Sommerpause!

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Nachdem in letzter Zeit gut Beiträge geballert wurden, wird es in den kommenden Wochen leider erstmal etwas ruhiger hier im Blog. Natürlich nicht ohne Grund… Da wäre z.B. die anstehende La-Petite-Hertz-Brennt-Tour, ein Städte-Wechsel, massig Zettelwirtschaft,  bürokratischer Unsinn und hoffentlich auch ein wenig Urlaub, die mich gut von der Tastatur fernhalten dürften. Ausstehende Reviews zu eingesandten Tonträgern probiere ich natürlich noch irgendwie dazwischen zu quetschen. Ansonsten schreibt und liest man sich dann voraussichtlich wieder etwas regelmäßiger im Herbst! Themen und Ideen gibt es wie immer genügend und auch diese Voll Cool Ey – Geschichte wollte schon längst mal wieder aufgegriffen werden… we’ll see about that. Peace!

Bilderstrecke: Rock Im Wald Festival/Neuensee/29.-30.07.2016

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Was gäbe es noch über das Rock Im Wald – Festival in Neuensee zu sagen, was nicht schon vor zwei Jahren gesagt wurde, außer, dass sich die Macher treu geblieben sind was den familiären Charme, die Überschaubarkeit, die Qualität der Musikauswahl, die auf allen Ebenen preisliche Fairness und die durchweg gute Organisation anbelangt? Eben! Deshalb erfolgt der diesjährige Nachbericht nicht wie üblich im ellenlangen Text sondern in Form einer umfangreichen Bilderstrecke, die in Zusammenarbeit mit Ein Bild Mit Dem Mann entstanden ist und mit Fotos von CANNAHANN, Honeymoon Disease, Year Of The GoatDead Lord, Bombus, Imperial State ElectricGraveyard, Dead and Stoned, White Miles, Planet of ZeusMANTARUncle Acid and the deadbeats und Kvelertak fast alle Acts des Festivals zeigt. On Top gibt es außerdem noch Impressionen vom sonstigen Geschehen zu begutachten.

Klickt euch entweder direkt hier durch das Bildmaterial oder fahrt euch das Fotoalbum auf Flickr rein. Enjoy!

Rock Im Wald 2016

Unser Dank gilt der Festival-Leitung, die uns bereitwillig Zugang zu allen Bereichen gewährt hat!!!

Der Daniel Ist Cool mit ZehnZweiVier!

So eine Superwoche liefert natürlich immer ziemlich viel Lesestoff. Klar, dass manch einer das nicht bewältigen mag. Wer aber viel Auto fährt, mit den Öffentlichen unterwegs ist, sich den tristen Job versüßen mag, gerne zu Gesprächen wegpennt oder einfach Langeweile hat, dürfte sich darüber freuen, dass es die Deutschrap-Comeback-Woche nicht nur zum zeitaufwändigen Lesen sondern auch im zeitsparenden Podcast-Format gibt. Genau! Meine Wenigkeit war nämlich kürzlich zu Gast bei ZehnZweiVier um über die aktuellen Platten von Ferris MC, MC Rene, Nico Suave, Buddy Buxbaum, Curse, Main Concept und Der Wolf zu sprechen.

Der Podcast und dein Lieblingsblog sind bekannterweise gegenseitige Supporter und eng miteinander verbandelt. Dementsprechend spaßig war die ganze Angelegenheit. Neben Deutschrap geht es in der ersten Hälfte der Episode auch um Pizza-Connection, Äxte und Erdogan:

Wer Gefallen an der Episode gefunden hat, mehr und regelmäßig über die bunte Welt der multimedialen Unterhaltung sowie aktuelles Weltgeschehen informiert werden oder die Macher einfach unterstützen möchte, spendiert am besten umgehend nen Like auf Facebook und abonniert die Sendung im RSS-Feed oder auf iTunes!!!

Review: Der Wolf – Turbo Funk (2016)!

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Ein Album zu besprechen, ohne es in seiner Gänze gehört zu haben? Gibt’s doch gar nicht! Stimmt, ist eigentlich auch nicht mein Stil. Wenn jemand aber schon im Vorfeld so dermaßen delivered, wie es Der Wolf tut, kommt man nicht umhin sich schon ein voreiliges Urteil zu bilden. Neben dem Snippet sowie aktuellen Live-Mitschnitten lassen vor allem die Vorab-Singles keinen Zweifel: Der Ultimative Lover, der Wiggediwolf, der F.L.O.W. ist zurück und macht einfach nur schöne Musik! Bow!

