Der Rap & Söhne ist cool (XXXisql115)


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F.I.N.A.L.L.Y! 
Nachdem die Doku Rap & Söhne (Teil des ehemaligen 3-Sat Formats Lost in Music) von 99 schon seit Jahren bruchstückhaft auf YouTube rumfliegt, gibt es nun endlich den kompletten Beitrag in voller Länge zu sehen. Sehr unterhaltsames Zeitdokument über die hiesige Rap-Szene zwischen cringe und wegweisend. Neben den Stieber Twins, Fanta 4, MC Rene, Fischmob, Fünf Sterne Deluxe, Eins Zwo, Doppelkopf, Spax, Freundeskreis & Massive Töne kommen beispielsweise auch die Crews von MZEE oder Four Music zu Wort.  Weiterlesen

Review: Mc Rene – Irgendwas Stimmt (2021)

artwork: Bioniq

Irgendwas Stimmt bei MC Rene. Und soviel gleich vorweg: es ist schon mal nicht das aus der Zeit gefallene Artwork. Der Inhalt stimmt dafür dann umso mehr und schafft, was dem Platten-Cover abgeht: Oldschool-Vibes schmackhaft und frisch aufzutischen, ohne einen faden Nachgeschmack zu hinterlassen. Statt der suggerierten bleichen Rückwärtsgewandtheit ist die neue Scheibe nämlich geradezu farbenfroh und tendiert eher Richtung zeitlos.
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Heiß & fettig!

Die Zeiten bleiben für uns alle Trist… wie schön, dass zumindest die Veröffentlichungsflut an neuer Musik nicht abebbt! Hier ein paar Sachen aus der jüngsten Vergangenheit, die bei mir so hängengeblieben sind:

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Der Fette Krieger ist cool (XXXisql107)

Eigentlich kann man mich ja mit dem Tatort jagen… und das nicht etwa, weil ich mich jemals sonderlich intensiv damit beschäftigt hätte, sondern schon alleine wegen dem nervigen Hype und ich es wahrscheinlich auch einfach doof finden möchte (talkin‘ ‚bout being objectiveI know, I know…). Weiterlesen

VIVA LA 2000!

Den Jahresbeginn nutzen relevante Internetportale ja gerne zum reminiscen und erinnern an vergangene Großereignisse. Nun mag es hier im Blog mit der Relevanz nicht weit her und ich auch etwas spät dran sein… kein Grund aber sich nicht trotzdem intensivst mit Kram von vorvorgestern auseinanderzusetzen.

Es folgt eine große Rückschau auf das musikalische Jahr 2000 – 54 Platten im alphabetischen Schnelldurchlauf – viele Klassiker, vorzüglicher Käse und sicher auch der ein oder andere Geheimtipp. Für Lesefaule gibt es am Ende zudem eine Spotify-Playlist und eine Youtube-Playlist zum querchecken. (Welche wichtigen Platten wurden vergessen? Let me knowich lern gern dazu).

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MAJOR UPDATE!

Durchatmen… gleich wird es viel zu viel auf einmal, weil hier viel zu viel verpasst wurde aber viel zu viel passiert ist. Deshalb hier die absolute Vollbedienung um die mauen Blog-Wochen etwas wettzumachen. Vollgas: Weiterlesen

Der Daniel Ist Cool mit ZehnZweiVier!

So eine Superwoche liefert natürlich immer ziemlich viel Lesestoff. Klar, dass manch einer das nicht bewältigen mag. Wer aber viel Auto fährt, mit den Öffentlichen unterwegs ist, sich den tristen Job versüßen mag, gerne zu Gesprächen wegpennt oder einfach Langeweile hat, dürfte sich darüber freuen, dass es die Deutschrap-Comeback-Woche nicht nur zum zeitaufwändigen Lesen sondern auch im zeitsparenden Podcast-Format gibt. Genau! Meine Wenigkeit war nämlich kürzlich zu Gast bei ZehnZweiVier um über die aktuellen Platten von Ferris MC, MC Rene, Nico Suave, Buddy Buxbaum, Curse, Main Concept und Der Wolf zu sprechen.

Der Podcast und dein Lieblingsblog sind bekannterweise gegenseitige Supporter und eng miteinander verbandelt. Dementsprechend spaßig war die ganze Angelegenheit. Neben Deutschrap geht es in der ersten Hälfte der Episode auch um Pizza-Connection, Äxte und Erdogan:

Wer Gefallen an der Episode gefunden hat, mehr und regelmäßig über die bunte Welt der multimedialen Unterhaltung sowie aktuelles Weltgeschehen informiert werden oder die Macher einfach unterstützen möchte, spendiert am besten umgehend nen Like auf Facebook und abonniert die Sendung im RSS-Feed oder auf iTunes!!!

