Review: Buddy Buxbaum – Unkapputbar (2015)!

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Bevor Remmi-Demmi unerwartet durch die Decke ging, hatte man im Deichkind – Lager den Plan geschmiedet alle Konventionen beiseitezulegen und das Ding im Zweifelsfall gegen die Wand fahren zu wollen. Deutscher Hip Hop ging 2006 eh flächendeckend am Stock und mit dem Weggang von Gründungsmitglied Malte Pittner begann auch das klassische Bandgefüge zu zerbröseln. Mag dieser bis dato das musikalische Herz der Band gewesen sein, war Buddy Buxbaum das Gesicht.

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Nach der Tour zur ersten Elektronik-Platte Aufstand im Schlaraffenland wollte er selbiges dann nicht mehr so gerne für die Band herzeigen. Techno-Rap war doch nicht seins. Buddy steht schließlich auf Groove. Und den hat er acht Jahre nach dem Deichkind-Split in Form seiner ersten Soloplatte Unkaputtbar wiedergefunden. An die Ex-Combo erinnert heute allenfalls Robodisco. Rap-Parts gibt es kaum. Und wenn, wird ihnen nicht allzuviel Platz eingeräumt. Buddy singt jetzt. Mit Kopfstimme und allem Pipapo. Über liebevoll arrangierte Tracks. Ein Konzept, das gut kommt!

Während Hip Hop raus ist, ist die Lust, den Hörer zu fördern, vor den Kopf zu stoßen und der Mut, das Ding im Zweifelsfall eher gegen die Wand fahren zu wollen als sich künstlerisch zu verbiegen, anscheinend noch immer vorhanden. Anders kann man sich den gewagten Einstieg in die Platte nicht erklären. Gib Ihm, dem Hörer und tanz ihm den Hulahub auf der Nase. Dezent sperriger Funk-Country-Blues-Rare-Groove heißt die Devise. Jetzt bloß nicht verschrecken lassen! Weiterhören lohnt sich!

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Die Gaga-Hummel-Hummel-Ag – Nummern, zu denen ich neben den bisher genannten Stücken auch Manjana und Taka Tuka zähle, dürften eh nur die absoluten Mainstream-Hörer überfordern, repräsentieren aber auch nicht gerade die Stärke von Unkapputbar.  Die findet sich auch nicht in etwas zerfahrenen Stücken wie Vodka Soda oder Ey Hey sondern zeigt sich vielmehr immer dann, wenn der Pop Einzug hält. Das geschieht z.B. in den vier vortrefflichen und clever ausgewählten Singles Medizin, Termin Im Park, Power und Ballast – letzteres übrigens mit dem kürzlich verstorbenen Trio-Schlagzeuger Peter Behrens in der Hauptrolle des zugehörigen Videoclips. Hier greifen Vocals und Musik ineinander, passt die Schmooveness, taugt die Struktur. Auch wird man ein ums andere Mal positiv von der stimmlichen Leistung des Interpreten überrascht. Die textlich immerwiederkehrende Flucht vor der Alltags-Hektik kann man darüberhinaus nur gutheißen. Und der in Roulette geschilderte Schlafentzug spricht mir dürfte vielen aus der Seele sprechen.

Unkaputtbar strotzt zwar nicht ganz so vor Stärke wie es der Titel vorgaukelt, trotzt gegenwärtigen Musiktrends aber souverän und rotzt dem Zuhörer allerhand organisches Material um die Ohren (#strotztrotzrotz).

Willkommenes, abwechslungsreiches Comeback jedenfalls. Mit überragenden Single-Auskopplungen, nebst schmucken Videos, die zwischen verzicht- und annehmbaren Restmaterial thronen, welchem man wiederum die Liebe und Leidenschaft nicht absprechen mag. Freue mich definitiv auf mehr! Da muss noch was gehen! Is ja nich… weißte was ich mein? Is ja nich!

Anspieltipps: Medizin, Termin Im Park, Ballast

Unkapputbar im Stream:

Als wuchtiges Paket für Vinyl-Junkies schickt sich die 7Inch-Box von Unkaputtbar an. Dass Buddy ein Supertyp ist, beweist der gelungene Beitrag von Noisey. Wer unbedingt einen Vergleich braucht, dem sei Grenzenlose Freiheit von Flowin Immo als Referenzwerk zurück ins Gedächtnis gerufen.

Released: 14.08.2015 via Holo Rec

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

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