Review: 20 Liter Yoghurt – Always Trying To Fit (2020)

artwork: Druckwelle

Die vier HC-Jungspunde von 20 Liter Yoghurt aus Grimma melden sich nach der L’art D’oublier-EP von 2017 mit ihrer ersten Full-length zurück. Always Trying To Fit hält die DIY-Fahne weiterhin hoch und macht sich nach wie vor stark für Widerstand im (sächsischen) Hinterland. Mehr noch als Musikgenre, begreifen die vier Jungs Hardcore nämlich als Subkultur mit politischem Auftrag. Demnach wird den Texten weiter eine sehr hohe Gewichtung beigemessen.

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Wer da richtig tief eintauchen möchte, hat z.B. an dieser Stelle die Gelegenheit sich sehr intensiv mit den englischen Lyrics auseinanderzusetzen, denen die Band Track für Track ausführliche Linernotes zur Seite gestellt hat um die jeweiligen Hintergrundgedanken klar verständlich darzulegen. So wird beispielsweise die eigene Persönlichkeit auf den Prüfstand und gesellschaftliche Erwartungen in Frage gestellt (All I See), Verhaltensänderungen im menschlichen Gegenüber erörtert (Heavy Swell), Gleichgültigkeit (Everyone) und Klimawandel (Glass Jars) thematisiert oder aber über geschlechtliche Rollenzuschreibungen (Tapping Your ShouldersSalty ) sinniert – neben dem Szene-typischen Verpönen von Rassismus, Antisemitismus oder Sexismus, versteht sich.

Die Message von 20 Liter Yoghurt ist damit klar definiert: Nicht aufgeben, an den richtigen Stellen dagegenhalten und sich für solidarische Gesellschaftsentwürfe und konstruktive Lösungsansätze einsetzen. Erfrischend dabei ist, dass die Jungs das nicht nur predigen, sondern auch aktiv vorleben – z.B. indem sie es durch ihr Engagement beim Dorf der Jugend oder in der Alten Spitzenfabrik in die eigene Hand nehmen ihr selbsternanntes Hinterland ein Stück weit bunter zu machen.

Größtenteils in den Heartware Studios in Leipzig festgehalten, erwartet den Hörer auf musikalischer Ebene ziemlich schnörkelloser Post- und Melodic-Hardcore in der Tradition von Bands wie Have Heart oder Modern Life Is War. Mit vielen Gangshouts, rundem Mix von One More Take Recordings und Veredelung aus der Tonmeisterei sollten Genre-Freunde hier voll auf ihre Kosten kommen. So many reasons to care – no feeling that no one could share…

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Anspieltipps: Glass Jars, Salty

Always Trying To Fit im Stream:

Always Trying To Fit ist z.B. auf Spotify streambar sowie bei bandcamp umsonst als Download, als Tape (limitiert auf 100 Stück zu je 5€) oder als sehr chice LP im matten Karton samt großem, aufklappbarem Inlay mit ganz viel Text zu haben (limitiert auf 500 Stück). Letzteres Item kann man z.B. für sehr faire 10€ bei Seven Oaks Records ordern. Die zugehörige Releaseshow steigt am 08.02. zusammen mit Halbe Katze, Stations, 161kg Pudding & DJ Sexy Anhalt in Grimma.

VÖ: 17.01.2020 via Seven Oaks Records & Underdogs Records

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