Review: TLC – FanMail (1999)

Heute vor 20 Jahren erschien mit FanMail das dritte Album von TLC, das sich u.a. mit sechsfach Platin und drei Grammys rühmen darf, leider aber durch den tragischen Tod von Gründungs-mitglied Lisa „Left Eye“ Lopes auch der letzte echte Output des Trios aus Atlanta bleiben sollte. Der ist zwar nicht durchweg die R’n’B-Granate, die man sich vielleicht erhofft und leidet zudem  auch ein wenig an der überholten, teils kitschigen Pop-Produktion. Aber: Die Hits sind noch immer unverkennbar.

Und da ist natürlich zu allererst einmal die unsterbliche Leadsingle No Scrubs zu nennen, die von Kevin „She’kspere“ Briggs (u.a. Destinys Child, *NSYNC, Pink) in Zusammenarbeit mit Kandi Burruss und Tameka „Tiny“ Cottle (beide früher bei Xscape) geschrieben wurde. Kurioserweise fehlt auf der Albumversion jedoch der komplette Rap-Part von Lopes, der für mich einen nicht gerade unwesentlichen Teil zum Charme des Tracks beiträgt. Die komplette Version, die man aus dem zugehörigen Clip (Scream-rip-off anyone?) kennt, findet sich aber zumindest auf der Best-Of Now & Forever – The Hits von 2003:

Überhaupt wurde Lopes im Zuge von FanMail gerne mal untergebuttert was Vocal-Beiträge ihrerseits angeht. So beschwerte sie sich des öfteren in der Presse, dass sie sich unterfordert und lediglich auf ihre Rap-Stärken reduziert fühle. Tatsächlich sollte sie selbst für Backings kaum zum Zug kommen und hatte im Zweifel gegen Studiosängerinnen wie Debra Killings das Nachsehen. Das Pop-Business kann schon grausam sein… wobei ihr anschließendes Solo-Debüt von 2001 auch eher dürftig ausfiel, was die Einschränkung bei TLC dann vielleicht sogar ein Stück weit rechtfertigt.

Irgendwie schön für alle Beteiligten, dass jegliches Gezicke – von dem es vor, während und nach der Album-Produktion eine Menge gegeben haben muss – noch vor Left Eyes Ableben ad acta gelegt wurde. Letztlich aber auch egal – dem Hörvergnügen stehen die Zankereien sonst jedenfalls nicht wirklich im Weg, zumal die Singstimmen von Tionne „T-Boz“ Watkins und Rozonda „Chilli“ Thomas ja auch nicht schlecht abliefern.

photo: Seb Janiak

Die weiteren großen Highlights sind mit der zweiten Single Unpretty, dem souligen Titeltrack oder dem durch einen der besagten raren Rap-Momente glänzenden My Life schnell ausgemacht. Ansonsten fällt die Scheibe leider eher gefällig, mau, schmalzig bis peinlich aus und hinterlässt so unterm Strich einen durchwachsenen Eindruck.

Aber sei’s drum… so ist das nun mal gerne bei derartigem Plastik-Format-Pop… Für die Hits komm ich dennoch immer wieder gerne auf die Scheibe zurück und habe nach wie vor große Freude an allen enthaltenen Lefteye-Parts.

T(L)C ließen 2002 noch das Album 3D folgen (das u.a. neue sowie unveröffentlichte Takes von Lefteye enthielt) und wollten es eigentlich dabei belassen. 2017 gab es dann trotzdem unverhofft ein selbstbetiteltes Comeback-Album und das verbliebene Duo gibt seither auch wieder regelmäßig Konzerte (genau genommen sogar schon seit 2016) . Bisher habe ich allerdings noch von keinem driftigen Grund gehört, warum man sich die genannten Platten geben sollte… was natürlich nix heißen muss. Sonderlich erfolgreich war jedenfalls keine der beiden Veröffentlichungen… was wiederum auch nix heißen muss.

Ein Fun-Fact noch zu Fanmail: Während der Entstehungsphase lehnten die Girls u.a. einen für sie geschriebenen Titel namens …Baby, One More Time ab. Gegenüber MTV erklärte T-Boz diese Entscheidung wie folgt:

„I was like, I like the song but do I think it’s a hit? Do I think it’s TLC? I’m not saying ‚hit me baby.‘ No disrespect to Britney. It’s good for her. But was I going to say ‚hit me baby one more time‘? Hell no! Every song isn’t good for each artist, and when you’re a real artist you know what you believe in and what you really want to sing. So, I’m clear that it was a hit, but I’m also clear that it wasn’t for TLC.“ 

Schade… hätte ich gerne gehört! Inwiefern sich ein real artist aber seine Stücke schreiben lässt, sei mal dahingestellt.

Anspieltipps: No Scrubs, Unpretty, Fanmail

Fanmail im Stream:

FanMail ist in zahlreichen CD- und Tape-Variationen oder aber auch als Doppel-LP erhältlich – und zwar (gebraucht) zu recht günstigen Preisen.

VÖ: 23.02.1999 via LaFace Records & Arista Records

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