Review: Main Concept – Hier Und Jetzt (2015)!

Main-Concept-Jetzt-und-hier-Album-Cover

as found on 58beats.com

Zehn Jahre keine LP. Und doch gibt es Main Concept schon fast ein Vierteljahrhundert. 1990 gegründet, zählen MC David Pe, Beat-Tüftler Glammerlicious und Dj Explizit als Vorreiter, gerade was Hip Hop aus München angeht. Und der kann nur aus dem gleichen Holz wie Blumentopf geschnitzt sein. Und da man sich gegenseitig gern hat, war der mittlerweile aufgelöste Topf auch 2015 noch gern gesehener Featuregast. Wie früher halt. München Halt.

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Die sind freilich nicht die einzigen Freunde, die sich die Feature-Ehre geben um das 25-jährige Main Concept-Jubiläum im Hier Und Jetzt zu feiern. Wasi von den Massiven Tönen, Boshi San, Retrogott, Aphroe von R.A.G., Flowin Immo, MC Rene, Spax, Vier Zu Eins, Get Open, Samy Deluxe, Eizi Eiz und Denyo sind mit von der Partie. Was zumindest den drei letztgenannten gelungen ist, nämlich auch über die Grenzen der Hip-Hop-Community ein relevanter Begriff zu sein, ist Main Concept ewig verwährt geblieben. Aber hey: Genau genommen wollten sie es ja auch nicht anders.

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as found on buback.de

Nun hab ich den Vorgänger Equilibrium von 2006 nie aufmerksam gehört, aber zumindest Genesis Exodus, das 1998 einigen anderen Kollegen schon um Längen voraus war, zeigte kein großes Interesse an kommerziellem Erfolg. Vom wahnwitzigen und äußerst hörenswerten Freestyle-Experiment Plan 58 ganz zu schweigen, was sich ob seiner Natur natürlich gleich jeglicher Struktur verweigerte. Statt großer Hooks und Anbiederungsversuche in Richtung Mainstream, frönt man Zeit des Bestehens lieber leidenschaftlich klassischem Conscious Rap mit Message und komplexen Texten, die an Vernunft und Aufrichtigkeit appellieren. Musik machen aus Spaß an der Freude könnte man auch sagen. Und das ist auch heute noch so.

„Keine Revolution sondern Evolutiontönt es da aus den Boxen. Wenn man letzteres auch mit der Lupe suchen muss, denn die Veränderung fällt allenfalls geringfügig aus. Wähnt man sich beim Hören doch stets in der Klasse von 94. Genau dass dürfte aber den Fans gefallen, denn hey: Genau genommen wollten sie es ja auch nicht anders.

So richtet sich Hier Und Jetzt auch ganz klar an die Dudes von früher, die „mittlerweile Haare, weiß wie der Schnee“ haben. Klar, dass man jene Hip-Hop-Generation nicht unnötig stressen mag. Dementsprechend chillig, jazzy und unaufgeregt fallen die Beats aus. Humorvoll bis kritisch kehrt David Pe dazu wie eh und je den selbstwussten, reflektierenden und gebildeten MC nach außen. Entweder er verkauft sich gut oder der Kerl hat tatsächlich was auf der Pfanne. Das war früher so. Und das ist auch heute noch so.

Unterm Strich tritt man auf der Stelle. Das aber immerhin souverän. Das Handwerk versteht man. Schade, dass man dem Hörer gerne mal das Gegenteil verzapfen will, wie auf Zufriedener Mann: „An meine Art zu rappen kommt niemand hier ran, sie unterscheidet sich vom Einheitsbrei signifikant.“ Trotzdem: Nettes Lebenszeichen mit netten Features und paar netten Songs. München Halt.

Anspieltipps: München Halt, Hier Und Jetzt, Wer Seid Ihr?

Hier Und Jetzt im Stream:

Die aktuelle Main Concept holst du dir bei Interesse Hier Und Jetzt im Lieblingsformat zu moderaten Preisen!

Released: 13.11.2015 via Buback Tonträger

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

Reneview: MC Rene und Carl Crinx – Renessance (2015)!

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as found on rap.de

„Was war los mit dem Reen, wo ist er bloss gewesen?“ Diese Frage, entlehnt aus dem 2000er Song Zieh Dir Das Rein, hätte man sich  in der Karriere von MC Rene, die so manche Hochs und Tiefs gesehen hat, häufiger stellen können. Jüngst erst wieder vor dem Release seiner 2015er Platte Renessance.