Seine Masche scheint dabei immernoch eine reimtechnische Lasche zu sein. Mittenrein in dein Gesicht, denn seine Stimme die besticht! So grandios, versiert und wortgewandt wie früher! Das beweist er zum Beispiel, wenn er das Tabu mal bricht, wenn er dann über den Sex spricht, wie in Sie hat Nichts Weiter Als Das Radio An oder wenn er als Phrasensmasher mal eben fachmännisch gekonnt Redewendung an Redewendung reiht. Wenn dann aber der Wolf GTI mit Cosmo Klein auf dem Beifahrersitz vorfährt, ist nur noch Abriss! Bang, durch die Schallmauer gebrochen! Der alte Geist im neuen Design! Zieht’s euch rein! Als wäre die Zeit in Dortmund City stehen geblieben:

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as found on: facebook.com/derwolfmusik

Nach Was Soll Ich Sagen… bounct nun also mit Turbofunk nach einer Durststrecke von satten (oder wäre in diesem Fall ‘sitt‘ das korrekte Adjektiv?) 16 Jahren ab dem 29.07.2016 endlich ein neues Wolf-Album durch die Speaker. Sollte es nicht wider Erwarten doch verpätet Auf’n Letzten Drücker kommen…

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Ich jedenfalls hab mächtig Bock auf die Dope-Selection vom Borsigplatz und glaube jetzt schon in Gib Ma Galle ein neues Lieblingsstück gefunden zu haben. Scheint jedenfalls seinem Titel alle Ehre zu machen und ähnlich Galle zu geben wie Quincy Popincy damals auf ‘Nichts Ist Wahr’. Und da Reggea immer eine gute Idee ist, darf und muss auch mit Meet Me Pon di Dancefloor gerechnet werden!

Kein Zweifel, das Comeback des Jahres! Period! Hol ich mir!

Anspieltipps: Wolf GTI, Gib Ma Galle, Meet Me Pon Di Dancefloor

Turbofunk-Snippet:

Hier kann man den Turbofunk für nen schlappen Zehner und paar Zerquetschte vorbestellen! Holt man sich!

Releases: 29.07.2016 via Bounty Records

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‘Deutschrap-Comeback’!

Review: Main Concept – Hier Und Jetzt (2015)!

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Zehn Jahre keine LP. Und doch gibt es Main Concept schon fast ein Vierteljahrhundert. 1990 gegründet, zählen MC David Pe, Beat-Tüftler Glammerlicious und Dj Explizit als Vorreiter, gerade was Hip Hop aus München angeht. Und der kann nur aus dem gleichen Holz wie Blumentopf geschnitzt sein. Und da man sich gegenseitig gern hat, war der mittlerweile aufgelöste Topf auch 2015 noch gern gesehener Featuregast. Wie früher halt. München Halt.

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Die sind freilich nicht die einzigen Freunde, die sich die Feature-Ehre geben um das 25-jährige Main Concept-Jubiläum im Hier Und Jetzt zu feiern. Wasi von den Massiven Tönen, Boshi San, Retrogott, Aphroe von R.A.G., Flowin Immo, MC Rene, Spax, Vier Zu Eins, Get Open, Samy Deluxe, Eizi Eiz und Denyo sind mit von der Partie. Was zumindest den drei letztgenannten gelungen ist, nämlich auch über die Grenzen der Hip-Hop-Community ein relevanter Begriff zu sein, ist Main Concept ewig verwährt geblieben. Aber hey: Genau genommen wollten sie es ja auch nicht anders.

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Nun hab ich den Vorgänger Equilibrium von 2006 nie aufmerksam gehört, aber zumindest Genesis Exodus, das 1998 einigen anderen Kollegen schon um Längen voraus war, zeigte kein großes Interesse an kommerziellem Erfolg. Vom wahnwitzigen und äußerst hörenswerten Freestyle-Experiment Plan 58 ganz zu schweigen, was sich ob seiner Natur natürlich gleich jeglicher Struktur verweigerte. Statt großer Hooks und Anbiederungsversuche in Richtung Mainstream, frönt man Zeit des Bestehens lieber leidenschaftlich klassischem Conscious Rap mit Message und komplexen Texten, die an Vernunft und Aufrichtigkeit appellieren. Musik machen aus Spaß an der Freude könnte man auch sagen. Und das ist auch heute noch so.

“Keine Revolution sondern Evolutiontönt es da aus den Boxen. Wenn man letzteres auch mit der Lupe suchen muss, denn die Veränderung fällt allenfalls geringfügig aus. Wähnt man sich beim Hören doch stets in der Klasse von 94. Genau dass dürfte aber den Fans gefallen, denn hey: Genau genommen wollten sie es ja auch nicht anders.

