund zum Schlachtfeld wird. Die Möglichkeiten hat man schließlich. Der Teufel hat’s gesagt. Der Teufel hat gefragt.

Zikade antwortet mit einem unheimlich intensiv knisternden wie emotionalen Liebesalbum. Die auf dem Vorgänger recht dominanten Samples, sucht man bis auf dezent verhaltene Beats vergeblich. Psychedelisch angehauchte Gitarrenklänge dominieren das Klangbild, werden von warmen Bässen gestützt. Gemeinsam verlieren sie sich in Schall und Rauch. Wer jetzt an Fanta 4 denkt, wird sich bei den Sprechgesangseinlagen von Einfach umso mehr am Tag am Meer wähnen. Über allem webt das veruchrauchte Stimmorgan der Zikade immernoch polarisierende Lyrik, die sicher auch diesmal nicht nur auf Zuspruch treffen dürfte. Pseudointellektuell schimpfen Kritiker so etwas gerne, was hier aber keineswegs geltend gemacht werden darf. Tatsächlich transferiert die kryptisch komplexe Wortwahl die Musik perfekt auf die Textebene, zeugt von großer Weitsicht und ist zudem oftmals schonungslos ehrlich. Man muss sich nur darauf einlassen können und die Zeit mitbringen, welche die Salzgeschichten sich nehmen.

Irgendwo zwischen Tom Waits, Portishead, Beck, Selig, Neubauten, Marlene Dietrich, Pink Floyd, Singer-Songwritertum und Unerhörtem ist das Endprodukt sicherlich und unbedingt als mutig einzustufen. Noch mutiger dürfte es allerdings sein, sich absolute Hits wie Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten oder das schmutzige Warnlicht entgehen zu lassen.

Für mich jedenfalls eine der innovativsten Platten der letzten Monate! Serious!
Jeder weiss Bescheid was zu tun ist, oder?

Anspieltips: Jung, Augen Pink / Lippen Grün, Möglichkeiten, Warnlicht, Alles anders

Albumstream:

Die Salzgeschichten lassen sich für 10€ über bandcamp beziehen.

Released: 29.07.2015 via bandcamp

Review: The Legendary Tigerman – True (2015)

The legendary tigerman - TrueDa ist sie also, die angekündigte, neue Full Length des Legendary Tigerman. Über dessen Qualitäten wurde auf diesen Seiten ja erst kürzlich berichtet. Ob das Album nun den Vorschußloorbeeren der EP gerecht wird? Beinahe! Der Erfolg gibt ihm mit dem Einstieg auf Platz Nummer 1 in seiner Heimat Portugal zumindest schonmal unabsprechlich recht. Dennoch: Mir persönlich ging die EP etwas besser rein…

Doch alles schön der Reihe nach! Es gefällt schließlich vieles! Besonders, wenn die Samtpfoten des Tigermans auf Streichelkurs gehen. Das geschieht gleich zu Beginn im bereits bekannten Opener Do come home, welchem eine Handvoll ruhiger Folkstücke wie Rainy Nights oder My Heart, Safe at Home zur Seite gestellt werden. Hinter dem Titel Love Ride verbirgt sich dabei sogar ein besonders schmackhafter Schmalzhappen!

Ähnlich schmalzig auch die Pomade, die bombenfest im Fell sitzt, wenn die Raubkatze den schmutzigen Bootyshake-Elvis mimt. Neben dem ebenfalls bekannten Wild Beast vermögen es Twenty Flight Rock und Storm over Paradise im speziellen dies zu bewerkstelligen.

So weit, so gut, so legendary. Beide Facetten stehen dem Protagonisten ein ums andere mal außerordentlich gut zu Gesicht. Immer glaubhaft und für eine ‚One Man Band‘ auch auf diesem Release erstaunlich dicht im Sound. Der eingeschlagene Weg wird somit konsequent weiterverfolgt. Gerade das ist aber auf Albumlänge etwas ermüdent. Ein paar Überraschungen und Ausbrüche hätte man sich schon wünschen können. So zeichnet sich trotz gelegentlichem Zähnefletschen und Krallenausfahren eher das Bild des zahmen Zootigers, denn das des mutigen Dschungelkönigs. Aber auch an dem kann man ja bekanntlich seine Freude haben! Exzellentes Futter für gediegene Playlists befindet sich jedenfalls zur Genüge auf True. Und der Konsum in Etappen ist in diesem Fall natürlich auch immer eine spaßbringende Option!