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Die Antwort darauf fand sich schon im unterhaltsamen und dem Album vorausgegangen Buch Alles auf eine Karte: Wir sehen uns im Zug. Das unvermeidbare Karriereaus als Rapper, das durch fürchterlich orientierungslose Veröffentlichungen wie Scheiß Auf Euren Hip Hop (2002) oder Der Letzte Marokkaner (2005) geradezu vorprogrammiert war, zwingt das einstige Freestyle-Wunderkind zurück ins bürgerliche Normalo-Leben. Dass einer wie René El Khazraje, der seine Umtriebkeit als Reisender schon auf seiner, heute etwas angestaubten dennoch prägenden, ersten LP Renevolution (1995) thematisierte, es nicht lange als Angestellter eines Call Centers unter dem Pseudonymn Stefan Eckert aushält, verwundert wenig. Der öde Job ist folglich schnell gekündigt, die Wohnung kurzerhand aufgelöst und MC Rene fortan als Nomade quer durchs Land unterwegs um während seines Freiwilligen Assozialen Jahrs“ an einer neuen Karriere als Comedian zu schrauben. Die Bahncard 100 dient ihm hierbei als Wohnungsschlüssel, denn gepennt wird überwiegend im Zug.

Ein kleiner Achtungserfolg bei Night-Wash war wohl drin. Ansonsten sollte die neugeglaubte Berufung keine allzu großen Wellen schlagen. Vielmehr ist es die im Buch geschilderte Geschichte, über den Mut zum Scheitern, die den einstigen Moderator von Mixery Raw Deluxe zurück in die Öffentlichkeit bringt. Plötzlich sieht man ihn wieder bei Stefan Raab oder vor Publikum auf ausgedehnter Lesetour.

Währenddessen wird mit Mein Leben Ist Ein Freestyle, erstmals nach knapp zehnjähriger Schaffenspause, ein neuer Song gedropt. An seiner Seite: Der Video- und Beat-Schrauber Carl Crinx, der seither auch die musikalische Instanz in Reens Welt geblieben ist. Dass man früher oder später neues Ohrfutter von Reen serviert bekommen würde, war abzusehen. Wenn das Rampenlicht schonmal auf einen gerichtet ist, wäre es schließlich auch dumm, diese Chance ungenutzt zu lassen. Mit einem derartigen Gourmethappen aber hätte ich nicht gerechnet!

Was die Beats von Crinx anbelangt, kann man eigentlich nur Freundeskreis zitieren: De La und Tribe sind Hype“. Im Klartext: Smooth, jazzy, groovy, warm, leaned-back, klassisch-solide. Extravagant in der Beatlandschaft wird es nur, wenn DJ Coolmann von Fünf Sterne Deluxe auf Perpetuum Mobile den Ton mit angeben darf. Der Track featured neben dem alten Weggefährten Toni-L von Advanced Chemistry auch den Retrogott. Eine Art Schulterklopfen von Alter wie Neuer Schule:

Und das hat sich Reen redlich verdient. Letzten Endes ist es ihm nämlich tatsächlich gelungen, die runde Platte abzuliefern, die man sich immer von ihm gewünscht hat. (Fair enough: Ein Album Namens Bernd von 2000 find ich auch spitze. Warum auch immer…) Lässt man die Faktoren, dass Renessance nicht sonderlich innovativ ist und auch die ein oder andere Hook etwas schwächelt mal links liegen, bleibt kaum Angriffsfläche. Reif, bodenständig und unaufgesetzt ist die aktuelle Scheibe. Ohne Kaspereien. Und obwohl ganz klar an den 90ern orientiert auch irgendwie zeitlos. Nicht eine Sekunde lang hat man den Eindruck, die Platte wäre vorsätzlich auf Erfolg getrimmt. Und genau das ist das Rezept, dass Renessance zu selbigem macht. Statt dick auftragen lieber Zurück Zum Minimum. Kein Glanz. So Machen Wir’s!

Gelungene Features von Lian Krings, Flowin Immo, Spax und Sir Max sowie diverse Anspielungen auf Genre-Klassiker (zum Beispiel Outkast), runden das formidable Überraschungspaket ab. Edel!

„Zieh dir das rein! Zieh dir das rein! Du weißt schon wie ich mein. Soviel Zeit muß sein!“

Anspieltips: Reneminisce, Mein Leben Ist Ein Freestyle, So Machen Wir’s

Renessance im Stream:

Renessance holt man sich für faire 17 Öcken auf Vinyl. Wem es nach weiteren Titeln aus der Album-Schaffensphase gelüstet checkt außerdem die Perpetuum Mobile EP sowie den Track Prinz Von Nike Air. Wer sein Knowledge über die bisherige Karriere des Rappers auf Vordermann bringen möchte testet Die Enthüllung.