So richtet sich Hier Und Jetzt auch ganz klar an die Dudes von früher, die “mittlerweile Haare, weiß wie der Schnee” haben. Klar, dass man jene Hip-Hop-Generation nicht unnötig stressen mag. Dementsprechend chillig, jazzy und unaufgeregt fallen die Beats aus. Humorvoll bis kritisch kehrt David Pe dazu wie eh und je den selbstwussten, reflektierenden und gebildeten MC nach außen. Entweder er verkauft sich gut oder der Kerl hat tatsächlich was auf der Pfanne. Das war früher so. Und das ist auch heute noch so.

Unterm Strich tritt man auf der Stelle. Das aber immerhin souverän. Das Handwerk versteht man. Schade, dass man dem Hörer gerne mal das Gegenteil verzapfen will, wie auf Zufriedener Mann: “An meine Art zu rappen kommt niemand hier ran, sie unterscheidet sich vom Einheitsbrei signifikant.” Trotzdem: Nettes Lebenszeichen mit netten Features und paar netten Songs. München Halt.

Anspieltipps: München Halt, Hier Und Jetzt, Wer Seid Ihr?

Hier Und Jetzt im Stream:

Die aktuelle Main Concept holst du dir bei Interesse Hier Und Jetzt im Lieblingsformat zu moderaten Preisen!

Released: 13.11.2015 via Buback Tonträger

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‘Deutschrap-Comeback’!

Review: Curse – Uns (2014)!

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Im Interview mit Uptowns Finest hat er es selbst gesagt: Als Curse hat Michael Kurth auf seinen Alben immer eine etwas andere Facette von sich gezeigt. Somit gibt es nicht nur einen Curse. Und jeder, der Fan seiner Musik ist, hat so seinen Lieblingscurse. Meiner ist der von Von Innen Nach Aussen. Der von Feuerwasser und der von der 99′ Essenz EP. Der von Freiheit war mir zuletzt fremd geworden. Für den von The Achtung Achtung hab ich mich sogar fremdgeschämt. Dann kam nichts mehr. Und dann kam Uns!

Gestärkt zurückgekehrt vom selbst verordneten Karriere-Aus und mit erkennbarer musikalischer wie künstlerischer Vision präsentierte sich 2014 wiedermal ein neuer Curse. Diesem aber warf man Schlimmes vor. Marteria und vor allen Dingen Casper würde er kopieren. Und zurück im Game sei er eh nur, weil es wieder Geld zu holen gäbe. Und überhaupt: Dieser Hipster-Bart…

Der riecht übrigens nach Zimt, wie der Track November ganz beiläufig verrät. Ganz zu schweigen davon, dass er dem Mindener ganz ausgezeichnet steht. Die beiden erwähnten Rapper dürften indes eher eine große Portion ihres Könnens bei Curse abgeschaut haben und wenn es tatsächlich ums Geld gegangen wäre, hätte man keine Platte wie Uns gemacht. Die nämlich ist mutig und alles andere als ein kalkuliertes Nummer-Sicher-Produkt. Lästereien aber sollten einen Curse sowieso nicht sonderlich jucken. Beweisen muss er sich niemandem mehr. Nicht nach der Pionierarbeit, die er für deutschsprachigen Rap geleistet hat. Der von Kool Savas verbal verliehene King Of Rap – Titel ist indiskutabel.

Ebenso, dass die Platte durchaus modern ist. Mit minimalistischen Beats à la Get Well Soon, die mit noch minimalistischerer Spoken Word Poetry garniert werden, passt sie tatsächlich gut in die heutige Rap-Landschaft. Statt Flow-Gewitter und Geflexe steht also der Raum im Fokus, den Musik und Stimme sich gegenseitig lassen. “Der Trick ist das Essenz in ein paar Tropfen passt” heißt es da so schön.

Die Brücke zu Früher schlägt neben dem Videoclip zu Wir Brauchen Nur Uns lediglich ein neu aufgelegtes Fibilude.

Ob es einen Oldschool-Curse-Fan, wie ich einer bin stört, dass einer der krassesten deutschen MCs seine Skills nicht voll zur Geltung bringt? Nein, da die Qualität stimmt, die Authentizität gegeben ist und die Texte gewohnt eindringlich und vieldeutig sind. Was Curse mit seinen Producern Beatgees und Claud geschaffen hat ist respektabel. Soweit gäbe es nichts zu bemängeln was mich sonderlich stören würde.

