Review: LGoony/Crack Ignaz/Juicy Gay/Würzburg/23.05.2016

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Oida Wow! Wenn das derzeit wohl angesagteste Dream-Team der deutschen Cloud-Swag-Trap-Schießmichtot-Bewegung in Würzburg halt macht, dann sind eigentlich zwei Dinge von vorneherein klar. Erstens: Die Show ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ausverkauft – schließlich attestiert man Flyboy LGoony und Crack Ignaz allerorten die Zukunft des deutschen Raps zu sein – und zweitens: Selbst wenn du Ende der 80er geboren sein solltest und gedenkst die Show zu besuchen, wirst du den Altersdurchschnitt mit großer Wahrscheinlichkeit enorm weit nach oben ziehen… True that!

So tummelt sich dann an diesem etwas frischen Montagabend vornehmlich junges Gemüse im Kellergewölbe des Kurt und Komisch, Würzburgs derzeit womöglich schönster Location, um der Nasa Universe Tour (Extended Lichtjahr Edition) beizuwohnen.

Panik-Gay

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Nach kurzem, gefälligem Geplänkel vom DJ-Pult (an den Decks heute unter anderem  DJ Heroin – Cousin von Sebastian) startet der Support – Act Juicy Gay aka Kellerkind, Deutschlands erster offen schwule Rapper, ohne Umschweife fulminant und energiegeladen in sein gut 40-minütiges Set. Bock und Energie stimmen, was nur nervt ist die Tatsache, dass sämtliche Vocals unterstützend zur Live – Darbietung zusätzlich vom Band kommen. Hat den ansonsten recht dicken Sound etwas matschig gemacht und hätte es auch echt nicht gebraucht. Die dafür erforderliche Tightness kann man dem blutjungen Rapper allerdings nicht absprechen. Das Publikum geht derweil gut mit und zückt zusammen mit dem Trapgaylord die Wasserpistole, wenn man auch den Eindruck hat, dass die getragenen R’n’B Tracks der Hiphop stirbt für mich EP beim heutigen Feierpublikum nicht so wirklich zünden wollen. Mit dem Trap-Kram der Musik ist Haram EP fährt der Schwule von der neuen Schule an diesem Abend sichtlich besser! Unterm Strich: Solide und supersympathische Performance, wenn sicherlich auch noch etwas Luft nach ist.

Nach oben an die Luft wiederum zieht es das Publikum anschließend zur Raucherpause. Die Frage nach Longpapes und der anschließend süßliche Geruch in der Luft legen allerdings den Verdacht nahe, dass es heute in punkto Rauchen so manch einer ein wenig sportlicher bevorzugt… Why not? Schließlich dürfte ein Großteil dank Schulferien ja ausschlafen können…

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Wavy Beats locken kurz darauf wieder zurück in den Keller. Grape-Soda im double cup steht auf der Speisekarte und ab jetzt werden sämtliche Register gezogen. Boxen lauter. Lichter greller. Nebel lila. Und das Publikum geht Song für Song textsicher mit. Ob es sich dabei nun um Tracks aus der gemeinsamen Kollabo-Platte Aurora oder Perlen aus LGoonys Grape Tape oder Crack Ignaz‘ Kirsch – Album handelt: Die Extremitäten im Publikum zucken wild und auch vor den absurdesten Trap-Moves wollen die feiernden B-Boys und Fly-Girls heute nicht zurückschrecken. Egal. Die Leute haben einfach Spaß, geben nen Sheesh und zollen der Bewegung, deren Mentalität sich ja gerade durch Experimentierfreudigkeit und Unperfektheit auszeichnet, damit wahrscheinlich den größtmöglichen Tribut. Etwa nach dem zweiten Drittel steht Juicy Gay mit auf der Bühne, performt Sace Sace mit dem Main-Act und ergänzt diesen gleich noch für das restliche Set zum Trio. Der brandneue Song Luna glänzt im eigens dafür lichtgedimmten Gewölbe und der unschlagbare Zugabenblock aus Wasser, der bereits dutzendfach geremixten Fruchtmax – Hymne WKM$N$HG und Oida Wow lässt die Leute dann komplett ausrasten und auch keine weiteren Wünsche mehr offen. Und falls doch, hat man nur brav zu warten und kann die charmnten Typen später am Merch-Stand antreffen.

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Für Fans und Künstler allemal als äusserst gelungener Abend zu verbuchen, bleibt er auch mir persönlich, der Phänomen und Genre lediglich am Rand mitverfolgt und Autotune eigentlich so garnicht ab kann, wohlwollend in Erinnerung. Schließlich bin ich um ein paar neue Lieblingstracks bereichert worden. Und sogar einen Crack Ignaz, den ich im Vorfeld überhaupt nicht packen wollte, hab ich ein ganz großes Stück weit lieb gewonnen. Überhaupt: Da schämt man sich jahrelang in der großen weiten Welt ob seines Franken – Dialekts und dann kommt dieser selbsternannte König der Alpen (schrecklicher Song btw.) um die Ecke und räumt mit seinem Salzburg – Slang derartig ab. Unfassbar eigentlich, aber nicht minder massengeil! Süß wie eine Mozartkugel! Falco wäre stolz gewesen!

PS: Unsere Platzwahl im gechillten Dunkel der hinteren Reihen bot leider nicht die beste Voraussetzung um brauchbares Bildmaterial zu Tage zu fördern. Die beigefügten Bilder stammen deshalb von anderen shows. Sry, Digger! Digges Sry!

PPS: Da thematisch äußerst passend, sei an dieser Stelle zur Weiterbildung die Episode 60 des Podcasts Zehnzweivier empfohlen!

2 Gedanken zu „Review: LGoony/Crack Ignaz/Juicy Gay/Würzburg/23.05.2016

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