Released: 06.03.2015 via Peripherique

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‚Deutschrap-Comeback‘!

Review: Flatbush Zombies/The Underachievers/Waldo The Funk/München/03.03.2015

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Ein bisschen Bedenken, ob man nicht zu hoch gegriffen hätte, als man das Package aus Flatbush Zombies und The Underachievers kurzerhand vom überschaubaren Strom in die ausladende Muffathalle verlegte, gab es ja im Vorfeld zumindest von meiner Seite aus schon. Tatsächlich bietet sich aber ein ganz anderes Bild: Ausverkauft! Restlos! Ja, Hip Hop’s still the shit, wenn es um gepflegte Abendgestaltung geht. Und das gilt allem Anschein nach nicht nur bei heimischen, altbekannten und medial gepushten Acts, sondern gerade auch bei frischen, internationalen Künstlern, welche ihre Popularität vor allem Youtube und Konsorten zu verdanken haben. Und ja: Das funktioniert auch in München an einem Dienstagabend!

Auch die oft gehörte These, junge Menschen würden sich heutzutage kaum mehr über die Hits hinaus mit dem kompletten Werk eines Interpreten auseinandersetzen, soll im Laufe des Abends mehrfach widerlegt werden. Beim Tourstart der Kool Aid Experience werden nahezu alle Songs der beiden Headliner lauthals mitgegröhlt. Und apropos junge Menschen: Von denen gibt es heute reichlich. Selbst das Durschnittsalter unserer heutigen, vierköpfigen Derdanielistcoolcrew – welches sich auf etwa Mitte 20 belaufen dürfte – schafft es alterstechnisch, alles im Saal gnadenlos zu toppen. Hatte man sich zuvor den Zugang zur Halle durch eine Wand aus nicht ganz legal riechendem Qualm erstmal erkämpft, wähnte man sich sofort auf einer U-20-Party. Wohlgemerkt mit hohem Frauenanteil, welcher sich standfester zeigt, als diverse Knaben, die schon während des Sets von Supportact Waldo the Funk gleich reihenweise umkippen.

Der stellt sich dem Menschenmeer ganz mutig ohne Backup-MC, nur mit DJ im Rücken und Snap auf dem Oberhaupt. Der Heilbronxer lässt nichts anbrennen und tritt selbstsicher seinen (Ein-Euro)-Job an. Schaun wir mal – ich genieße und schlürfe den… öhm das 3,30€-Muffat-Bier. Representen, fronten und realkeepen, dazu entspannte Beats. Das ist über das etwa 25-minütige Set verteilt angenehm hörbar und erinnert an Deutschraphelden aus den 90ern. Unpolitische Advanced Chemistry oder ein gut aufgelegter MC Rene fallen mir spontan als Vergleichsparallelen ein. Pandabären, ManagerWaldo bringt Songs seiner hörenswerten Toykis-EP, wie auch andere bekannte Stücke, wie das eigentlich mit Döll-Feature versehene Roll auf. Live allerdings mag das heute bei mir nicht so recht zünden. Die Standards werden zwar überzeugend bedient und glaubwürdig dargeboten, aber leider auch nicht mehr. Mag natürlich auch am Umfeld liegen…Sicherlich würden die, gerne auch mal nachdenklich stimmenden Zweiminüter in einem kleineren, intimen Rahmen weitaus besser kommen als vor einem tausendköpfigen Feierpublikum. Üppigen Applaus gibt es trotzdem nach dem abschließenden, vom Biggie-Sample lebenden Uhrwerk Toykis.

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Hätte ich mal besser meine Brille getragen…Ein leichtes Schamgefühl überkommt mich anschließend, als ich erst nach dem zweiten Song begreife, dass nicht etwa die Flatbush Zombies sondern Underachievers über die Bretter toben. Die lassen nach 18-minütigem Trapblitzgewittermedley – aus dem ich gerade noch Kanye West, Missy Elliott und Kendrick Lamar erkennen kann – gleich die ganze Location im Smartphonelicht erstrahlen. Die rauchgeschwängerten Tracks des Duos AK und Issa Gold werden vom Publikum bereitwillig inhaliert. Das gefällt denen natürlich ungemein: „I fuckin‘ love Germany! I love every single motherfucker in this entire room right now!“ Die geil verspulten Beats werden von den technisch versierten MCs in Akkordarbeit beackert. Neben den Brechern Herb Shuttles und N.A.S.A geht mir vor allem Leopard Shepherd gut ins Bein! „You niggas are ready to fuck this shit up or what!?“ Indeed! Die Leute haben Spaß an der Truppe (sicherlich auch einige, die gleich soviel davon haben, um sich noch für läppische 40(!!) Öcken ein Shirt der Boys einzupacken)! Dem bleibt kaum etwas hinzuzufügen. Jedenfalls nichts, was nicht auch auf die Artgenossen von Flatbush Zombies zutreffen würde.