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Was es dann aber (ähnlich wie bei der Nico Suave Platte) leider doch tut, sind die anstrengenden Feature-Gäste. Klar, Curse ist bekanntlicherweise der Meinung, dass Rap Soulmusik ist. Die Beweggründe soulpoppige Hooks einzusetzen, bedürfen also keiner weiteren Erklärung. Leider macht diese Erkenntnis sie für meine Ohren nicht weniger schrecklich. Dieses Problem findet sich allerdings hier und da auf jeder seiner Platten. So gut die ansonsten auch sein mögen. Statt Xavier Naidoo, Patrice oder Gentleman, nerven heute eben Tua, Elif und leider auch die an sich talentierte Fibi Ameleya. Natürlich ist das meine sehr subjektive Meinung. Es soll ja schließlich auch Leute geben, die seinerzeit das Silbermond-Feature gefeiert haben…

Streicht man also die mit Gastbeiträgen versehenen Tracks, bleiben Uns aber immernoch eine handvoll äußerst gelungene Songs. Da wäre z.B. das Einstiegs-Brett Tattooine, in dem sich der Protagonist textlich zum Wüstenplanet macht und den zwei Sonnen in seinem Leben Tribut zollt. Star-Wars-Fans an die Front. Upbeat mit Bläsern wie der auf Herz Zurück kann sogar mal Spaß machen und die rührende Auseinandersetzung mit dem Tod eines engen Freundes in Kristallklarer Februar/Für P. sowie das Piano-Stück Menschen gehen unter die Haut und machen alles daruntergelegene warm. Absoluter Favourit aber bleibt die Reinkarnationstherapie Millionen Mal Schon:

Unterm Strich also nicht die große Comeback-Platte als Rapper, die sich viele vielleicht erhofft hatten. Das Comeback als Künstler aber darf mit Abstrichen trotzdem als gelungen bezeichnet werden. Wenn es auch nicht an meine persönlichen Favs herankommt, kann es mit dem sehr beliebten Innere Sicherheit z.B. easy mithalten. Und was den Oldschool-Flavour angeht: Wer weiß, was die kürzlich absolvierte Feuerwasser-Jubiläums-Tour so angerichtet hat. Bin gespannt was gerade so auf der  (Herd-)Platte köcheln mag und zukünftig aufgetischt wird!

Anspieltipps: Tatooine, Millionen Mal Schon, Herz Zurück, Kristallklarer Februar/Für P.

Uns im Stream:

Neben der obligatorischen Limited Box natürlich auch als erschwingliche Standard Version zu haben. Aber auch in anderen Versionen.

Released: 31.10.2014 via Indie Neue Welt

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‘Deutschrap-Comeback’!

Review: Buddy Buxbaum – Unkapputbar (2015)!

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Bevor Remmi-Demmi unerwartet durch die Decke ging, hatte man im Deichkind - Lager den Plan geschmiedet alle Konventionen beiseitezulegen und das Ding im Zweifelsfall gegen die Wand fahren zu wollen. Deutscher Hip Hop ging 2006 eh flächendeckend am Stock und mit dem Weggang von Gründungsmitglied Malte Pittner begann auch das klassische Bandgefüge zu zerbröseln. Mag dieser bis dato das musikalische Herz der Band gewesen sein, war Buddy Buxbaum das Gesicht.

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Nach der Tour zur ersten Elektronik-Platte Aufstand im Schlaraffenland wollte er selbiges dann nicht mehr so gerne für die Band herzeigen. Techno-Rap war doch nicht seins. Buddy steht schließlich auf Groove. Und den hat er acht Jahre nach dem Deichkind-Split in Form seiner ersten Soloplatte Unkaputtbar wiedergefunden. An die Ex-Combo erinnert heute allenfalls Robodisco. Rap-Parts gibt es kaum. Und wenn, wird ihnen nicht allzuviel Platz eingeräumt. Buddy singt jetzt. Mit Kopfstimme und allem Pipapo. Über liebevoll arrangierte Tracks. Ein Konzept, das gut kommt!

Während Hip Hop raus ist, ist die Lust, den Hörer zu fördern, vor den Kopf zu stoßen und der Mut, das Ding im Zweifelsfall eher gegen die Wand fahren zu wollen als sich künstlerisch zu verbiegen, anscheinend noch immer vorhanden. Anders kann man sich den gewagten Einstieg in die Platte nicht erklären. Gib Ihm, dem Hörer und tanz ihm den Hulahub auf der Nase. Dezent sperriger Funk-Country-Blues-Rare-Groove heißt die Devise. Jetzt bloß nicht verschrecken lassen! Weiterhören lohnt sich!