Man darf jedenfalls gespannt sein was da in Zukunft noch kommt! Der Slogan aus dem Twenty Flight Rock dürfte bei allem Potential und dem immensen Erfolg ja wohl allenfalls als leere Drohung aufzufassen sein, oder?

"When I make it to the top baby I'm too tired too rock"

We’ll see ‚bout that! Der Katzenmann hat sicherlich auch dann noch Biss!

Anpieltips: Do Come Home, Love Ride, Wild Beast, Twenty Flight Rock


‚True‘ im Stream:

Released: 22.05.2015 via India Records

Review: The Legendary Tigerman – Do Come Home [EP] (2015)

Style: "color"2004 machte uns Marilyn Manson den Dave Gahan. Jetzt macht uns Dave Gahan den Marilyn Manson.

Das zumindest könnte man beim Anblick der Jean Baptiste Mondino – Photographie glatt meinen. Diese stellt nicht nur die schmückende Front der hier vorliegenden EP Do Come Home dar, sondern zierte auch schon das Album Femina aus dem Jahre 2009.

 

Natürlich handelt es sich bei keiner der genannten Veröffentlichungen um Werke aus dem Hause Depeche Mode. Vielmehr gehören sie zum nicht gerade dünnen Katalog des in Mosambik geborenen und in Portugal aufgewachsenen Multiinstrumentalisten Paulo Furtado, der bereits seit 2002 unter dem Pseudonym The Legendary Tigerman den Rock’n’Roll als Ein-Mann-Kapelle auf Tonträger und Bühnen zaubert.

Zugegebenermaßen kannte ich bis vor wenigen Minuten weder Interpreten noch genannten Photographen… Dennoch nehme ich mir einfach mal raus, die Zusammenarbeit der Beiden als ’nicht beliebig‘ zu betiteln. Schenkt man den vier Tracks nämlich Gehör und scrollt dazu durch die Galerie des Linsenmagiers, wird man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Nahezu alle Gesichter, die man auf Anhieb mit der Musik des ‚Tigermans‘ assoziiert, tauchen auf: Beck, Waits, Tarantino, Lynch… sogar die schmutzigen Jeans einer Madonna in der Filmsection möchte man ‚Do Come Home‘ andichten.

Rechtfertigende Belege für die Vergleichsflut dürfte man alleine schon im samtweichen Folkopener zur Genüge finden. Dem gleichzeitig als Titeltrack fungierenden Stück wirft der Infotext mit Chris Isaak sogar gleich noch den nächsten großen Namen hinterher. Bluesy Vocals und luftige Gitarre zu spärlichem Beat „and [you] just drive along that lost highway.

„I’m just a wild beast with a broken heart!“ Und da sich Herzschmerz durch dramatische Streicherteppiche immernoch am besten intensivieren lässt, steht der bewährte Trick auch der Flüsternummer Wild Beast ausgezeichnet und geht unter die Haut! Ähnlich wie die Tagespflege einer Lena Meyer Landrut. Die tänzelt schon seit geraumer Zeit durch die aktuelle L’oreal-Werbekampagne zur Tigermannummer Light me up twice, welche im Gegensatz zur Reklame sexy unpeinlich kommt und mit weiblichen Gastvocals von Cláudia Efe zu Jack White-infiziertem Bluesriffing überzeugt.

Und weil das schöne Geschlecht als stimmlicher Konterpart so herrlich funktioniert, findet die Formel zum Schluß erneut Anwendung und wird durch prominenten Einsatz sogar noch gepimpt: Der Name Maria De Medeiros dürfte dabei nicht wenigen Pulp Fiction-Fans ein Begriff sein. Das es sich bei besagter Kooperation um die zigste Neuauflage von These Boots Are Made for Walkin‘ handelt, die zudem auch schon Teil der eingangs erwähnten 2009er Platte war, stört überraschend wenig. Vielmehr drückt man dem Evergreen den eigenen Stempel auf und liefert noch gleich den Beweis mit, dass manche Songs selbst eine Jessica Simpson-Schändung locker wegstecken und weiterhin funktionieren können.

Vier Hits für die nächtliche Straße also. Gefühlvoll bis verrucht und irgendwie mystisch angehaucht. Diese EP überspringt die Eingewöhnungsphase und funktioniert direkt und sofort! Ab April ist das neue Album ‚True‘ auch über deutsche Kanäle verfügbar. Die Plattenfirma will ‚Do Come Home‘ als dessen Vorboten wissen.

Ich bin gespannt!

‚Do Come Home‘ im Stream:

‚Do Come Home‘ hier im exklusiven und limitierten CD oder aber im Mp3- Format ordern!

Released: 27.03.2015 via India Records / Rough Trade