Review: Die Jünger – Komm Ins Glück (1996)

Was bin ich nicht schon ausgelacht worden, wenn ich von dieser Band erzählt habe. Die Jünger ist nunmal nicht wirklich der überzeugendste Name für eine Band & wenn einem dann versehentlich noch ‚Deutschrock‘ über die Lippen huscht ist natürlich Feierabend. Schade, denn tatsächlich ist die einzige Platte dieser Nürnberger Formation ein echter Geheimtipp und hat mit unter dieser Bezeichnung geführten Bands wie Pur oder Unheilig rein garnichts am Hut.

Vielmehr kommen hier Fans von Soundgarden oder der frühen Selig-Scheiben voll auf ihre Kosten, obgleich auf Komm Ins Glück meist ein rauerer Ton herrscht als bei den etwas erfolgreicheren Hamburger Kollegen. Dabei sah es anno 96 auch für Die Jünger gar nicht mal schlecht aus in Sachen Erfolg. Nach jahrelanger Aufbauarbeit unter dem Namen The Illegal State Of Mind, einem Album und Shows im Vorprogramm von Blue Öyster Cult, zog der Vierer nach leichter musikalischer wie sprachlicher Kurskorrektur doch glatt einen Deal mit Sony an Land, wo Komm Ins Glück 1996 auf dem Sub-Label Epic erschien.

Der Mix aus den melancholischen bis schmerzerfüllten Texten von Ausnahme-Sänger Jörg Bauer und der herausragenden Gitarrenarbeit von Jürgen Albrecht, die zwischen tonnenschwerem Sabbath-Riffing und filigranen Akustik-Arrangements alle Register zieht, hatte seinerzeit auf jeden Fall das Zeug für die großen Bühnen. Leider meinte es das Schicksal nicht gut mit den Jungs und zwang die Band noch bevor es so richtig losging zur Auflösung, als Albrecht an Krebs erkrankte und am 26.12.1997 verstarb.

Geblieben ist ein starkes Album, dass vor allem in seinen ruhigeren Momenten zu überzeugen weiß. Songs wie 10 Sekunden, Immer Weiter und Wiese sind clevere Popsongs, der Opener Unerhört ein schwermütiges Brett und auch die düstere Nummer Angst schlägt fiebrig-schleppend in eine ähnliche Kerbe.

Etwas flotter und psychedelischer geht es dann in der zweiten Hälfte der Platte zur Sache, die mit der sehr starken ersten Hälfte nicht ganz mithalten kann aber mit Frieden und dem grandiosen Welt Für Mich weitere Glanzlichter bereit hält. Seit ich diese Band vor ca. zwölf Jahren für mich entdeckt habe, sind mir besonders die Mid-Tempo-Songs sehr ans Herz gewachsen was zur Folge hat, dass die Scheibe auch heute noch regelmäßig gespielt wird.

Nun gibt es in Kürze überraschend die Möglichkeit, diese Songs einmal live zu hören! Die verbliebenen Mitglieder der Combo (die mittlerweile z.B. bei J.B.O. spielen oder Tonaufnahmen betreuen) haben sich mit ihrem ehemaligen Roadie an der Gitarre noch einmal als Band zusammengetan und mit längst inaktiven Künstlern wie Blue Manner Haze, Die Shivas oder Paula Fix weitere alte Weggefährten zusammentrommeln können um anlässlich des 20.Todestages von Jürgen ‚Albi‘ Albrecht mit der Veranstaltung WE USED TO BE ILLEGAL gemeinsam an ihren Freund zu erinnern.

Jede Band wird dabei ein 20minütiges Set performen, bei dem auch immer mind. eine Albi-Nummer zum Besten gegeben wird. Der Spaß kostet schlappe 5 Euro (für einen guten Zweck), wird von Mrs Flow gehostet und findet am 26.12.2017 im Festsaal des K4 in Nürnberg statt. Na dann: KOMM INS GLÜCK und finde deinen Frieden!

Anspieltipps: 10 Sekunden, Wiese, Immer Weiter

Tracklist:
01 Unerhört
02 10 Sekunden
03 Haus Nr.14
04 Immer Weiter
05 Angst
06 Wiese
07 Schwarzer Engel
08 Andere Welt
09 Frieden
10 Welt für mich

Komm ins Glück kriegt man beispielsweise auf Amazon zu lachhaften Cent-Beträgen auf CD hinterhergeworfen und das ist wohl derzeit auch die einzige Möglichkeit um in den Genuß dieser Platte zu kommen. Wer richtig tief eintauchen möchte, legt sich am besten gleich noch die Maxi zu Immer Weiter zu, die mit den beiden B-Seiten Sonnenschein und Trance aufwartet. Ein Exemplar wird derzeit über Ebay angeboten…

VÖ: 1996 via Sony/Epic

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