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instagram.com/buddybuxbaum/

Die Gaga-Hummel-Hummel-Ag – Nummern, zu denen ich neben den bisher genannten Stücken auch Manjana und Taka Tuka zähle, dürften eh nur die absoluten Mainstream-Hörer überfordern, repräsentieren aber auch nicht gerade die Stärke von Unkapputbar.  Die findet sich auch nicht in etwas zerfahrenen Stücken wie Vodka Soda oder Ey Hey sondern zeigt sich vielmehr immer dann, wenn der Pop Einzug hält. Das geschieht z.B. in den vier vortrefflichen und clever ausgewählten Singles Medizin, Termin Im Park, Power und Ballast – letzteres übrigens mit dem kürzlich verstorbenen Trio-Schlagzeuger Peter Behrens in der Hauptrolle des zugehörigen Videoclips. Hier greifen Vocals und Musik ineinander, passt die Schmooveness, taugt die Struktur. Auch wird man ein ums andere Mal positiv von der stimmlichen Leistung des Interpreten überrascht. Die textlich immerwiederkehrende Flucht vor der Alltags-Hektik kann man darüberhinaus nur gutheißen. Und der in Roulette geschilderte Schlafentzug spricht mir dürfte vielen aus der Seele sprechen.

Unkaputtbar strotzt zwar nicht ganz so vor Stärke wie es der Titel vorgaukelt, trotzt gegenwärtigen Musiktrends aber souverän und rotzt dem Zuhörer allerhand organisches Material um die Ohren (#strotztrotzrotz).

Willkommenes, abwechslungsreiches Comeback jedenfalls. Mit überragenden Single-Auskopplungen, nebst schmucken Videos, die zwischen verzicht- und annehmbaren Restmaterial thronen, welchem man wiederum die Liebe und Leidenschaft nicht absprechen mag. Freue mich definitiv auf mehr! Da muss noch was gehen! Is ja nich… weißte was ich mein? Is ja nich!

Anspieltipps: Medizin, Termin Im Park, Ballast

Unkapputbar im Stream:

Als wuchtiges Paket für Vinyl-Junkies schickt sich die 7Inch-Box von Unkaputtbar an. Dass Buddy ein Supertyp ist, beweist der gelungene Beitrag von Noisey. Wer unbedingt einen Vergleich braucht, dem sei Grenzenlose Freiheit von Flowin Immo als Referenzwerk zurück ins Gedächtnis gerufen.

Released: 14.08.2015 via Holo Rec

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‘Deutschrap-Comeback’!

Review: Nico Suave – Unvergesslich (2015)!

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as found on: nicosuave.de

Massive Töne, Creutzfeldt Jakob, Fünf Sterne, Eimsbush, Stieber Twins, Freundeskreis, Sleepwalker, Das Bo, Die Beginner, Sam, Töpfe und Eins Zwo: Alleine im Titeltrack hagelt es allerfeinstes Namedropping, welches passend zur A-N-N-A zitierenden Hook an die Goldenen Zeiten des deutschen Rap erinnert. Der Protagonist Nico Suave hat sie schließlich miterlebt. Debattiert man aber über die großen Namen jener Zeit, wird er gerne mal vergessen.

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Seit 2015 arbeitet er nun daran, genau dass zu ändern. Nicht mehr Vergesslich sondern Unvergesslich möchte er sein. Das Resultat ist ein Album, das entgegen seinem drögen Vorgänger tatsächlich Mit Liebe Gemacht ist. Das ist unüberhörbar. Seitens der Instrumentalisierung ist das mit Live-Musikern produzierte Werk nämlich auf äußerst hohem Niveau. Sehr lebendig und mit viel Liebe zum Detail wird zwischen Vintage, 60s, Soul, Indie und ja, auch ein bisschen Hip Hop hin- und hergependelt.

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as found on: nicosuave.de

Auch auf textlicher Ebene wollen, zu lässig unaufgeregtem Rap- Flow, unterschiedlichste Facetten ausgelotet werden. Statt zu spitten und representen möchte Suave den Hörer dabei emotional abholen und ist daher sehr auf Inhalte bedacht. Macht als Vater und Familienmensch  schließlich Sinn. Vom Stolpern und Scheitern wird da erzählt. Oder über  den eigenen Ziehsohn Avi.