003Bei denen ist dann wenige Minuten später nur noch Punkrock: Dreadlock-Mosh-Action, Stagediving galore, Charles Manson-Pulli… you name it! Der satte Bass, des aus den Boxen dröhnenden Thugnificence-Playbacks, lässt die Nasenspitze vibrieren und wir kämpfen uns nach vorne.

 

Da stehen die drei MCs Meechy Darko, Eric Arc Elliott (ebenfalls verantwortlich für einen Großteil der Beats) sowie Blickfang Zombie Juice schon in Reih und Glied an vorderster Front um – Hip Hop typisch – vollmundige Ankündigungen gen Publikum zu senden, wonach sie sowohl alles und jeden zerficken, als auch gleich den ganzen Laden auseinandernehmen wollen. Das ist doppelt hervorhebungswürdig da solche Worte

  • A:  aus dem Mund des letztgenannten, pentagrammübersähten MCs – welcher mit gebleichten Haaren und Vollbart zumindest heute rein äußerlich am meisten Badassattitude zu versprühen vermag – immer geradezu schüchtern und liebenswert bis niedlich rüberkommen.
  • B: dem Wahrheitsgehalt verblüffend nahe kommen.

Was auf dem aktuellen Mixtape/Album BetterOffDEAD gerne mal schmoove daherkommt, wird live roughnesstechnisch schwer nach oben geschraubt. Von genanntem, sehr empfehlenswertem Output setzt sich glücklicherweise auch ein Groß der Setlist zusammen. Könnte natürlich auch daran liegen, dass ich mit den Sachen der Zombies besser vertraut bin als mit dem Underachieverskatalog, trotzdem werd ich das Gefühl nicht los, dass die Zombie-Hitdichte um einiges krasser ist. Also: Grillz nei en Maul, OJ neigekusht und ab ins dichte(!) Set!

Der Einstieg mit Club Soda funktioniert auch ohne das Action-Bronson-Feature wunderbar und ist, wie viele der folgenden Stücke, Regular and Complex zugleich. Dem folgt das dreckige Doppel aus Death (inc. dem Mansonsamplegestützten Death2) und Face Off, dessen letzte Strophe a cappella mit dem Publikum beendet wird, ehe es leicht grenzwertig wird.

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„Any beautiful ladies wanna come on stage while we perform this beautiful song?“ Zombie Juice präsentiert ein neues, leicht fieses RnB Stück, zu dessen Anlass er sich gleich eine Handvoll nicht ganz volljährig wirkender Publikumsdamen auf die Bühne ordert, um ihnen prompt nicht gerade jugendfreie Lines vorzusäuseln…Aber naja, wie sagte einst ein weiser Mann? In hollywood they say, there’s no business like showbusiness. In the hood we say, there’s no business like ho business, BITCH!“ 222 ist wohl die Nummer, die man in solchen Fällen wählt. Kommt geil!               Feuerzeugaction dann bei Mary, Nothing Above Thee vom D.R.U.G.S. Mixtape und Ausnahmezustand bei den Knallern Mraz und Bliss. Übertrieben gut! Wer dem nicht zustimmt und seinen Missmut durch altbewährte Handgestikulation öffentlich kundtun muss, bekommt das postwendend zurück: „And fuck you if you got your middlefinger up! I take it personal you bitchassnigger!“

Gleich zwei Moshpits wünschen sich die New Yorker und bekommen sie auch, während der (eigentliche) ASAP Mob-Kollabotrack Bath Salt durch die Halle ballert. Oberkörperfrei begibt sich der Dreier dann zum absolut krank kaputten S.C.O.S.A. gleich selbst per Stagedive ins Publikum, um das reguläre Set zu beenden. Alter!! Einzig das kurz zuvor eingestreute Smells like Teen Spirit hätte man sich sparen können…

Zum Zugabenteil schmeißt man sich mit den Bros aus der Hood in die Farbe der Unschuld, präsentiert gemeinsam 15 Minuten aus der Clockwork Indigo EP und verabschiedet sich mit dem obligatorischen Palm Trees. Das kennt nun aber auch wirklich jeder! Gänsehaut! 60 krasse Minuten. Zurecht ausverkauft und auf allen Kanälen! Gerne wieder!