So weit, so gut, so akzeptabel bis spannend. Wären da doch nur nicht die Refrains. Suave nämlich steht auf große, gesungene Hooks. Da ihm nach eigener Aussage aber das Talent dazu fehlt, werden diese kurzerhand von diversen Featuregästen beigesteuert. Das funktioniert mal besser, wie mit Matteo Capreoli im Opener Hochhinaus und mal schlechter, wie mit Nosliw. So Sieht’s Aus.

Die absolute Pathos-Klatsche bekommt der Zuhörer dann aber ausgerechnet mit der Nervensäge Xavier Naidoo verpasst. Und das gleich doppelt. Der Typ scheint leider Gebor’n dafür zu sein, zumindest mir allerhand deutsche Hip-Hop Tracks durch sein Zutun zu vermiesen. Geht die erste der beiden Nummern mit zugedrücktem Auge noch einigermaßen klar, muss ich bei der zweiten aber dann doch entschieden ‘Nein Danke‘ sagen. Immerhin: Gentleman und Patrice bleiben einem als weitere obligatorisch-nervtötende Gäste erspart und mit Samy Deluxe gibt es auf Walking sogar ein gelungenes zu verbuchen. Traut Suave sich wie auf der Trennungs-Schnulze Die Art dann doch mal, selbst eine Hook zu übernehmen, ist das Feature-Desaster umso bedauerlicher. Kommt nämlich definitv besser:

Wer den Oldschool-Backpack-Suave von Sternzeichen Krebs, Mutter Natur oder dem Debüt erwartet, wird auf Unvergesslich nicht bedient. Die Zielgruppe hat sich geändert und ich z.B. bin nicht mehr wirklich Teil davon. Ein Ohr kann man sicher trotzdem mal riskieren, denn schlecht gemacht ist die Platte wirklich nicht. Wie gesagt: Da steckt Mühe drin und das merkt man auch.

So bleibt Unvergesslich zwar nicht Unverständlich aber eben auch nicht Unverzichtbar. Vor allem aber Geschmacksache.

Anspieltipps: Unvergesslich, Die Art, Walking

Unvergesslich im Stream:

Unvergesslich kann man für relativ stramme 19 Euro als Silberling erwerben.

Released: 20.02.2015 via Embassy of Music

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‘Deutschrap-Comeback’!

Reneview: MC Rene und Carl Crinx – Renessance (2015)!

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“Was war los mit dem Reen, wo ist er bloss gewesen?” Diese Frage, entlehnt aus dem 2000er Song Zieh Dir Das Rein, hätte man sich  in der Karriere von MC Rene, die so manche Hochs und Tiefs gesehen hat, häufiger stellen können. Jüngst erst wieder vor dem Release seiner 2015er Platte Renessance.

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Die Antwort darauf fand sich schon im unterhaltsamen und dem Album vorausgegangen Buch Alles auf eine Karte: Wir sehen uns im Zug. Das unvermeidbare Karriereaus als Rapper, das durch fürchterlich orientierungslose Veröffentlichungen wie Scheiß Auf Euren Hip Hop (2002) oder Der Letzte Marokkaner (2005) geradezu vorprogrammiert war, zwingt das einstige Freestyle-Wunderkind zurück ins bürgerliche Normalo-Leben. Dass einer wie René El Khazraje, der seine Umtriebkeit als Reisender schon auf seiner, heute etwas angestaubten dennoch prägenden, ersten LP Renevolution (1995) thematisierte, es nicht lange als Angestellter eines Call Centers unter dem Pseudonymn Stefan Eckert aushält, verwundert wenig. Der öde Job ist folglich schnell gekündigt, die Wohnung kurzerhand aufgelöst und MC Rene fortan als Nomade quer durchs Land unterwegs um während seines Freiwilligen Assozialen Jahrs” an einer neuen Karriere als Comedian zu schrauben. Die Bahncard 100 dient ihm hierbei als Wohnungsschlüssel, denn gepennt wird überwiegend im Zug.

Ein kleiner Achtungserfolg bei Night-Wash war wohl drin. Ansonsten sollte die neugeglaubte Berufung keine allzu großen Wellen schlagen. Vielmehr ist es die im Buch geschilderte Geschichte, über den Mut zum Scheitern, die den einstigen Moderator von Mixery Raw Deluxe zurück in die Öffentlichkeit bringt. Plötzlich sieht man ihn wieder bei Stefan Raab oder vor Publikum auf ausgedehnter Lesetour.

Währenddessen wird mit Mein Leben Ist Ein Freestyle, erstmals nach knapp zehnjähriger Schaffenspause, ein neuer Song gedropt. An seiner Seite: Der Video- und Beat-Schrauber Carl Crinx, der seither auch die musikalische Instanz in Reens Welt geblieben ist. Dass man früher oder später neues Ohrfutter von Reen serviert bekommen würde, war abzusehen. Wenn das Rampenlicht schonmal auf einen gerichtet ist, wäre es schließlich auch dumm, diese Chance ungenutzt zu lassen. Mit einem derartigen Gourmethappen aber hätte ich nicht gerechnet!

Was die Beats von Crinx anbelangt, kann man eigentlich nur Freundeskreis zitieren: De La und Tribe sind Hype”. Im Klartext: Smooth, jazzy, groovy, warm, leaned-back, klassisch-solide. Extravagant in der Beatlandschaft wird es nur, wenn DJ Coolmann von Fünf Sterne Deluxe auf Perpetuum Mobile den Ton mit angeben darf. Der Track featured neben dem alten Weggefährten Toni-L von Advanced Chemistry auch den Retrogott. Eine Art Schulterklopfen von Alter wie Neuer Schule:

Und das hat sich Reen redlich verdient. Letzten Endes ist es ihm nämlich tatsächlich gelungen, die runde Platte abzuliefern, die man sich immer von ihm gewünscht hat. (Fair enough: Ein Album Namens Bernd von 2000 find ich auch spitze. Warum auch immer…) Lässt man die Faktoren, dass Renessance nicht sonderlich innovativ ist und auch die ein oder andere Hook etwas schwächelt mal links liegen, bleibt kaum Angriffsfläche. Reif, bodenständig und unaufgesetzt ist die aktuelle Scheibe. Ohne Kaspereien. Und obwohl ganz klar an den 90ern orientiert auch irgendwie zeitlos. Nicht eine Sekunde lang hat man den Eindruck, die Platte wäre vorsätzlich auf Erfolg getrimmt. Und genau das ist das Rezept, dass Renessance zu selbigem macht. Statt dick auftragen lieber Zurück Zum Minimum. Kein Glanz. So Machen Wir’s!

Gelungene Features von Lian Krings, Flowin Immo, Spax und Sir Max sowie diverse Anspielungen auf Genre-Klassiker (zum Beispiel Outkast), runden das formidable Überraschungspaket ab. Edel!

“Zieh dir das rein! Zieh dir das rein! Du weißt schon wie ich mein. Soviel Zeit muß sein!”

Anspieltips: Reneminisce, Mein Leben Ist Ein Freestyle, So Machen Wir’s

Renessance im Stream:

Renessance holt man sich für faire 17 Öcken auf Vinyl. Wem es nach weiteren Titeln aus der Album-Schaffensphase gelüstet checkt außerdem die Perpetuum Mobile EP sowie den Track Prinz Von Nike Air. Wer sein Knowledge über die bisherige Karriere des Rappers auf Vordermann bringen möchte testet Die Enthüllung.

Released: 06.03.2015 via Peripherique

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‘Deutschrap-Comeback’!

Review: Ferris MC – Glück Ohne Scherben (2015)!

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Als Aggro Berlin und Konsorten noch in den Kinderschuhen steckten, hörte der unange-fochtene Bad Boy des Deutschrap auf den Namen Ferris MC. Als Mitbegründer von F.A.B. fest in der Szene verankert, war er nach deren Split als Solokünstler eine der zentralen Figuren im Hype um die Hamburger Mongo Clikke. Neben unzählbaren Features (u.a. Afrob, Spezializtz, Eins Zwo, Such A Surge, Absolute Beginner, Samy Deluxe…) und geschickt ge- streuten Skandälchen, festigte sich sein Assi-Image vor allem durch seine erste EP Asimetrie.

Derart roughes hatte man bis dato in Hip-Hop-Deutschland noch nicht vernommen. Zumindest nicht aus dem Mainstream. War dieser Output von 1999 gleich ein absoluter Volltreffer, kann man selbiges von seinen Nachfolgern nicht sagen. Lässt man die Platten Fertich! (2001), Audiobiography (2003) und seine letzte, selbstbetitelte von 2004 nämlich noch einmal Revue passieren, entsteht ein mehr oder weniger zerfahrener Eindruck. Gelungene Hits wie Flash For Ferris MC oder Zur Erinnerung stehen im starken Kontrast zu poppig-schäbigen Drogenhymnen oder unsäglichen Pseudo-Crossover-Nummern. Unweigerlich zeichnen genannte Alben also das Bild eines Künstlers, der seinen Schaffensdrang nicht so recht in Szene zu setzen weiß. Das sollte sich 2006 ändern, als Sascha Reimann beschloss sein Alter-Ego Ferris MC zugunsten von Elektronik und Schauspiel an den Nagel zu hängen. Gerade letzteres Metier sollte ihm gut stehen. Seine Leistung in den Filmen Für Den Unbekannten Hund und 12 Meter Ohne Kopf überzeugte. Absolut.

Retrospektiv erscheint der nächste Schritt, der darauf folgen sollte, eigentlich schon fast als unumschiffbare Konsequenz. Denn wo wäre man mit einem gesunden Faible für Elektronik, Theatralik und überspitzter Selbstdarstellung besser aufgehoben als bei den Buds von Deichkind? Die bieten seinerzeit nicht nur genügend Spielraum um sich auszutoben, sondern befinden sich dank dem Überraschungshit Remmidemmi Anfang 2008 gerade noch im zweiten Frühling und haben darüber hinaus, nach dem Abgang von Malte Pittner und Buddy Inflagranti, vor allen Dingen dringenden Auffüll-Bedarf was das Lineup betrifft. In Zusammenarbeit gelingt der neuerstärkten Konstellation das vortreffliche Arbeit Nervt (2008), der okaye Befehl Von Ganz Unten (2015) sowie das dürftige Niveau Weshalb Warum (2015).

Feiert man derartig große Erfolge wie es Reimann mit Deichkind nunmehr seit Jahren tut, ist der Ego-Push gewissermaßen vorprogrammiert. Bonzenbrother und Reimemonster zu sein, ist plötzlich wieder lukrativ und spätestens nach dem Live-Comeback mit Stamm-DJ Stylewarz auf dem Splash 2013 ist klar: Ein neues Ferris MC – Album soll her.

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Soweit die Theorie. Und was kann Glück Ohne Scherben, der Rücktritt vom Rücktritt nun? Nicht viel… Zwar kreischen die Kettensägen auf All Die Schönen Dingen auch heute noch, sind dabei aber bisweilen geschmeidig zart auf den Luftbahn-Schienen unterwegs. Will heißen: Viel Billo- Pop, wenig Hip-Hop.

Ist das an sich ja noch einigermaßen nachvollziehbar, stößt es bei mir auf blankes  Unverständnis, dass der gefürchtete Pseudo-Crossover eine gleich dreifache Renaissance erfährt.  Mal ist es der Eminem-Wannaba-Promi-Diss Roter Teppich, mal die bemühte Otto-Waalkes-Flachwitz-Aufbereitung Monstertruck oder aber, in besonders lächerlicher Art und Weise, die Erhobene-Zeigefinger-Pose gen Rap-Nachwuchs (Kill Kill Kill), die einen Bauklötze staunen lassen. Im Feature bei letzterem übrigens Eko Fresh, der das Teil aber auch nicht mehr zu retten vermag. Gerade die Beiden können das bekanntlicherweise besser…

Apropos besser: Die Katzen/Kater – Thematik gab es mit Doppelkopf 1999 auch schon in gut. Mein Raumschiff legt derweil ne satte Bruchlandung hin und die Las Vegas-Zocker-Hymne Spieler bleibt so Plastik wie die Stadt selbst. Wenn Ferris dann gegen Ende der Platte Die Zahnfee mimt, fällt einem schließlich endgültig das sprichwörtliche Ei aus der Hose. Schrecklich:

Sollte es jemanden geben, der dieses Ungetüm von einem Comeback tatsächlich gewollt haben sollte, dem sei die Hook von Wenn Du Hast ans Herz gelegt: “Immer wenn du hast was du wolltest, ist es nicht mehr das was du wolltest.” ‘Okay’ sind lediglich Opener und Titeltrack. Doch selbst die sind verzichtbar.

Fazit : “Diese Geschichte hat [k]ein Happy End. Was bleibt sind Scherben ohne Glück. Fast wie früher eigentlich. Schade, denn sympathisch ist der Charakterkopf (no pun intended) an sich ja eigentlich immernoch…

Anspieltips: Fensterlose Zeit, Glück Ohne Scherben

Glück Ohne Scherben im Stream:

Glück Ohne Scherben kann man hier in verschiedensten Ausführungen erstehen. Zeitgemäß wird für besonders Hartgesottene natürlich auch ein Boxset mit (*hust*) Bandana angeboten.

Released: 29.05.2015 via Warner Music

Caution: Die Besprechung dieser Platte ist Teil der coolen Superwoche zum Thema ‘Deutschrap-Comeback’!